Suboptimaler Auftakt für die Innerhofer-Zwillinge

Hans-Peter Innerhofer und sein Zwillingsbruder Manuel erreichten bei den Berglauf-Europameisterschaften auf den Kanarischen Inseln die Positionen 15 und 20. Vor allem bei Manuel war die Erwartungshaltung deutlich höher.

© ÖLV / Helmut Schmuck

Das Brüderpaar ging mit dem Nachteil an den Start, einen verunglückten Anreisetag erlitten zu haben. Aufgrund eines technischen Defekts stand der Anschlussflieger der aus München angekommenen Zwillinge zwei Stunden lang auf dem Rollfeld des Madrider Flughafens, ehe er die dreistündige Reise auf die Kanarischen Inseln fortsetzen konnte. Durch den unfreiwillig verlängerten Trip fielen die Streckenbesichtigung und die WarmUp-Laufrunde ins Wasser. „Die Strecke nicht zu kennen, ist im Berglauf ein gewaltiger Nachteil“, betonte Hans-Peter Innerhofer (LC Oberpinzgau). Außerdem war die lange Reise auch für die Energieversorgung eine Herausforderung. Angesichts dessen zog er ein positives Fazit für sich: „Mit der Platzierung und dem Abstand zu den Top-Drei kann ich schon zufrieden sein. Wenn mir vorher jemand den 15. Platz prognostiziert hätte, hätte ich unterschrieben.“ Dennoch blieb der Wermutstropfen: „Wäre der gestrige Tag nicht so zäh gewesen, hätte ich heute vielleicht in die Top-Ten laufen können.“ Denn muskulär habe sich der Wettkampf hervorragend angefühlt, die Bedingungen waren optimal, nur leichte Schwierigkeiten mit dem Magen störten etwas.

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Optimismus verleitete zu Risiko

Trotz der Vorgeschichte ging Manuel Innerhofer (LC Oberpinzgau) mit guten Trainingsleistungen im Gepäck mit viel Optimismus ins Rennen. „Ich war nach dem Einlaufen voll motiviert und habe mich extrem stark gefühlt.“ In der Hoffnung, dass bei günstigen Bedingungen und einer für seine Fähigkeiten guten Strecke mit wenig ganz steilen Passagen sein Tag gekommen wäre, lief der EM-Sechste von 2019 offensiv an. Als der Italiener Cesare Maestri, später in Abwesenheit seines aufgrund Trainingsrückstand verhinderten Landsmanns Henri Aymonod, der überlegene Sieger, bereits auf dem zweiten Kilometer einen Vorstoß wagte, ging Innerhofer mit ihm mit. Die Erinnerungen an den Großglockner Berglauf 2021, als er die gesamte Distanz im Rücken des Italieners lief und ihn kurz vor Schluss überholte, waren plötzlich frisch. Doch nur einige Minuten später bekam der 26-Jährige Seitenstechen und musste das Tempo reduzieren, der heimliche Traum von einer Medaille verschwand in diesen Augenblicken Richtung Utopie. „Ich habe nie Seitenstechen“, klagte er nach dem Rennen, „komisch! Es war heute einfach doch nicht mein Tag…“ Seine hohen Erwartungen ließen sich nicht mehr erfüllen, Erholung bergauf ist ohnehin sehr schwierig – es war die Quittung für das Risiko des schnellen Angangstempos, wie ÖLV-Berglauf-Referent Helmut Schmuck vermutete. Mit Blick auf Sonntag lief Innerhofer, nachdem er erkannte, nicht mehr im Spitzenfeld landen zu können, mit Reserven auf Platz 20 ins Ziel. Das Handtuch zu werfen, hielt er nicht für eine praktikable Lösung. Das Kennenlernen des Geländes, der Bedingungen und des Untergrunds mögen für Sonntag wertvolle Erkenntnisse bringen, so die Hoffnung.

Italien verteidigt Dominanz

Maestri, 2018 noch Silbermedaillengewinner, hielt sein Tempo bei und lief im Alleingang zum Titel, wenngleich der Vorsprung im weniger steilen Mittelteil noch größer war als an der Ziellinie. In einer Zeit von 44:48 Minuten brachte er einen stattlichen Vorsprung einer halben Minute vor Dominik Rolli aus der Schweiz und Daniel Osanz aus Spanien nach Hause. „Ich wollte heute unbedingt gewinnen. Ich habe alle Energie in diesen Wettkampf geworfen. Diese Goldmedaille musste sehr lange auf mich warten, denn in den letzten Jahren haben diese internationalen Meisterschaften sehr gefehlt“, sagte der 28-jährige Italiener. Es ist die sechste EM-Goldmedaille für das italienische Team bei den letzten acht Europameisterschaften, die 13. bei der 27. Auflage insgesamt. Auch in der Nationenwertung behielt Italien im Duell mit dem starken Schweizer Team knapp die Oberhand. Jonas Soldini auf Position neun und Jonathan Schmid auf Rang elf rundeten ein beeindruckendes Resultat der Eidgenossen ab. Deutschlands Einzelstarter Maximilian Zeus erreichte den guten siebten Rang. Zu den Geschlagenen im Feld gehörte der Slowene Timotej Becan, der nur 14. wurde, Titelverteidiger Jacob Adkin spielte gar überhaupt keine Rolle und kam nur auf Rang 29 unter 42 Gestarteten ins Ziel.

Nächste Chance am Sonntag

Für die beiden Innerhofer-Zwillinge bietet sich am Sonntag im 17,6 Kilometer Up&Down-Bewerb eine zweite Chance im Rahmen dieser Off-Road Europameisterschaften. Auch wenn Manuel angesichts des Streckenprofils den heutigen Bewerb als jenen mit besseren Chancen für sich angesehen hat, zielten die ursprünglichen Planungen auf das Sonntagsrennen ab, in dem mit Markus Hartinger (LTV Köflach) noch ein dritter Österreicher an den Start gehen wird. „Wir werden viel schlafen, morgen entspannen und ein bisschen die Trailrunning-Bewerbe verfolgen, um die Österreicher anzufeuern und ein paar Erkenntnisse über die Strecke zu bekommen“, dachte Hans-Peter wenige Stunden nach dem Rennen bereits an die Regeneration.

Deutscher Ehrle überlegener Sieger bei den Junioren

Der chronologisch erste Wettkampf des Tages endete mit einem überlegenen Erfolg für Lukas Ehrle. Der 17-Jährige dominierte den 5,3 Kilometer langen Wettkampf mit einer Höhendifferenz von 788 Metern nach Belieben und setzte sich in einer Zeit von 30:14 Minuten mit einem Vorsprung von fast zwei Minuten auf den Spanier Jan Torrella durch. Dessen Landsmann Marcos Villamuera holte die zweite Medaille für den Gastgeber, der zehntplatzierte Alvaro Osanz sicherte den Sieg in der Nationenwertung vor Italien und Großbritannien ab.

Ergebnisse der Uphill-Bewerbe, Off-Road Europameisterschaften 2022

Männer (8,9 km, 997 HM)

Gold: Cesare Maestri (Italien) 44:48 Minuten
Silber: Dominik Rolli (Schweiz) 45:19 Minuten
Bronze: Daniel Osanz (Spanien) 45:26 Minuten

  1. Miquel Corbera (Spanien) 45:55 Minuten
  2. Zak Hanna (Irland) 45:55 Minuten
  3. Hannes Perkmann (Italien) 46:08 Minuten
  4. Joe Steward (Großbritannien) 46:09 Minuten
  5. Maximilian Zeus (Deutschland) 46:10 Minuten
  6. Jonas Soldini (Schweiz) 46:13 Minuten
  7. Alex Baldaccini (Italien) 46:22 Minuten
  8. Jonathan Schmid (Schweiz) 46:23 Minuten

    14. Timotej Becan (Slowenien) 46:55 Minuten
    15. Hans-Peter Innerhofer (Österreich) 47:20 Minuten
    16. Daniel Lustenberger (Schweiz) 47:21 Minuten
    20. Manuel Innerhofer (Österreich) 48:29 Minuten

Nationenwertung (beste drei Platzierungen in Addition gewertet)

Gold: Italien 17 Punkte
Silber: Schweiz 22 Punkte
Bronze: Spanien 35 Punkte

  1. Großbritannien 47 Punkte
  2. Norwegen 63 Punkte
  3. Slowenien 65 Punkte

Junioren (5,3 km, 788 HM)

Gold: Lukas Ehrle (Deutschland) 30:14 Minuten
Silber: Jan Torrella (Spanien) 32:07 Minuten
Bronze: Marcos Villamuera (Spanien) 32:23 Minuten

  1. Finlay Grant (Großbritannien) 32:37 Minuten
  2. Elia Mattio (Italien) 33:06 Minuten
  3. David Bilek (Tschechische Republik) 33:52 Minuten
  4. Davide Curioni (Italien) 34:04 Minuten
  5. Edward Corden (Großbritannien) 34:10 Minuten
  6. Mattej Placatka (Tschechische Republik) 34:36 Minuten
  7. Alvaro Osanz (Spanien) 34:45 Minuten

Nationenwertung (beste drei Platzierungen in Addition gewertet)

Gold: Spanien 15 Punkte
Silber: Italien 24 Punkte
Bronze: Großbritannien 25 Punkte

  1. Tschechische Republik 31 Punkte

Off-Road Europameisterschaften 2022 in El Paso

European Athletics