Keira D’Amato strebt nach US-Premiere

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Dank der gelungenen Verpflichtung von Eliud Kipchoge, die vermutlich auch kräftige Auswirkungen auf das finanzielle Budget des Berlin Marathon hatte, steht das Elitefeld der Frauen in diesem Jahr ziemlich im Schatten des Männerrennens. Das Potenzial für ein spannendes und auch von den Leistungen her hochklassiges Rennen ist aber gegeben, wenngleich mit der US-amerikanischen Rekordhalterin Keira D’Amato „nur“ eine Läuferin übrig geblieben ist, die mit einer Bestleistung von unter 2:20 Stunden an den Start geht. Denn die Kenianerin Nancy Jelagat, amtierende Siegerin des Valencia Marathon, musste aufgrund einer Gelenksentzündung im Knie und in der Hüfte auf ärztlichem Ratschlag hin in der Vorbereitung mit dem Laufen pausieren.

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Die Sehnsucht nach der Trance

Der Traum eines Novums

Die 37-Jährige läuft in der deutschen Hauptstadt auch um ein historisches Novum, denn noch nie hat eine Läuferin aus Nordamerika den wichtigsten Marathon in Deutschland gewonnen. Auch bei den Männern gab es noch nie einen nordamerikanischen Sieg. D’Amato selbst, die im Jänner den Houston Marathon mit einer frenetischen Leistung von 2:19:12 Stunden gewonnen hat, träumt in Berlin von großen Taten. „Ich würde gerne schneller laufen als in Houston. Ein Rennen dieser Qualität wie den Berlin Marathon zu gewinnen ist eine riesige Ambition meiner Karriere, es wäre ein Traum“, sagte die US-Amerikanerin beim gestrigen Pressetermin in Berlin. Für einen Sieg, glaubt D’Amato, würde am Sonntag aber eine Leistung in der Nähe des Streckenrekords von Gladys Cherono (2:18:11) gefragt sein. In Form ist D’Amato nach der verhätnismäßig kurzen Pause nach ihrem letzten Marathon bei der WM in Eugene: Vor drei Wochen gewann sie den US-Titel im 20km-Lauf im Duell mit Emily Sisson, wobei das Tempo dabei fast auf dem Niveau des US-Halbmarathonrekords war.

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„Einfach ein gutes Rennen“

Es ist der zweite Antritt D’Amatos beim Berlin Marathon. Die ehemalige Bahnläuferin ist nach sieben Jahren absoluter Wettkampf-Pause, in denen sie eine Familie gründete und beruflich tätig war, in den Laufsport mit Fokus auf den Marathon zurückgekehrt. Eine der ersten Stationen bei der Rückkehr war der Berlin Marathon 2019, wo sie eine Zeit von 2:34:55 Stunden erzielte. „Die Organisation war Weltklasse, der Support der Zuschauer fantastisch. Die Strecke ist sehr schnell und flach wie ein Pfannkuchen. Es ist einfach ein gutes Rennen, daher bin ich hierher zurückgekehrt“, sagte die WM-Achte von Eugene, deren Landsfrau Sara Hall aufgrund einer Oberschenkelverletzung absagen musste und sich nun auf den New York City Marathon vorbereitet.

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Der G.O.A.T. und seine Weltrekordsucht

Afrikanische Herausforderinnen mit Potenzial

Die Äthiopierinnen, deren Landsfrauen Ashete Bekere (2019) und Gotytom Gebreslase (2021), die neue Weltmeisterin im Marathon, die letzten beiden Ausgaben des Berlin Marathon für sich entscheiden konnten, starten in der Rolle der Herausforderinnen. Gutemi Shone, Zweite beim Dubai Marathon 2020 in 2:20:11 Stunden, Workenesh Edesa, Siegerin des Xiamen Marathon 2016 und Sechste des Valencia Marathon 2019, und Sisay Gola, Zweite beim Sevilla Marathon im Februar, haben Bestleistungen im Bereich von 2:20 bis 2:21 Stunden aufzuweisen. Drei starke Kenianerinnen haben sich den Sieg am Sonntag ebenfalls vorgenommen: Maurine Chepkemoi, im Vorjahr Zweite beim Amsterdam Marathon in einer Zeit von 2:20:18 Stunden und im Juli last-minute nicht für die Commonwealth Games vorgesehen, Vibian Chepkirui und Rosemary Wanjiru.

Nächster Schritt für VCM-Siegerin

Die zweifache Siegerin des Vienna City Marathon, Chepkirui will nach ihrem Streckenrekord in der Bundeshauptstadt im April (2:20:59) in Berlin den nächsten Schritt setzen: „Ich möchte das erste Mal unter 2:20 Stunden laufen und – selbstverständlich – gewinnen.“ Die 28-Jährige ist vor ihrem dritten Antritt im Marathon noch ungeschlagen. Ihren ersten Antritt im Marathon absolviert Rosemary Wanjiru, die starke Bestleistungen auf den Unterdistanzen mitbringt. Als WM-Vierte lief sie 2019 in Doha eine 10.000m-Zeit von 30:35,75 Minuten, im 10km-Lauf blieb sie 2020 in Valencia bereits unter 30 Minuten (29:50), wenig später gelang kurz vor dem Pandemie bedingten Stopp des gesellschaftlichen Lebens eine Halbmarathon-Bestleistung von 1:05:34 Stunden in Ras Al Khamah. „Ich bin bereit für den Marathon“, so die 27-Jährige. Das zweite interessante Marathon-Debüt bestreitet die Äthiopierin Nigisti Haftu.

Mayer musste Berlin Marathon abblasen

Gute Chancen auf den nächsten Schritt in ihrer Marathon-Karriere sollte auch die Siegerin des Prag Marathon 2022, Bekelech Gudeta aus Äthiopien haben. Aufgrund der Anhäufung von Meisterschaftsmarathons im vergangenen Sommer, insbesondere der EM von München, war die Verpflichtung prominenter europäischer Läuferinnen für den Berlin Marathon in diesem Jahr schwierig. Die beste laut Vorleistungen ist die Britin Sonia Samuels. Auch die österreichische Topläuferin Julia Mayer (DSG Wien) musste vom Plan, den Berlin Marathon zu bestreiten, abrücken, nachdem sie nach der EM von gesundheitlichen Problemen ausgebremst wurde. Deutsche Topläuferin ist keine am Start, Katja Fischer ist mit einer persönlichen Bestzeit von 2:42:39 Stunden die am besten gelistete.

Einen interessanten internationalen Touch bringen die Starts der ehemaligen kanadischen Rekordhalterin Natasha Wodak, der Australierin Lisa Weightman, die im Alter von 43 Jahre im Juli beim Gold Coast Marathon in 2:25:55 Stunden ihre zweitbeste Karriere-Leistung erzielt hat, sowie der beiden Japanerinnen Sayaka Sato und Yukari Abe. Die 40-jährige Wodak hat den kanadischen Landesrekord von Malindi Elmore (2:24:50) im Auge.

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