Weltrekordhalter Kelvin Kiptum tödlich verunglückt

Er war das neue Marathon-Wunderkind, der Marathon-Weltrekordhalter und der Aspirant für den ersten sub-2-Marathon der Geschichte auf einem rekordtauglichen Kurs, Kelvin Kiptum. Der designierte Superstar der Szene ist am gestrigen Sonntagabend bei einem Verkehrsunfall in seiner Heimat Kenia tödlich verunglückt. Mit ihm verstarb sein Trainer Gervais Hakizimana, der ihn seit den Jugendjahren betreut hat.

Der historische Moment beim Chicago Marathon 2023. © Bank of America Chicago Marathon / Kevin Morris

„Mir fehlen die Worte. Kenia hat ein besonderes Juwel verloren“, schrieb der kenianische Sportminister Ababu Namwamba auf der Plattform X. Die Nachricht vom Tod des vielleicht künftigen Superstars des kenianischen Sports verbreitete sich am gestern Abend nicht nur aufgrund der sozialen Medien rasend schnell in die globalen Sportredaktionen. Gegen 23 Uhr kenianischer Zeit sei der Marathon-Weltrekordhalter bei einem Autounfall auf der Straße zwischen Eldoret und Kaptagat tödlich verunglückt. Sebastian Coe, Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes (World Athletics), äußerte sich auf X „geschockt und tief traurig“: „Ein unglaublicher Athlet hinterlässt ein unglaubliches Vermächtnis, wir werden ihn sehr vermissen.“ In einem offiziellen Statement richtete der Brite sein Beileid an Kiptums Familie, dessen Freunde und Sportkollegen sowie an die gesamte kenianische Nation.

Verhängnisvoller Unfall

Laut diversen Medienberichten, die sich auf die ersten polizeilichen Ermittlungen berufen, die in der kenianischen Tageszeitung „Daily Nation“ zitiert wurden, war der Sportler selbst am Steuer des verunglückten Fahrzeugs. Spätabends habe Kiptum die Kontrolle über das Auto verloren, sei von der Straße abgekommen und mit einem Baum kollidiert. Für den schnellsten Marathonläufer der Geschichte und seinen Trainer Gervais Hakizimana kam jede Hilfe zu spät. Der dritte Fahrgast, eine Frau, wurde schwer verletzt in ein Krankenhaus eingeliefert. Veröffentlichte Fotos zeigen ein völlig zerstörtes Fahrzeug. Kelvin Kiptum wurde nur 24 Jahre alt und hinterlässt seine Ehefrau sowie seine beiden Kinder.

Die kurze Karriere eines Jahrhundert-Talents

Kiptum wurde am 2. Dezember 1999 in Chepsamo, einem Dorf in der Nähe von Eldoret, im in der Laufszene berühmten Rift Valley im Westen Kenias geboren. Laut Informationen von World Athletics begann er im Alter von 13 Jahren mit dem Laufsport. 2019 tauchte er erstmals bei einem europäischen Rennen auf und blieb beim Halbmarathon in Lissabon gleich unter einer Stunde. Seinen ersten Sieg in Europa feierte er im Herbst 2019 beim Halbmarathon im französischen Montbéliard. Sein herausragendes Talent blieb trotz des guten Einstiegs noch ein bisschen verdeckt. Beim Valencia Halbmarathon 2020 steigerte er sich auf eine Zeit von 58:42 Minuten und wurde in einem historisch schnellen Rennen mit der Verbesserung des damaligen Weltrekords von Kibiwott Kandie Sechster. Dann unterbrach die Pandemie-Pause die Karrieren aller Läuferinnen und Läufer weltweit, beim Valencia Halbmarathon 2021 wurde Kiptum Achter.

Kelvin Kiptums drei Marathons mit Negativ-Split

Valencia Marathon 2022: 1:01:42 Stunden / 1:00:11 Stunden
London Marathon 2023: 1:01:40 Stunden / 59:45 Minuten
Chicago Marathon 2023: 1:00:48 Stunden / 59:47 Minuten

Weltrekord in Chicago

Ende 2022 startete Kiptum nach einer längeren Wettkampfpause davor eine im historischen Vergleich unvergleichliche Marathon-Karriere. Bei seinem dritten Marathonlauf, Anfang Oktober in Chicago, verbesserte er den Marathon-Weltrekord von Eliud Kipchoge auf eine Zeit von 2:00:35 Stunden, obwohl er weite Teile der zweiten Rennhälfte, die schnellsten Passagen, alleine absolvierte. Wie bereits bei seinen Triumphen beim Valencia Marathon 2022 und beim London Marathon 2023 lief er dabei eine deutlich schnellere zweite Rennhälfte als die erste. Sowohl in London als auch in Chicago benötigte er von der Halbmarathon-Zwischenzeit bis zur Ziellinie weniger als eine Stunde, ein absolutes Alleinstellungsmerkmal in der Geschichte des Sports, wenn man Eliud Kipchoges inszenierten sub-2-Marathon im Oktober 2019 in Wien außer Acht lässt, bei dem die Wettkampfregeln von World Athletics nicht vollständig erfüllt wurden.

Kiptum bereitete sich in den letzten Wochen in seiner Heimat im kenianischen Hochland bereits auf einen historischen Meilenstein vor. Beim Rotterdam Marathon am 14. April plante er, als erster Läufer der Geschichte bei einem Stadtmarathon die Schallmauer von zwei Stunden zu unterbieten und nicht wenige Fachleute in der Szene hätten diesem außergewöhnlichen Läufer diesen historischen Durchbruch zugetraut.

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