EM-Medaillengewinner Abdelwahed wegen Dopingverdachts suspendiert

Ahmed Abdelwahed im Einsatz im EM-Finale von München 2022. © Karl-Josef Hildenbrand / Munich2022

Die europäische und im Speziellen die italienische Leichtathletik haben einen kräftigen Rückschlag zu verkraften. Ahmed Abdelwahed, Europas Jahresschnellster und EM-Silbermedaillengewinner im 3.000m-Hindernislauf, hat eine positive Dopingprobe auf das Herz-Kreislauf-Medikament Meldonium abgegeben und wurde von der Athletics Integrity Unit (AIU), der unabhängigen Dopingermittlungskommission des Leichtathletik-Weltverbandes (World Athletics), provisorisch suspendiert. Die Neuigkeit ist ein Indiz dafür, warum der 26-Jährige seit den Europameisterschaften keinen Wettkampf mehr bestritten hat. Schließlich hätte ihn die EM-Silbermedaille sicherlich in lukrative Starterfelder gebracht. In italienischen Medienberichten hielt sich die Überraschung zudem in Grenzen, das Gerücht dürfte schon länger kursiert sein.

Dritter Dopingfall für italienischen Laufsport binnen zwei Monaten

Die positive Dopingprobe hat Abdelwahed bei den Europameisterschaften in München abgegeben, wie der Italienische Leichtathletik-Verband (FIDAL) am Samstag bestätigte, und ist damit der erste Dopingfall der Kontinentaltitelkämpfe in München. Dort musste er sich im Finale dem finnischen Überraschungssieger Topi Raitanen geschlagen geben, holte gemeinsam mit Osama Zoghlami aber vermeintlich zwei EM-Medaillen für Italien. Die Silberne dürfte Abdelwahed zurückgeben müssen, sofern sich sein Vergehen bestätigt.

Abdelwahed plädiert auf Unschuld. Er habe nie freiwillig diese unerlaubte Substanz zu sich genommen, schrieb er in sozialen Netzwerken. Der aktuelle Fall wirft kein gutes Licht auf die im Aufwind befindliche italienische Leichtathletik. Aktuell sind alleine von der AIU vor Abdelwahed 15 italienische Leichtathletinnen und Leichtathleten gesperrt, darunter abgesehen vom Geher Alex Schwazer allerdings keine international bekannten. Der Großteil dieser Athleten wurde in der Lauf-, der Trailrunning- oder Ultralaufszene erwischt, ein erheblicher Teil im Hobbybereich. Dazu kommen noch alle national gesperrten Athleten, darunter die aktuellen Fälle von Nesim Amsellek (vor der EM) und Marathonläufer Mohamed Hajjy, der erst vor einigen Tagen von der italienischen Anti-Doping-Agentur aufgrund eines positiven Dopingtests auf EPO suspendiert wurde. Der 43-jährige, in Italien lebende Marokkaner hat im vergangenen November den Verona Marathon gewonnen.

In Russland verbreitetes Medikament

Meldonium, von dem Abdelwahed behauptet, es noch nie gehört zu haben, ist eines der berühmtesten Medikamente auf der Anti-Doping-Liste der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) der letzten Jahre. Nachdem die WADA es mit Jahresbeginn 2016 auf die verbotene Liste gesetzt hatte, stolperten etliche internationale Sportstars über eine positive Dopingprobe. Der bekannteste Fall ist jener vom ehemaligen russischen Tennis-Ass Maria Sharapova, auch ihre Landsfrau und ehemaliger Schwimmstar Yuliya Efimova (Schreibweise) nahm Meldonium ein. Der bisher berühmteste Dopingfall auf diese Substanz aus der Leichtathletik ist jener der ehemaligen 1.500m-Weltmeisterin Abeba Aregawi, eine Äthiopierin, die für Schweden an den Start ging.

Athletics Integrity Unit