Laura Muir nimmt erste Hürde

© Thomas Niedermüller / Munich2022

Titelverteidigerin und Topfavoritin Laura Muir hat gut eine Woche nach ihrem Sieg bei den Commonwealth Games in Birmingham den ersten Schritt zur Titelverteidigung ihres EM-Titels von Berlin gemacht. Sie gewann mit einem recht lockeren Auftritt den ersten von zwei EM-Vorläufen über ihre Spezialdistanz, die 1.500m in einer Zeit von 4:06,40 Minuten. Dabei hielt sich die Schottin über eineinhalb Minuten am Ende des Feldes auf, ehe sie auf einer Geraden an die Spitze lief und dort blieb. Überraschend qualifizierten sich hinter ihr die Italienerin Ludovica Cavalli und die Schwedin Hanna Hermansson direkt für das Finale. Faszinierend war der Spurt um das letzte Ticket, die Bayerin Katharina Trost überholte auf der Zielgerade noch Diana Mezulianikova und Marta Perez, die sie um 0,07 Sekunden auf den fünften Platz verwies. Und das war wichtig, denn da der zweite Vorlauf der wesentlich schnellere war, ist die Deutsche im Finale am Freitag dabei, die spanische Finalistin bei den Olympischen Spielen 2020 und den Weltmeisterschaften 2022 jedoch überraschend nicht.

Acht Finalistinnen aus dem zweiten Vorlauf

Ähnlich souverän erreichte Muirs aussichtsreichste Konkurrentin, die endschnelle Sofia Ennaoui aus Polen das Finale als Siegerin des zweiten Vorlaufs in einer Zeit von 4:02,73 Minuten. Für das für einen Vorlauf hohe Tempo haben die am Ende zweitplatzierte Ciara Mageean aus Irland und viertplatzierte Claudia Mihaela Bobocea aus Rumänien gesorgt. Hanna Klein hielt sich bei ihrer Heim-EM während des ganzen Laufs hervorragend positioniert auf und erreichte als Dritte eine Saisonbestleistung von 4:03,46 Minuten. Vom hohen Tempo profitierten die Britinnen Katie Snowden und Ellie Baker, die Italienerin Gaia Sabbatini und die Tschechin Kristiina Mäki über die Zeitregel.

Die Läuferinnen und Läufer profitierten von für eine Vormittagssession bestechend gut besetzten Tribünen und der entsprechenden Stimmung im Münchner Olympiastadion.

Italiener untermalen Medaillenambitionen

Zwei italienische Vorlaufsiege durch Osama Zoghlami (8:30,67) und Ahmed Abdelwahed (8:30,92), Führender der europäischen Jahresbestenliste, gab es im 3.000m-Hindrnislauf der Männer, aus denen sich jeweils die besten Fünf plus fünf weitere Läufer über die Zeitregel für das Finale am kommenden Freitag qualifizierten. Interessant war die Zwillingstaktik der Zoghlamis im ersten Vorlauf, die eine Doppelführung inne hatten und in der entscheidenden Phase eine Lücke aufgehen ließen. Ossama hatte bei der Glocke plötzlich 15 Meter Vorsprung, weil Ala geschickt verlangsamte. Die Taktik wäre fast schief gegangen, weil Ala im Finale nicht zusetzen konnte. Als Sechster zog er dennoch ins Finale ein und zwar über die Zeitregel. Aufsehen erregte im ersten Vorlauf der Sturz des jungen Dänen Axel Christensen, der mit seinem Nachzugbein bei einem Hindernis einhakte und schmerzhaft zu Sturz kam – in Führung liegend. Alle Kontrahenten konnten den am Boden liegenden Dänen unbehindert passieren, Nahuel Carabaña aus Andorra verdiente sich einen Sonderapplaus, weil er anhielt und sich nach dem Befinden des 18-jährigen Crosslauf-Europameisters der Junioren erkundigte.

Der zweite Vorlauf wies die schnelleren beiden ersten Kilometersplits auf, weil erst der Deutsche Frederik Ruppert und dann längere Zeit der Brite Phil Norman das Tempo gestalteten. Dementsprechend zog sich das Feld auf dem finalen Kilometer weit auseinander. Weil ein Quartett an der Spitze lag und der Finne Top Raitanen knapp dahinter, wurde nicht gespurtet. Abdelwahed war als Erster vor Jacob Boutera aus Norwegen im Ziel. Mit einer tollen letzten Schlussrunde rettete sich Niklas Buchholz als Sechster über die Zeitregel ins Finale, Glück hatte Djilali Bedrani, der WM-Fünfte von Doha, der als Letzter über die Zeitregel ins Finale rutschte. Weniger Glück hatte Mehdi Belhadji, der zweite Franzose im großen Medaillenkreis, für den die EM wie auch für den jahresschnellsten Deutschen Ruppert beendet ist. Der 25-Jährige zeigte wie schon bei der WM im Vorlauf eine indiskutable Leistung und verlor über eine halbe Minute auf Abdelwahed.

Der deutsche Meister Karl Bebendorf stieg im ersten Vorlauf dank einer starken Schlussrunde und Platz zwei locker ins Finale auf (8:31,67). Neben den drei Italienern ist auch Spanien mit voller Mannschaftsstärke im Finale vertreten.

Multisport-Europameisterschaften 2022 in München

European Athletics