Titeljagd mit Extrapunkten für Mayer

ÖLV / Alfred Nevsimal

Am Samstagabend finden auf der Anlage des LAZ Wien im Wiener Prater die ÖLV-Staatmeisterschaften im 10.000m-Lauf und im 3.000m-Hindernislauf statt. Sportlicher Höhepunkt wird der Start von Julia Mayer (DSG Wien), die am Vorabend des Österreichischen Frauenlauf (siehe RunAustria-Vorbericht) ihre Serie an Staatsmeistertiteln im Frühjahr 2022 fortsetzen könnte. Im Gegensatz zu den Titeln im 10km-Straßenlauf und vor einer Woche im 5.000m-Lauf hat dieses Mal die Laufzeit eine Bedeutung. Denn die 29-Jährige möchte sich in dieser Disziplin für die Europameisterschaften in München qualifizieren und sich mit den 60 Extrapunkten, die es für das Staatsmeisterschaftsrennen gibt, in der Europarangliste, anhand derer das Starterfeld für München aufgefüllt werden wird, qualifizieren.

Vorzeichen nicht ideal

Julia Mayer wünscht sich zwar die EM-Qualifikation über die Weltrangliste – die Trauben des Direktlimits von 32:20,00 hängen hoch, in der ÖLV-Historie ist erst Susanne Pumper unter 32:55 Minuten gelaufen – hält jedoch wenig von Rechenspielen und theoretischen Szenarien: „Ich möchte den Kopf frei haben fürs Laufen und mein Bestes geben“, betont sie. Dies in die entsprechende Zeit umzumünzen könnte am morgigen Samstagabend in Wien etwas erschwert sein. Die Temperaturen sind hoch, der angekündigte Wind könnte ein Hindernis darstellen. Und Tempomacherin wird es, Stand jetzt, keine geben. „Ich orientiere mich an einer Zeit von 33:00, das entspricht ungefähr dem, was ich auf der Straße heuer schon gelaufen bin. Das Ziel ist angesichts der Voraussetzungen, mein Tempo so gut wie möglich durchzuziehen“, lautet der Plan der Niederösterreicherin. Im Idealfall ist die Belgierin Hanne Verbruggen am Start und es ergibt sich die Möglichkeit eines Tandems an der Spitze. „Letztendlich soll ein gutes Rennen herauskommen. Die Vorzeichen sind wie sie sind, es gilt das Beste herauszuholen“, ergänzt Mayer.

Ein kompliziertes Rechenspiel

Aus journalistischer Perspektive ist die dynamische Zusammensetzung der Weltrangliste eher eine regelmäßige Analyse wert, die Unsicherheit schwingt natürlich bei allen mit, weil sich die Wertung wöchentlich durch diverse Starts und Wettkämpfe verändern kann. Julia Mayer liegt gegenwärtig im Ranking „Road to Munich“, und zwar in der bereinigten Liste (max. drei Athletinnen pro Nation), auf Rang 37, in der Europawertung der Weltrangliste auf Rang 35. In der Wertung sind ihr Österreichischer Rekord im 10km-Straßenlauf (32:54, Wien 2021) und ihr Staatsmeistertitel aus dem Vorjahr mit einer Zeit von 34:16,23 Minuten. Und hier liegt das große Verbesserungspotenzial, denn die 60 Punkte (nationale Meisterschaften sind automatisch in der Kategorie B, alle höchstmöglichen Meetings in Österreich mit Ausnahme der Mehrkampfmeetings von Götzis wären höchstens Kategorie C (Eisenstadt) oder D (St. Pölten), Anm.) für den Staatsmeistertitel als Addition zum Result Score der Laufzeit machen diese Leistung fast gleichwertig mit jener beim Vienna 10K 2021.

In München sind 27 Startplätze vorgesehen, immerhin 18 Athletinnen sind bereits fix qualifiziert. Es ist schwer abzuschätzen, wie viele Startplätze über die Weltrangliste vergeben werden. Außerdem weiß niemand, welche europäischen Läuferinnen auf die EM verzichten, da sie die WM bevorzugen, oder welche anderweitige Interessen verfolgen.

© ÖLV / Alfred Nevsimal

Dreikampf bei den Männern

Zurück zum Staatsmeisterschaftsrennen: Gemeldet sind Stand jetzt nur drei Österreicherinnen, das sind aber mit die schnellsten zurzeit auf den langen Bahnstrecken: Sandrina Illes (Union St. Pölten), die den Staatsmeistertitel im 10.000m-Lauf wie Mayer bereits dreimal gewinnen konnte, und Stefanie Kurath (LC Villach). Im Kampf um den Staatsmeistertitel werden beide die Favoritin aber kaum gefährden können.

Bei den Männern könnte sich dafür ein spannendes Rennen um die Goldmedaille entwickeln. Sebastian Frey (DSG Wien) ist nach seiner Bronzemedaille über die halbe Distanz vor einer Woche, die ihn nicht restlos glücklich gestimmt hat, mit der besten Vorleistung am Start. Der 19-Jährige ist als jüngster im Feld 21 (!) Jahre jünger als Isaac Kosgei, der sechs Tage nach seinem zweiten Platz beim Salzburg Marathon, äquivalent mit Silber bei den Staatsmeisterschaften, erneut seine Laufschuhe schnüren will. Die härtesten Kontrahenten Freys sind voraussichtlich Florian Prüller (TSV Steiermärkische Sparkasse Salzburg), der sich bei den letztjährigen Staatsmeisterschaften mit seinem ersten 10.000m-Lauf unter 30 Minuten die Bronzemedaille gesichert hat, und Markus Hartinger (LTV Köflach), amtierender Österreichischer Meister im 10km-Straßenlauf. Der 34-Jährige hat sich im Frühjahr auf allen Distanzen teils wesentlich verbessert, es fehlt nur noch eine Steigerung im 10.000m-Lauf.

Interessante Hindernisläufe

Um Edelmetall geht es auch im 3.000m-Hindernislauf: Bei den Frauen fordern die jungen Lotte Luise Seiler (KSV Alutechnik) und Katharina Götschl (USKO Melk) Lena Millonig (ULC Riverside Mödling) heraus, die den letzten ihrer beiden Titel 2017 gewinnen konnte. Bei den Männern zeichnet sich ein Duell zwischen Tobias Rattinger (LAC Amateure Steyr) und Paul Stüger (KSV Alutechnik) ab, auch der junge Bernhard Neumann (DSG Wien) könnte eine gute Rolle spielen. Im vergangenen Jahr hatte Rattinger gegen Stüger knapp die Nase vorne.

Aufmerksamkeit erfordert auch das Tiroler Talent Barnaby Sellers (TS Innsbruck) im U18-Rennen über 2.000m mit Hindernissen. Er hat sich bereits für die U18-EM qualifiziert.

ÖLV