1.500m-Lauf der Frauen, Vorschau: Dritter Streich für Muir

Die britische Rekordhalterin Laura Muir hat sich in diesem Wettkampfsommer drei Medaillen bei drei internationalen Großereignissen vorgenommen. WM-Bronze und Commonwealth-Gold hat sie schon, eine weitere Goldmedaille in München scheint wahrscheinlich.

© Dominik Berchtold / Munich2022

Fast sechs Sekunden (!) groß ist der Abstand zwischen der erstplatzierten Laura Muir und der zweitplatzierten Claudia Mihaela Bobocea in der aktuellen europäischen Jahresliste – das ist im 1.500m-Lauf eine Welt. Größer kann eine Favoritenstellung kaum sein wie jene von Laura Muir in dieser Disziplin, einzig die Höchstbelastung in diesem Sommer wäre ein Argument dafür, vor dem Finale am morgigen Freitagabend künstliche Spannung hineinzureden. Immerhin hat die Schottin nach physischen Problemen im Spätfrühling und einem punktgenauen Formaufbau für die Weltmeisterschaften in Eugene ein enormes Wettkampf- und Belastungsprogramm hinter sich. Denn nach der vorzüglichen Bronzemedaille hinter Faith Kipyegon und Gudaf Tsegay in einem Temporennen bei der WM gewann die 29-Jährige zwei Medaillen bei den Commonwealth Games, darunter die Goldene in ihrer Spezialdisziplin, die sie mit diesen Meisterschaften versöhnte. Im EM-Vorlauf von München, den Muir locker kontrollierte (siehe RunAustria-Bericht), machte sie nicht den Eindruck, so müde zu sein, dass ihre Favoritenstellung gefährdet wäre. „Es war ein sehr terminreicher Sommer. Daher bin ich glücklich über den großen Abstand zwischen Vor- und Finallauf hier in München“, sagte Muir nach dem Vorlauf gegenüber Eurosport. Die Regenerationszeit bis zum Finale reiche ihr, schickte sie hinterher.

1.500m-Lauf der Frauen, Finale: Freitag, 19. August um 20:45 Uhr
Titelverteidigerin: Laura Muir (Großbritannien)
Top-EM-Teilnehmerin bei der WM 2022: Laura Muir (Großbritannien) als Dritte
Rekord-Europameisterin: Nuria Fernandez (Spanien) mit zwei EM-Titel
Erfolgreichste Nation: Russland / UdSSR mit sechs Gold-, drei Silber und zwei Bronzemedaillen
EM-Rekord: Tatyana Tomashova (Russland) in 3:56,91 Minuten (Göteborg 2006)
Europäische Jahresbestleistung: Laura Muir (Großbritannien) in 3:55,28 (Eugene, WM)
Favoritin: Laura Muir (Großbritannien)
Teilnehmerinnen aus Deutschland: Hanna Klein und Katharina Trost

Muir erwartet trotz der Überlegenheit auf dem Papier sportlich fair einen harten Wettkampf. Auch wenn sie sich in den letzten Jahren im Schlussspurt wesentlich verbessert hat, liebt sie ein hohes Wettkampftempo. Muir ist an einem guten Tag in der Lage, im Alleingang unter vier Minuten zu laufen – das hat mit Ausnahme Sofia Ennaouis keine ihrer Kontrahentinnen jemals geschafft. Dagegen ist die Endschnelligkeit etwa der Polin eine potenzielle Gefahr in einem engen Rennen vor den letzten 100 Metern. Die 26-Jährige kann auf eine gelungene Saison zurückblicken, nachdem sie das Wettkampfjahr 2021 komplett verpasst hatte. Sie bestach, auch aufgrund ihrer Endschnelligkeit, mit Platz fünf im WM-Finale von Eugene und zuletzt mit Platz fünf beim Diamond-League-Meeting in Chorzow in ihrem Heimatland mit ihrer Saisonbestleistung von 4:01,39 Minuten.

RunAustria-Streaming-Tipp: Der 1.500m-Lauf der Frauen wird morgen um 20:45 Uhr im Livestream in der ORF TV-Thek übertragen.

Pokerspiel für Klein

Gerade ihre außergewöhnliche Fähigkeit auf den letzten Metern macht Ennaoui zur aussichtsreichen Medaillenkandidatin. Hinter Muir scheint das Feld im Kampf um die Medaillen relativ offen. Eine heiße Anwärterin ist Ciara Mageean, die bei der EM für Irland an den Start geht. Bei den Commonwealth Games gewann sie hinter der Schottin die Silbermedaille für Nordirland. Die Rumänin Bobocea ist als zweischnellste Europäerin ebenfalls eine Medaillenkandidatin wie die Deutsche Hanna Klein, die einen äußerst souveränen Vorlauf zeigte. Im Reuthlinger General-Anzeiger bezeichnete sie diesen Auftritt als eines ihrer besten Rennen überhaupt. Das stärkt das Selbstvertrauen: „Im Finale wird es ein Pokerspiel, denn die europäische Spitze ist so eng beisammen. Da ist jetzt alles möglich!“

Die zweite Deutsche, die mit der letzten Kraft eines energischen Schlussspurts den Sprung ins Finale geschafft hat, ist Katharina Trost, die in einem nicht allzu schnellen Rennen auf einen starken Schussspurt zählen kann. Die weiteren Britinnen im Rennen sind Ellie Baker und Katie Snowden, die allerdings Außenseiterinnen sind genau wie die Italienerin Gaia Sabbatini, bei der nach starkem Saisonstart die Formkurve nach unten zeigt.

Multisport-Europameisterschaften 2022 in München

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