1.500m-Lauf der Männer, Vorschau: Der Titelsammler

© Daniel Kopatsch / Munich2022

Nur zwei Tage nach seinem Triumph über 5.000m kann Jakob Ingebrigtsen seiner Sammlung an EM-Goldmedaillen in München eine vierte hinzufügen. Gelingt das, was angesichts der Ausgangsposition sehr wahrscheinlich ist, lägen nach der EM 2022 vor dem 21-jährigen norwegischen Ausnahmeläufer nur zwei Läufer, die in der EM-Historie erfolgreicher waren: Mo Farah mit fünf Gold- und einer Silbermedaille sowie der fünffache Europameister Mahiedine Mekhissi mit seinen vier Erfolgen im 3.000m-Hindernislauf. Es wäre ein Meilenstein, ein zweites Ingebrigtsen-Doppel nach Berlin 2018 über 1.500m und 5.000m.

1.500m-Lauf der Männer, Finale: Donnerstag, 18. August um 21:05 Uhr
Titelverteidiger: Jakob Ingebrigtsen (Norwegen)
Top-EM-Teilnehmer bei der WM 2022: Jakob Ingebrigtsen (Norwegen) als Zweiter
Rekord-Europameister: Steve Cram (Großbritannien) und Mehdi Baala (Frankreich) mit je zwei EM-Titel
Erfolgreichste Nation: Großbritannien mit sieben Gold- und vier Bronzemedaillen
EM-Rekord: Fermin Cacho (Spanien) in 3:35,27 Minuten (Helsinki 1994)
Weltjahresbestleistung: Jake Wightman (Großbritannien) in 3:29,23 Minuten (Eugene, WM)
Favorit: Jakob Ingebrigtsen (Norwegen)
Teilnehmer aus Deutschland: Christoph Kessler und Mohamed Mohumed (beide im Vorlauf ausgeschieden)

Klarer Favorit

Jakob Ingebrigtsen ist Olympiasieger auf dieser Distanz, aber nicht unerreichbar, wie etliche Beispiele auf globaler Ebene beweisen. Zuletzt war es bei der WM in Eugene mit dem Briten Jake Wightman sogar ein Europäer, der ihn auf den silbernen Platz verwies. Doch in diesem zwölfköpfigen Finalfeld in München fehlen diejenigen, die zuletzt auf einem Niveau mit dem Norweger waren oder knapp dahinter: Jake Wightman hat sich für den 800m-Lauf entschieden, wodurch er durch den Zeitplan auch ein paar Ruhetage mehr nach den Commonwealth Games und dem Diamond-League-Meeting in Monaco erhielt, Mohamed Katir, in Eugene Dritter, hat sich für den 5.000m-Lauf entschieden, wo er die Silbermedaille hinter Ingebrigtsen gewann (siehe RunAustria-Bericht). Kurz auf den Punkt gebracht: Jedes Szenario, in dem Ingebrigtsen nicht Europameister wird, wirkt abgesehen von Unvorhersehbarem wie Stürze etc. ziemlich unrealistisch.

RunAustria-TV-Tipp: Der 1.500m-Lauf der Männer wird morgen um 21:05 Uhr live auf ORF Sport+ übertragen.

Endschnelligkeit als Trumpf im Medaillenkampf

Zumal diejenigen auf der Startliste, die schnelle Zeiten auf ihrer Vita haben, möglicherweise nicht in Topform sind. Der Brite Jake Heyward stolperte durch den Vorlauf und hat Glück im Finale dabei zu sein. Der stärkste Kontrahent ist daher wohl der Spanier Mario Garcia, überraschender WM-Vierter von Eugene, weil dieser über einen sehr starken Endspurt verfügt. Auch der Endspurt des Polen Michal Rozmys ist zu beachten, der Norweger wird das in seiner Taktik berücksichtigen. Entscheidet er sich für einen Alleingang von vorne, wird niemand folgen können und der EM-Rekord von Fermin Cacho ist ordentlich in Gefahr.

Abgesehen von Neil Gourley gehören alle Finalisten den Top-20 der Europarangliste, das verspricht einen spannenden Wettkampf um die Plätze hinter dem haushohen Favoriten, aber auch um die Positionen im vorderen Mittelfeld.

Multisport-Europameisterschaften in München

European Athletics