Nach Suspendierung: Weltklasseläufer Katir bangt um Olympia

Mohamed Katir im Olympischen Dorf in Tokio 2021. © SIP

Im Windschatten seines großen Kontrahenten Jakob Ingebrigtsen gehört Mohamed Katir seit einigen Jahren zur europäischen und globalen Elite im Mittel- und Langstreckenlauf. Nun steht der zweifache WM-Medaillengewinner und Europarekordhalter im 5.000m-Lauf vor einer Sperre wegen eines Verstoßes gegen den Anti-Doping-Code. Er ist provisorisch suspendiert, weil er innerhalb der letzten zwölf Monate drei unangekündigten Dopingkontrollen verpasst hat, wie die Athletics Integrity Unit (AIU) bekannt gab. Dies wird in englischer Sprache als „whereabout violation“ bezeichnet, weil Spitzensportler gemäß der Regeln der Welt-Anti-Doping-Agentur jeden Tag in einem einstündigen Zeitfenster mit genauesten Aufenthaltsangaben theoretisch für Dopingjäger verfügbar sein müssen. Laut spanischen Medienberichten erreichte Katir die Nachricht der Suspendierung just an jenem Tag, als er in Valencia ein Hallenrennen laufen wollte. Und wenige Stunden, nachdem er seinen Verzicht auf die Hallen-Weltmeisterschaften von Glasgow mit dem Wunsch, sich auf die Freiluftsaison zu konzentrieren, bekannt gab, wie die Plattform InsidetheGames berichtete.

Katir wehrt sich gegen Anschuldigungen

Sollten sich die Vorwürfe in den Ermittlungen erhärten, droht dem gebürtigen Marokkaner ein Strafmaß von bis zu zwei Jahren Wettkampfsperre, womit er die Olympischen Spiele von Paris 2024 verpassen würde. Katir aber hat in einer in spanischen Medien verbreiteten Stellungnahme Einspruch vor dem Internationalen Sportgericht in Lausanne (CAS) angekündigt und behauptet, bei manchen der angeprangerten, unangekündigten Dopingkontrollen sehr wohl zum richtigen Zeitpunkt am angegebenen Ort gewesen zu sein. In einem ähnlichen Fall hatte die nigerianische Sprinterin Tobi Amusan vor der WM 2023 Erfolg mit ihrem Einspruch. Außerdem betonte Katir, dass kein klassischer Dopingfall vorliege und verwies auf etliche negative Dopingproben. Er bat in der Stellungnahme um die Unschuldsvermutung.

Verlässlicher Medaillenkandidat

Mohamed Katir ist ein in Marokko geborener spanischer Staatsbürger, seine Mutter ist Ägypterin. Bereits als Kind kam er als Flüchtling im Süden des Landes an und siedelte sich in Murcia an. Nach langem Hin und Her in der spanischen Bürokratie erhielt er 2019 die Staatsbürgerschaft und ist seither für den spanischen Verband international startberechtigt. In jungen Jahren wies Katir keine herausragenden Leistungen auf, nach der Pandemie-Pause im Jahr 2020 nahm er aber gewaltig Schwung auf und steigerte rapide seine Bestleistungen auf diversen Distanzen in großen Schritten.

Katir ist eine entscheidende Schlüsselfigur, warum der 1.500m-Lauf auf globaler Ebene mittlerweile von den europäischen Läufern dominiert wird. Sowohl bei den Weltmeisterschaften im Eugene 2022 als auch in Budapest 2023 standen nur Europäer am WM-Stockerl. 2022 war Katir als Dritter hinter Jake Wightman und Jakob Ingebrigtsen beteiligt. Ein Jahr später scheiterte der 25-Jährige im Halbfinale überraschend, holte sich aber im 5.000m-Lauf die WM-Silbermedaille hinter dem Norweger. So lautete im Übrigen auch der Zieleinlauf bei den Europameisterschaften von München 2022. Dass eine Goldmedaille bisher fehlt, liegt auch daran, dass der Endspurt als Schwäche des Spaniers gilt.

Weltklasseleistungen ab 2021

Beeindruckend sind auch seine Bestzeiten: Im Sommer 2023 erzielte er in Monaco einen Europarekord im 5.000m-Lauf von 12:45,01 Minuten, womit er keinen geringeren als Jakob Ingebrigtsen ablöste. Eine grandiose Leistung war ihm fünf Monate zuvor in der Halle von Liévin gelungen, als er einen Europarekord im 3.000m-Lauf in der Halle aufstellte (7:24,68). Erst danach ist Ingebrigtsen outdoor zweimal schneller gelaufen. Sein spanischer Rekord im 1.500m-Lauf von 3:28,76 Minuten wird in den europäischen Bestenlisten ebenso nur vom Norweger getoppt. Im 3.000m- bzw. 5.000m-Lauf gelangen dem Spanier drei Siege bei Diamond-League-Meetings.

Die US-amerikanische Laufplattform „Let’s Run.com“ erinnerte an einen spanischen Medienbericht auf der Plattform Relevo, in dem Katir im November noch sagte, der am meisten getestete, spanische Leichtathlet zu sein. Außerdem sprach er sich für eine lebenslange Sperre für Dopingsünder aus, denn nur so würden potenzielle Betrüger ins Überlegen kommen.

Athletics Integrity Unit

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