Laufpause: Wie viel Geduld ist gefragt?

Wir wünschen es Ihnen nicht. Aber bei den gegenwärtig kommunizierten Krankheitsfällen verschiedener Art gibt es eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass sie an einer Erkältung, Erkrankung leiden oder gar mit Fieber im Bett liegen. So, dass Sie Ihre Laufaktivitäten vorübergehend einstellen müssen oder mussten. Die Brüder und Schwestern im Geiste, sie liegen vielleicht gar nur ein paar Wohnungen weiter ebenfalls in der Untätigkeit.

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Dass Laufen nur bei voller Gesundheit sinnvoll ist, um einerseits keine nicht risikoarme (Über-)Belastung herbeizuführen und andererseits alle positiven Auswirkungen des regelmäßigen Laufens zu konsumieren, liegt auf der Hand. Genauso leider auch, dass die Auswirkungen einer Laufpause auf Leistung und Wohlgefühl nicht wünschenswert sind. Geduld ist das oberste Gebot, dieselbe Länge der Erkrankung oder Unwohlseins soll bis zum Comeback noch einmal vergehen, lautet eine Faustregel. Vernunft und Körpergefühl sind meistens eh ein guter Ratgeber.

Laufpause gleich schlimm wie schlechter Schlaf

Ein von ASICS unter wissenschaftlichen Kriterien durchgeführtes Experiment im Frühling 2022 zeigt, dass eine Woche Laufpause unserem Geist so sehr zusetzt wie eine Woche schlechter und unterbrochener Schlaf, im Idealfall unsere unersetzliche Regeneration- und Energiequelle. Da Zweiteres im Krankheitsfall nicht selten dazukommt und die Laune ohnehin verbesserungswürdig ist, maximiert sich der Verlust. Und zwar auf den Ebenen Selbstvertrauen, Wohlgefühl, Energielevel, Stresslevel. Die gute Nachricht: Unser Geist holt sich den Benefit sofort wieder zurück, sobald die Laufschuhe wieder im Einsatz sind. Oft, aufgrund der Abstinenz, im Einzelfall sogar intensiver.

Profitieren Sie von der Erinnerungskapazität

Beim Verlust der physischen Fähigkeit kommt eine praktische Körperkompetenz zu Hilfe. Unsere Muskeln haben eine Art molekulare Erinnerungsfähigkeit an frühere Phasen der körperlichen Aktivität. Und dabei geht es nicht um basale Fähigkeiten, wie zum Beispiel das Ausüben einer Sportart oder Bewegungsfolge, sondern auch um das wie. Diese Erinnerungen bleiben wochen- und monatelang erhalten, schreibt die New York Times Anfang Mai unter Berufung auf eine wissenschaftliche Studie an Mäusen.

Das Forscherteam der University of Kentucky, das besagte wissenschaftliche Erkenntnisse 2021 im Fachmagazin Function veröffentlichte, simulierte menschliches Krafttraining mit Mäusen, indem sie beschwerte Laufräder bewegen mussten. Nach acht Wochen Training setzten sie zwölf Monate aus (umgerechnet wären das mehrere Menschenjahre) und trainierten wieder einen Monat lang gemeinsam mit Mäusen in der Kontrollgruppe, die erstmals in solchen Laufrädern liefen. Das Ergebnis: Die Mäuse, die davor schon trainiert hatten, kräftigten sich viel schneller als die Kontrollgruppe, weil sie sich durch die Erinnerungsfunktion schneller an die geforderten Umstände anpassen konnten. Die Forscher halten die Erkenntnisse gut auf den Menschen ummünzbar.

Geduld ist gefragt

Beim Wiedereinstieg ist Geduld gefragt, dann wird das Comeback zu alter Leistungsstärke gelingen. Es ist klar, dass der Körper bereits nach zwei Wochen Inaktivität sich umgewöhnt und Stoffwechselprozesse an die neuen Begebenheiten umstellt. Wie lange die Rückabwicklung hin zur Fitness von vor der Pause dauert, hängt von einigen Faktoren ab, darunter die Länge der Laufpause und der Fitnessgrad davor. Je fitter Sie vor der Pause waren, desto schneller bringen Sie sich auch wieder dahin. Über den Daumen gepeilt wird das in etwa die Zeitspanne der Laufpause dauern, sofern die gesundheitliche Entwicklung stimmt.

Eine Studie dänischer Wissenschaftler aus dem Jahr 2014 hat im Übrigen festgestellt, dass Alter kein Faktor dafür ist, wie schnell man wieder zum alten Leistungsniveau zurückkommt.