Marathon-Weltrekordler mit Awards ausgezeichnet

Der Gala-Abend des Leichtathletik-Weltverbandes (World Athletics) am gestrigen Montag in Monaco war auch die Bühne der neuen Weltrekordhalter Kelvin Kiptum und Tigist Assefa. Die beiden wurden mit dem World Athletics Award 2023 in der Kategorie „non stadia“ ausgezeichnet. Die kenianische Mittelstreckenläuferin Faith Kipyegon erhielt den Award für die Kategorie „Bahn“. Alle drei Ehrungen waren aufgrund der fantastischen Leistungen erwartet worden.

© World Athletics / Mattia Ozbot

Kelvin Kiptum ist der neue Star in der Straßenlaufszene. Der 23-Jährige Kenianer hat bei allen seiner drei Marathonläufe mit irren Leistungssteigerungen auf der zweiten Rennhälfte überzeugt und auf seiner Visitenkarte Siege in Valencia, London und Chicago stehen – letztere beide im abgelaufenen Jahr. Mit seinem neuen Weltrekord von 2:00:35 Stunden ist der Kenianer dem Wunsch eines City-Marathons unter zwei Stunden einen erheblichen Schritt näher gekommen, vielleicht gibt es bereits beim Rotterdam Marathon 2024 einen ernsthaften Versuch. „Ich werde es versuchen. Ich bin der Schallmauer schon relativ nahe gekommen, warum sollte ich mir dieses Ziel also nicht setzen?“, sagte er in einem Feature auf der Website von World Athletics. Jedenfalls darf sich die Laufszene bereits auf das Duell mit Eliud Kipchoge bei den Olympischen Spielen von Paris 2024 freuen – voraussichtlich, denn beide werden wohl von Athletics Kenya nominiert werden.

Kilometerfresser im Training

Nach seinem Triumph in Chicago verblüffte Kiptum mit der Aussage, er habe bei einem Marathon noch nie Schmerzen verspürt. Obwohl er sowohl in London als auch in Chicago die zweite Marathon-Hälfte in einer Zeit unter einer Stunde absolviert hat.

Eine weitere Erkenntnis über den neuen Star der Szene erstaunte. Bis zu 300 Trainingskilometer pro Woche absolvierte er in der Vorbereitung im Trainingslager, regelmäßig aber zwischen 50 und 60 mehr im direkten Vergleich zum Trainingsrhythmus von Kipchoge. Sein langjähriger ruandischer Trainer Gervais Hakizimana, bisher nicht der bekannteste Trainer der Szene, gab nach dem Chicago-Triumph einige Interview in internationalen Medien, in denen er Bedenken äußerte, mit diesem Pensum seinen Schützling zu verheizen. Schließlich kenne Kiptum auch keinen Ruhetag. Alles, was der 23-Jährige tagtäglich tue, sei zu laufen, zu essen und zu schlafen, sagte er gegenüber der „La Gazzetta dello Sport“.

Deshalb sei eine ähnliche Disziplin erforderlich, wie von Kipchoge bekannt, wie Kiptum unlängst in einem Interview mit der belgischen Zeitung „De Tijd“ schilderte. Seine Familie, darunter Ehefrau und zwei Kinder Caleb (7) und Precious (4), besucht der 23-Jährige maximal einmal pro Woche. Ansonsten lebt er im Trainingscamp in Chepkorio, seine Familie wohnt im drei Kilometer entfernten Dörfchen Chepsamo.

Kelvin Kiptum. © World Athletics / Mattia Ozbot
Faith Kipyegon. © World Athletics / Mattia Ozbot

Wie Phönix aus der Asche zum Marathon-Star

Das Besondere an der Auszeichnung für Tigist Assefa ist die Tatsache, dass die 27-Jährige exakt einen Wettkampf im gesamten Jahr, damit halb so viele wie Kiptum, bestritten und damit die Konkurrenz ausgestochen hat. Die Qualität des einzigen Wettkampfs war jedoch berauschend: Beim Berlin Marathon verbesserte die Äthiopierin den bisherigen Marathon-Weltrekord von Brigid Kosgei um über zwei Minuten auf eine Zeit von 2:11:53 Stunden.

Das Besondere an ihrem Werdegang ist die Tatsache, dass Assefa bis 2016 800m-Läuferin war. In den folgenden Jahren gab es, auch aufgrund einer schweren Verletzung an der Achillessehne, wenig Wettkampf-Ergebnisse von Assefa bis sie nach der Pandemie-Pause wieder auftauchte. Der Leistungssprung auf den Marathon-Sieg in Berlin 2022 in einer Zeit von 2:15:37 Stunden war dennoch eine Sensation, weil Unterdistanz-Leistungen sie nicht ankündigten. Trainiert von Startrainer Gemedu Dedefo in der Höhe rund um Addis Abeba und gemanagt von Gianni Demadonna zeigte Assefa in diesem Jahr eindrucksvoll, dass der Berlin-Sieg im Vorjahr keine Eintagsfliege war. Wie Kiptum in Chicago lief Assefa in Berlin einen deutlichen Negativ-Split, also die zweite Marathon-Hälfte schneller als die erste.

Traumsaison für Kipyegon

Faith Kipyegon, die mit der Unterbrechung ihrer Mutterschaftspause im Jahr 2018, seit nun fast einem Jahrzehnt den Mittelstreckenlauf erst mitbestimmt hat und spätestens seit der WM-Silbermedaille hinter Sifan Hassan bei der WM in Doha 2019 dominiert, blickt im Alter von 29 Jahren auf ihre erfolgreichste Saison zurück. In der Diamond League gelangen ihr drei fabelhafte Weltrekorde. In Florenz lief sie als erste Frau der Geschichte einen 1.500m-Lauf unter 3:50 Minuten und markierte eine Leistung von 3:49,11 Minuten. In Paris verbesserte sie nur eine Woche später in ihrem ersten 5.000m-Lauf seit Jahren den Weltrekord auf eine Zeit von 14:05,20 Minuten, mittlerweile allerdings schon wieder durch Gudaf Tsegay um rund fünf Sekunden abgelöst. Und vor den Weltmeisterschaften pulverisierte Kipyegon in Monaco den Weltrekord im Meilenlauf, den sie auf eine Zeit von 4:07,64 Minuten stellte.

Die Weltmeisterschaften in Budapest selbst wurden zur Showbühne für Kipyegon, die als erste Läuferin der Geschichte erst den 1.500m-Lauf und vier Tage später auch den 5.000m-Lauf für sich entschied. Die beste Mittelstreckenläuferin der Geschichte hält nun bei zwei Olympischen Goldmedaillen (alle im 1.500m-Lauf) sowie vier WM-Titel (drei im 1.500m-Lauf) und zwei WM-Silbermedaillen (alle im 1.500m-Lauf). Nur ein einziger Wettkampf gelang am Ende dieser Saison nicht: Bei der Premiere der Weltmeisterschaften in der Straßenmeile in Riga musste sich die Kenianerin überraschend mit der Bronzemedaille zufrieden geben. Es war ihre erste Wettkampfniederlage seit den Kenya Trials 2022 im 800m-Lauf, den sie selten läuft, Vorläufe bei Weltmeisterschaften ausgenommen. Über die „metrische“ und die richtige Meile hatte Kipyegon davor über zwei Jahre lang alle Wettkämpfe gewonnen.

Faith Kipyegon bei der Pressekonferenz. © Christel Saneh for World Athletics

Kenias Aushängeschild

Kipyegon, die mit dem kenianischen 800m-Olympia-Medaillengewinner von 2012, Timothy Kiptum, verheiratet ist, ist der weibliche Laufstar der kenianischen Leichtathletik, nur die Top-Marathonläuferinnen bekommen auch eine gewisse Aufmerksamkeit der kenianischen Medien. Medienberichte beschreiben Auftritte der 29-Jährigen in ihrer Heimat, bei dem sie sogar anwesende Legenden in den Schatten stellt. Im Trainingscamp von Patrick Sang, in dem sie seit ihrer Mutterschaftspause trainiert, ist sie längst das Aushängeschild neben Eliud Kipchoge. Sie ist die einzige Läuferin, die WM-Titel in allen Altersklassen gewonnen hat und in derselben Disziplin auch noch den Weltrekord gebrochen hat, ansonsten haben das in der Leichtathletik lediglich Usain Bolt (200m), Armand Duplantis und Yelena Isinbaeva (Stabhochsprung) sowie Kevin Mayer (Zehnkampf) geschafft.

In ihrem Bestreben, fast wortgleich mit der Inspiration, die Eliud Kipchoge ausstrahlt, Geschichte zu schreiben und mit ihrem Erbe die nächste Generation zu inspirieren, hat Faith Kipyegon große Ziele für das kommende Wettkampfjahr. Wie Eliud Kipchoge möchte sie in Paris ihre dritte Goldmedaille bei Olympischen Spielen gewinnen. „Das Jahr 2023 jedenfalls war fantastisch. Ich bin Gott sehr dankbar dafür“, sagt sie.

Faith Cherotich. © World Athletics / Mattia Ozbot
Emmanuel Wanyonyi. © World Athletics / Mattia Ozbot

Cherotich und Wanyonyi Nachwuchsathleten des Jahres

Die weiteren Awards gingen an Yulimar Rojas und Armand Duplantis in der Kategorie technische Events sowie Sprinter Noah Lyles (Bahn). Den Nachwuchsaward staubten zwei kenianische Läufer ab, die WM-Bronzemedaillengewinnerin im 3.000m-Hindernislauf, Faith Cherotich, sowie der Vize-Weltmeister im 800m-Lauf, Emmanuel Wanyonyi.

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