Europäer beeindrucken beim Sevilla Marathon

Etliche europäische Läuferinnen und Läufer erzielten beim Sevilla Marathon beachtliche individuelle Steigerungen. Die Spanier freuen sich über das beachtliche Debüt von Meritxell Soler. Deborah Schöneborn gelang eine Verbesserung und das Olympia-Limit, bei den Männern bestachen die Steigerungen des Israeli Gashau Ayale und des Franzosen Nicolas Navarro. Und an der Spitze wurde – das ist in Sevilla mittlerweile auch business as usual – schnell gelaufen.

© Pixabay

Mit ihrem Debüt in einer Zeit von 2:26:32 Stunden schrieb Meritxell Soler aus spanischer Sicht die Geschichte an einem idealen Marathon-Tag in Sevilla, an dem zwei unheimlich dichte Marathonfelder für viele individuell beachtliche Geschichten schrieb – auch für den europäischen Marathonlauf. Die Katalanin, die mit einigen guten Leistungen in letzter Zeit ihr Potenzial ankündigte, aber bisher nicht dieses Spitzenresultat im Wettkampf vorweisen konnte, welches sie bei ihrer Marathon-Premiere auf Anhieb erreichte, verpasste den spanischen Marathonrekord von Marta Galimany lediglich um 23 Sekunden. Lange Zeit war sie ganz nahe dran, mit einer Halbmarathon-Zwischenzeit von 1:13:03 Stunden stimmte der Kurs exakt. Erst auf den letzten Kilometern ging der 30-Jährigen etwas die Luft aus, wenn man das auf diesem Niveau bei einer Premiere überhaupt sagen darf.

Meritxell Solers Halbmarathon-Splits: 1:13:03 / 1:13:34 Stunden
Meritxell Solers 5km-Teilzeiten: 17:14 / 17:14 / 17:21 / 17:20 / 17:33 / 17:27 / 17:31 / 17:21 / 7:33 (2,195 km) Minuten

Bestleistung für Schöneborn und vier Landesrekorde

Soler war als Gesamt-Achte des Sevilla Marathon drittbeste Europäerin. Deborah Schöneborn steigerte ihre persönliche Bestleistung um gut eine Minute auf eine Zeit von 2:25:52 Stunden und ist damit die siebte deutsche Marathonläuferin mit einer Zeit unter 2:26 Stunden. „Ich bin alles in allem sehr zufrieden“, wird die Deutsche auf der Website des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) zitiert. Das Olympia-Limit, das bei einer Zeit von 2:26:50 Stunden liegt, hat die bald 29-Jährige nun auch in der Tasche – ob das alleine, bei der Qualität im deutschen Marathonlauf der Frauen (man erinnere sich an den überlegenen EM-Titel in der Nationenwertung), für eine Olympia-Teilnahme reicht, bleibt abzuwarten. „Ich wäre natürlich gerne etwas schneller gelaufen und habe mich lange Zeit sehr gut gefühlt mit der Erwartung, hinten heraus noch zulegen zu können. Dann wurde es aber wärmer und windiger, so dass die Bedingungen nicht mehr ganz ideal waren. Zudem bekam ich leichte Wadenkrämpfe“, so Schöneborn weiter.

Deborah Schöneborns Halbmarathon-Splits: 1:12:42 / 1:13:10 Stunden
Deborah Schöneborns 5km-Teilzeiten: 17:15 / 17:156 / 17:14 / 17:11 / 17:14 / 17:07 / 17:33 / 17:27 / 7:35 (2,195 km) Minuten

Zwei Positionen hinter der fünftplatzierten Deutschen war die Belgierin Hanne Verbrüggen mit einer persönlichen Bestleistung von 2:26:32 Stunden zweitschnellste Europäerin des Tages. Sie ist nun die Nummer zwei der ewigen belgischen Bestenliste hinter Marleen Renders. Hinter Soler kamen vier Läuferinnen mit neuen Landesrekorden ins Ziel: Alia Saaed Mohammed bei ihrem Marathon-Debüt für die Vereinigte Arabische Emirate (2:27:08), Alisa Vainio für Finnland (2:27:26, 34 Sekunden schneller als Ritva Lemettinen 1995), Silvia Patricia Ortiz für Ecuador (2:27:36, zwei Sekunden schneller als Andrea Paolo Bonilla in Valencia 2021) und Nora Szabo für Ungarn (2:28:25, 25 Sekunden schneller als Judit Földingné Nagy 1996). Insgesamt blieben 29 Läuferinnen unter 2:35 Stunden, 18 unter 2:30. Acht Läuferinnen blieben unter dem harten Olympia-Limit von 2:26:50 Stunden – beeindruckend.

Enorme Verbesserungen bei den Top-Drei

Wer die Resultate der internationale Spitze des Frauenrennens mit dem Sieg der Kenianerin Jackline Chelal rein mit den statistischen Vorwerten vergleicht, könnte den Eindruck gewinnen, die Besten müssten abgekürzt haben. So außergewöhnlich waren die Steigerungsraten teilweise. Chelal ist praktisch eine unbekannte Athletin, ihren bisher einzigen Marathon finishte sie 2021 in Madrid in 2:29:22 Stunden. Nun hält sie bei einer Zeit von 2:20:29 Stunden, das ist die zweitschnellste Siegerzeit in der Geschichte des Sevilla Marathon. Dabei war das Tempo auf eine weit schnellere Zeit ausgerichtet, nach einer Halbmarathon-Durchgangszeit von 1:09:12 Stunden ließ das rasante Tempo eine sub-2:20-Zeit erst kurz vor Schluss aus dem Bereich des Möglichen rutschen.

Jackline Chelals Halbmarathon-Splits: 1:09:12 / 1:11:17 Stunden
Jackline Chelals 5km-Teilzeiten: 16:14 / 16:24 / 16:28 / 16:26 / 16:29 / 16:28 / 16:48 / 17:21 / 7:50 (2,195 km) Minuten

Die zweitplatzierte Ayana Mulisa kam nach 2:21:54 Stunden ins Ziel, die 29-jährige verbesserte ihre persönliche Bestleistung um über sechs Sekunden. Die drittplatzierte Urge Diro war ihren bisher schnellsten Marathon im Vorjahr in Wien gelaufen, als sie in 2:27:13 Stunden als Vierte ins Ziel kam – nun lief sie in Sevilla 2:23:05 Stunden. Auch die viertplatzierte Mexikanerin Citali Cristian Moscote steigerte sich um 80 Sekunden gegenüber ihrem zehnten Platz im Vorjahr (den sie bei den Weltmeisterschaften wiederholte, was ein tolles Resultat für sie war) und sprang mit einer Zeit von 2:24:53 Stunden auf Rang drei der ewigen mexikanischen Marathon-Bestenliste hinter Madai Perez und Adriana Fernandez Miranda in vorigen Jahrzehnten.

Inklusive des Sevilla Marathon 2023 war der Februar ein besonderer Monat in der Historie des Marathonsports. Denn nun verzeichnet die Geschichte dieser Disziplin über 1.000 Leistungen unter 2:25 Stunden. Davon wurden exakt 100 von europäische Läuferinnen erzielt.

Überraschungssieg durch Shumie

Den schnellen Zeiten und Rekordleistungen im Frauenrennen stand jenes der Männer um nichts nach. Der Kampf um den Sieg in einem extrem dichten Feld war spannender. Gadisa Shumie, ein 30-jähriger Äthiopier, lief sensationell auf den ersten Platz. Bisher noch nie die 2:10 Stunden unterbietend erreichte er eine Siegerzeit von 2:04:59 Stunden, womit der Sevilla Marathon zum dritten Mal in Folge unter 2:05 Stunden blieb. Kebede Tulu, im Vorjahr Dritter beim Barcelona Marathon, finishte 20 Sekunden später auf Platz zwei, Mekuant Ayenew, Sieger von 2020, hatte als Dritter 25 Sekunden Verspätung.

Gadisa Shumies Halbmarathon-Splits: 1:02:32 / 1:02:27 Stunden
Gadisa Shumies 5km-Teilzeiten: 14:47 / 14:41 / 15:02 / 14:46 / 14:54 / 14:44 / 14:45 / 14:48 / 6:32 (2,195 km) Minuten

Auf Platz vier ins Ziel einlaufend verbesserte Gashau Ayale den israelischen Marathonrekord von EM-Silbermedaillengewinner Maru Teferi um eine Minute und zehn Sekunden auf eine Zeit von 2:05:33 Stunden. Es ist die elftschnellste Marathonzeit für einen Läufer aus einem europäischen Verband, Ayale liegt nun auf Platz sechs der ewigen europäischen Bestenliste. Die zweite hochkarätige Verbesserung seiner persönlichen Bestleistung gelang dem Franzosen Nicolas Navarro, der im Radsport groß geworden ist und nach einer schweren Verletzung in jungen Jahren sein Metier gewechselt hat. Der 31-Jährige Olympia-Teilnehmer im Marathon, der dem On Athletics Club Europe angehört, wurde in einer Zeit von 2:06:45 Stunden Achter und liegt in der ewigen französischen Marathon-Bestenliste nun auf Platz drei hinter Morhad Amdouni und dem ehemaligen Europarekordhalter Benoit Zwierzchlewski. Zwei beachtliche Debüts gelangen dem Belgier Michael Somers und Yohanes Chiappinelli aus Italien, die beide unter 2:10 Stunden blieben. Damit liegt man beim Sevilla Marathon außerhalb der Top-20. So hart ist das Geschäft mittlerweile selbst bei Marathons, die kein Platin- oder Gold-Label haben.

Gashau Ayales Halbmarathon-Splits: 1:02:33 / 1:03:00 Stunden
Gashau Ayales 5km-Teilzeiten: 14:52 / 14:38 / 15:02 / 14:45 / 14:54 / 14:48 / 14:54 / 15:05 / 6:35 (2,195 km) Minuten

Enorme Qualität

Über 200 Athletinnen und Athleten wurden auf den Startlisten der Elite geführt, alleine bei den Männern blieben 17 Läufer unter dem Olympia-Limit von 2:08:10 Stunden! Dazu gehören auch die beiden neuen Landesrekordhalter Christian Pacheco aus Peru (2:07:38) und Hector Garibay Flores (2:07:44), nicht die neuen Landesrekordhalter aus Zypern (Amine Khadiri, 2:10:20) und Chile (Carlos Diaz, 2:10:26). Leider konnte Peter Herzog (Union Salzburg LA) von den Bedingungen und der Dichte in Sevilla nicht profitieren, er musste aufgrund einer Erkrankung im Vorfeld seinen Start absagen (siehe RunAustria-Vorbericht).

Der Sevilla Marathon 2023 zählte 8.280 Finisherinnen und Finishern und hat einen Prestigeerfolg erzielt: Im kommenden Jahr finden die spanischen Meisterschaften sowie die Olympia-Vorausscheidungen für Briten, Israelis und Türken statt. Die Beliebtheit dieses Marathons mit seinem flachen Kurs und stabilen klimatischen Verhältnissen zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison steigt also weiterhin rasant.

Ergebnisse Zurich Sevilla Marathon 2023

Männer

  1. Gadisa Shumie (ETH) 2:04:59 Stunden *
  2. Kebede Tulu (ETH) 2:05:19 Stunden *
  3. Mekuant Ayenew (ETH) 2:05:24 Stunden
  4. Gashau Ayale (ISR) 2:05:33 Stunden **
  5. Bethwel Kibet (KEN) 2:05:42 Stunden *
  6. Enock Onchari (KEN) 2:05:47 Stunden *
  7. Mulugeta Asefa (ETH) 2:06:07 Stunden *
  8. Nicholas Navarro (FRA) 2:06:45 Stunden *
  9. Douglas Chebii (KEN) 2:07:11 Stunden
  10. Wilfred Kimeli (KEN) 2:07:22 Stunden *
  11. Christian Pacheco (PER) 2:07:38 Stunden ***
  12. Girmaw Amare (ISR) 2:07:40 Stunden

    22. Michael Somers (BEL) 2:09:31 Stunden ****
    23. Yohanes Chiappinelli (ITA) 2:09:46 Stunden ****

Frauen

  1. Jackline Chelal (KEN) 2:20:29 Stunden *
  2. Ayana Mulisa (ETH) 2:21:54 Stunden *
  3. Urge Diro (ETH) 2:23:05 Stunden *
  4. Citali Cristian Moscote (MEX) 2:24:53 Stunden *
  5. Deborah Schöneborn (GER) 2:25:52 Stunden *
  6. Muluhabt Tsega (ETH) 2:26:02 Stunden
  7. Hanne Verbrüggen (BEL) 2:26:32 Stunden *
  8. Meritxell Soler (ESP) 2:26:37 Stunden ****
  9. Alia Saaed Mohamed (VAE) 2:27:08 Stunden **** / *****
  10. Alisa Vainio (FIN) 2:27:26 Stunden ******
  11. Silvia Patricia Ortiz (ECU) 2:27:36 Stunden *******
  12. Nora Szabo (HUN) 2:28:25 Stunden ********

* neue persönliche Bestleistung
** neuer israelischer Marathonrekord
*** neuer peruanischer Marathonrekord
**** Marathon-Debüt
***** neuer Marathonrekord für die Vereinigte Arabische Emirate
****** neuer finnischer Marathonrekord
******* neuer ecuadorianischer Marathonrekord
******** neuer ungarischer Marathonrekord

Zurich Sevilla Marathon

About Author