Julia Mayer verbessert ÖLV-Halbmarathonrekord

Julia Mayer hat beim gestrigen Halbmarathon in Barcelona ihren eigenen ÖLV-Rekord in dieser Disziplin trotz schwieriger Bedingungen und mitten aus dem intensiven Training heraus um vier Sekunden verbessert und sich in den Top-Ten des traditionell gut besetzten Rennens klassiert. Für Andreas Vojta lief der Wettkampfauftakt ins Jahr 2024 dagegen nicht nach Wunsch.

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1:11:09 Stunden ist die neue nationale Bestmarke im Halbmarathon der Frauen. Es ist kein statistischer Wert, der Julia Mayer (DSG Wien) zu Jubelsprüngen veranlasste. Dennoch ist eine Verbesserung eines nationalen Rekordes ein Ausrufezeichen, wenn sie in einem Wettkampf, der nicht spezifisch darauf vorbereitet wurde, gelingt. „Vom Wettkampf nehme ich trotz des Rekordes nicht so viel mit. Von der Trainingswoche hier in Barcelona dagegen sehr viel. Ich habe sehr viele wertvolle Einheiten absolviert“, erzählte die 31-Jährige. Über 200 Kilometer seien letztendlich zusammengekommen, die schönsten waren nach etlichen Bahn-Einheiten die gestrigen 21,0975 Kilometer auf den Straßen der katalanischen Hauptstadt im Wettkampf-Gewand. „Ich bin konservativ angelaufen, dann war ich auf der zweiten Hälfte überraschend früh alleine. Es war ein hartes Rennen und es taugt mir, dass ich dennoch einen negativen Split geschafft habe.“ Was sie aber Richtung kommender Ziele im Marathon besonders freut: „Ich habe eine stabile Grundlage!“ Gelegt wurde die bereits während des vierwöchigen Trainingslagers in Südafrika zu Jahresbeginn.

Julia Mayers 5km-Teilzeiten: 17:02 / 16:50 / 16:47 / 16:50 / 3:40 (1,0975) Minuten

Ohne Frische zum Rekord

Freilich orientiert sich Mayer nach den Leistungssprüngen im Jahr 2023, die sie zum Olympia-Limit beim Valencia Marathon geführt haben, nicht mehr an den Vergleichsleistungen aus dem Frühjahr 2022, woher ihr ehemaliger Halbmarathonrekord stammt. Daher ist eine Einordnung der Leistung von gestern, zudem bei wegen starken Windböen nicht einfachen Bedingungen, wichtig. „Die Wettkampfform war nicht da, weil uns das Trainingslager hier sehr wichtig war. Ich bin den Wettkampf aus einer intensiven Trainingswoche heraus gelaufen. Nicht nur in den Beinen, auch im Kopf war die notwendige Frische für einen schnellen Wettkampf daher nicht da“, erklärte die Niederösterreicherin. Die Trainingswoche in Spanien war Mayer auch deswegen so wichtig, weil ihr Trainer Vincent Vermeulen hautnah dabei war. Dessen Nervositätsbarometer schwankte am gestrigen Sonntag permanent in die Höhe, schließlich fieberte er nicht nur mit Mayer mit, sondern abends mit seinem Sohn Mika beim Langlauf-Weltcup in Kanada, wie die Läuferin schilderte. Die beiden verlassen Barcelona mit einem guten Gefühl. „Ohne Wind wäre ich in einem Zeitbereich gelandet, den ich mir für dieses Rennen vorgestellt hätte“, fasste Mayer, die als Zehnte das Ziel erreichte, zusammen.

Die schnellsten Halbmarathons der ÖLV-Geschichte

  • 1:11:09 Stunden – Julia Mayer (Barcelona 2024)
  • 1:11:13 Stunden – Julia Mayer (Malaga 2024)
  • 1:11:31 Stunden – Julia Mayer (Gent 2023)
  • 1:11:34 Stunden – Andrea Mayr (Linz 2015)
  • 1:11:49 Stunden – Andrea Mayr (Berlin 2012)

Jepkosgei knackt Streckenrekord

Nicht zum ersten Mal in der letzten Zeit, in der sich die Weltklasse bei den Frauen besonders in Rennen mit männlichen Tempomachern rasant entwickelt, gelang es der Frauenspitze, suboptimale Bedingungen praktisch zu negieren. Nach einer rasanten ersten Hälfte, die Zwischenzeit bei Kilometer zehn war nach 30:20 Minuten erreicht, waren die Chancen hoch, den Streckenrekord von Vorjahressiegerin Irine Kimais von 1:04:37 Stunden zu unterbieten. Und das gelang Joyciline Jepkosgei, die sich in einer Zeit von 1:04:29 Stunden vor Senbere Teferi (1:04:40) durchsetzte. Die Äthiopierin hatte bereits vor der Zwischenzeit bei Kilometer 20 das Duell mit der Kenianerin verloren. Jepkosgei, ehemalige Weltrekordhalterin in dieser Disziplin, sprang mit einer Steigerung von 17 Sekunden im Vergleich zum Vorjahr auf Platz sechs der internationalen Bestenliste im Halbmarathon. Für die 30-Jährige war es der erste Halbmarathonsieg seit fast drei Jahren. Teferi, die auch schon zum vierten Mal unter 1:06 Stunden geblieben ist, tröstete sich ebenfalls mit einer persönlichen Bestleistung und ist nun die zehntschnellste Halbmarathonläuferin der Geschichte. Das Barcelona-Stockerl die Vorjahres-Vierte Gladys Chepkurui in einer Zeit von 1:06:34 Stunden.

Joyciline Jepkosgeis 5km-Splits: 15:21 / 14:59 / 15:15 / 15:28 / 3:26 (1,0975 km) Minuten

Top-Leistungen der Top-Europäerinnen

Hinter der afrikanische Elite konnten einige europäische Läuferinnen aufzeigen. Jessica Warner-Judd verbesserte ihre vier Wochen alte Bestzeit aus Houston um ein paar Sekunden auf eine Zeit von 1:07:07 Stunden und zog in der ewigen britischen Bestenliste an Samantha Harrison vorbei auf Platz drei. Ihre Landsfrau Abbey Donnelly, Bronzemedaillengewinnerin bei den Crosslauf-Europameisterschaften, blieb in 1:09:10 Stunden erstmals unter 1:10 Stunden. Dasselbe gelang der Holländerin Diane van Es in 1:09:31 Stunden, während Camilla Richardsson ihre persönliche Bestleistung um 13 Sekunden verbesserte und in einer Zeit von 1:09:55 Stunden den finnischen Rekord von Annemari Sandell unterbot.

Aufgrund der Voraussetzungen wäre es gestern zu viel des Guten gewesen, mit Camilla Richardsson oder Diane van Es mitzugehen, stellte Österreichs Rekordhalterin klar. Aber grundsätzlich sieht sie das Leistungsniveau des Duos durchaus in Reichweite für sich. Der Beweis soll bereits im Laufe des Frühlings auf der doppelten Distanz erfolgen, die Vorbereitungen darauf sind längst am Laufen.

Vojta kam nicht ins Laufen

Im Gegensatz zu Julia Mayer gelang Andreas Vojta (team2012.at) der Wettkampf nicht nach Wunsch, weswegen der 34-Jährige auch seine Unzufriedenheit ausdrückte. Er erreichte das Ziel in einer Zeit von 1:03:47 Stunden und wollte auch die Windböen nicht als alleinige Erklärung gelten lassen. „Ich bin nicht gelaufen wie ich gehofft hätte. Es hat sich auch schneller angefühlt als es in Wirklichkeit war“, so der Niederösterreicher. Mit Augenzwinkern meinte Vojta dennoch: „Seit Monaten und Jahren staune ich, welch Top-Bedingungen bei spanischen Läufen in Sevilla und Valencia immer herrschen und wie schnell dort gelaufen wird. Jetzt lauf ich endlich mal in Spanien und dann weht es die Äste von den Bäumen, als ich das Hotel verlasse.“

Andreas Vojtas 5km-Splits: 14:57 / 15:00 / 15:09 / 15:23 / 3:18 (1,0975 km) Minuten

Grundsätzlich fit

Vojta hatte sich vor dem Rennen kaum Druck auferlegt, weil für ihn Fragezeichen in der Luft standen, wie gut er nach der direkten Anreise aus der Höhe in Kenia in Barcelona ins Laufen kommen würde. Schon früh merkte er im Rennen, dass der schnelle Schritt nicht geschmeidig von der Hand ging. Und so löste sich die Hoffnung auf ein schnelles Rennen Richtung EM-Limit von 1:01:40 Stunden schnell in Luft auf. Dennoch will Vojta das Rennen nun als wichtigen Trainingslauf für die kommende, finale Trainingsphase hin zum Linz Marathon in acht Wochen mitnehmen. Denn grundsätzlich blickt er auf ein gutes Trainingslager in der afrikanischen Höhenlage zurück: „Das zeigt sich auch dadurch, dass ich vom Herz-Kreislauf-System her nicht am Limit war.“ Er konnte nur nicht schneller laufen und erinnerte daran, dass durch die Belastungen der Höhenlage das Lauftempo auf den zudem hügeligen Strecken in und rund um Iten naturgemäß langsamer sei als das Wettkampftempo bei einem Rennen auf Meereshöhe. Diesem Tempo gilt es nun, sich im Training anzunähern und die Früchte der Arbeit im Trainingslager beim nächsten Wettkampf zu ernten.

Stadlmann deutlich unter 1:05 Stunden

Drei weitere Österreicher platzierten sich in Barcelona in den Top-50. Jung-Vater Dominik Stadlmann (KUS ÖBV Pro Team) blieb in einer Zeit von 1:04:20 Stunden nicht einmal eine Minute über seiner persönlichen Bestleistung. Mario Bauernfeind (KUS ÖBV Pro Team) blieb im Bereich seiner Erwartungen, nachdem er zuletzt aufgrund von Erkrankungen längere Zeit nicht nach Plan trainieren konnte, und erreichte eine Zeit von 1:05:43 Stunden. Kurze Zeit später erreichte auch Markus Hartinger (LTV Köflach) das Ziel.

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Schwedische Sensation

An der Spitze des Rennens sorgte Andreas Almgren aus Schweden für eine Sensation und hätte diese Sensation mit einem irren letzten Kilometer beinahe noch vergoldet. Gerade so schaffte es der kenianische Topfavorit Kibiwott Kandie, der zweitschnellste Halbmarathonläufer der Geschichte, in einer Zeit von 59:22 Minuten vor dem Skandinavier über die Ziellinie. Damit blieb der Kenianer über 100 Sekunden über seiner Siegerzeit vor vier Monaten beim Valencia Halbmarathon. Almgren hingegen war überhaupt zum ersten Mal bei einem Halbmarathon am Start und kam mit dem Rückenwind seines Landesrekords beim Valencia 10K vor vier Wochen nach Barcelona, als er in 27:20 Minuten in die Nähe des Europarekords gelaufen ist. Den Europarekord von Julien Wanders im Halbmarathon verpasste der 28-Jährige bei seiner Premiere lediglich um zehn Sekunden. Platz zwei im Feld vor etlichen durchaus prominenten afrikanischen Läufern wie etwa der drittplatzierte Kenianer Roncer Kipkorir oder dessen Landsleute Mathew Kimeli und Peter Mwaniki (10km-Bestzeit unter 27 Minuten) ist ein deutliches Qualitätszeichen.

Kibiwott Kandies 5km-Splits: 14:25 / 13:49 / 13:56 / 14:04 / 3:08 (1,0975 km) Minuten

Andreas Vojta schätzte die Leistung des ehemaligen Mittel- und später Langstreckenläufers auf der Bahn, 2022 war er EM-Vierter im 5.000m-Lauf, hoch ein. „In Relation zu guten Bedingungen ist diese Leistung vom Wert her nicht nur als Europarekord einzuschätzen, sondern als 58er Zeit“, meinte der Österreicher. Auch wenn er diese Worte ungern in den Mund nahm, betonte Vojta, dass Almgren ein in Europa geborener Läufer ist. Ein weiteres Zeichen dafür, dass Europäer immer besser auch mit Weltklasseleistungen mithalten können, wertet er die allgemeine Entwicklung in der Leichtathletik – nicht nur im Straßenlauf. „Die Anzahl an Höchstleistungen ist schon sehr spannend. Im Marathon beispielsweise ist eine Leistung unter 2:10 Stunden in Europa mittlerweile nicht mehr interessant. Auch im Halbmarathon verschiebt sich alles deutlich und die Dichte ist enorm.“ Als Konsequenz für sich selbst schließt Vojta daraus: „Ich möchte schon auch einmal eine 61er Zeit laufen.“

Rund 28.000 Anmeldungen registrierte der Barcelona Halbmarathon in diesem Jahr und schaffte damit bei der 34. Auflage einen eindrucksvollen Veranstaltungsrekord.

Ergebnisse Mitja Marató Barcelona by Brooks

Männer

  1. Kibiwott Kandie (KEN) 59:22 Minuten
  2. Andreas Almgren (SWE) 59:23 Minuten * / **
  3. Roncer Kipkorir (KEN) 59:28 Minuten
  4. Dinkalem Ayele (ETH) 59:30 Minuten ***
  5. Hillary Kipkoech (KEN) 59:37 Minuten
  6. Emmanuel Moi (KEN) 59:43 Minuten ***
  7. Mathew Kimeli (KEN) 1:00:14 Stunden
  8. Chimdessa Debele (ETH) 1:00:23 Stunden
  9. Ahmed El Jaddar MAR() 1:00:40 Stunden ***
  10. Peter Mwaniki (KEN) 1:00:53 Stunden ***

    18. Andreas Vojta (AUT) 1:03:47 Stunden
    25. Dominik Stadlmann (AUT) 1:04:20 Stunden
    40. Mario Bauernfeind (AUT) 1:05:43 Stunden
    44. Markus Hartinger (AUT) 1:06:01 Stunden

Frauen

  1. Joyciline Jepkosgei (KEN) 1:04:29 Stunden *** / ****
  2. Senbere Teferi (ETH) 1:04:40 Stunden ***
  3. Gladys Chepkurui (KEN) 1:06:34 Stunden
  4. Jessica Warner-Judd (GBR) 1:07:07 Stunden ***
  5. Abbie Donnelly (GBR) 1:09:10 Stunden ***
  6. Diane van Es (NED) 1:09:31 Stunden ***
  7. Camilla Richardsson (FIN) 1:09:55 Stunden *****
  8. Sofia Segura Dominguez (ESP) 1:10:01 Stunden *
  9. Sara Kristensen (DEN) 1:11:07 Stunden ***
  10. Julia Mayer (AUT) 1:11:09 Stunden ******

* Halbmarathon-Debüt
** neuer schwedischer Halbmarathonrekord
*** neue persönliche Bestleistung
**** neuer Streckenrekord
***** neuer finnischer Halbmarathonrekord
****** neuer österreichischer Halbmarathonrekord

Mitja Marató Barcelona by Brooks

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