5.000m-Lauf der Frauen, Vorschau: Gleiches Spiel wie über 10.000m?

Nur drei Tage lagen zwischen dem 10.000m- und dem 5.000m-Lauf, eine unüblich kurze bei internationalen Meisterschaften. Das Finale am Donnerstag bietet eine hervorragende Gelegenheit zur Revanche, denn die Hauptprotagonistinnen dürften dieselben sein.

© Dominik Berchtold / Munich2022

Ein Erfolg kommt selten allein. Das weiß auch Yasemin Can, die 2016 nach ihrem auf irre überlegene Weise herausgelaufenen EM-Titel im 10.000m-Lauf einen im 5.000m-Lauf folgen ließ. Die Doppelschläge über die Langdistanzen finden bei den kontinentalen Meisterschaften alleine in letzter Zeit zwei Vorgänger: Mo Farah schaffte dies gleich zweimal, Elvan Abeylegesse gewann 2010 beide Goldmedaillen. Und wer sich die Art und Weise in Erinnerung ruft, wie Can die Schlussphase des 10.000m-Laufs am Montagabend dominiert hat, ist sich sicher, dass die 25-Jährige auch über die halbe Distanz in Topform an der Startlinie stehen wird. Und dementsprechend ist die aus Kenia stammende und großteils in Kenia trainierende Türkin die erklärte Favoritin auf die Goldmedaille Nummer zwei in den Tagen von München, auch wenn Can dieses Mal nicht in den Top-Drei der Auflistung der persönlichen Bestleistung liegt. Und ihre, 14:36,82 Minuten, ist auch schon fünf Jahre alt, wenngleich sie in den letzten Jahren regelmäßig an ihre individuelle Bestmarke herangelaufen ist.

5.000m-Lauf der Frauen, Finale: Donnerstag, 18. August um 21:28 Uhr
Europameisterin 2018: Sifan Hassan (Niederlande)
Top-EM-Teilnehmerin bei der WM 2022: Karoline Bjerkeli Grövdal (Norwegen) als Achte
Rekord-Europameisterin: Marta Dominguez (Spanien) mit zwei EM-Titel *
Erfolgreichste Nation: Portugal mit zwei Gold- und vier Silbermedaillen
EM-Rekord: Sifan Hassan (Niederlande) in 14:46,12 Minuten (Berlin 2018)
Europäische Jahresbestleistung: Karoline Bjerkeli Grövdal (Norwegen) in 14:31,07 Minuten (Oslo)
Favoritinnen: Yasemin Can (Türkei), Karoline Bjerkeli Grövdal (Norwegen), Eilish McColgan (Großbritannien), Konstanze Klosterhalfen (Deutschland)
Teilnehmerinnen aus Deutschland: Sara Benfares, Konstanze Klosterhalfen und Alina Reh

* seit 1998 im Programm, davor als 3.000m-Lauf ausgetragen

Klosterhalfen: stärker über 5.000m

Mit dem schnellsten Vorwert ins Finale startet die Deutsche Hoffnung Konstanze Klosterhalfen, WM-Bronzemedaillengewinnerin von Doha 2019 und seit ihrem Aufstieg, die ihr das Etikett „Deutsches Lauf-Wunderkind“ verpasst hatte, prädestiniert dafür, diese Gelegenheit mit einer stimmungsvollen Heim-Goldmedaille zu krönen. Die letzten Jahre brachten aber ein deutliches Aber ins Spiel: eine hartnäckige Hüftverletzung und eine Trainingspause wegen einer Corona-Infektion zu einem neuralgischen Zeitpunkt Anfang des Sommers. Das Vorlauf-Aus bei den Weltmeisterschaften von Eugene war ein kräftiger Rückschlag, der vierte Platz im 10.000m-Lauf am Montag ein kleiner. Nicht wegen der Platzierung per se, sondern aufgrund des Eindrucks, dass die 25-Jährige doch recht früh vorentscheidend aus dem Kampf um die Medaillen draußen war.

Das Positive ist: Der 5.000m-Lauf ist die bessere Disziplin der Deutschen, auf der sie mehr Erfahrung hat und wesentlich näher an der Welt- und Europaspitze dran ist, die mit Namen Sifan Hassan in München fehlt. „Ich freue mich auf jeden Fall auf die 5.000 Meter. Ich bin noch nie einen Doppelstart gelaufen, ich bin gespannt, wie sich das anfühlt“, sagte sie am Montag. Entscheidend wird aber weniger die Belastung des Doppelstarts, die viele andere im Feld auch haben werden, sondern die Form. Und die scheint immer besser zu werden, je weiter die COVID-19-Infektion zurückliegt. Der 3.000m-Lauf in Chorzow kurz vor der EM machte mit einer Zeit von 8:42,34 Minuten Mut. Angesichts der Konkurrenz ist bei der EM aber Topform gefragt, um in die Medaillenränge laufen zu können. Die Gunst des Publikums wird definitiv mit ihr sein.

RunAustria-TV-Tipp: Der 5.000m-Lauf der Frauen wird morgen um 21:28 Uhr live auf ORF Sport+ übertragen.

Rückkehr mit Fragezeichen von Grövdal

Die Konkurrenz kennt Klosterhalfen noch vom Montag. Chemtai Salpeter ist nicht dabei, dafür Eilish McColgan, die sich in einem intensiven Wettkampfsommer ein weiteres Meisterschaftsrennen gönnt und die Müdigkeit mit einem Front Run herauszulaufen versuchen wird. Der Nachteil der Schottin könnte die Spurtfähigkeit in einem engen Finale sein, daher wird sie sich wohl wieder um ein schnelles Rennen bemühen, womit auch Can gut leben könnte. Neu dabei im Kampf um Edelmetall ist möglicherweise Karoline Bjerkeli Grövdal, die ihr erstes Rennen bei dieser EM aufgrund von Rückenproblemen sausen lassen musste. Sie werde mehrmals täglich behandelt und mache gute Fortschritte, erzählte der norwegische Mannschaftsarzt bei einem Pressetermin in München am Dienstag, wollte sich aber nicht auf eine Teilnahme festlegen. Heute berichten norwegische Medien, dass ein Testlauf gute Ergebnisse gebracht habe und die Athletin an ein Antreten denke.

Mit Alina Reh und Sara Benfares, die beide wie Klosterhalfen bei der WM im Vorlauf gescheitert sind, sind zwei weitere Deutwsche im Rennen. Die Italienerin Nadia Battocletti, amtierende U23-Europameisterin, könnte bei einem für sie günstigen Rennverlauf den Kreis der Medaillenanwärterinnen vergrößern, hat aber in diesem Jahr noch keinen Lauf über diese Distanz absolviert, weil sie zuletzt aufgrund einer Entzündung an der Schienbeinkopfhaut zwei Monate pausieren musste. Daher ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die 22-Jährige nicht in Topform erscheint.

Multisport-Europameisterschaften 2022 in München

European Athletics