Altstar Kiprop gewinnt Paris Marathon im Schlussspurt

In einem an Spannung kaum zu überbietenden Finale des Frauenrennens des Paris Marathon hatte die bereits besiegt scheinende Helah Kiprop auf der langen Zielgerade die größten Kraftreserven und schob sich im allerletzten Atemzug zum Sieg im Duell mit Atalel Anmut. Bei den Männern triumphierte ein Debütant.

© Pete Linforth / Pixabay

Eigentlich schien die 37-jährige Helah Kiprop bereits nicht mehr für den Sieg in Frage zu kommen. Bereits auf dem letzte Kilometer angekommen bestimmte eine vierköpfige Spitzengruppe das Frauenrennen, das zugespitzt wurde auf die letzten Augenblicke. Yeshi Chekole, sowohl laut Papierform als auch laut Verhalten in der entscheidenden Phase die Favoritin, gestaltete das Tempo an der Spitze und Kiprop hing mit einigen Metern Abstand und einem Laufstil, bei dem der Oberkörper nicht mehr wie gewünscht ruhig in vertikaler Ausrichtung blieb, nur mehr irgendwie an der Spitzengruppe dran. Zwischen den beiden rechneten sich auch die jungen Äthiopierinnen Atalel Anmut und Fikrte Wereta Chancen auf den Sieg aus.

Helah Kiprops Halbmarathon-Splits: 1:11:10 / 1:12:09 Stunden
Helah Kiprops 5km-Teilzeiten: 16:45 / 16:44 / 16:54 / 16:56 / 17:30 / 17:24 / 16:52 / 17:10 / 7:04 (2,195 km) Minuten

Die Älteste hatte den besten Schlussspurt

Als die letzte, scharfe Kurve vor der langen Zielgerade hin zur Ziellinie in der Nähe des Arc de Triomphes genommen wurde, hatte Chekole keine Chance mehr auf den Sieg. Und plötzlich schaltete Kiprop einen Gang höher und setzte sich in den direkten Windschatten ihrer beiden jungen Kontrahentinnen. Gemeinsam mit Anmut setzten sie einige Meter zwischen sich und Wereta, der Spurt um Platz eins war längst eine Sache für zwei. Wenige Sekunden, bevor die Zeitnehmung stehen sollte, kippte die Patt-Stellung leicht zugunsten der Kenianerin, die mit den letzten schnellen Schritten des Tages in den letzten drei Atemzügen dann doch einen gut wahrnehmbaren Abstand zwischen sich und der Zweitplatzierten öffnen konnte. Beide wurden in einer Zeit von 2:23:19 Stunden gewertet, für Kiprop, die 2015 in Peking die WM-Silbermedaille gewonnen hat, war dieser Erfolg der zweitbedeutendste ihrer Karriere nach jenem beim Tokio Marathon 2016.

Die 23-jährige Anmut, die 2021 den Stockholm Marathon gewonnen hat, finishte den zweitschnellsten Marathon ihrer Karriere auf dem zweiten Platz. Die drittplatzierte Wereta beendete ihren dritten Marathon mit drei Sekunden Rückstand, ebenfalls im Dunstkreis ihrer Bestleistung. Für Yeshi Chekole blieb in 2:23:29 Stunden nur der vierte Platz. Die Kenianerin Linet Masai, ehemals Olympia- und WM-Medaillengewinnerin auf der Bahn, belegte Rang sechs, ihre Landsfrau Ruth Chebitok, im Vorjahr Zweite beim Vienna City Marathon, wurde nur Zehnte.

Debütant Ayana schlägt Favorit Adola

Das Rennen der Männer stand ganz im Zeichen des Marathon-Debütanten Abeje Ayana, ein bis dato recht unbekannter, 20-jähriger Läufer mit gerade einmal drei internationalen Wettkampf-Resultaten in den Listen von World Athletics. In einer Zeit von 2:07:15 Stunden setzte er sich vor Guye Adola (2:07:35) und Josphat Boit (2:07:40) durch.

Abeje Ayanas Halbmarathon-Splits: 1:03:14 / 1:04:01 Stunden
Abeje Ayanas 5km-Teilzeiten: 14:49 / 14:50 / 15:02 / 15:11 / 15:15 / 15:25 / 15:18 / 14:46 / 6:39 (2,195 km) Minuten

Für die französischen Läufer erfüllte sich bei kühlen Temperaturen in der Hauptstadt kein Olympia-Limit für den Olympischen Marathon von Paris 2024. Bereits zur Halbzeit des Rennens war mit einer Durchgangszeit der Verfolgergruppe von 1:04:38 Stunden diese Ambition passé, weder Mehdi Frère noch Morhad Amdouni, der auf dieser Strecke im Vorjahr seinen französischen Rekord gelaufen ist, konnten unter 2:10 Stunden bleiben. Bester Europäer wurde demnach der Schwede Samuel Tsegay, der als erster Schwede in der Geschichte des Marathons unter 2:10 Stunden blieb (2:09:47). Der 35-Jährige ist gebürtiger Eritreer und ist seit Sommer 2022 international für das skandinavische Land startberechtigt – zum WM-Limit für Budapest fehlten lediglich sieben Sekunden.

Veränderte Strecke

Der Paris Marathon ging am gestrigen Sonntag zum bereits 46. Mal über die Bühne, rund 45.000 Marathonläuferinnen und Marathonläufer waren am Start. Die Marathon-Strecke führt zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Stadt und hatte für 2023 eine Besonderheit parat. Der Schlussteil der Strecke wurde vom Bois de Boulogne, wo jahrelang wenig Publikum das Rennen verfolgte, deutlich näher an die Seine herangesetzt. Erst unmittelbar vor dem Ziel gelangte das Feld wieder auf die „alte“ Strecke und auf die Zielgerade auf der Avenue Foch.

Ergebnisse Schneider Electric Paris Marathon 2023

Männer

  1. Abeje Ayana (ETH) 2:07:15 Stunden *
  2. Guye Adola (ETH) 2:07:35 Stunden
  3. Josphat Boit (KEN) 2:07:40 Stunden
  4. Elkanah Langat (KEN) 2:08:24 Stunden
  5. Adeledelew Mamo (ETH) 2:08:49 Stunden
  6. Leonard Korir (USA) 2:09:32 Stunden
  7. Laban Korir (KEN) 2:09:34 Stunden
  8. Samuel Tsegay (SWE) 2:09:47 Stunden **
  9. Mehdi Frère (FRA) 2:11:05 Stunden
  10. Evans Sambu (KEN) 2:12:25 Stunden

    12. Morhad Amdouni (FRA) 2:12:45 Stunden
    14. Yoann Kowal (FRA) 2:14:57 Stunden

Frauen

  1. Helah Kiprop (KEN) 2:23:19 Stunden
  2. Atalel Anmut (ETH) 2:23:19 Stunden
  3. Fikrte Wereta (ETH) 2:23:22 Stunden
  4. Yeshi Chekole (ETH) 2:23:29 Stunden
  5. Winfridah Moseti (KEN) 2:23:38 Stunden ***
  6. Linet Masai (KEN) 2:24:49 Stunden
  7. Judith Jerubet (KEN) 2:25:54 Stunden ***
  8. Etatgegne Woldu (ETH) 2:26:00 Stunden
  9. Solange Jesus (POR) 2:28:15 Stunden ***
  10. Ruth Chebitok (KEN) 2:30:29 Stunden

* Marathon-Debüt
** neuer schwedischer Marathonrekord
*** neue persönliche Bestleistung

Schneider Electric Paris Marathon

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