VCM-Sieger Matolo verpasst Sieg in Sydney knapp

Cosmas Matolo, im Frühjahr strahlender Sieger beim Vienna City Marathon, verpasste am gestrigen Morgen australischer Zeit den Sieg beim Sydney Marathon nur um drei Sekunden. Der australische Großevent bewirbt sich für die höchste Marathonstufe, erste Tendenzen waren sichtbar.

© Patty Jansen / Pixabay

Der bestbesetzte Sydney Marathon aller Zeiten war nicht nur dem 20. Jubiläum der als Konsequenz der feierlichen Austragung der Olympischen Spiele im Jahr 2000 eingeführten Marathon-Veranstaltung mit dem Titel „Sydney Running Festival“ geschuldet, sondern auch der spektakulären Option für die Zukunft. Der Syndey Marathon würde gerne in den erlauchten Kreis der World Marathon Majors aufgenommen, ein dreijähriger Bewerbungsprozess läuft. Die starken und auch in der Breite beachtlich bestückten Elitefelder lieferten einen deutlichen neuen Streckenrekord bei den Männern. Der Sieger Moses Kibet war in einer Endzeit von 2:07:02 Stunden 2:47 Minuten schneller als Vorjahressieger Filex Kiprotich.

Hochspannendes Finale

Der Syndey Marathon lebte von der Spannung in beiden Rennen. Insbesondere das Finale des Männerrennens verlief in der engen und winkligen Streckenpassage hin zur kurzen Zielgerade vor der weltberühmten Oper von Sydney, wo die Spitzenläufer teilweise noch sehr langsame Läuferinnen und Läufer aus dem Hobbyfeld kürzerer Distanzen überholen und Hindernisse wie Gitter und Absperrpfosten beachten mussten, spektakulär. Eine Vierergruppe lag bei Kilometer 40 noch in Führung, einen knappen Kilometer später fiel Abebe Negewo, der in Valencia bereits dreimal unter 2:06 Stunden gelaufen ist, leicht zurück.

Moses Kibets 5km-Teilzeiten: 14:56 / 15:11 / 15:00 / 14:57 / 14:58 / 14:55 / 15:15 / 15:35 / 6:15 (2,195 km) Minuten

Diesen Moment nutzte Deso Gelmisa, Sieger des diesjährigen Paris Marathon, für eine Tempoverschärfung. Er konnte sich nicht absetzen, als Cosmas Matolo die Gunst der Stunde für einen Konter nutzte. Doch auch das war nicht die Vorentscheidung, das beste Ende dieses technisch wie mental schwierigen letzten Kilometers hatte Moses Kibet für sich, der in 2:07:02 Stunden die Ziellinie an der Oper überquerte. Matolo, der im Frühjahr im spannenden Dreikampf mit Leonard Langat und Oqbe Kibrom den Vienna City Marathon in einer Zeit von 2:06:53 Stunden für sich entscheiden konnte, folgte in seiner zweitschnellsten Marathonzeit drei Sekunden später, der beste Äthiopier hatte weitere drei Sekunden Rückstand. Die Siegerzeit Kibets ist nicht nur die schnellste je in Sydney, sondern die schnellste je in Australien erzielte Marathonzeit – 48 Sekunden schneller als Yuta Shitara 2019 beim Gold Coast Marathon.

Kibet mit Initiative

Der Vierkampf um den Sieg entstand aus einem konstant gut geführten Rennen mit einer tollen Einzelleistung auf der Position der Tempomacher. Nach dem Ausstieg des letzten pünktlich bei Kilometer 30 sackte das Tempo nur leicht ab, die Entscheidung um den Sieg begann in der absoluten Schlussphase. Davor hatte der spätere Sieger Moses Kibet, im September 2021 Schnellster beim Paris Halbmarathon, bereits überwiegend das Tempo gestaltet.

Der kenianische Mitfavorit Marius Kipserem, zweifache Sieger des Rotterdam Marathon, dagegen wurde wie auch der Äthiopier Olika Adugna, Sieger des Dubai Marathon 2020, frühzeitig abgehängt.

Girma dominierte das Finale

Auch bei den Frauen fiel die Entscheidung erst auf den letzten Kilometern. Sechs Läuferinnen lagen gemeinsam an der Spitze, als das Rennen in sein letztes Drittel ging. Bei Kilometer 32 setzte sich Tigist Girma aus Äthiopien ein paar Meter von ihrer Landsfrau Rahma Tusa ab, der Rest der Spitzengruppe folgte ein paar Meter weiter hinten. Es sollte nie wieder zum vollständigen Zusammenschluss kommen. In der finalen Phase des Rennens lag Letebrhan Haylay auf der zweiten Position, konnte den Rückstand aber auf Girma nicht mehr verkürzen. Auf den letzten Kilometern ging die Lücke noch einmal auf, so dass Girma bereits 800 Meter vor dem Ziel in die Kamera winkte, dennoch fabelhafte letzte zwei Kilometer hinlegte. Die 29-Jährige, die bereits zweimal unter 2:20 Stunden gelaufen ist, finishte in einer Zeit von 2:25:10 Stunden mit 35 Sekunden Vorsprung auf Haylay, zweifache Siegerin des Dongying Marathon in China und feierte den bisher bedeutendsten Marathonsieg ihrer Karriere. Auch die drittplatzierte Nazret Weldu blieb unter 2:26 Stunden. Die 32-Jährige bestach bei den Weltmeisterschaften in Eugene mit einem starken vierten Platz inklusive eritreeischem Landesrekord von 2:20:29 Stunden, davor hat sie im Frühling den Daegu Marathon gewonnen.

Moses Kibets 5km-Teilzeiten: 14:56 / 15:11 / 15:00 / 14:57 / 14:58 / 14:55 / 15:15 / 15:35 / 6:15 (2,195 km) Minuten

Tusa wurde Vierte vor ihren Landsfrau Yenenesh Dinkesa und Fantu Jimma, während für die WM-Dritte von Doha 2019, Helalia Johannes, die das gesamte Rennen über nie eine Rolle für einen Spitzenplatz spielte, Position sieben übrig blieb. Die australischen Meistertitel gingen an Reece Edwards (2:17:24) und Regina Wright (2:47:40). Nicht einmal zwei Monate nach Platz fünf bei den Commonwealth Games im Marathon gewann die australische Top-Marathonläuferin Sinead Diver den Halbmarathon in einer Zeit von 1:13:09 Stunden, bei den Männern war der Japaner Yuma Nishizawa in 1:06:09 Stunden der schnellste – beides ist neuer Streckenrekord.

Schritt hin zu einem Weltklasse-Marathon

Bei Kaiserwetter über der australischen Metropole gelang das ersehnte Comeback nach zwei Absagen in Folge aufgrund der strikten COVID-19-Politik in Australien. 36.000 Läuferinnen und Läufer hatten sich für die diversen Bewerbe angemeldet. „Es ist wundervoll, zurück zu sein“, sagt Renndirektor Wayne Larden. „Das war ein erster Schritt hin zu einem Weltklasse-Marathon.“ Knapp 3.500 Marathonläuferinnen und -läufer erreichten das Ziel vor der Oper, dazu kamen gut 7.000 Halbmarathon-Finisher und knapp 11.000 im Bridge Run.

Auf Weltklasse setzte der Syndey Marathon auch bei der Besetzung der Kommentatoren der australischen Liveübertragung, für die neben Steve Ovett der ehemalige australische Marathonläufer Steve Moneghetti und die noch aktuelle Marathonläuferin Eloise Wellings vorgesehen waren. Die japanische Marathon-Legende Naoko Takahashi, unvergessene Olympiasiegerin von 2000, empfing die Marathonsieger im Ziel.

Laufendes Sightseeing am Hafen

Weltklasse ist auch die Strecke unter dem touristischen Aspekt, sie zeigt die Schönheiten der Metropole und verläuft größtenteils im Hafenviertel und Zentrum der Stadt, darunter auch durch zu größere Grünflächen. Bereits auf dem zweiten Kilometer stand der spektakuläre Überlauf über die mächtige und weltberühmte Syndey Harbour Bridge an. In mehreren „Begegnungszonen“ trafen Freizeitlaufbegeisterten und die Elite immer wieder aufeinander.

Die Streckenführung hatte durch etliche enge Winkel und Wenden dadurch aber einige Nachteile. Auch stach ins Auge, dass trotz der herrlichen Wetterbedingungen kaum Zuschauer das Rennen, abgesehen vom Zielraum, am Streckenrand verfolgten und insbesondere auf den letzten Kilometern am Hafen wirkten die Marathonläufer und Marathonläuferinnen etwas befremdlich im Vergleich zum Publikum, das sich den kulturellen Highlights widmete.

Ergebnisse Blackmores Sydney Running Festival 2022

Marathon der Männer

  1. Moses Kibet (KEN) 2:07:02 Stunden
  2. Cosmas Matolo (KEN) 2:07:05 Stunden
  3. Deso Gelmisa (ETH) 2:07:08 Stunden
  4. Abebe Negewo (ETH) 2:07:26 Stunden
  5. Olika Adugna (ETH) 2:11:23 Stunden
  6. Marius Kipserem (KEN) 2:13:40 Stunden
  7. Reece Edwards (AUS) 2:17:24 Stunden *
  8. Edwin Kiplagat (KEN) 2:18:12 Stunden
  9. Kensuke Horio (JPN) 2:20:07 Stunden
  10. James Nipperness (AUS) 2:21:47 Stunden **

Marathon der Frauen

  1. Tigist Girma (ETH) 2:25:10 Stunden
  2. Leteberhan Haylay (ETH) 2:25:45 Stunden
  3. Nazret Weldu (ERK) 2:26:14 Stunden
  4. Rahma Tusa (ETH) 2:26:30 Stunden
  5. Yenenesh Dinkesa (ETH) 2:27:04 Stunden
  6. Fantu Jimma (ETH) 2:27:16 Stunden
  7. Helalia Johannes (NAM) 2:31:10 Stunden
  8. Adanech Anbesa (ETH) 2:34:14 Stunden
  9. Fujisawa Mai (JPN) 2:45:40 Stunden
  10. Alemtsehay Asefa (ETH) 2:46:35 Stunden
  11. Regina Wright (AUS) 2:47:40 Stunden *

* australische(r) Marathonmeister(in)
** Marathon-Debüt

Halbmarathon der Männer

  1. Yuma Nishizawa (JPN) 1:06:17 Stunden
  2. Sam Hopper (AUS) 1:10:59 Stunden
  3. Ben Tacey (AUS) 1:11:50 Stunden

Halbmarathon der Frauen

  1. Sinead Diver (AUS) 1:13:09 Stunden
  2. Kageyama Tomoka (JPN) 1:16:49 Stunden
  3. Fiona Yates (AUS) 1:22:47 Stunden

Blackmores Sydney Running Festival