Drei ÖLV-Läufer in Tilburg in Top-Ten

Beim traditionsreichen Crosslauf Warandeloop in Tilburg könnte die heimische Crosslauf-Spitze überzeugen. Julia Mayer (6.), Sebastian Frey (7.) und Andreas Vojta (10.) mischten im Spitzenfeld mit und setzten wichtige Schritte Richtung Europameisterschaften in zwei Wochen.

Sebastian Frey bei den Staatsmeisterschaften im Crosslauf 2022. © RunAustria

Seit vielen Jahren ist der Crosslauf in Tilburg ein Fixtermin in der Wintersaison von Andreas Vojta (team2012.at), heuer ist ihm aber eine Besonderheit passiert – er war nicht bester Österreicher. Staatsmeister Sebastian Frey (DSG Wien) demonstrierte auch in Holland seine aktuelle gute Verfassung und kam drei Sekunden vor dem Routinier ins Ziel. „Es ist Zeit geworden, dass der österreichische Laufsport mit neuen Talenten auch bei internationalen Bewerben aufzeigt“, findet der 33-Jährige, der sich sehr über diese Entwicklung freut. Jahrelang war er nicht nur in Tilburg ein rot-weiß-roter Einzelkämpfer. Für Frey hatte er ein Extralob übrig: „Er hat schon auf den Langdistanzen auf der Bahn extrem starke Leistungen für sein Alter gezeigt und ist gestern auf einem Superniveau mitgelaufen.“ Auch der 20-Jährige strahlte nach seinem siebten Platz in einer Zeit von 29:57 Minuten. „Super, das taugt mir sehr“, kommentierte er sein Rennen. Eine kleine Magen-Darm-Infektion nach den Staatsmeisterschaften eine Woche zuvor hatte kein Spuren hinterlassen, Frey agierte in Tilburg wieder mit dem Maximum der verfügbaren Kräfte.

Wichtige Erfahrung mit internationaler Gangart

„Wenn man mit Andi, der enorme Erfahrung hat, in derselben Gruppe läuft, dann kann die Renneinteilung nicht so falsch sein“, erzählte der junge Wiener. Vojta und er waren Bestandteil einer Verfolgergruppe in einem Rennen, das traditionell nicht nur durch starke Läufer aus den Be-Ne-Lux-Ländern, bekannte Crosslauf-Nationen, sondern auch skandinavischen Läufern aufgewertet ist. Die dort gesammelte Erfahrung ist für Frey eine wichtige Komponente Richtung Europameisterschaften, bei denen er in der Altersklasse U23 an den Start gehen wird. „Bei internationalen Rennen wird vom Start weg gleich auf die Tube gedrückt. Da muss man dabei sein. Aber es hat sich erneut bewahrheitet, dass, wenn man in der Gruppe anfänglich etwas defensiv läuft, man im Laufe des Rennens einige Kontrahenten einsammelt. Das klappt aber nur gut, wenn man immer Kontakt zur Spitze hält.“ Die Zeitnehmung stoppte für Frey nach 10.000m in 29:57 Minuten als Siebter, auf den letzten Metern nahm er seinem zehntplatzierten Landsmann noch drei Sekunden ab. Das Selbstvertrauen stimmt nun nach seinem ersten Staatsmeistertitel im Crosslauf und dem siebten Platz in Tilburg, der Erfolg im direkten Duell mit Vojta, viele Jahre lang nicht nur im Crosslauf in Österreich die klare Nummer eins, ist ebenfalls ein aufmunterndes Detail für seine Entwicklung in diesem Winter.

Überzeugende Bewerbung für EM

Im Gegensatz zu Frey absolvierte Vojta in Tilburg seinen Einstieg in die Crosslauf-Saison, ohne spezifische Einheiten im Gelände und bei entsprechendem Tempo im Vorfeld, wie er berichtete. Der Fokus liegt auf der kommenden Straßenlauf-Saison mit dem Marathon-Debüt in Wien als voraussichtliches Highlight. „Nicht nur aus mentaler Sicht, sondern auch für die Inhalte im Training sind Crosslauf-Wettkämpfe eine willkommene Abwechslung“, erklärt der Niederösterreicher. Mit seinem zehnten Platz in einer Zeit von exakt 30 Minuten war er dementsprechend zufrieden und sprach von einem soliden Einstieg im Rahmen realistischer Erwartungen, die aus der Trainingsarbeit entstammten. Ein erster Wettkampf in einer Disziplin mit derartigen Spezifika wie der Crosslauf und dann noch in einem Rennen, in dem ein hohes Tempo von Beginn an die Herausforderung bietet, sei nie eine leichte Kombination, gab Vojta zu bedenken. Sein Resultat stellt, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, den notwendigen Leistungsnachweis für den Österreichischen Leichtathletik-Verband (ÖLV) dar, den er für eine EM-Nominierung brauchte. Etwas erstaunt zeigte sich Vojta bei guten Crosslauf-Bedingungen ganz allgemein über die schnellen Laufzeiten im Vergleich zu anderen Jahren, inklusive seiner eigenen. Vielleicht sei die Strecke – beim Crosslauf ja nicht so streng kalibriert wie bei Straßenläufen – an der ein oder anderen Stelle um ein paar Meter kürzer gewesen als in anderen Jahren, mutmaßte er.

Wichtiger Schritt mit gutem Laufgefühl

Einen wichtigen Schritt nach dem Staatsmeistertitel von Lorüns setzte kurze Zeit nach dem Elliterennen der Männer Julia Mayer (DSG Wien) im Eliterennen der Frauen. Über die Distanz von 8.000m belegte die 29-Jährige mit einer Laufleistung von 28:14 Minuten den sechsten Platz und war mit ihrem Auftritt sehr zufrieden. „Ich bin extrem glücklich, insbesondere auch, was den Abstand zur Spitze betrifft. Ich habe den Aufschwung schon im Training gespürt und natürlich habe ich gehofft, diesen Trend auch in der Wettkampfleistung zu sehen, wenn einige starke europäische Läuferinnen am Start sind. Das ist gelungen, vor allem war das Gefühl während des Rennens sehr gut“, erzählte Mayer. Das gebe ihr einiges an Zuversicht für die unmittelbare Vorbereitung auf die Crosslauf-EM am 11. Dezember in Turin.

Mayer startete bei dieser für sie wichtigen Standortbestimmung etwas defensiv ins Rennen und arbeite sich nach der ersten Runde in die Verfolgergruppe. Während diese immer kleiner wurde, feilte sie gemeinsam mit Jacelyn Gruppen am Tempo. „Vielleicht fehlt mir die Tempohärte noch etwas, aber das Gefühl war auf der zweiten Rennhälfte wirklich gut“, erinnerte die Niederösterreicherin an ihren etwas verspäteten Trainingseinstieg. Diese Tempohärte wird nun mit den nächsten Trainingseinheiten kommen, erwartet sie, die Erfahrung vom Wettkampf in Tilburg sei wichtig dafür. Auch das Feeling mit der Distanz von 8.000m, also gut 3.000m mehr als bei den Staatsmeisterschaften, wo die Distanz für ihre Vorlieben fast etwas zu kurz war. „So ein Crosslauf über acht Kilometer auf hügeligem Gelände und dem natürlichen Untergrund ist intensiver als ein 10km-Lauf auf der Bahn oder auf der Straße“, betonte sie.

Siege für Lahti und Bibic

An der Spitze gab es bei den Frauen einen Favoritensieg für die Schwedin Sarah Lahti, die einige Jahre mit einem niederländischen Läufer verheiratet war. Sie setzte sich in einer Zeit von 26:40 Minuten klar vor Silke Jonkman durch, die sich etwas überraschend den Titel bei den holländischen Meisterschaften vor der dafür favorisierten Diane van Es sichern konnte. Auch bei den Männern war der Kampf um den holländischen Meistertitel ein wichtiges Element des Rennens. Die unheimliche Dichte in der Nation, die traditionell eine weit höhere Leidenschaft für den Crosslauf aufbringt als etwa Österreich, war auch für das ÖLV-Quartett ein ideales Wettkampfumfeld. Als vierter Österreicher war Bernhard Neumann (DSG Wien) am Start, der eine Zeit von 32:23 Minuten erzielte.

Sieger wurde der mehrfache serbische Rekordhalter Elzan Bibic, 2019 Sieger beim Silvesterlauf in Peuerbach, der in gut einem Monat sein Comeback feiert (siehe RunAustria-Bericht), in einer Zeit von 29:26 Minuten. Holländischer Meister wurde der zweitplatzierte Stan Niesten knapp vor Filmon Tesfu, beide wurden mit einer Zeit von 29:34 Minuten gewertet. Der Warandeloop in Tilburg, der zur World Cross Country Tour der zweithöchsten Wettkampfstufe Silber gehört, ist ein zweieinhalbtägiges Crosslauf-Fest mit etlichen Bewerben für Freizeit- und Nachwuchsläufer und sogar einem Nacht-Crosslauf am Freitagabend. Die Crossgala, wie die beiden sportlich am hochwertigsten besetzten Bewerbe benannt sind, war am Sonntagmittag das Highlight des Crosslauf-Wochenendes, das bereits zum 63. Mal stattfand.

Ergebnis Warandeloop 2022

Männer (10.000m)

  1. Elzan Bibic (SRB) 29:26 Minuten
  2. Stan Niesten (NED) 29:34 Minuten
  3. Filmon Tesfu (NED) 29:34 Minuten
  4. Stan Schipperen (NED) 29:38 Minuten
  5. Job Ijtsma (NED) 29:48 Minuten
  6. Jurijen Poldermann (NED) 29:53 Minuten
  7. Sebastian Frey (AUT) 29:57 Minuten

    10. Andreas Vojta (AUT) 30:00 Minuten
    41. Bernhard Neumann (AUT) 32:23 Minuten

Frauen (8.000m)

  1. Sarah Lahti (SWE) 26:40 Minuten
  2. Silke Jonkman (NED) 26:56 Minuten
  3. Diane van Es (NED) 27:07 Minuten
  4. Veerle Bakker (NED) 27:17 Minuten
  5. Jennifer Gulike (NED) 27:29 Minuten
  6. Julia Mayer (AUT) 28:14 Minuten

Warandeloop

World Cross Country Tour