Kebede stiehlt Obiri in Houston die Show

Zum erst dritten Mal hat Hellen Obiri bei ihren nun neun Antreten im Halbmarathon einen Wettkampf nicht gewonnen. Zwei Monate nach ihrem Sieg beim New York City Marathon musste sie sich beim Halbmarathon in Houston deutlich hinter Sutume Kebede einreihen, die nach einigen Weltklasseleistungen im Marathon nun auch eine Weltklasse-Halbmarathonzeit stehen hat. Jemal Yimer gewann ein enges Rennen bei den Männern.

© Carlos Alfonso / Unsplash

Nach acht Siegen in neun Wettkämpfen im vergangenen Jahr, darunter die Triumphe beim Boston Marathon und beim New York City Marathon, muss Hellen Obiri, wenngleich aufgrund des Trainingszyklus wohl nicht in absoluter Topform, in Houston erst einmal mit dem zweiten Platz Vorlieb nehmen. Sie finishte in einer Zeit von 1:06:07 Stunden deutlich entfernt von ihren besten Halbmarathonleistungen und baute gerade im windigen Schlussviertel ab, nachdem sie davor das Rennen angeführt hatte. Alleine von Kilometer 15 weg verlor der kenianische Star fast eineinhalb Minuten auf Sutume Kebede, die genau in dieser Phase glänzen konnte. Die Äthiopierin brachte ein Werk von 1:04:37 Stunden über die Ziellinie, welches sie auf Platz acht der ewigen Weltbestenliste im Halbmarathon schob, als fünftbeste Äthiopierin. Es ist die schnellste je auf US-Boden erzielte Halbmarathonzeit und 26 Sekunden schneller als der Streckenrekord von Vicoty Chepngeno, die vor zwei Jahren in Houston gewonnen hatte und in diesem Jahr bei ihrem Marathon-Debüt Zweite wurde (siehe RunAustria-Bericht).

Eine Marathon-Spezialistin in Topform

Kebede glänzte bisher vor allem im Marathon, ihr zweiter Platz in Seoul 2022 in einer persönlichen Bestleistung von 2:18:12 Stunden sticht hierbei heraus. Aber auch der Stockerlplatz beim Tokio Marathon 2020 und der Sieg beim Peking Marathon 2019, auf jeden Fall aber der Triumph beim 25km-Lauf im indischen Kolkata vor vier Wochen, als eine Weltbestleistung von 1:18:47 Stunden ihre Topform für den Houston Halbmarathon ankündigte, sind beeindruckende Leistungen. Die massive Verbesserung ihrer persönlichen Bestleistung von 3:17 Minuten täuscht demnach, weil die Äthiopierin seit vier Jahren keinen Halbmarathon-Wettkampf mehr bestritten hat, sondern sich voll auf den Marathon fokussiert hat.

Sutume Kebedes 5km-Teilzeiten: 15:16 / 15:12 / 15:14 / 15:36 / 3:19 (1,0975 km) Minuten

US-Rekord für Debütantin

Die Story für die US-amerikanischen Lauffans war das Halbmarathon-Debüt von Weini Kelati, das prompt mit einem neuen US-Rekord endete. In einer Zeit von 1:06:25 Stunden war die 27-Jährige 14 Sekunden schneller als Keira D’Amato vergangenen Sommer beim Halbmarathon im Rahmen des Gold Coast Marathon in Australien und 27 Sekunden schneller als Emily Sisson, die ihre Bestleistung ebenfalls in Houston gelaufen ist – und zwar im Vorjahr. Damit feierte die Veranstaltung in der texanischen Hauptstadt im dritten Jahr in Serie einen neuen US-Rekord im Halbmarathon, 2022 war Sara Hall eine Zeit von 1:07:15 Stunden gelaufen.

Die gebürtige Eritreerin, die seit Sommer 2021 die USA vertritt, von Stephen Haas trainiert wird und eine Teilnahme an den Crosslauf-Weltmeisterschaften in März anstrebt, ist damit auch neue Inhaberin des nord- und mittelamerikanischen Kontinentalrekords. Kelati finishte auf dem vierten Platz, nachdem sie bis zur Zielgerade im Kampf um Platz drei gegen die Äthiopierin Buze Diriba, die eine neue Bestleistung lief, involviert war. Sie hat in den vergangenen Jahren einige starke Wettkämpfe auf der Bahn abgeliefert, darunter ein fünfter Platz beim Diamond-League-Meeting in Oslo über 3.000m, eine Bestzeit von 31:04,16 Minuten im 10.000m-Lauf (beides 2023) oder eine 5.000m-Bestleistung unter 15 Minuten in Portland (2022).

Weini Kelatis 5km-Teilzeiten: 15:48 / 15:38 / 15:42 / 15:57 / 3:20 (1,0975 km) Minuten

Beachtlich war im Frauenrennen auch die Leistung von Edna Kiplagat in 1:07:52 Stunden, im Alter von 44 Jahren fast eine persönliche Bestleistung. Damit unterbot die ehemalige Siegerin der Marathons in Boston, London und New York die Weltbestleistung der Mastersklasse W45 von Sinead Diver aus Australien um mehr als eine Minute.

Zweiter Sieg für Yimer in Houston

Im Gegensatz zu den Frauenrennen produziert der Houston Halbmarathon bei den Männern schon seit Jahren keine Weltklassezeiten. Seit dem Streckenrekord von Feyisa Lilesa aus dem Jahr 2012 blieb nur einmal ein Sieger unter einer Stunde, das war Jemal Yimer im Jahr 2020. Der Äthiopier kehrte in diesem Jahr nach Houston zurück und gewann den Halbmarathon neuerlich. Dabei kontrollierte der 27-jährige WM-Vierte in dieser Disziplin eine stets überschaubare Spitzengruppe, die aber zu keinem Zeitpunkt einen größeren Vorsprung auf die Verfolger hatte, sicher und wartete mit der Entscheidung auf den finalen Kilometer.

In einer Zeit von 1:00:42 Stunden setzte er sich im Endspurt gegen den Kenianer Wesley Kiptoo, seinen Landsmann Milkesa Mengesha, Sieger von 2022, und Abbabiya Simbasa aus den USA durch. Während die beiden äthiopischen Stars Bestleistungen von unter 59 Minuten aufweisen können, kamen Kiptoo, wie im letzten Jahr Zweiter, und Simbasa nahe an ihre Bestleistungen heran. Zweitbester US-Amerikaner war Diego Estrada vor dem sechstplatzierten Kanadier Rory Linkletter, dem bei einer gelungenen Generalprobe für den Sevilla Marathon eine leichte persönliche Bestleistung gelang. Estrada hatte 2015 sensationell als Newcomer den Halbmarathon in Houston gewonnen und musste bis gestern warten, ehe ihm eine Verbesserung der damaligen Zeit gelang – und zwar um zwei Sekunden.

Jemal Yimers 5km-Teilzeiten: 14:22 / 14:10 / 14:39 / 14:36 / 2:56 (1,0975 km) Minuten

Keine Chance auf eine Spitzenplatzierung hatte Galen Rupp, der seine Generalprobe für die Marathon-Trials, die bereits in drei Wochen stattfinden, in einer Zeit von 1:02:37 Stunden auf Platz 14 abschloss. Er hatte vor dem Rennen bereits angekündigt, kein volles Risiko zu gehen und absolvierte das Rennen in der Verfolgergruppe.

Ergebnisse Aramco Houston Halbmarathon

Männer

  1. Jemal Yimer (ETH) 1:00:42 Stunden
  2. Wesley Kiptoo (KEN) 1:00:43 Stunden
  3. Milkesa Mengesha (ETH) 1:00:45 Stunden
  4. Abbabiya Simbassa (USA) 1:00:45 Stunden
  5. Diego Estrada (USA) 1:00:49 Stunden *
  6. Rory Linkletter (CAN) 1:01:02 Stunden *
  7. Peter Njeru (KEN) 1:01:13 Stunden
  8. Yemane Haileselassie (ERI) 1:01:34 Stunden *
  9. Andrew Colley (USA) 1:01:39 Stunden *
  10. Fearghal Curtin (IRE) 1:01:44 Stunden *

    14. Galen Rupp (USA) 1:02:37 Stunden
    20. Sam Chelanga (USA) 1:03:43 Stunden

Frauen

  1. Sutume Kebede (ETH) 1:04:37 Stunden * / **
  2. Hellen Obiri (KEN) 1:06:07 Stunden
  3. Buze Diriba (ETH) 1:06:24 Stunden *
  4. Weini Kelati (USA) 1:06:25 Stunden *** / ****
  5. Mestawut Fikir (ETH) 1:07:36 Stunden
  6. Edna Kiplagat (KEN) 1:07:52 Stunden
  7. Calli Thackery (GBR) 1:08:20 Stunden *
  8. Makenna Myler (USA) 1:08:28 Stunden *
  9. Nell Rojas (USA) 1:08:52 Stunden *
  10. Mercy Chelangat (KEN) 1:08:58 Stunden *

    21. Angie Orjuela (COL) 1:11:48 Stunden
    22. Stephanie Twell (GBR) 1:12:00 Stunden

* neue persönliche Bestleistung
** neuer Streckenrekord
*** Halbmarathon-Debüt
**** neuer US-Rekord im Halbmarathon

Chevron Houston Marathon

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