Hodgkinson und Muir siegen zum Saisoneinstieg

Die britischen Vorzeige-Mittelstreckenläuferinnen konnten ihren Einstieg in die Freiluftsaison beim Diamond-League-Meeting in Birmingham erfolgreich gestalten. Abel Kipsang entwickelt sich zur Größe im 1.500m-Lauf und der Deutschen Hanna Klein gelang die erste 5.000m-Zeit unter 15 Minuten.

© Wanda Diamond League

Unter dem großen Jubel des britischen Publikums bei der zweiten Station der Wanda Diamond League, die anstelle von London in Birmingham stattfand, ist das Comeback von Keely Hodgkinson geglückt. Die 20-Jährige, die kurzfristig auf die Hallen-WM in Belgrad verzichten musste, hinterließ einen lockeren Eindruck und siegte nach einem taktisch makellosen Rennen mit entschlossenem Gesichtsausdruck klar in einer Zeit von 1:58,64 Minuten, Negativsplit inklusive. „Ich habe mich heute stark gefühlt und das Rennen genossen. Ich bin sehr zufrieden mit diesem Auftakt. Die Atmosphäre im Stadion war sehr speziell“, sagte die Olympia-Silbermedaillengewinnerin nach ihrem Rennen.

Lamote mit bestem Saisoneinstieg

Der Sieg fiel deutlich aus, auch wenn Natoya Goule bis mitten in der letzten Kurve noch an den Fersen der Britin klebte. Mit einem starken Schlussspurt sicherte sich die zweifache EM-Medaillengewinnerin Renelle Lamote noch den zweiten Platz in 1:59,53 Minuten, während der Jamaikanerin der Sprit komplett ausging. „Das ist meine beste Saisoneröffnung ever – daher bin ich überglücklich. Ich gehe mit sehr viel Selbstvertrauen in den Sommer“, freute sich die Französin. Die beiden Deutschen Christina Hering und Katharina Trost kamen auf den Rängen sechs und zehn ins Ziel.

Siegerin im B-Lauf war U23-Europameisterin Isabelle Boffey in 2:01,30 Minuten.

Vom Trainingslager auf das oberste Stockerl

Mit großem Applaus empfing das Publikum im gut gefüllten, in Vorbereitung auf die Commonwealth Games im Sommer noch nicht ganz fertiggestellten Alexander Stadium Laura Muir, die direkt aus einer intensiven Trainingsphase in der Höhe zurück in die Heimat gekehrt war. Im Kampf um den Sieg musste sich die Schottin mit der Australierin Jessica Hull auseinandersetzen, die trotz der von Muir bestellten, eher konservativen Renngestaltung der Tempomacherin als einzige die Pace mitgehen konnte, als die Führungsgruppe die Zwischenzeit bei 800m in 2:09,64 Minuten durchlief. Die 29-Jährige blieb an der Spitze und holte mit angestrengtem Gesichtsausdruck auf der Zielgeraden das Letzte aus ihrem Körper heraus. „Es war ein solider Frontrun. Der Sieg ist sehr wichtig für mich, schließlich war es meine Saisonpremiere und leicht war es mit dem Wind hier auch nicht“, kommentierte die Olympia-Silbermedaillengewinnerin. Erst die letzten fünf Schritte waren lockerer, die Zeitnehmung stoppte bei 4:02,81 Minuten. Hull überquerte die Ziellinie augenscheinlich als zufriedene Zweite, Winny Chebet gewann den Spurt um Rang drei, während Jemma Reekie mit Position fünf Vorlieb nehmen musste. „Es ist richtig gut gelaufen für mich“, fand die Australierin.

Tolles Debüt für Seyaum, klare Bestzeit für Klein

Mit einer gezielten Attacke rund 230 Meter vor dem Ziel hat Dawit Seyaum den Schlüssel dafür gefunden, den ersten 5.000m-Lauf ihrer Karriere auch gleich zu gewinnen. Die 25-Jährige verbesserte in einer Zeit von 14:47,55 Minuten damit den Meetingrekord von Tirunesh Dibaba aus dem Jahr 2005 um vier Sekunden sowie die Weltjahresbestleistung von Girmawit Gebrzihair aus Nairobi um zwei Sekunden. Seyaum setzte sich in Abwesenheit von Francine Niyonsaba, der kein Visum ausgestellt wurde, gegen ihre Landsfrauen Hawi Feysa und Fantu Worku durch. Das homogene und flotte Tempo in Birmingham war jedoch auch eine gute Bühne für die besten Europäerinnen. Die Deutsche Hanna Klein verbesserte ihren „Hausrekord“ um rund zehn Sekunden und knackte erstmals überhaupt die Marke von 15 Minuten in dieser Disziplin. Mit einer Zeit von 14:51,71 Minuten setzte sie sich auf Rang drei der ewigen DLV-Bestenliste hinter Konstanze Klosterhalfen und Irina Mikitenko. Bis zum Glockenton der letzten Runde war die geschickt laufende 29-Jährige Teil der Spitzengruppe.

Nur eine Europäerin platzierte sich noch besser, Karoline Bjerkeli Grövdal. Auch Lokalmatadorin Jessica Judd, die sich erst kürzlich einen Startplatz bei den Weltmeisterschaften von Eugene über 10.000m verdiente, kämpfte sich mit ihrem energischen Einsatz zu einer persönlichen Bestleistung von 14:57,19 Minuten und ist nun auf Platz zehn der ewigen britischen Bestenliste zu finden. Dagegen musste die Italienerin Nadia Battocletti, die sich gleich nach dem Start mutig unter die Äthiopierinnen mischte und lange Zeit vorne mitlief, das Rennen unterwegs beenden.

Kipsang hält sich Katir vom Leib

Der 1.500m-Lauf der Männer begann mit einem spektakulären Sturz des Briten Piers Copeland, dessen Schuh einen Riss auf der Außenseite erlitt. Dann zeigte sich Stewart McSweyn, nach großen gesundheitlichen Problemen im Winter, an der Spitze. Doch der Australier ist noch lange nicht da, wo er einmal war und fiel bis auf Rang 14 zurück. Sein Landsmann Matthew Ramsden, am Ende Elfter, übernahm das Kommando bis eingangs der letzten Runde, das Rennen aber war nicht so schnell wie von Pacemaker Erik Sowinski intendiert. Dann stach der Favorit des Rennens, Abel Kipsang an die Spitze und ließ sich dank einer entschlossenen letzten Runde seinen ersten Diamond-League-Sieg nicht mehr nehmen. In einer Zeit von 3:35,15 Minuten lag der Kenianer am Ende vor Mohamed Katir aus Spanien und Oliver Hoare aus Australien, während der schottische Olympia-Medaillengewinner Josh Kerr mit Rang fünf Vorlieb nehmen musste.

Arop gewinnt in untypischem Stil

Seine besten Rennen hat der Kanadier Marco Arop von vorne bestritten, auch wenn es ihm immer wieder passierte, auf der Zielgerade einzugehen. In Birmingham wählte der 23-Jährige ausnahmsweise eine andere Taktik und stürmte zum Erfolg. Er blieb im kompakten Feld, als niemand Tempomacher Erik Sowinski folgen wollte. Auf der Gegengerade schaltete Arop einen Gang hoch, überholte außen fast das komplette Feld und setzte sich noch vor der Kurve an die Spitze. Mit einigen Metern Vorsprung kam er aus der Kurve heraus und gewann ein Rennen mit zwei ähnlich schnellen Hälften klar in 1:45,41 Minuten. „Ich habe das realisiert, was ich für heute geplant hatte. Ich bin sehr glücklich darüber, wie das Rennen gelaufen ist., sagte der Kanadier, der eine bärenstarke Diamond-League-Saison 2021 gelaufen ist.

Für eine große Show sorgte Benjamin Robert, der mit dem besten Finish aller mitten durch das Feld zu Platz zwei in 1:46,22 Minuten stürmte. Hallen-WM-Medaillengewinner Bryce Hoppel, der bei Arops Attacke etwas eingeklemmt wirkte, musste sich mit Platz drei zufrieden geben. Den B-Lauf gewann der junge Ben Pattison, erst vor einer Woche mit einer 1:45er-Zeit, nach einer langsamen ersten Runde mit deutlichem Vorsprung in 1:49,21 Minuten. Es war ein beachtliches Feld, das der 20-Jähirge hinter sich ließ: Jamie Webb wurde Zweiter, der ehemalige WM-Vierte Kyle Langford kam als Dritter ins Ziel.

Eine langsame Laufbahn?

Dass auch bei der zweiten Station der diesjährigen Diamond League, mit Ausnahme des 5.000m-Laufs der Frauen, keine absoluten Weltklassezeiten erreicht wurden, lag in Birmingham im Gegensatz zu Doha offensichtlich weniger an den schlechten Bedingungen, die auch in Mittelengland nicht perfekt waren. Im Vorfeld des Meetings kritisierte die britische Tageszeitung „The Times“ die Stadtverwaltung von Birmingham, die sich bei der Verlegung der Laufbahn im Alexander Stadium für eine günstigere und demnach qualitativ schlechtere entschieden habe als etwa die WM-Veranstalter von Eugene. Betroffen sind neben dem Diamond-League-Meeting somit auch die Commonwealth Games.

Ergebnisse Müller Grand Prix Birmingham 2022

800m-Lauf der Frauen

  1. Keely Hodgkinson (GBR) 1:58,63 Minuten
  2. Renelle Lamote (FRA) 1:59,53 Minuten
  3. Natoya Goule (JAM) 2:00,13 Minuten
  4. Sage Hurta (USA) 2:00,48 Minuten
  5. Alexandra Bell (GBR) 2:00,67 Minuten
  6. Christina Hering (GER) 2:00,82 Minuten
  7. Lindsey Butterworth (CAN) 2:01,20 Minuten
  8. Louise Shanahan (IRE) 2:01,35 Minuten

    10. Katharina Trost (GER) 2:01,80 Minuten

800m-Lauf der Männer

  1. Marco Arop (CAN) 1:45,41 Minuten
  2. Benjamin Robert (FRA) 1:46,22 Minuten
  3. Bryce Hoppel (USA) 1:46,33 Minuten
  4. Jake Wightman (GBR) 1:46,39 Minuten
  5. Patryk Dobek (POL) 1:46,63 Minuten
  6. Wycliffe Kinyamal (KEN) 1:46,64 Minuten
  7. Clayton Murphy (USA) 1:47,23 Minuten
  8. Daniel Rowden (GBR) 1:47,29 Minuten
  9. Peter Bol (AUS) 1:47,59 Minuten
  10. Mariano Garcia (ESP) 1:48,77 Minuten

1.500m-Lauf der Frauen

  1. Laura Muir (GBR) 4:02,81 Minuten
  2. Jessica Hull (AUS) 4:03,42 Minuten
  3. Winny Chebet (KEN) 4:05,56 Minuten
  4. Ciara Mageean (IRE) 4:05,70 Minuten
  5. Jemma Reekie (GBR) 4:07,01 Minuten
  6. Marta Perez (ESP) 4:07,93 Minuten
  7. Cory Ann McGee (USA) 4:08,26 Minuten
  8. Katie Snowden (GBR) 4:08,33 Minuten

1.500m-Lauf der Männer

  1. Abel Kipsang (KEN) 3:35,15 Minuten
  2. Mohamed Katir (ESP) 3:35,62 Minuten
  3. Oliver Hoare (AUS) 3:35,76 Minuten
  4. Michal Rozmys (POL) 3:35,86 Minuten
  5. Josh Kerr (GBR) 3:35,92 Minuten
  6. Adel Mechaal (ESP) 3:35,93 Minuten
  7. Charles Grethen (LUX) 3:37,00 Minuten
  8. Matthew Stonier (GBR) 3:37,25 Minuten *

    14. Stewart McSweyn (AUS) 3:44,14 Minuten

5.000m-Lauf der Frauen

  1. Dawit Seyaum (ETH) 14:47,55 Minuten ** / *** / ****
  2. Hawi Feysa (ETH) 14:48,94 Minuten
  3. Fantu Worku (ETH) 14:49,64 Minuten
  4. Karoline Bjerkeli Grövdal (NOR) 14:51,38 Minuten
  5. Hanna Klein (GER) 14:51,71 Minuten *
  6. Jessica Judd (GBR) 14:57,19 Minuten *
  7. Sarah Lahti (ESP) 15:04,87 Minuten *
  8. Carla Gallardo (ESP) 15:10,62 Minuten *
  9. Sara Benfares (GER) 15:25,74 Minuten

    DNF Nadia Battocletti (ITA)

* neue persönliche Bestleistung
** neue Weltjahresbestleistung
*** neuer Meetingrekord
**** 5.000m-Debüt

Wanda Diamond League

Müller Grand Prix Birmingham