Weltrekorde fielen in Liévin knapp nicht

Äthiopiens Laufstars Gudaf Tsegay und Lamecha Girma haben beim World Athletics Indoor Tour Meeting der Stufe Gold im französischen Liévin die Hallen-Weltrekorde im 3.000m- bzw. 2.000m-Lauf knapp verpasst. Im rein europäischen 800m-Finale der Männer führte Elliot Crestan ein starkes Ergebnis an, Azzedine Habz gewann über 1.500m mit einem französischen Hallenrekord.

© Jakob Owens / Unsplash

Gudaf Tsegay, unter dem Hallendach bereits Weltrekordhalterin im 1.500m-Lauf und im Freien im 5.000m-Lauf, schrammte nur haarscharf am Hallen-Weltrekord über 3.000m von Genzebe Dibaba (8:16,60) vorbei. Die Zeit von 8:17,11 Minuten ist die drittschnellste Zeit der Geschichte und die zweitschnellste ihrer Karriere, nachdem sie vor einem Jahr in Birmingham bis auf neun Hundertstelsekunden an den Hallen-Weltrekord herangelaufen war. In der entscheidenden Phase hinderten sie auch Überrundungen, mit schmerzverzerrtem Gesicht fehlte am Ende eine halbe Sekunde auf den anvisierten Weltrekord. Die 27-Jährige legte in Liévin jedoch im Alleingang eine eindrucksvolle Weltjahresbestleistung vor und gewann den Wettkampf mit über zwölf Sekunden Vorsprung auf ihre Landsfrau Hirut Meshesha, die im Kampf um Platz zwei 3.000m-Hindernislauf-Weltrekordläuferin Beatrice Chepkoech hinter sich ließ. „Mein Fokus liegt in diesem Jahr ganz auf den Olympischen Spielen, daher weiß ich gar nicht, ob ich zur Hallen-WM fahre. Aber hier in Liévin wollte ich unbedingt laufen, denn ich habe großartige Erinnerungen an diese Halle“, sagte die Äthiopierin nach dem Rennen.

Lamecha Girma begleitete die Orientierungslichter auf der Innenbahn im 2.000m-Lauf bis hinein in die letzte Runde und sorgte damit ebenfalls für ein spannendes Duell mit der virtuellen Weltrekordlinie. In einer Zeit von 4:51,23 Minuten fehlten am Ende 1,24 Sekunden auf den Hallen-Weltrekord von Kenenisa Bekele aus dem Jahr 2007. Wie seine Landsfrau musste Girma naturgemäß alleine von vorne laufen. „Mit einem schnellen Tempomacher hätte ich den Weltrekord geknackt“, war sich der Äthiopier nach dem Rennen sicher. Vor einem Jahr hat der 23-Jährige auf dieser Bahn den Hallen-Weltrekord im 3.000m-Lauf verbessert.

Hailu hält Welteji neuerlich in Schach

Einen hochklassigen Wettkampf gab es dagegen im 1.500m-Lauf der Frauen, wo sich eine Kopie des Rennens des letzten Indoor-Tour-Gold-Meetings in Torun entwickelte (siehe RunAustria-Bericht). Wieder attackierte Diribe Welteji mit Ertönen der Glocke und wieder konnte Freweyni Hailu auf der Gegengerade kontern und den Wettkampf in einer Zeit von 3:57,24 Minuten mit 0,24 Sekunden Vorsprung gewinnen. Birke Haylom, die in der vorletzten Runde noch geführt hatte, wurde Dritte. Sie brauchte exakt vier Minuten für die „metrische Meile“. Die fünftplatzierte Sarah Healy steigerte den irischen Hallenrekord auf eine Zeit von 4:03,83 Minuten, genau diesen hatte sie auch anvisiert.

Den vierten äthiopischen Sieg bei sieben Laufentscheidungen gab es im 3.000m-Lauf der Männer, der von einer vierköpfigen äthiopischen Spitzengruppe diktiert wurde. Selemon Barega, der zuletzt 2018 in Liévin gewonnen hat und dazwischen dreimal als Zweiter ins Ziel gekommen ist, setzte sich in einer Zeit von 7:31,68 Minuten am Ende deutlich gegen den 17-jährigen Biniam Mehary und Getnet Wale durch, während der zweifache Hallen-Weltmeister über die halbe Distanz, Samuel Tefera im Finale bis auf Platz acht zurückfiel. Bester Europäer war Dominic Lobalu aus der Schweiz auf Position vier.

Crestan beeindruckt über 800m

Nach der kurzfristigen Absage des bisherigen Saisondominators Tshepo Masalela aus Botswana, der bereits zuletzt über Müdigkeit geklagt hatte, wurde der 800m-Lauf zur rein europäischen Angelegenheit. Tempomacher Patryk Sieradzki führte die Spitze 600m lang, dann übernahm Eliott Crestan und zog zu einer Weltjahresbestleistung von 1:45,10 Minuten durch. „Ich hab mich noch nie getraut, bei einem internationalen Meeting an die Spitze zu gehen. Es hat sich ausgezahlt“, strahlte der Sieger. Der 23-jährige Belgier, der schon letztes Jahr beim einzigen französischen Meeting in der Indoor Tour Gold gut gelaufen ist, hielt Europameister Mariano Garcia und Lokalmatador Benjamin Robert in Schach. Die zweitschnellste Zeit aller 800m-Läufer erzielte übrigens der überlegene B-Lauf-Sieger Mohamed Ali Gouaned, der in einer Zeit von 1:45,35 Minuten den algerischen Hallenrekord verbesserte.

Im 800m-Lauf der Frauen gewann Jemma Reekie in 2:00,40 Minuten vor der in Frankreich lebenden Noélie Yarigo aus dem Benin und dem Schweizer Youngster Audrey Werro. „Heute ging es nicht darum, eine schnelle Zeit zu laufen, sondern darum, zu gewinnen“, konstatierte die Schottin, die bei der Hallen-WM in drei Wochen ein Heimspiel haben wird. Als zweitbeste Schweizerin kam Lore Hoffmann hinter Ex-Weltmeisterin Halimah Nakaayi auf Position fünf, die dritte Schweizerin im Feld, Valentina Rosamilia erreichte das Ziel nicht. Im 1.500m-Lauf gab es einem Heimsieg für Azzedine Habz, der in einer Zeit von 3:34,39 Minuten den Kenianer Vincent Keter und den Deutschen Robert Farken auf die weiteren Plätze verwies. Zur Freude des zahlreich erschienen Publikums verbesserte der 30-jährige Habz, der sich mit dem französischen Team in Monte Gordo auf die Saison vorbereitet hat, den 15 Jahre alten französischen Hallenrekord von Mehdi Baala um 0,32 Sekunden. Im Vorjahr war Habz, im Vorjahr Bronzemedaillengewinner bei der Hallen-EM, in Liévin noch genau an diesem Ziel gescheitert.

Ergebnisse Meeting Hauts-de-France Palais-de-Calais Trophée EDF 2024

3.000m-Lauf der Frauen

  1. Gudaf Tsegay (ETH) 8:17,11 Minuten *
  2. Hirut Meshesha (ETH) 8:29,71 Minuten
  3. Beatrice Chepkoech (KEN) 8:30,87 Minuten **
  4. Wubrist Aschal (ETH) 8:40,97 Minuten
  5. Winnie Jemutai (KEN) 8:45,17 Minuten
  6. Agueda Marques (ESP) 8:46,24 Minuten **

3.000m-Lauf der Männer

  1. Selemon Barega (ETH) 7:31,38 Minuten
  2. Biniam Mehary (ETH) 7:33,04 Minuten
  3. Getnet Wale (ETH) 7:35,04 Minuten
  4. Dominic Lobalu (SUI) 7:39,32 Minuten **
  5. Sime Mezgebu (ETH) 7:40,81 Minuten
  6. Hugo Gay (FRA) 7:40,95 Minuten **

2.000m-Lauf der Männer

  1. Lamecha Girma (ETH) 4:51,23 Minuten *
  2. Samuel Pihlström (SWE) 5:00,01 Minuten
  3. Charles Grethen (LUX) 5:01,89 Minuten
  4. Nicholas Griggs (IRE) 5:01,98 Minuten
  5. Federico Riva (ITA) 5:02,67 Minuten

1.500m-Lauf der Frauen

  1. Freweyni Hailu (ETH) 3:57,24 Minuten
  2. Diribe Welteji (ETH) 3:57,48 Minuten
  3. Birke Haylom (ETH) 4:00,00 Minuten
  4. Habitam Alemu (ETH) 4:00,97 Minuten ***
  5. Sarah Healy (IRE) 4:03,83 Minuten ****
  6. Netsanet Desta (ETH) 4:04,24 Minuten **

1.500m-Lauf der Männer

  1. Azeddine Habz (FRA) 3:34,39 Minuten *****
  2. Vincent Keter (KEN) 3:34,44 Minuten **
  3. Robert Farken (GER) 3:36,11 Minuten
  4. Adel Mechaal (ESP) 3:37,23 Minuten
  5. Narve Gilje Nordas (NOR) 3:37,45 Minuten **

800m-Lauf der Frauen

  1. Jemma Reekie (GBR) 2:00,40 Minuten
  2. Noélie Yarigo (BEN) 2:01,19 Minuten
  3. Audrey Werro (SUI) 2:01,43 Minuten
  4. Halimah Nakaayi (UGA) 2:01,46 Minuten
  5. Lore Hoffmann (SUI) 2:02,25 Minuten

800m-Lauf der Männer

  1. Eliott Crestan (BEL) 1:45,10 Minuten * / **
  2. Mariano Garcia (ESP) 1:45,50 Minuten
  3. Benjamin Robert (FRA) 1:45,70 Minuten **
  4. Adrian Ben (ESP) 1:46,06 Minuten **
  5. Yanis Meziane (FRA) 1:46,08 Minuten **

B-Lauf

  1. Mohamed Ali Gouaned (ALG) 1:45,35 Minuten ******
  2. Alex Ngeno (KEN) 1:47,21 Minuten **
  3. Daniel Rowden (GBR) 1:47.38 Minuten
  4. Collins Kipruto (KEN) 1:48.15 Minuten
  5. Simone Barontini (ITA) 1:48,84 Minuten

* neue Weltjahresbestleistung
** neue persönliche Bestleistung auf der Kurzbahn
*** neue persönliche Bestleistung
**** neuer irischer Hallenrekord
***** neuer französischer Hallenrekord
****** neuer algerischer Hallenrekord

Meeting Hauts-de-France Palais-de-Calais Trophée EDF

World Athletics Indoor Tour

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