Wie männlich darf Spitzensport der Frauen sein?

Im Laufsport war das Thema Hyperandrogenismus bereits seit dem Karrierebeginn von Caster Semenya, aber spätestens seit dem entschlossenen Vorstoß des Leichtathletik-Weltverbandes (World Athletics) gegen erhöhte Testosteronwerte im Frauensport ein heiß diskutiertes. Mit jahrelanger Verzögerung nach dieser Vorarbeit gibt es jetzt einen entschlossenen Vorstoß im Frauenlaufsport, der World Athletics unter Zugzwang setzt. Und Gegenproteste mit dem Argument der Missachtung der Menschenrechte hervorruft.

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Stein des Anstoßes war der Titelgewinn der Trans-Schwimmerin Lia Thomas bei den US-Collegemeisterschaften im Schwimmen im März, verbunden mit dem kommunizierten Wunsch, sich für die Olympischen Spiele 2024 qualifizieren zu wollen. In den Frauenbewerben, wohlgemerkt. Vor 2019 startete Thomas bei den Männern, ehe sie sich einer Hormontherapie unterzog. Im Juni, unmittelbar vor den Weltmeisterschaften in Budapest, entschieden die Entscheidungsträger des Weltschwimmverbandes (FINA), alle Transgender-Athletinnen, deren Körper auch nur kleine Prozesse, die biologisch der männlichen Pubertät zugeschrieben werden, mitgemacht hätten, kategorisch von Frauen-Wettkämpfen auszuschließen. Es ist der drastische Schritt, den sich World Athletics vor drei Jahren nicht zugetraut hat und von dem das Internationale Olympische Komitee (IOC) erst recht Abstand genommen hat, indem man die Verantwortung einfach auf die Fachverbände ablud. Die FINA legte unter Berufung eines wissenschaftlichen Berichts nach: Diese Prozesse während der Pubertät würden auch nach einer Medikation biologische Vorteile bedeuten.

Die Pflicht, Frauensport zu schützen

Sofort war eine Frau besonders gefragt: Caitlyn Jenner, die 1976 als Bruce Jenner Olympiasieger im Zehnkampf war und sich Jahrzehnte später einer Geschlechtsumwandlung unterzog, ließ sich vom britischen Journalisten Piers Morgan auf YouTube interviewen. „Ich habe immer schon gesagt, dass ich nicht will, dass Mädchen sich im Sport gegen biologische Jungen messen müssen, besonders nicht in der Schule“, sagte sie. Der Schutz des Frauensports sei ein Muss. Lia Thomas müsse ebenfalls geschützt werden, sie hätte nichts falsch gemacht und nach den Regeln gespielt. Die Regeln seien falsch, so ihre Erkenntnis. Der gesamte Frauensport sei Thomas sogar zu Dank verpflichtet, da sie die Veränderungen initiiert habe.

Die Suche nach der Goldenen Mitte zwischen Menschlichkeit und Chancengleichheit

Die Diskussion um DSD-Athletinnen als Gefährderinnen der Fairness im Spitzensport ist auch deshalb so heikel und Aufsehen erregend, weil sie in die Gegenrichtung der gesellschaftlichen Trends in unseren Breiten zu Öffnung, Inklusion und Toleranz gegenüber allen Menschen in der Gesellschaft abzielt. Dass sich beides nicht ausschließt und der professionelle Frauensport aufgrund der Spezifika von Wettkämpfen auf wirtschaftlich bedeutendem Niveau mit unheimlicher Vorbild-Strahlkraft auf die Gesellschaft exklusive Blickwinkel braucht, hat der Sport in den letzten Jahren vielleicht auch zu wenig betont. Hier liegt aber vermutlich der Schlüssel in der Debatte. Denn wäre die absolute Inklusion im Spitzensport ein gangbarer Weg, wären in weiterführenden Überlegungen vielleicht sämtliche Kategorisierungen obsolet, also auch eine Unterscheidung zwischen Mann und Frau (im Übrigen zweifelsohne eine Errungenschaft des Sports). Das Szenario ist vorhersehbar: Nie würde eine Frau einen Wettkampf gewinnen, aus dem einfachen Grund, dass sie biologisch gegenüber dem Mann benachteiligt wäre. Körperbau, Muskulatur, Lungenvolumen, Herz-Kreislauf-System. Noch viel schlimmer: Olympische Spiele und Weltmeisterschaften würden fast zur reinen Männer-Angelegenheit, wenn sportliche Qualität das Qualifikationskriterium bleibt. In keiner leichtathletischen Disziplin, in denen Sportgeräte und -infrastruktur vergleichbar sind, würde der Frauen-Weltrekord für eine Qualifikation für den Männerbewerb bei den anstehenden Weltmeisterschaften in Eugene reichen. Das ist keine Geringschätzung weiblicher Fähigkeiten, sondern die Einordnung von Fakten, die von der Natur bestimmt sind.

Die Suche nach der roten Linie

Nun ist die absolute Fairness sowieso unerreichbar. Ein Ausdauersportler, der sein ganzes Leben auf einer Meereshöhe von 2.500 Metern lebt, hat im Schnitt einen natürlichen Vorteil gegenüber einem, der in einer Küstenstadt lebt. Wer größer ist, ist im Basketball im Schnitt erfolgreicher. Die Körpergröße der Spieler in der NBA ist nicht repräsentativ für die Gesamtgesellschaft. Wer aus einem Sahara-Land kommt, wird im Schnitt seltener Ski-Weltmeister als ein Bewohner einer Alpenrepublik. Diese Voraussetzungen scheinen allerdings nicht die sinnvolle Durchführbarkeit von sportlichen Wettkämpfen auf fairer Basis zu gefährden, denn diese Voraussetzungen gehören auch zum Talente-Pool, die Spitzensportlerinnen und Spitzensportler in jeder Sportart benötigen, um beruflich erfolgreich zu sein.

Die entscheidende Frage ist also nicht, ob hyperandrogyne Frauen im Sport einen Vorteil gegenüber Frauen haben, sondern ob dieser Vorteil im Sinne der Integrität des Sports erträglich ist. Oder gar der Natur des Sports zugehörig? Und welche Folgewirkungen dies entfacht. Wenn Menschen mit einer Körpergröße von 1,70m nicht professionell Basketball spielen, können sie diesen Nachteil einfach ausmerzen. Zum Beispiel, indem sie einer anderen Sportart nachgehen oder in anderen Aktivitäten ihre individuellen Talente fördern. Haben Frauen im Spitzensport prinzipiell keine Erfolgschance, fehlt der Sinn, diesem trotz vorhandener Talente professionell nachzugehen. Das schädigt einerseits einem Wirtschaftszweig, andererseits könnte das, durch fehlende Vorbildwirkung, flächendeckende, negative Folgen für die Gesellschaft haben. Etwa, dass sich weniger Frauen sportlich bewegen, was aber für die individuelle Gesundheit laut gegenwärtigem Wissen essentiell ist.

Ein Flashback in dunkle Zeiten

Die Entscheidung der FINA brachte einen Stein ins Rollen. Der Radsport-Weltverband (UCI) setzte wie die FINA ein Limit von 2,5 Nanomol Testosteron pro Liter Blut als Teilnahmebedingung für Frauen-Wettkämpfe fest und verdoppelte die Zeitspanne des Nachweises auf zwei Jahre (bei World Athletics 5 Nanomol pro Liter und ein Jahr Nachweis). Selbst die konservative FIFA meldete sich zu Wort und gab bekannt, ihre Gender-Regularien mit Experten diskutieren zu wollen. Dass die FINA den Chromosomentests ein Comeback ermöglicht, wie sie die Leichtathletik und in der Folge das IOC in der Urzeit schon durchgeführt haben und die abgeschafft wurden, weil sie als diskriminierend eingestuft wurden, ging in der Diskussion etwas unter. Frauen mussten sich in der Urzeit der Geschlechtertests nackt einem (oft männlichen) Ärztegremium präsentieren und intime Körperstellen gar abtasten lassen. Diese heute so Gott sei Dank unvorstellbare Entwürdigung führte zu einem lange Zeit unerhörten Massenprotest. Die nachfolgenden Chromosomentests hatten noch ein anderes Problem, nämlich jenes der Ungenauigkeit: 504 Leichtathletinnen fielen der Einstufung in diesen Jahrzehnten einer falschen Einschätzung zum Opfer, zitierte die deutsche Tageszeitung „Die Zeit“ eine Untersuchung.

Die grundsätzliche Herausforderung zukünftiger Lösungsansätze: Es gilt Regeln durchzusetzen, die die Privatsphäre und Menschenrechte einer Athletin nicht bedrängen. Die FINA diskutiert eine Einführung einer Offenen Klasse für alle und prüft eine Durchführbarkeit noch ohne bekannte Details der Idee.

Die Opfer von Rio oder einfach der Lauf der Dinge?

Bei weitem nicht alle sehen durch die Inklusion von hyperandrogynen Athletinnen die Integrität des Frauensports gefährdet. Megan Rapinoe, die vielleicht bekannteste Fußballerin der Welt, antwortete postwendend auf die FINA-Entscheidung und sagte dem Time Magazine, sie unterstütze die Inklusion aller zur 100%. „Zeigen Sie mir die Beweislage, dass Transgender-Frauen den Sport dominieren und jeden Titel gewinnen. Entschuldigen Sie bitte, das passiert einfach nicht!“

800m-Läuferinnen können die Geschichten erzählen. Das Olympische Rennen von Rio 2016 ist durch den Dreifachsieg von DSD-Athletinnen sinnbildlich für die biologisch untermalte Benachteiligung der Läuferinnen auf den Rängen vier bis sechs. Siegerin damals, Caster Semenya, die streitbarste Figur im Spitzensport zu dieser Debatte und richtig angriffslustig. Als sie im Jahr 2009 die Bühne betrat und als Teenager die Weltmeisterschaften von Berlin im 800m-Lauf dominierte, waren die Verbandsfunktionäre grenzenlos überfordert. Der Verdacht der unzulänglichen Weiblichkeit der mit dunkler Stimme und männlichem Erscheinungsbild auftretenden Südafrikanerin führte zu undurchdachten und teilweise skandalösen Vorgängen gegen die überrumpelte 18-Jährige. Die wollte, getrieben von den südafrikanischen Verantwortlichen, die die sportliche Goldgrube natürlich erkannten, einfach nur laufen und gewinnen. Wie diverse Medien, darunter die kenianische Tageszeitung „The Star“, vor einigen Wochen berichteten, hatte die damals 18-Jährige den Funktionären einst sogar angeboten, ihre Intimzone als Beweis ihrer Weiblichkeit, verbunden mit einem Startrecht, herzuzeigen. Wie in uralten Zeiten. So erzählte sie es in einem Interview mit HBO.

Der Profisport und die Notwendigkeit exklusiver Regeln

Das Tischtuch zwischen World Athletics und Semenya, die sich in Folge von Berlin einem Geschlechtertest unterziehen musste, wurde in den Anfangsjahren unwiderruflich zerschnitten. Sie war in jenen Zeiten zufrieden, als sie uneingeschränkt laufen und Siege sammeln durfte, darunter zwei Olympische Goldmedaillen. World Athletics fühlte sich in den Bemühungen, Frauensport so fair wie möglich zu gestalten, in jenen Zeiten besser, in denen es ein Limit an Testosteron im Blut von Sportlerinnen gab und gibt. Zwischen 2013 und 2015, dann nach einem CAS-Urteil nicht mehr, und seit Saisonbeginn 2019 wieder. Das männliche Geschlechtshormon kommt im weiblichen Körper laut biologischer Definition nur zu einem reduzierten Anteil vor (laut wissenschaftlichen Einschätzungen bis 1,7 Nanomol pro Liter). Ist das Testosteron-Level höher, beginnt der Transgender-Bereich (so genannte DSD (difference in sex development) -Athletinnen und -Athleten). Im Spitzensport spielt das eine wesentliche Rolle, da Testosteron die Fähigkeit der Sauerstoffversorgung der Muskulatur verbessert und daher zu einer größeren Ausbildung der Muskulatur führt – vereinfacht gesagt, leistungsfähiger macht. Die künstliche Verwendung des Hormons steht übrigens folgerichtig auf der Dopingliste der WADA.

Semenyas rechtlicher Kampf gegen eine verpflichtende Medikation zur Senkung ihres Testosteronlevels (und jenes von weiteren Athletinnen) mag aus gesellschaftlicher Sicht argumentativ berechtigt sein. Insbesondere im Sinne der Inklusion aller, die im Sport generell weiter fortgeschritten ist als in anderen gesellschaftlichen Bereichen. Semenya erzählt gegenüber HBO von ihrem schlechten gesundheitlichen Zustand in den Jahren der ersten Beschränkungen. Doch der Spitzensport (wohlgemerkt ausschließlich der Profisport und keinesfalls der Breitensport!) braucht an diversen Stellen eigene Regeln, um Fairness und Chancengleichheit aufrecht zu erhalten (was in der Theorie die Essenz der Attraktivität des sportlichen Wettkampfs sein sollte) – Stichwort: unerlaubter Einsatz von Medikamenten. Und biologische Chancengleichheit, so gut dies auf vernünftige und moderne Basis möglich ist. Semenyas Kampf ist übrigens ins Stocken geraten, denn das Oberste Internationale Sportgericht (CAS) und das Schweizer Bundesgericht gaben World Athletics recht, die Chancengleichheit aller anderen Läuferinnen durch rigorose Maßnahmen, die auf einer nicht unumstrittenen wissenschaftlichen Studie basieren, aber von etlichen Sportwissenschaftlern gestützt wird, zu schützen. Die Südafrikanerin klagt nun vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte – Ausgang ungewiss.

Semenya ist vom Spitzensport abgedriftet

Für sie sind die neuesten Entwicklungen keine gute Nachricht. Ihre Nervosität äußert sich scheinbar in Unsicherheit und teilweise peinlichen Auftritten. Erst bezeichnete sie die Verantwortlichen des Afrikanischen Verbandes als feige, weil sie nicht für die eigenen Athletinnen die Stimme erheben würden – so als ob DSD-Athletinnen im afrikanischen Verband die Mehrzahl wären – und brachte mit diesem Rundumschlag CAA-Präsident Hamad Kalkaba Malboum zur Verzweiflung. Dann bezeichnete sie die WM in Eugene, die sie zu verpassen glaubte, als „kein Ziel“ und träumte öffentlich von einer Marathon-Karriere à la Eliud Kipchoge. Als vorläufigen Höhepunkt gab sie irischen Medien vor einer Woche vor einem sportlich desolaten Auftritt in Irland ein denkwürdiges Interview. „Ich bin die Allergrößte aller Zeiten. Das wird von mir in Erinnerung bleiben: meine Talente, meine Ausnahmefähigkeit.“ Und noch eine Aussage macht stutzig. Im Prozess vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ginge es ihr nicht ums Gewinnen. „Mir ist egal, was herauskommt. Mir geht es darum, Aufmerksamkeit zu erzeugen, wie selbstsüchtig die Motive der Behörden sind. Das gehört aufgezeigt.“

Semenya weigert sich ähnlich wie Francine Niyonsaba, ebenso eine DSD-Athletin, die in gemeinsamen 800m-Zeiten stets Zweite hinter Semenya war, sich einer medikamentösen Hormontherapie zu unterziehen. Doch während die Südafrikanerin mit ihren sportlichen Leistungen in die internationale Bedeutungslosigkeit abgerutscht ist, feierte Niyonsaba in letzter Zeit zahlreiche wichtige Siege über 3.000m und 5.000m und reist als Medaillenkandidatin zur WM nach Eugene. Schneidet sie dort erfolgreich ab, werden die alt bekannten Semenya-Diskussionen aus dem 800m-Lauf sich auf die längeren Distanzen verlagern, die momentan ungeachtet der World-Athletics-Regelung sind. Semenya ihrerseits ist durch einige Absagen last-minute ins Starterfeld für den 5.000m-Lauf bei der WM gerutscht, die neue Weltrangliste macht es möglich, weil sie von satten Extrapunkten als Zweite der südafrikanischen Landes- und Sechste der Afrikameisterschaften profitierte. Erfolgsaussichten nach den letzten Jahren: keine.

Sportwissenschaft ruft nach Lösungen

Das IOC ist unter Druck, spätestens seit im Jänner 38 Mediziner in einem gemeinsamen Statement via dem Fachmagazin „British Medical Journal Open Sport / Exercise Medicine“ das milde Vorgehen des IOC nach der Olympia-Teilnahme der transgeschlechtlichen, neuseeländischen Gewichtheberin Laurel Hubbard im Frauenbewerb – eine Premiere, die regeltechnisch erlaubt war – kritisierten. Kernaussage: „Sport ist inklusiv, aber nur so lange, bis es um Medaillen geht. Wollen Sie verhindern, dass Frauen im Sport biologische Nachteile haben, müssen Sie Grenzen setzen.“ Einer der Autoren des Statements war der im Laufsport bekannte Wissenschaftler Yannis Pitsiladis, der der britischen Zeitung „The Guardian“ sagte: „Die Inklusion der Menschenrechte ist absolut essentiell in dieser Debatte. Aber genauso wichtig sind in der Lösungsfindung wissenschaftliche und medizinische Prinzipien.“

Aus Sicht des Leichtathletik-Weltverbandes sollten die neuesten Entwicklungen im Sport eigentlich im Sinne einer Anerkennung der Pionierarbeit einen Rückenwind entfachen. 2019 hat World Athletics eine Obergrenze von 5 Nanomol Testosteron pro Liter Blut als Zugangsbeschränkung zur Frauen-Wettkämpfen eingeführt, mittels Blutanalysen müssen die Athletinnen die Einhaltung über einen Zeitraum von einem Jahr nachweisen. Allerdings führte World Athletics diese Regeln lediglich für die Mittelstrecken bis inklusive einer Meile und den 400m-Sprint ein, weshalb der Vorwurf der „Lex Semenya“ Flügel bekam. Bevor die FINA ihre historische Entscheidung bekannt gegeben hat, haben einige Verbände ihre Regeln an jene der Leichtathletik angenähert. Dass diese Entwicklungen dramatische Einzelschicksale von Sportlerinnen, die per se nichts falsch gemacht haben, geboren hat, macht die Sache delikat.

Fragile Zukunft des Frauensports

WA-Präsident Sebastian Coe reagierte gebremst auf die Entwicklungen. Vielleicht auch deshalb, weil ihm bewusst ist, nicht nur aus eigener Erfahrung, dass die erste Klage gegen die neue FINA-Regel nur eine Frage der Zeit ist. Er begrüßte den Schritt des Schwimmverbandes und bekräftigte, die Entscheidung sei im besten Interesse des Sports. Denn Fairness sei ein Aspekt, den man nie übergehen dürfe. Im selben Interview mit der BBC gab er allerdings keine Zustimmung, dass die Leichtathletik die Regeln des Schwimmverbandes für alle Disziplinen übernehmen werde. „Wir bleiben an der Forschung dran, geben Studien in Auftrag, um noch mehr Wissen zu generieren, welche Schlüsselrolle Testosteron in der Leistungsfähigkeit spielt.“ Man werde gegen Jahresende im Council des Weltverbandes eine entsprechende Diskussion führen.

Die Leichtathletik habe unter großen Mühen bereits einen Weg für sich gefunden, man wolle zur Stigmatisierung nichts weiteres beitragen, so Coe, der auch die diffizile Herausforderung der Vorlage wissenschaftlich klarer Darstellung eines Beweises kennt. Für ihn aber unverhandelbar ist, dass die Leichtathletik stets auf der Seite der Fairness bleibt. Geschlecht könne in diesem Fall nicht wichtiger sein als Biologie. „Die Integrität des Frauensports ist sehr, sehr wichtig. Wir können uns nicht erlauben, dass eine Generation von Mädchen keine Zukunft für sich im Sport sieht. Das ist unsere Verantwortung und deshalb stehen wir in erster Front, wenn es diese Integrität zu verteidigen gilt.“ Es sind dann doch noch klare Worte, die Sebastian Coe gegenüber der BBC fand – in seiner Vorreiterrolle als Kämpfer für Chancengleichheit im Frauensport, in der er sich sieht. In letzter Zeit warnte der Brite mehrfach öffentlich: „Die Zukunft des Frauensports ist sehr fragil.“