Worknesh Degefa gelingt Traumcomeback

Fast vier Jahre lang lief Worknesh Degefa keinen Marathon, die meiste Zeit blieb sie dem Laufen fern. Beim Comeback zeigte die nun zweifache Mutter keine Anpassungsschwierigkeiten und lief zu einer fabelhaften Siegerzeit von 2:15:51 Stunden, mit der sie sogar die gut laufende Favoritin Almaz Ayana in die Schranken verwies.

© SIP / Johannes Langer

Worknesh Degefa nutzte die perfekten Rahmenbedingungen einer lange Zeit großen Gruppe mit vielen starken männlichen Läufern und die gut geführte Tempoarbeit der eingeteilten Pacemaker zur zweitschnellsten Siegerzeit der Veranstaltungsgeschichte. In einer Zeit von 2:15:51 Stunden gelang der 33-Jährigen eine Steigerung um fast zwei Minuten, den Streckenrekord von Vorjahressiegerin Amane Beriso verpasste sie lediglich um 53 Sekunden.

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Glanzleistung von Sisay Lemma

Das Rennen der Frauen begann erwartet schnell. Nach der Suspendierung aufgrund von Dopingverdachts von Tsehay Gemechu rückte Almaz Ayana in die Favoritenrolle. Gemeinsam mit Ayana und Degefa befanden sich noch Hiwot Gebrekidan und die sich letztlich überschätzende Deutsche Melat Kejeta in der Spitzengruppe, die den Halbmarathon in einer Zeit von knapp unter 1:07:30 Stunden erreichte. Bereits nach rund sechs Kilometern war Genezebe Dibaba aus der Spitze zurückgefallen. Sie stieg schlussendlich aus.

Worknesh Degefas Halbmarathon-Splits: 1:07:27 / 1:08:23 Stunden
Worknesh Degefas 5km-Teilzeiten: 15:59 / 16:02 / 16:00 / 15:56 / 16:10 / 16:13 / 16:12 / 16:12 / 7:02 (2,195 km) Minuten

Sieg im Duell mit Ayana

Anfangs der zweiten Marathon-Hälfte wurde das Tempo ganz leicht langsamer, Degefa löste sich aus Ayanas Windschatten nach rund 33 Kilometern und finishte als Solistin in einer Durchschnittszeit von 3:13 Minuten pro Kilometer. Sie liegt nun auf Rang sieben der ewigen Weltbestenliste gefolgt von Ayana, Olympiasiegerin 2016 und Weltmeisterin 2017 im 10.000m-Lauf, die im Duell der Mütter um gut eine halbe Minute das Nachsehen hatte. In einer Zeit von 2:16:22 Stunden blieb sie aber eine Minute unter ihrer Debütleistung in Amsterdam 2022 und bleibt eine Kandidatin für einen äthiopischen Olympia-Startplatz. Den äthiopischen Dreifachsieg vollendete Gebrekidan in einer persönlichen Bestleistung von 2:17:59 Stunden. Beste Kenianerin war Celestine Chepchirchir auf Platz vier vor den besten Europäerinnen. Aus heimischer Sicht der erfreulichste von etlichen neuen Marathonrekorden ist der österreichische durch Julia Mayer (DSG Wien), die den Valencia Marathon in einer Zeit von 2:26:43 Stunden auf Position 37 finishte (siehe separaten RunAustria-Bericht).

© SIP / Johannes Langer

Ein Festival an Landesrekorden

Wie aufgrund der Rahmenbedingungen und der Dichte des starken Felds bereits zu erwarten, war Julia Mayers eindrucksvoller österreichischer Rekord von 2:26:43 Stunden bei weitem nicht der einzige im Feld. Es folgt eine Auflistung beeindruckender Leistungssprünge mit den Auswirkungen auf den Olympia-Qualifikationszeitraum, der nach dem Valencia Marathon 2023 neu gestaltet ist. Denn 72 Startplätze – und damit 16 mehr als vor dem Wochenende – sind für den Olympischen Marathon 2024 nun fixiert, wodurch entgegen des Wunsches des Leichtathletik-Weltverbandes (World Athletics) eine Qualifikation über die Weltrangliste für das auf 80 Startplätze regulierte Feld praktisch unmöglich sein wird.

Spanien:
Wie erwartet fiel der spanische Marathonrekord und das gleich um fast fünf Minuten. Majida Maayouf, seit wenigen Monaten für ihre Wahlheimat startberechtigt, lief auf dem hervorragenden fünfen Platz ins Ziel und schaffte damit eine Kuriosität. Die Leistung von 2:21:27 Stunden ist für die gebürtige Marokkanerin keine persönliche Bestleistung, aber dennoch ein neuer spanischer Marathonrekord. Die 34-Jährige hält damit nun zeitgleich die Marathonrekorde für Marokko und Spanien. In der ewigen europäischen Bestenliste liegt Maayouf nun auf dem geteilten neunten Platz mit der neuen türkischen Rekordhalterin Sultan Haydar. Die 36-Jährige, die ihren eigenen Landesrekord um über drei Minuten steigerte und ihr erstes, fast wundersames Marathon-Finish seit den Olympischen Spielen von Rio 2016 produzierte, überquerte die Ziellinie in Valencia im gleichen Atemzug wie Maayouf.

Das spanische Rennen um die Olympia-Startplätze in Valencia war ein Thriller. Die frisch gebackene Halbmarathon-Rekordhalterin, Laura Luengo, debütierte in starken 2:25:35 Stunden und ist nun die Nummer drei im Qualifikationsprozess, fünf Sekunden hinter Fatima Azzahraa Ouhaddou, die einen Platz vor der 25-Jährigen ins Ziel lief. Marta Galimany verbesserte ihren bisherigen spanischen Rekord dagegen nicht und hat jetzt schlechte Karten in der Hand. Das gilt auch für Irene Pelayo und Maria José Perez, die zu den 37 Läuferinnen im Valencia-Feld gehörten, die unterhalb des Olympia-Limits blieben.

Deutschland:
Ohne Furcht und Scheu startete die WM-Elfte Melat Kejeta in den Valencia Marathon, um nicht nur das Olympia-Limit von 2:26:50, nicht nur ihre persönliche Bestleistung von 2:23:57 zu unterbieten, sondern sogar den überragenden deutschen Marathonrekord von 2:19:19 Stunden zu attackieren. Doch dieses irre hohe Tempo konnte die 31-Jährige nicht halten und musste das Rennen vorzeitig beenden. Damit steht die Sechste des Olympischen Marathons von Sapporo nun vor einem Problem: Sie kann keine Olympia-Direktqualifikation aufweisen, im Gegensatz zu vier Landsfrauen.

Strahlende „Siegerin“ aus deutscher Sicht war gestern Laura Hottenrott, die mit einer Leistungssteigerung auf der zweiten Hälfte ihre persönliche Bestleistung um dreieinhalb Minuten auf eine Zeit von 2:24:32 Stunden senkte. Damit liegt die 31-Jährige nun auf Rang zwei der deutschen „Road to Paris“ hinter Domenika Mayer. Fabienne Königstein, die auf der Startliste stand, aber nicht lief, verteidigte Platz drei, da neben Kejeta auch Rabea Schöneborn beim erfüllen des Olympia-Limits scheiterte. Deren Zwillingsschwester Deborah dagegen hat als vierte Deutsche das Limit, Katharina Steinruck will sich beim Osaka Marathon Ende Jänner in die Diskussion hieven. Hottenrott, in Valencia 15., liegt nun auf Platz vier der ewigen deutschen Bestenliste.

Australien:
Zwar blieb der nun exakt ein Jahr alte australische Rekord von Sinead Diver (2:21:34) stehen, der Valencia Marathon 2023 geht aber dennoch in die australische Marathon-Geschichte ein. Genevieve Gregson, Olympia-Neunte, WM-Zehnte und zweimal Fünfte bei Commonwealth Games sowie australische Rekordhalterin im 3.000m-Hindernislauf, steigerte sich gegenüber ihres Marathon-Debüts in Gold Coast um fünfeinhalb Minuten auf eine Zeit von 2:23:08 Stunden. Dazu verbesserte sich Isobel Batt-Doyle um viereinhalb Minuten auf eine Zeit von 2:23:27 Stunden, womit beide wie auch Diver, Lisa Weightman und Eloise Wellings (26. in Valencia) das Olympia-Limit inne haben. Weightman, fast 45 Jahre alt, lief gestern übrigens die drittschnellste Marathonzeit ihrer Karriere: 2:24:18 Stunden.

Italien:
Sofiia Yaremchuk hatte das Olympia-Limit mit ihrer London-Leistung bereits in der Tasche, nun ist die seit Jahren in Rom lebende Ukrainerin in Besitz des nationalen Rekordes. Mit einer Zeit von 2:23:16 Stunden aus einem sehr ausgeglichenen Rennen mit leichtem Negativ-Split unterbot sie den elf Jahre alten Rekord von Valeria Straneo um knapp eine halbe Minute – witzigerweise war die Halbmarathon-Zwischenzeit auf die Sekunde dieselbe wie bei Straneo in Rotterdam 2012. Es ist bereits das dritte Mal, dass die 29-Jährige unter 2:26 Stunden gelaufen ist. Wie ihre Landsfrau Giovanna Epis hat Yaremchuk das Limit für Paris 2024 zweifach unterboten, ein dritter Startplatz wäre mit Erbringung des Limits in Italien noch möglich. „Ich bin sehr stolz auf mich und überglücklich, dass es für den Rekord gereicht hat. Ich glaube, ich habe einen sehr intelligenten Wettkampf bestritten“, kommentierte sie auf der Website des Italienischen Leichtathletik-Verbandes (FIDAL).

Frankreich:
Nach den spektakulären Dopingfall von Clémence Calvin war es um den französischen Marathonlauf der Frauen ein paar Jahre recht still, bis gestern. Gleich vier Läuferinnen knackten in Valencia das Olympia-Limit von 2:26:50 Stunden, nur die gebürtige Äthiopierin Mekdes Woldu hatte es aufgrund ihrer Leistung in Hamburg im Frühling schon in der Tasche. Da aber alle vier Französinnen gestern unter 2:26 Stunden blieben, war ihre Verbesserung auf eine Zeit von 2:24:44 Stunden bedeutend. Die 31-Jährige ist nun die Nummer zwei der ewigen französischen Bestenliste hinter Ex-Europameisterin Christelle Daunay, deren Rekord wohl nur mehr auf Raten besteht. Mélody Julien lief eine Zeit von 2:25:01, Manon Trapp bei ihrem Debüt eine Zeit von 2:25:48 Stunden, die bisher recht unbekannte nationale Meisterin im 10km-Lauf, Fadouwa Ledhem, mit einer persönlichen Bestleistung von 13 Minuten eine Zeit von 2:25:50 Stunden.

Polen:
Einen neuen polnischen Rekord markierte Europameisterin Aleksandra Lisowska, die 14 Sekunden unter ihrer bisherigen Bestleistung blieb, mit der sie als polnische Meisterin 2021 den davor 20 Jahre lang gültigen Landesrekord von Malgorzata Sobanska eingestellt hatte. Die 32-Jährige finishte in einer Zeit von 2:25:52 Stunden. Auch ihrer Landsfrau Angelika Mach gelang das Olympia-Limit (2:26:19), dagegen verpasste es Aleksandra Brzezinska um eine halbe Minute.

Schweiz, Tschechien, Finnland, Südafrika, und Südamerika:
Neue Marathonrekorde verzeichneten auch die nationalen Verbände der Schweiz, Tschechien, Finnland, Südafrika, Ecuador, Costa Rica und Mauritius. Fabienne Schlumpf steigerte mit einem gleichmäßigen Lauf über die gesamten 42,195 Kilometer ihre erst beim Berlin Marathon vor gut zwei Monaten aufgestellte Schweizer Bestleistung um knapp eine Minute auf eine Zeit von 2:24:30 Stunden. Vier der fünf Marathons der ehemaligen EM-Silbermedaillengewinnerin im 3.000m-Hindernislauf, also alle außer dem beachtlichen zwölften Platz beim schwierigen Olympischen Marathon in Sapporo, liegen an der Spitze der Schweizer Bestenliste vor den ehemaligen Rekorden von Ex-VCM-Siegerin Maja Neuenschwander und der ehemaligen New York Siegerin Franziska Rochat-Moser.

Fabienne Schlumpfs Halbmarathon-Splits: 1:11:44 / 1:12:45 Stunden
Fabienne Schlumpfs 5km-Teilzeiten: 17:02 / 16:57 / 17:02 / 16:57 / 17:09 / 16:58 / 17:37 / 17:19 / 7:28 (2,195 km) Minuten

Gerda Steyn blieb eineinhalb Minuten unter ihrem eigenen südafrikanischen Rekord und finishte in einer Zeit von 2:24:03 Stunden als Elfte drei Positionen vor Schlumpf. Gar einen neuen südamerikanischen Kontinentalrekord schaffte Silvia Ortiz aus Ecuador in einer Zeit von 2:24:50 Stunden. Sie blieb 45 Sekunden unter der erst beim Berlin Marathon 2023 erzielten Leistung der Kolumbianerin Angie Orjuela und schaffte einen Leistungssprung von fast drei Minuten. Ortiz hat damit das Olympia-Limit geschafft, nachdem sie es beim Sevilla Marathon 2023 trotz eines Landesrekords noch knapp verpasst hatte. Einen neuen tschechischen Marathonrekord markierte Moira Stewartova in 2:25:36 Stunden, knapp eine Minute schneller als Eva Vrabcova-Nyvltova bei ihrem EM-Bronzemedaillengewinn in Berlin 2018, und fast vier Minuten besser als ihre bisherige Bestleistung.

Den größten Leistungssprung schaffte in Valencia Camilla Richardsson. Die 30-jährige Finnin steigerte sich um sechs Minuten auf eine Zeit von 2:24:38 Stunden und blieb damit auch fast drei Minuten unter dem erst zehn Monate alten finnischen Rekord von Alisa Vainio – damit ist finnische Beteiligung am Olympischen Marathon gesichert.

Weitere Olympia-Limits gingen dank persönlicher Bestleistungen an die Britinnen Clara Evans und Lily Partridge, an die Portugiesin Susana Godinho und den irischen Routinier Fionnuala McCormack.

© Valencia Marathon / Pressefoto

Über 300 Läuferinnen unter drei Stunden

Bei wunderbaren Marathon-Bedingungen, klarem Himmel und winterlichem Sonnenschein sowie wenig Wind und Temperaturen im obersten einstelligen Bereich erzielte der Valencia Marathon, mittlerweile eine der attraktivsten Marathon-Destinationen der Welt, eine noch nie da gewesene Dichte nicht nur im Spitzenfeld. Dort blieben 30 Läuferinnen (!) unter 2:26 Stunden, 37mal fiel das Olympia-Limit, 45 Läuferinnen blieben unter 2:30 Stunden. Unglaubliche 297 Läuferinnen knackten die Schallmauer von drei Stunden, zehn weitere mit der Chipzeit. 5.416 Resultate von weiblichen Teilnehmerinnen fielen in die Wertung.

Ergebnisse Valencia Marathon 2023 der Frauen

  1. Worknesh Degefa (ETH) 2:15:51 Stunden *
  2. Almaz Ayana (ETH) 2:16:22 Stunden *
  3. Hiwot Gebrekidan (ETH) 2:17:59 Stunden *
  4. Celestine Chepchirchir (KEN) 2:20:46 Stunden
  5. Majida Maayouf (ESP) 2:21:27 Stunden **
  6. Sultan Haydar (TUR) 2:21:27 Stunden ***
  7. Desi Mokonin (BRN) 2:22:29 Stunden
  8. Geneviève Gregson (AUS) 2:23:08 Stunden *
  9. Sofiia Yaremchuk (ITA) 2:23:16 Stunden ****
  10. Isobel Batt-Doyle (AUS) 2:23:27 Stunden *
  11. Gerda Steyn (RSA) 2:24:03 Stunden *
  12. Joan Melly (ROM) 2:24:16 Stunden
  13. Lisa Weithman (AUS) 2:24:18 Stunden
  14. Fabienne Schlumpf (SUI) 2:24:30 Stunden *****
  15. Laura Hottenrott (GER) 2:24:32 Stunden *
  16. Camilla Richardsson (FIN) 2:24:38 Stunden *
  17. Mekdes Woldu (FRA) 2:24:44 Stunden *
  18. Silvia Ortiz (ECU) 2:24:50 Stunden ******
  19. Julien Melody (FRA) 2:25:01 Stunden *
  20. Clara Evans (GBR) 2:25:04 Stunden
  21. Lily Partridge (GBR) 2:25:12 Stunden *
  22. Fatima Azaharaa Ouhaddou (ESP) 2:25:30 Stunden *
  23. Laura Luengo (ESP) 2:25:35 Stunden *******
  24. Susana Godinho (POR) 2:25:35 *
  25. Moira Stewartova (CZE) 2:25:36 Stunden ********

    27. Manon Trapp (FRA) 2:25:48 Stunden *******
    29. Aleksandra Lisowska (POL) 2:25:52 Stunden *********
    34. Fionnuala McCormack (IRE) 2:26:19 Stunden
    37. Julia Mayer (AUT) 2:26:43 Stunden **********
    46. Rabea Schöneborn (GER) 2:31:05 Stunden

* neue persönliche Bestleistung
** neuer spanischer Marathonrekord
*** neuer türkischer Marathonrekord
**** neuer italienischer Marathonrekord
***** neuer Schweizer Marathonrekord
****** neuer Südamerikarekord
******* Marathon-Debüt
******** neuer tschechischer Marathonrekord
********* neuer polnischer Marathonrekord
********** neuer österreichischer Marathonrekord

Valencia Marathon Trinidad Alfonso

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