Olympiasiegerin, Weltmeisterin und Promi-Debütantin in New York

Der New York City Marathon der Frauen verspricht einen hochspannenden Wettbewerb. Weltmeisterin Gotytom Gebreslase, WM-Medaillengewinnerin Lonah Chemtai Salpeter und Debütantin Hellen Obiri fordern Titelverteidigerin und Olympiasiegerin Peres Jepchirchir. Bei den Männern gibt Galen Rupp sein New-York-Debüt, auch Tadesse Abraham ist dabei.

Peres Jepchirchir bei den Olympischen Spielen in Sapporo. © SIP / Johannes Langer

Die Scheinwerfer der Marathon-Welt leuchten zurecht auf die Veröffentlichung der New York Road Runners der Elitefelder für den diesjährigen New York City Marathon am 6. November. Insbesondere das Frauen-Feld birgt enorme spitzensportliche Spannung und ist wesentlich stärker als das Starterfeld der letzten Jahre. Zu der bereits früher kommunizierten Vorjahressiegerin Peres Jepchirchir, die mit dem Olympischen Marathon in Sapporo eine eindrucksvolle Siegesserie eröffnete, die mittlerweile den New York City Marathon und den Boston Marathon beinhaltet, kommen an der Spitze des Elitefeldes die frischgebackene Weltmeisterin Gotytom Gebreslase, die WM-Medaillengewinnerin Lonah Chemtai Salpeter und die hochkarätige Debütantin Hellen Obiri dazu.

Duell der Goldmedaillengewinnerin

Insbesondere der Zweikampf zwischen Olympiasiegerin und Weltmeisterin erweckt die Vorfreude. Jepchirchir hat sich zur Nummer eins der Marathon-Welt entwickelt, weil sie alle wichtigen Rennen, an denen sie teilgenommen hat, in letzter Zeit für sich entschieden hat: in Sapporo und New York in beeindruckender Manier, in Boston im Frühling knapp. Ihr achter Platz in der Marathon-Weltrangliste entstammt einem Mangel des Systems: Die erzielten Siegerzeiten bei den nicht gepacten und auf schwierigen Kursen ausgetragenen Marathons in New York und Boston wirken wie ein Handicap im Punktesystem, in der Hitze von Sapporo war an schnelle Laufzeiten ohnehin nicht zu denken.

So hat die 27-jährige Äthiopierin Gotytom Gebreslase mit ihrem WM-Titel die Führung in der Weltrangliste übernommen. Ihre letzten Marathon-Leistungen versprechen eine grandiose Marathon-Karriere, denn obwohl die Äthiopierin schon seit einigen Jahren im Laufsport aktiv ist, ist sie mit ihrem ersten gefinishten Marathon in Berlin 2021 wie Phönix aus der Asche in die Weltklasse eingestiegen. Sie gewann in einer Zeit von 2:20:09 Stunden, lief beim Tokio Marathon im März in einer Zeit von 2:18:18 Stunden als Dritte ins Ziel und verbesserte diese Leistung um weitere sieben Sekunden, um am 18. Juli in Eugene in einem denkwürdigen Rennen Weltmeisterin zu werden. „Der Sieg bei der WM war ein Traum. Es ist mir eine Ehre, meinen nächsten Marathon in New York City zu laufen. Hier findet der größte Marathon der Welt statt und viele der besten Marathonläuferinnen der Geschichte sind hier gelaufen“, sagt Gebreslase in der Medieninformation des New York City Marathon. Ein Vorteil für Jepchirchir könnte sein, dass sie aufgrund einer Verletzung den WM-Marathon verpasst hat und sich damit vor der Vorbereitung auf den Klassiker nicht von der sommerlichen Marathon-Belastung erholen muss.

Hellen Obiris erster Marathon

„Sehr aufgeregt“ ist Hellen Obiri, die ihr für Herbst angekündigtes Debüt wenig überraschend auf der selektiven Strecke in New York bestreitet, wo taktisch richtiges Verhalten eine wichtigere Rolle einnimmt als absolute Spitzenzeiten. „Ich habe den New York City Marathon schon oft im Fernsehen verfolgt und habe meine Landsleute hier laufen sehen. Ich denke, meine Erfahrung auf der Bahn, der Straße und im Crosslauf werden mir auf dem Up and Down der Strecke helfen“, so die Kenianerin, die auf die Marathon-Erfahrungen ihres neuen Coaches Dathan Ritzenhein vertrauen darf. In Eugene gewann die Kenianerin WM-Silber im 10.000m-Lauf. Weitere prominente ostafrikanische Läuferinnen am Start sind die 42-jährige Edna Kiplagat, ihre kenianische Landsfrau Viola Cheptoo, im Vorjahr überraschend Zweite, sowie die Äthiopierin Senbere Teferi. Die Top-US-Amerikanerinnen am Start sind die Routiniers Sara Hall und Des Linden sowie Emma Bates, Lindsay Flanagan, Dakotah Lindwurm, Aliphine Tuliamuk und Nell Rojas. Dazu kommen die Australierinnen Eloise Wellings und Commonwealth-Champion Jessica Stenson, bekannteste Europäerin ist die Holländerin Ruth van der Meijden.

New-York-Debüt für Galen Rupp

Fast unspektakulär erscheint im Vergleich zum Elitefeld der Frauen jenes der Männer, dem ein großer Sehnsuchtsname in New York fehlt: Eliud Kipchoge hat neuerlich dem Berlin Marathon dem Vorzug gegeben. Dafür ist beim größten Marathonlauf der Welt erstmals der gegenwärtig beste US-amerikanische Marathonläufer dabei. Galen Rupp, der in den letzten Jahren stets dem Chicago Marathon den Vorzug gegeben und dort mit einem Sieg und einem zweiten Platz beachtliche Erfolge gefeiert hat, begibt sich am 6. November erstmals auf die Verazzano Narrows Bridge. „Es wird mein zwölfter Marathon und ich habe in meiner Marathon-Karriere schon zahlreiche Erfolge gefeiert. Aber ich weiß, ein Sieg beim New York City Marathon würde dies alles in den Schatten stellen“, wird der 36Jährige zitiert, der bei den Weltmeisterschaften von Eugene, nicht in Topform befindlich, den 19. Platz erreicht hat. Neben Rupp sind mit Abdi Abdirahman, Shadrack Kipchirchir, WM-Teilnehmer Eklanah Kibet, Scott Faule, Ben True, Jared Ward und Leonard Korir weitere namhafte US-amerikanische Marathonläufer auf der veröffentlichten Liste.

Von der internationalen Klasse sticht Titelverteidiger Albert Korir ins Auge, der im Vorjahr mit einer eindrucksvollen Darbietung völlig unerwartet die Ziellinie im Central Park als Erster überquert hat. „Ich bin froh über meine Rückkehr nach New York und fühle eine hohe Verantwortung, den Titel zu verteidigen. Ich trainiere sehr hart dafür, viele haben es ja in der Geschichte nicht geschafft, in New York zweimal hintereinander zu gewinnen. Es ist eine große Herausforderung“, wird der 28-Jährige in der Aussendung der New York Road Renners zitiert. Der stärkste Läufer im Feld ist der diesjährige Sieger des Boston Marathon, Evans Chebet aus Kenia. Weitere spannende Namen sind der Äthiopier Shura Kitata, der 2020 den London Marathon gewonnen hat, der Vorjahres-Zweite Mohamed El Aaraby aus Marokko, Südamerika-Rekordhalter Daniel do Nascimento aus Brasilien, der Japaner Suguru Osako, der holländische Rekordhalter Abdi Nageeye, der seinen fünften Platz aus dem Vorjahr verbessern möchte, und der Schweizer Rekordhalter Tadesse Abraham, der im Frühjahr den Zürich Marathon in einer neuen persönlichen Bestleistung gewann und in New York vor fünf Jahren Fünfter war.

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