Wightman bei Comeback besiegt – äthiopische Meetingrekorde

13 Monate nach seinem letzten Wettkampf ist der ehemalige 1.500m-Weltmeister Jake Wightman zurück auf die Wettkampfbühne gekehrt. Beim New Balance Indoor Grand Prix in Boston musste er im 1.500m-Lauf dem Amerikaner Hobbs Kessler den Vortritt lassen. Äthiopiens Stars Gudaf Tsegay und Lamecha Girma glänzten beim Meeting der World Athletics Indoor Tour Gold mit Meetingrekorden, Marco Arop und Jessica Hull stürmten zu Landesrekorden.

© Unsplash / Steven Lelham

Als Hobbs Kessler eingangs der vorletzten Runde mit einer Verschärfung an die Spitze stürmte, konnte Jake Wightman dem jungen US-Amerikaner nicht folgen. Doch der Schotte hat bekanntermaßen einen gefürchteten Kick, mit dem er 2022 in Eugene bei den Weltmeisterschaften sogar Jakob Ingebrigtsen die Goldmedaille entrissen hat. Und so kam der 29-Jährige dem Führenden im Finale sogar näher, aber es blieb beim US-amerikanischen Sieg durch Kessler. Der 20-Jährige blieb in einer Zeit von 3:33,66 Minuten gar unter seiner Outdoor-Bestleistung. Der drittplatzierte Craig Engels hatte schon fast dreieinhalb Sekunden Rückstand auf den Sieger, so potent waren die letzten beiden 200m-Umläufe von Kessler.

St. Pierre besticht bei Comeback und zieht Hull zum Rekordlauf

Das zweite große Comeback des Tages war jenes von Elle St. Pierre im 3.000m-Lauf der Frauen, die ihren ersten Bahn-Wettkampf nach einer Mutterschaftspause bestritt. Bei ihrem Heimrennen übernahm die Hallen-Vize-Weltmeisterin von 2022 zur Mitte eines schnell gepacten Rennens die Initiative und kämpfte bis auf den letzten Metern um den US-Rekord im 3.000m-Lauf von Alicia Monson, den sie in einer Zeit von 8:25,25 Minuten um zwei Zehntelsekunden verpasste. Wie Wightman belegte die 28-Jährige bei ihrem Comeback Platz zwei, denn die Australierin Jessica Hull, im Anfangsdrittel überraschend weit hinten laufend, folgte ihr im richtigen Moment auf Schritt und Tritt, attackierte mehrfach zaghaft und wartete auf die Schlussphase, ehe sie sich vorbei schob und den Wettkampf in 8:24,93 Minuten für sich entschied. Damit blieb die 27-Jährige spektakuläre 15 Sekunden unter ihrem eigenen australischen Hallenrekord, aber auch fast sieben Sekunden unter ihrem eigenen australischen 3.000m-Rekord, gleichbedeutend mit dem Ozeanienrekord über diese Distanz. Diesen hatte indoor noch die Neuseeländerin Kimberley Smith gehalten.

Keine Chance hatte dagegen ein äthiopisches Quartett voller Zukunftsversprechen: Mit einem Rückstand von über sieben Sekunden auf die Siegerin war die dreifache Junioren-WM-Medaillengewinnerin Melknat Wudu die beste der Äthiopierinnen, verbesserte jedoch den Hallen-U20-Weltrekord von Tirunesh Dibaba. Junioren-Weltmeisterin Medina Eisa (5.000m) und Crosslauf-Junioren-Weltmeisterin Senayet Getachew folgten. Die achtplatzierte Marta Garcia verbesserte den spanischen Hallenrekord.

Meetingrekorde für Tsegay und Girma

Das Bremsmanöver war unfein für Gudaf Tsegay im Ziel des 1.500m-Laufs, denn die Mitarbeiterinnen, die das Zielband hielten, ließen es nicht los. Die Äthiopierin, die das Rennen nicht in der Geschwindigkeit angelaufen bekommen hat, wie sie es offiziell gewünscht hätte, kam mit ordentlich Speed über die Ziellinie gelaufen, denn sie musste sich im Zielspurt noch gegen ihre junge Landsfrau und Junioren-Weltmeisterin Birke Haylom behaupten. In einer Zeit von 3:58,11 Minuten gelang das auch, es ist die zehntschnellste 1.500m-Hallenzeit der Geschichte und die sechstbeste in der Karriere der 27-Jährigen. Haylom schob sich mit einer Leistung von 3:58,43 Minuten auf Position fünf der ewigen Weltbestenliste für Rennen auf der 200m-Bahn.

Hinter dem überragenden äthiopischen Duo versuchte Nozomi Tanaka wagemutig das Tempo mitzugehen. Die Japanerin konnte es nicht, brach in den letzten Runden ein und wurde nur Neunte, verbesserte aber dennoch den japanischen Hallenrekord. So ging die Position „Best of the Rest“ an die US-Amerikanerin Emily Mackay.

Im 3.000m-Lauf griff Lamecha Girma seinen eigenen Hallen-Weltrekord, den er letztes Jahr in Liévin in einer Zeit von 7:23,81 Minuten aufgestellt hat, und damit praktisch auch den äthiopischen Freiluftrekord von Yomif Kejelcha, der nur um 0,17 Sekunden besser ist, an. Der Hindernislauf-Spezialist, der schon oft in der Halle brilliert hat, legte ein hohes Tempo vor, konnte dies aber nicht über die kompletten 15 Runden durchhalten. So musste er sich am Ende mit einem Meetingrekord von 7:29,09 Minuten zufrieden geben, immerhin noch die 15. schnellste Hallenzeit der Geschichte.

Über neun Sekunden legte er zwischen sich und dem zweitplatzierten Kenianer Edwin Kurgat. Hinter den beiden Afrikanern verbesserten die Iren Brian Fay und Andrew Coscoran sowie die Kanadier Ben Flanagan und Charles Philibert-Thiboutot allesamt ihre persönlichen Bestleistungen, Siebter wurde der Deutsche Maximilian Thorwirth, der fünf Sekunden hinter seinem überragenden Resultat vergangenes Jahr in New York blieb.

Arop gibt Vollgas

Für eine Glanzleistung sorgte der bereits im Vorfeld mit einer Topform auffällige 800m-Weltmeister Marco Arop. Mit vollem Risiko ging er in den 1.000m-Wettkampf und stürmte zu einer Endzeit von 2:14,74 Minuten, womit er den bisherigen Hallen-Nordamerikarekord von Shane Streich um eineinhalb Sekunden verbesserte. Der Kanadier ging ans Limit, so dass er in der letzten Kurve fast ins Straucheln kam. So verpasste er seinen eigenen kanadischen Outdoor-Rekord um knapp vier Zehntelsekunden. Der beste US-amerikanische 800m-Läufer der Gegenwart, Bryce Hoppel, versuchte halbwegs zu folgen und wurde in 2:16,91 Minuten Zweiter. 800m-Europameister Mariano Garcia, der in dieser Saison schon einen spanischen Hallenrekord in dieser Disziplin aufgestellt hat, musste sich mit Platz fünf zufrieden geben.

Im 800m-Lauf der Frauen, der vor Start des internationalen TV-Fensters über die Bühne ging, setzte sich überraschend Samantha Watson in einer persönlichen Hallen-Bestleistung von 2:01,20 Minuten durch. Die 23-Jährige schlug vor vielen Jahren als Jugend-Weltmeisterin 2015 und als Junioren-Weltmeisterin 2016 vielversprechende Schlagzeilen, schaffte den Durchbruch in der Allgemeinen Klasse allerdings nie. Dieser Erfolg ist einer der wichtigsten ihrer bisherigen Karriere. Die britische U23-Europameisterin Isabelle Boffey belegte vor der Wettkampf-Favoritin Allie Wilson aus den USA den dritten Platz.

Ergebnisse New Balance Indoor Grand Prix 2024

800m-Lauf der Frauen

  1. Samantha Watson (USA) 2:01,20 Minuten *
  2. Isabelle Boffey (GBR) 2:01,53 Minuten
  3. Allie Wilson (USA) 2:01,84 Minuten
  4. Carley Thomas (AUS) 2:01,96 Minuten *
  5. Lorena Martin (ESP) 2:02,03 Minuten
  6. Olivia Baker (USA) 2:02,71 Minuten

1.000m-Lauf der Männer

  1. Marco Arop (CAN) 2:14,74 Minuten ** / ***
  2. Bryce Hoppel (USA) 2:16,91 Minuten
  3. Sam Ellis (USA) 2:17,10 Minuten *
  4. Josh Hoey (USA) 2:17,23 Minuten
  5. Mariano Garcia (ESP) 2:17,97 Minuten

1.500m-Lauf der Männer

  1. Hobbs Kessler (USA) 3:33,66 Minuten ** / ****
  2. Jake Wightman (GBR) 3:34,06 Minuten *
  3. Craig Engels (USA) 3:37,04 Minuten
  4. Sam Prakel (USA) 3:37,24 Minuten
  5. Vince Ciattei (USA) 3:37,83 Minuten *
  6. Ignacio Fontes (ESP) 3:37,59 Minuten

1.500m-Lauf der Frauen

  1. Gudaf Tsegay (ETH) 3:58,11 Minuten ** / *****
  2. Birke Haylom (ETH) 3:58,43 Minuten *
  3. Emily Mackay (USA) 4:05,04 Minuten *
  4. Addy Wiley (USA) 4:07,32 Minuten *
  5. Esther Guerrero (ESP) 4:07,67 Minuten
  6. Dani Jones (USA) 4:07,83 Minuten
  7. Lucia Stafford (CAN) 4:08,36 Minuten
  8. Marta Perez (ESP) 4:08,40 Minuten
  9. Nozomi Tanaka (JPN) 4:08,46 Minuten ******

3.000m-Lauf der Männer

  1. Lamecha Girma (ETH) 7:29,09 Minuten ** / *
  2. Edwin Kurgat (KEN) 7:39,38 Minuten ****
  3. Brian Fay (IRE) 7:40,09 Minuten *
  4. Ben Flanagan (CAN) 7:40,19 Minuten ****
  5. Andrew Coscoran (IRE) 7:40,36 Minuten ****
  6. Charles Philibert-Thiboutot (CAN) 7:41,12 Minuten ****
  7. Maximilian Thorwirth (GER) 7:43,15 Minuten

3.000m-Lauf der Frauen

  1. Jessica Hull (AUS) 8:24,93 Minuten ** / *******
  2. Elle St. Pierre (USA) 8:25,25 Minuten ****
  3. Melknat Wudu (ETH) 8:32,24 Minuten ********
  4. Medina Eisa (ETH) 8:32,35 Minuten
  5. Senayet Getachew (ETH) 8:32,49 Minuten
  6. Aynadis Mebratu (ETH) 8:33,01 Minuten
  7. Melissa Courtney-Bryant (GBR) 8:37,74 Minuten ****
  8. Marta Garcia (ESP) 8:38,34 Minuten **** / ********

* neue persönliche Bestleistung auf der Kurzbahn
** neue Weltjahresbestleistung
*** neuer Nord- und Mittelamerikarekord auf der Kurzbahn
**** neue persönliche Bestleistung
***** neuer Meetingrekord
****** neuer japanischer Hallenrekord
******* neuer Ozeanienrekord
******** neuer Junioren-Hallenweltrekord

********* neuer spanischer Hallenrekord

New Balance Indoor Grand Prix

World Athletics Indoor Tour

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