Staatsmeisterschaften als Bühne für die Jungen

Erstmals ist die niederösterreichische Landeshauptstadt St. Pölten, die seit Jahren eines der hochwertigsten Meetings Österreichs ausrichtet, Gastgeber für die besten Leichtathletinnen und Leichtathleten des Landes bei den ÖLV-Staatsmeisterschaften. Die Teilnehmerfelder auf den Mittelstrecken sind rund um die Talente Kevin Kamenschak, Caroline Bredlinger oder Marcel Tobler auffallend jung. Nur „Oldie“ Raphael Pallitsch kann im Kampf um Edelmetall auf Routine verweisen.

© ÖLV / Alfred Nevsimal

Raphael Pallitsch führt die Meldeliste sowohl im 800m- als auch im 1.500m-Lauf an. Besonders auf der längeren der beiden Mittelstrecken könnte es nach den Ergebnissen der letzten Wochen zu einem spannenden Aufeinandertreffen zwischen dem Burgenländer und der neuen Generation kommen, die vom 18 -jährigen Linzer Kevin Kamenschak (ATSV Linz LA) angeführt wird. Der 32-jährige Routinier, der nach seiner jahrelangen Karriereunterbrechung aufgrund einer schweren Verletzung, die er zur universitären Weiterbildung im Sport genutzt hat, wieder gut in Schwung ist, hat für dieses Saison sein Spektrum erweitert und zu seiner Spezialdisziplin, dem 800m-Lauf, in dem er es bei den Hallen-Weltmeistschaften in Istanbul 2012 bis ins Halbfinale geschafft hat, den 1.500m-Lauf als zweite Disziplin dazu genommen. Seine persönlichen Bestzeiten aus den Juniorenzeiten hat er deutlich verbessert, am vergangenen Samstag steigerte er sich in Pfungstadt (siehe RunAustria-Meldung) auf eine Zeit von 3:40,49 Minuten, die Rang 14 in der ewigen ÖLV-Bestenliste bedeutet. Im letzten Jahrzehnt hat neben Andreas Vojta lediglich der in Australien lebende Brenton Rowe eine schnellere Zeit erreicht, Pallitsch führt damit selbstredend die ÖLV-Jahresbestenliste an.

RunAustria-Tipp: Die ÖLV-Staatsmeisterschaften werden im Livestream auf Streamster.tv übertragen. Der ORF sieht Highlightfenster auf ORF Sport+ (Montag) und im sonntäglichen Sportbild (26.6. und 3.7.) vor.

Livestream am Samstag Livestream am Sonntag

Kamenschak und Tobler mit Rückenwind aus Rumänien

Am selben Tag wie Pallitsch in Pfungstadt haben auch Kevin Kamenschak und Marcel Tobler (ULC Riverside Mödling) ihre persönlichen Bestleistungen bei den Balkanmeisterschaften in Rumänien auf Zeiten von 3:43,03 Minuten bzw. 3:44,72 Minuten verbessert. Kamenschak liegt mit dieser Leistung, die ihm die Bronzemedaille einbrachte (siehe RunAustria-Bericht), auf Rang drei der ewigen ÖLV-U20-Bestenliste (hinter Mike Hillardt und Nikolaus Franzmair) und hat die Qualifikation für die Junioren-Weltmeisterschaften im kolumbianischen Cali (1. bis 6. August 2022) bereits in der Tasche. Tobler hat den Staatsmeistertitel im Jahr 2021 gewonnen, damals vor Paul Stüger und Kamenschak. Womöglich könnte auch Franzmair, Staatsmeister vor sieben Jahren, in den Kampf um die Medaillen angreifen, der Oberösterreicher ist in dieser Saison bereits unter 3:47 Minuten gelaufen.

Die Laufentscheidungen bei den ÖLV-Staatsmeisterschaften 2022

  • Samstag, 25. Juni um 17 Uhr – 800m-Lauf der Männer
  • Samstag, 25. Juni um 17:15 Uhr – 800m-Lauf der Frauen
  • Sonntag, 26. Juni um 14:15 Uhr – 1.500m-Lauf der Frauen
  • Sonntag, 26. Juni um 14:30 Uhr – 1.500m-Lauf der Männer

Enges Rennen bei den Frauen

43% des 1.500m-Starterfeldes ist vor der Jahrhundertwende geboren, damit ist dieser Laufbewerb der deutlich „älteste“ der vier Mittelstrecken. Der „jüngste“ ist der 1.500m-Lauf der Frauen mit nur einer von 19 Teilnehmerinnen mit einem Geburtsdatum, dessen Jahreszahl mit einer „1“ beginnt. Das ist Sandra Schauer (ULC Klosterneuburg), die in einer prognostiziert engen Entscheidung um die Medaillen eine Rolle spielen wird. Angeführt wird die Meldeliste von Carina Reicht (OMNi-BiOTiC POWERTEAM), Lotte Luise Seiler (KSV Alutechnik) und Cordula Lassacher (Atus Knittelfeld) gehören ebenfalls zum Kreis der Titelaspirantinnen. Seiler hat die Titel in den letzten beiden Jahren gewonnen, Reicht siegte im Jahr 2019 als 17-Jährige.

Bredlinger vor nächstem Titel

Im 800m-Lauf der Frauen sind nur zwei der 20 gemeldeten Teilnehmerinnen im 20. Jahrhundert geboren, darunter Sandra Schauer, die Favoritin auf einen Medaillengewinn ist. In der Frage nach der Goldmedaille kann die Antwort nur Caroline Bredlinger (LT Bgld. Eisenstadt) lauten, die aufgrund ihrer Leistungen in den letzten Wochen und Monaten bei einem normalen Verlauf kaum schlagbar ist. Die 21-Jährige, im Übrigen Titelverteidigerin, steigerte sich zuletzt bei den Balkanmeisterschaften auf eine Zeit von 2:06,49 Minuten und nähert sich mit großen Schritten den besten österreichischen 800m-Leistungen in der Ära nach Stephanie Graf. Bei den Balkanmeisterschaften im Winter, als die Burgenländerin sogar eine Medaille gewann, lief sie indoor mit einer Zeit von 2:07,76 Minuten die schnellste österreichische seit vielen Jahren.

Für die Silbermedaille fällt der erste Verdacht auf Katharina Stöger (Union Salzburg LA). Die junge Salzburgerin hat sich in den letzten Wochen und Monaten kräftig gesteigert und ist bei einer Zeit von 2:11,15 Minuten angekommen, gut zwei Sekunden entfernt vom Limit für die Junioren-WM. Stöger belegte vor zwei Wochen bei den Österreichischen Meisterschaften der Altersklasse U23 in Reutte den zweiten Platz hinter Bredlinger, die damalige Bronzemedaillengewinnerin Elena Trinks (LAG Genböck Haus Ried) ist am Samstag ebenfalls Medaillenkandidatin.

Vorgeschmack auf den 1.500er

Die chronologisch erste Medaillenentscheidung des Wochenendes im Laufbereich ist der 800m-Lauf der Männer, der einen Vorgeschmack auf das 1.500m-Rennen am Sonntag bietet. Denn alle wichtigen Protagonisten sind doppelt gemeldet: Titelverteidiger Pallitsch, Franzmair, der auch in seiner grandiosen Juniorenzeit nie Staatsmeister in dieser Disziplin war, Tobler und Kamenschak. Pallitsch hat in diesem Jahr noch keinen 800m-Lauf bestritten, Tobler überzeugte zuletzt mit dem Titel in der Altersklasse U23 vor Kamenschak. Neben dem Oberösterreicher könnten mit Samuel Lengauer (TGW Zehnkampf Union), Niklas Kainrath (Union St. Pölten) und Niklas Altmann (PSV Wels Leichtathletik) drei weitere Läufer mit Jahrgang 2004 auf den vorderen Plätzen landen.

Österreichischer Leichtathletik Verband