Emily Sisson verbessert US-Rekord im Halbmarathon

Vier Monate nach ihrem fantastischen US-Rekord im Marathon hat Emily Sisson beim gestrigen Halbmarathon in Houston auch den US-Rekord im Halbmarathon an sich gerissen.

© Public Domain Pictures / Pixabay

Emily Sisson hatte bereits im Vorjahr den US-Rekord von Sara Hall von 1:07:15 Stunden um vier Sekunden verbessert, die damalige Leistung auf der Strecke von Indianapolis erhielt aber keine offizielle Anerkennung in den Rekordlisten. Die Leistung am Standort des US-amerikanischen Leichtathletik-Verbandes (USATF) war dennoch ein Sprungbrett für die nun 31-Jährige, ihr seit Jahren angekündigtes Potenzial nicht nur zu verfeinern, sondern es im Wettkampf abzurufen. Das tat sie beim Chicago Marathon in einer Zeit von 2:18:29 Stunden und gestern beim Houston Halbmarathon in 1:06:52 Stunden.

RunAustria-Lesetipp: Die Berichterstattung über den Houston Marathon

Hitomi Niiya erreicht Dimensionen der besten Japanerinnen

US-Rekord fällt unter 1:07 Stunden

Zum ersten Mal fällt der US-Rekord damit unter die Marke von 1:07 Stunden (Kara Goucher ist 2007 auf der nicht für Bestenlisten tauglichen Punkt-zu-Punkt-Strecke des Great North Runs eine Zeit von 1:06:57 Stunden gelaufen, Anm. d. Red.). Es mag auch Zeit geworden sein, dass dies geschah, denn im weltweiten Vergleich in der ewigen Bestenliste des Leichtathletik-Weltverband mit der Schar äthiopischer und kenianischer Läufer liegt Sisson gerade in den Top-100 (und schob im übrigen die letzte 1:07er-Zeit aus den Top-100). Der Schluss daraus könnte lauten, dass Sissons US-Rekord im Marathon ein höheres Niveau hat als der Halbmarathonrekord, die Performance Score von World Athletics, sicherlich auch nicht der Weisheit letzter Schluss, würde dieser These überdeutlich recht geben. Ebenso die Zeitdistanz zum jeweiligen Weltrekord.

Dabei wäre vielleicht noch mehr drin gewesen für Sisson, die das Rennen mit ihren brandneuen Elite-Laufschuhen von New Balance (Quelle: Yahoo) richtig knackig anging. 15:31 Minuten nach fünf Kilometern und 31:19 Minuten nach zehn Kilometern waren Zwischenzeiten, die eine schnellere Endzeit ankündigten. Doch der zweite Zehner war deutlich langsamer als der erste, Sisson erklärte dem US-amerikanischen ABC13, ihre schnelle Angangszeit rührte daher, dass sie versucht hatte, den Wettkampf zu gewinnen. Der neue US-Rekord ist gleichbedeutend mit einem Kontinentalrekord für die CONCACAF-Zone.

Simpson meldet sich mit Premiere zurück

Sisson war nicht die einzige US-Amerikanerin, die überzeugen konnte. Nur neun Monate nach der Geburt ihrer Tochter absolvierte Molly Huddle ihr ein zweiten Wettkampf seither und schaffte es als starke Fünfte haarscharf nicht unter 1:10 Stunden, eine aufmunternde Rückkehr nach Houston, wo sie einst einen US-Rekord gelaufen ist. Das bedeutet, sie blieb gerade einmal zweieinhalb Minuten über ihrer persönlichen Bestleistung, sicherlich nicht im besten Fitnesszustand ihrer Karriere.

Als fünftbeste Amerikanerin knapp hinter Erika Kemp und Lindsay Flanagan erreichte Jennifer Simpson das Ziel als Neunte in einer Zeit von 1:10:35 Stunden. Damit konnte sie mit ihrem Debüt im Halbmarathon zufrieden sein, auch, weil der ehemaligen Weltmeisterin im 1.500m-Lauf in den letzten drei Jahren wenig Erfreuliches gelang.

Start-Ziel-Sieg für Gebremaryam

Bei fast hervorragenden Laufbedingungen zu früher Morgenstunde in Houston konnte nicht nur die heimische Topläuferin die Bühne für tolle Leistungen nutzen. Die Äthiopierin Hiwot Gebremaryam, 2021 Zweite beim Berlin Marathon unter dem Namen Gebrekidan als nur ein Beispiel für tolle Marathon-Leistungen, machte sich gleich nach dem Start auf und davon und feierte in einer Zeit von 1:06:28 Stunden einen klaren Start-Ziel-Sieg, nach einer irre schnellen Anfangsphase mit Kilometersplits von 3:03 Minuten. Es ist eine Verbesserung der persönlichen Bestleistung der 27-Jährigen um 19 Sekunden und die drittschnellste Siegerzeit der Veranstaltungsgeschichte in Houston.

Comeback von Tirunesh Dibaba enttäuschend

Ein kräftiger Leistungssprung gelang der Britin Jessica Warner-Judd, die bereits zweimal unter 1:08 Stunden geblieben ist, darunter auch im Vorjahr in Houston, sich dieses Mal aber auf eine Zeit von 1:07:19 Stunden steigerte und damit knapp vor Jess Piasecki Platz drei in der ewigen britischen Bestenliste hinter Eilish McColgan und Paula Radcliffe übernahm.

Weniger herausragend war dagegen die Rückkehr von Tirunesh Dibaba. Im ersten Wettkampf nach vier Jahren durfte die Erwartungshaltung an die dreifache Mutter nicht zu hoch sein, doch mit einer Zeit von 1:11:35 Stunden blieb die lebende (Bahn)-Lauflegende doch weiter zurück als gedacht. Ihre jüngere Schwester Anna, offenbar mit weit weniger Lauftalent gesegnet als ihre Schwestern Tirunesh oder Genzebe, dürfte mehr Freude mit dem Houston-Resultat haben, es war nämlich ihr erster Halbmarathon unter 1:10 Stunden.

Gebresilases Routine im Endspurt Trumpf

Auch bei den Männern setzte sich der laut Vorleistungen am höchsten gereihte Läufer durch. Der äthiopische Top-Marathonläufer Leul Gebresilase entschied ein enges Duell mit dem überraschend starken, in den USA lebenden Kenianer Wesley Kiptoo knapp für sich, eine Siegerzeit von 1:00:34 Stunden brachte eine Sekunde Unterschied. Platz drei ging an den Marokkaner Mohamed El Aaraby, hinter dem Alberto Gonzalez Mindez als Vierter einen neuen Landesrekord für Guatemala markierte (1:01:03).

Zweitbester US-Amerikaner war der sechstplatzierte Conner Mantz (1:01:08) im Bereich seiner Bestleistung, hinter ihm blieben der äthiopische Marathonläufer Shura Kitata und der in den USA lebende Kenianer Edward Cheserek unter den Erwartungen.

Ergebnisse Aramco Houston Halbmarathon

Männer

  1. Leul Gebresilase (ETH) 1:00:34 Stunden
  2. Wesley Kiptoo (KEN) 1:00:35 Stunden
  3. Mohamed El Aaraby (MAR) 1:00:58 Stunden
  4. Alberto Gonzalez Mindez (GUA) 1:01:03 Stunden *
  5. Zouhair Talbi (MAR) 1:01:08 Stunden **
  6. Conner Mantz (USA) 1:01:08 Stunden
  7. Shura Kitata (ETH) 1:01:16 Stunden
  8. Edward Cheserek (KEN) 1:01:51 Stunden
  9. Frank Lara (USA) 1:02:00 Stunden
  10. Brian Shrader (USA) 1:02:17 Stunden **

Frauen

  1. Hiwot Gebremaryam (ETH) 1:06:28 Stunden **
  2. Emily Sisson (USA) 1:06:52 Stunden ***
  3. Jessica Warner-Judd (GBR) 1:07:19 Stunden **
  4. Anna Dibaba (ETH) 1:09:22 Stunden **
  5. Molly Huddle (USA) 1:10:01 Stunden
  6. Dominique Scott (RSA) 1:10:07 Stunden
  7. Erika Kemp (USA) 1:10:14 Stunden **
  8. Lindsay Flanagan (USA) 1:10:35 Stunden
  9. Jennifer Simpson (USA) 1:10:35 Stunden ****
  10. Jessie Cardin (USA) 1:10:52 Stunden **

    16. Tirunesh Dibaba (ETH) 1:11:35 Stunden

* neuer Landesrekord für Guatemala
** neue persönliche Bestleistung
*** neuer nord- und mittelamerikanischer Kontinentalrekord
**** Halbmarathon-Debüt

Aramco Houston Halbmarathon

About Author