Erleben wir das Laufen miteinander!

Kontakte und Beziehungen zu Gleichgesinnten, im Idealfall in lockerer und anregender Atmosphäre, sind ein effektiver Weg zu emotionaler Gesundheit. Das gemeinsame Laufen bietet genau das und noch mehr: ein lockeres Miteinander, geprägt von gegenseitiger Motivation und einem intensiveren emotionalen Empfinden des Laufens, betont die Salzburger Psychotherapeutin und Sportwissenschaftlerin Alexandra Knopp.

© Christian Köhler

„Ich laufe lieber alleine, da bin ich flexibler, muss weniger Zeit investieren und kann mein Tempo laufen.“ Diese Aussage hat sicher jede Läuferin und besonders jeder Läufer aus seinem Umfeld schon gehört. Klar, das gemeinsame Laufen erfordert ein paar Kompromisse: guter zwischenmenschlichen Kontakt, harmonisches Tempo und ähnliche Trainingsziele sowie oft zeitliche und räumliche Flexibilität. Und alle Trainingsziele lassen sich bei weitem nicht beim gemeinsamen Laufen erfüllen.

Es gibt aber gute Gründe, diese kleinen Hindernisse beiseitezuräumen, insbesondere je weiter die Laufziele vom leistungssportlichen Ehrgeiz entfernt sind. Denn regelmäßige Lauftermine und -verabredungen bieten Struktur und entfachen Motivation. Ein anderer Mehrwert ist noch beachtlicher. Läuft man gemeinsam, am besten in einem lockeren Gespräch, ist der regenerative Effekt für den Geist viel größer, der sich damit zur körperlichen Entspannungsfunktion addiert. Der Grund ist einfach, erklärt Knopp: Da das Laufen genau wie das Gehen eine Tätigkeit ist, die urmenschlich und damit völlig automatisiert ist, können wir uns beim Laufen auf eine Sache konzentrieren, Singletasking. Zum Beispiel darauf, die Gedanken kreisen lassen, weshalb beim Laufen oft die besten Ideen gebären. Oder auf den ungezwungenen, vielleicht witzigen Smalltalk. Singletasking tut gut, weil es unserem Gehirn Entlastung ermöglicht. Der Unterschied: Ist man alleine unterwegs, sind die Gedanken oft problemzentriert. Gemeinsam ist die Stimmung eher gelöst und passt daher zur Aktitivät.

Kontakte in motivierender Atmosphäre

Ein Gespräch oder alleine die physische Anwesenheit einer anderen Läuferin oder eines anderen Läufers wirken positiv auf ein soziales Wesen wie es der Mensch ist. Direkte, regelmäßige Kontakte, eingebettet in eine wohltuende Atmosphäre wie eine aktive Freizeitgestaltung, sind für die Psychotherapeutin und Sportwissenschaftlerin ein Schlüssel für emotionale Gesundheit. Emotionale Gesundheit führt zu innerliche Ausgeglichenheit, zu Stabilität und zu Zufriedenheit im Leben. Im Interview mit dem Laufmagazin RunUp, Ausgabe Frühjahr/Sommer 2022, unterstreicht sie den hohen Wert des Miteinanders beim Laufen.

© Lauffestspiele der Mozartstadt / Christian Köhler

Denn diese skizzierten Interaktionen, egal ob in direkter oder indirekter Kommunikation, finden in einer motivierenden Atmosphäre und dem gesunden Umfeld der sportlichen Ausdauertätigkeit statt. Der Vorteil, in einer Gruppe oder in einem Verein zu laufen, ist die relativ leichte Hürde, ein Zugehörigkeitsgefühl zu entwickeln. Härtere Einheiten sind leichter erträglich, außerdem ist gemeinsames Laufen häufig abwechslungsreicher als individuelles.

Gemeinsam ist gesund

Das gemeinsame Laufen hat übrigens auch eine verstärkte positive Auswirkung auf unsere Gesundheit und das bietet gerade in der jetzigen Saison mit dem Herbst vor der Tür eine optimale Chance, mit einem gerüsteten Immunsystem in die kalte Jahreshälfte zu gehen. Der Grund dafür, dass gemeinsames Laufen die Gesundheit stärkt, ist unsere Komposition als soziale Wesen. „Knüpfen wir Beziehungen, in denen wir uns wohlfühlen, vermittelt uns das als ,Bindungshormon’ bekannte Odytocin das Gefühl von Zugehörigkeit, Freundschaft und Liebe“, erklärt die Expertin. Das trifft auf das „Glückshormon“ Dopamin, welches durch die sportliche Betätigung ausgeschüttet wird und das Gefühl von Zufriedenheit und Freude erzeugt. Beim Laufen mit einer Laufpartnerin, einem Laufpartner oder gar einer Trainingsgruppe oder in einem Laufverein, wie dem Club RunAustria, winkt also dieser kombinierte, attraktive Zusatzwert.

© Lauffestspiele der Mozartstadt / Bryan Reinhart

Maximaler Erlebniswert

Warum soll ich an einem Laufevent teilnehmen, ich kann doch einfach unabhängig laufen? Auch diese Frage ist geläufig, schließlich ist die Teilnahme an einem Laufevent auch mit einer kleinen Investition verbunden. Aber, diese lohnt sich auf jeden Fall. Denn Events haben die primäre Funktion, den emotionalen Erlebniswert zu erhöhen. Das passiert automatisch durch das Laufen in der Gruppe oder in einem Feld. Der stimmungsvolle Eventrahmen, die motivierende Atmosphäre aus dem Läuferfeld heraus und die organisatorische Qualität liefern Zutaten zu einem erlebnisreichen und emotionsstimulierenden Lauftag. Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, Laufevents ins Visier zu nehmen – denn der Laufherbst steht unmittelbar vor der Tür, in der Stadt Salzburg zum Beispiel mit einem neuen Event: der Salzburg Half im Volksgarten.

Können diese Erlebnisse und Emotionen mit befreundeten Läuferinnen und Läufer, Bekannten, Familienmitgliedern, Arbeitskollegen usw. geteilt werden, erhöht das den Wert des Erlebnisses noch einmal deutlich. Schön ist dabei, wenn Events verschiedene Bewerbe für verschiedene Herausforderungen und Ziele anbieten und damit verschiedenen Laufbedürfnissen ein Angebot machen.