Vojtas Routine und viel Lehrgeld bei Schlammschlacht in Brüssel

Bei aufgrund des tiefen Bodens mit einigen schlammigen und daher sehr anspruchsvoll zu belaufenden Passagen schwierigen Bedingungen orientierte sich Andreas Vojta im Laufe des 9.000m langen Rennens der Allgemeinen Klasse sukzessive nach vorne und landete auf dem respektablen 42. Platz. In den Rennen der Altersklassen U23 und U20 zahlte das junge ÖLV-Quartett viel Lehrgeld, weil es auf dem ungewohnt weichen und tiefen Untergrund nicht so gut zurecht kam. Das führte zu wichtigen Erfahrungen für die Zukunft.

© ÖLV / Giancarlo Colombo

Wie im vergangenen Jahr in Turin lag es an Andreas Vojta (team2012.at) im chronologisch letzten der sieben Wettbewerbe des stimmungsvollen Crosslauf-EM-Tages im Parc de Laeken von Brüssel, das beste österreichische Resultat des Tages herauszulaufen. Bei seiner 14. EM-Teilnahme in Serie in dieser Disziplin der Leichtathletik, die elfte in der Allgemeinen Klasse, arbeitete sich der Routinier nach zurückhaltendem Start kontinuierlich nach vorne und belegte nach Dutzenden Überholmanövern den 42. Platz in einer Zeit von 31:39 Minuten. „Mir ist bewusst, dass ein 42. Platz für neutrale Beobachter nichts Spektakuläres darstellt. Aber für mich persönlich war es ein sehr solider Rennverlauf“, bilanzierte der 34-Jährige, dem als groß gewachsener Läufer die Bedingungen nicht entgegen gekommen sind, zufrieden. „Schließlich musste ich sechs Runden lang meine 75 Kilo über den Gatsch schleppen.“

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Mit Marathon-Mentalität durch den Schlamm

Obwohl er, auch bedingt durch die recht kurze Pause nach dem letzten Marathon in Frankfurt, etwas hinter seinen besten Abschneiden bei diesen Titelkämpfen zurückblieb, ließ der Gerasdorfer einige deutlich höher eingeschätzte Athleten hinter sich wie den in der bisherigen Crosslauf-Saison gut agierenden Spanier Sergio Paniagua, den italienischen Marathon-Rekordhalter Iliass Aouani oder den Franzosen Bastien Augusto, der zuletzt mit einer absoluten Spitzenzeit im 10km-Straßenlauf für Furore gesorgt hatte. „Nachdem ich die Bedingungen gesehen und auch Eindrücke aus den ersten Rennen gesammelt hatte, wusste ich, dass ich heute die Marathon-Mentalität brauche. Die ersten vier Runden mussten sich so anfühlen, dass noch Kraftreserven für das Schlussdrittel übrig blieben. Denn die Strecke war brutal. Kurze und schnelle Schritte haben geholfen, möglichst wenig im Gatsch hängen zu bleiben. Das ist mir im Großen und Ganzen gelungen.“ 2022 in Turin belegte Vojta Platz 29 wie auch in Dublin 2021.

© ÖLV / Giancarlo Colombo
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Lassacher kämpfte sich zu Platz 53 und wertvollen Erfahrungen

Im 7.000m langen Rennen der Altersklasse U23 konnte Cordula Lassacher (Atus Knittelfeld) ihren Plan in der ersten Rennhälfte gut umsetzen. In einem Kompromiss, konservativ ins Rennen gehen zu wollen, in der hektischen Anfangsphase aber dennoch nicht unnötig viele Positionen zu verlieren, reihte sie sich vorerst im hinteren Feld ein, konnte aber in der zweiten Hälfte der ersten Runde gleich einige Positionen wettmachen. Sukzessive arbeitete sich die 20-Jährige durch das Feld und pendelte sich für den Mittelteil des Rennens auf einer Position rund um Rang 50 ein, wo sie sich bis zum Schluss hielt. „Es war ein extrem kräfteraubendes Rennen, das in der zweiten Hälfte immer schwieriger wurde, bis es letztendlich ein einziger Kampf war“, schilderte Lassacher. Sie zeigte sich aber mit dem 53. Rang in einer Laufzeit von 29:41 Minuten zufrieden: „Ich habe mich ungefähr da platziert, wo ich es mir vorgestellt habe. Diese hochklassigen Felder, diese Hektik am Start, diese anspruchsvolle Strecke – das alles ist Neuland für mich und daher finde ich, dass ich die Herausforderungen gut gemeistert und das gezeigt habe, was ich im Moment drauf habe.“ Besonders hinblicklich der nächsten beiden Jahre, in denen die Steirerin noch in der Altersklasse U23 startberechtigt ist, biete ihr der heutige Crosslauf-Tag viele wichtige Erfahrungen und Lerneffekte.

Die zweite österreichische Teilnehmerin im U23-Rennen, Lotte Seiler (KSV alutechnik), hatte besonders mit den schlammigen und sehr tiefen Streckenpassagen zu kämpfen. „Die Strecke war brutal, in den Passagen mit tiefem Boden habe ich sehr viel Zeit verloren. Das lag mir überhaupt nicht und bei solchen Bedingungen bin ich noch nie gelaufen“, kommentierte sie. Daher steckte sie früh am Ende des Feldes fest, außerdem war das Laufgefühl aus den Beinen heraus nicht so gut wie erwünscht. Im Laufe des Rennens kam wie schon bei der Generalprobe in Tilburg vor zwei Wochen Seitenstechen hinzu, dennoch gelangen der 22-Jährigen in der zweiten Rennhälfte einige Positionsverbesserungen. Mit einer Endzeit von 30:54 Minuten reichte es zu Position 65 unter 74 teilnehmenden Athletinnen.

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Harter Wettkampf für Tobler

Im U23-Rennen der Männer kam Marcel Tobler (ULC Riverside Mödling) auf Platz 64 ins Ziel (26:08 Minuten) und schilderte ein hartes Rennen. „Es war ein einziger Kampf auf diesem gatschigen Untergrund, jeder Schritt war kräfteraubend, jede Runde hat mir immer mehr Energie entzogen. Ich bin nie in einen Laufrhythmus gekommen. Daher konnte ich die gewünschte Position im Mittelfeld nicht halten und das Ergebnis ist nicht das, was ich mir erwartet hätte“, erklärte der 22-Jährige, der wie Seiler sein letztes internationales Rennen in der Altersklasse U23 bestritt. „Ich bin froh, hier dabei gewesen zu sein. Die Stimmung an der Strecke war ein Wahnsinn und der Wettkampf war wichtig für meine mentalen Skills hinblicklich der nächsten Trainingseinheiten und Wettkämpfe“, untermalte er.

Geschwächter Bezecny unter den eigenen Erwartungen

Im 5.000m langen Bewerb der Junioren konnte Emil Bezecny (Leichtathletik Akademie Eisenstadt) vom Start weg nicht diese Rolle einnehmen, die er für sich erhofft hatte. Bereits am Vortag und in der Nacht vor dem Wettkampf fühlte sich der 19-Jährige nicht gut und konnte daher nicht in Vollbesitz seiner Kräfte an die Startlinie gehen. „Jetlag und die Umstellung von der Höhe von Colorado auf die Meereshöhe hier in Europa waren zu viel für mich und ich habe mir etwas eingefangen. Da ich nicht 100% der Energie zur Verfügung hatte, hat mir die Strecke viel abverlangt“, berichtete Bezecny, der in den USA Crossläufe ausschließlich auf dort typischem, härterem Gras-Untergrund bestritten hat. Von der Startphase weg steckte er im Hinterfeld fest und konnte sich im Rennverlauf nur unwesentlich verbessern. Am Ende erreichte der Burgenländer bei seiner dritten Crosslauf-EM-Teilnahme Position 65 unter 88 Finishern. „Das Endergebnis ist leider sehr mager, aber es war die Leistung, die ich unter diesen Umständen bringen konnte“, hielt er fest.

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Schlammschlacht in Brüssel

Die Crosslauf-Europameisterschaften 2023 gingen im Parc de Laeken in der belgischen Hauptstadt Brüssel über die Bühne. Tausende Zuschauer sorgten entlang der Strecke für eine tolle Atmosphäre. Belgien präsentierte sich auch mit dem Rahmen dieser Titelkämpfe als Crosslauf-Nation. Die Strecke war in ihrer Topografie weit weniger selektiv als die EM-Strecke des letzten Jahres im Parco La Mandria vor den Toren Turins, doch der an vielen Stellen tiefe Boden mit zähem Schlamm machte das möglichst schnelle Laufen zu einer enormen Herausforderung mit hohem erforderlichem Kraftaufwand. ÖLV-Delegationsleiter Hannes Gruber und Andreas Vojta, die beide zahlreiche Crosslauf-Europameisterschaften vor Ort erlebt haben, bezeichneten die Bodenbeschaffenheit als mit die anspruchsvollsten der EM-Geschichte. Bezecny, der zum dritten Mal im U20-Rennen dabei war, fasste die Bedingungen mit einem Wort zusammen: „Es war eine einzige Schlammschlacht! Jeder Schritt fühlte sich an, als müsste man sich aus Treibsand abstoßen.“ So hätte sich im Laufe des Wettkampfs auf Schuhen und Kleidung ein Zusatzgewicht angesammelt, das bei jedem Laufschritt mittransportiert werden musste. Ein Eindruck, den Seiler teilte: „Das war das Härteste, was ich jemals gelaufen bin!“

Quelle: ÖLV-Presseaussendung

Österreichischer Leichtathletik-Verband

Crosslauf-EM 2023 in Brüssel

Website von European Athletics

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