Grandioses Hindernis-Duell in Doha

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Bei sehr windigen Bedingungen zum Diamond-League-Auftakt am Abend des vergangenen Freitags entwickelte sich nur in einem der vier Laufentscheidungen ein schnelles Rennen und das war zeitgleich das spannendste dieses Meetings. Abraham Kibiwot, bisheriger Weltjahresschnellster, nahm das Tempo der Tempomacher auf und führte ein Quartett rund um Olympiasieger Soufiane El Bakkali in einen flotten Wettkampf. Der Kenianer bestimmte weiterhin das Tempo, ehe der US-Amerikaner Hillary Bor, am Ende Vierter, 600 Meter vor dem Ende an die Spitze ging und El Bakkali ihn mit einem mächtigen Sprung über ein Hindernis eingangs der letzten Runde ablöste. Dann schaltete der Marokkaner einen Gang hoch, Lamecha Girma, der ihm bereits bei den Spielen in Tokio knapp unterlag, attackierte zweimal, ging zweimal einen Moment lang in Führung, doch El Bakkali hielt mit energischen Schritten dagegen.

Hochspannung in der letzten Sekunde des Rennens

Die Entscheidung fiel am letzten Hindernis. Der Olympiasieger überwand es tadellos, der Äthiopier wurde bei der Landung etwas zusammengestaucht. Girma zündete zwar noch einmal den Turbo, doch El Bakkali rettete sich mit dem Vorsprung von nur eine Hundertstelsekunde über die Ziellinie. Er gewann nur, weil er mit dem besseren Schritttiming die Ziellinie erreichte, einen Bruchteil einer Sekunde zuvor war Girma im Film des Fotofinishs vorne. Die Siegerzeit von 8:09,66 Minuten bedeutete eine klare neue Weltjahresbestleistung und erzählt einen der spannendsten und dramatischsten Zieleinläufe in dieser Disziplin der letzten Jahre. Bitter für Girma: Bei der WM 2019, ebenfalls in Doha, hatten ihm genauso nur 0,01 Sekunden auf den Sieg gefehlt (damals Conseslus Kipruto).

Hinter dem Äthiopier klaffte eine siebensekündige Lücke, ehe Kibiwott das Stockerl komplettierte. Der fünftplatzierte Leonard Bett, noch vor Olympia-Medaillengewinner Benjamin Kigen im Ziel, war in der Anfangsphase unsanft im Wassergraben abgetaucht. Bester Europäer war Ahmed Abdelwahed aus Italien als Neunter.

Niyonsaba kontert Kipyegon

In der einzigen Laufentscheidung bei den Frauen, dem 3.000m-Lauf kam es am Ende eines von Francine Niyonsaba mit nicht übermäßig hohem Tempo kontrollierten Rennen zu einem Duell zwischen der Läuferin aus Burundi und Faith Kipyegon, Neu- bzw. nach einigen Jugenderfahrungen Wiedereinsteigerin auf den längeren Bahndistanzen. Die zweifache Olympiasiegerin im 1.500m-Lauf attackierte in der letzten Kurve außen, doch Niyonsaba konnte innen dagegenhalten und sich entlang der Zielgerade leicht absetzen. Die 29-Jährige, die von den 800m kommt, dort aber aufgrund der Transgender-Regel nicht mehr starten darf, siegte in einer Weltjahresbestleistung von 7:37,70 Minuten zum fünften Mal in Folge in der Diamond League knapp vor Kipyegon und der Australierin Jessica Hull, die in 8:40,97 Minuten eine gute Leistung zeigte. Insbesondere die letzte Runde von Niyonsaba und Kipyegon überzeugte. Girmawit Gebrzihair, die die erste Attacke der letzten Runde geritten hat, musste sich mit Rang fünf zufrieden geben. Als beste Europäerin belegte Nadia Battocletti in persönlicher Bestleistung Rang elf. Das Rennen hatte keine Pacemakerinnen.

Diamond-League-Premiere für Kipsang

Im Duell mit seinem Landsmann Timothy Cheruiyot, über viele Jahre der beste Kenianer im 1.500m-Lauf, hat Abel Kipsang in Doha fast Majestätsbeleidigung betrieben. Nicht nur, dass er sich vor den Olympia-Silbermedaillengewinner spannte, sondern führte der Hallen-WM-Medaillengewinner und Olympia-Vierte das Feld auch in die letzte Runde. Als Cheruiyot, amtierender Weltmeister, im Finale attackierte, hielt Kipsang innen dagegen und feierte in einer Zeit von 3:35,70 Minuten seinen bisher größten Sieg. Cheruiyot ließ die letzten Meter auslaufen und folgte in 3:36,16 Minuten eine Sekunde vor dem besten Äthiopier, Teddese Lemi. Langstrecken-Spezialist Yomif Kejelcha wurde Vierter. Es ist die erst zweite Diamond-League-Niederlage für Cheruiyot bei seinen letzten zehn Starts.

Der zuletzt von gesundheitlichen Problemen geplagte Stewart McSweyn lief anfänglich vorne mit, fiel aber weit zurück und zeigte in einer Endzeit von 3:48,67 Minuten, dass er noch nicht bereit für höhere Aufgaben ist.

18-jähriger Kibet mit klarem Sieg über 800m

Angesichts der Bedingungen entwickelte sich auch im 800m-Lauf der Männer kein schnelles Rennen. Tempomacher Erik Sowinski musste sich öfters umblicken und beendete seine Arbeit zur Halbzeit in 54,8 Sekunden. Noah Kibet bog als erster in die letzte Kurve und gab Gas. Der erst 18 Jahre alte Hallen-WM-Bronzemedaillengewinner blieb überlegen und gewann in einer Zeit von 1:49,08 Minuten vor Peter Bol, der sich knapp vor dem Ziel noch Marco Arop schnappte, der als einziger versucht hatte, Kibet ernsthaft zu folgen. Für den kenianischen Jungspunt war es der erste Sieg in der Diamond League. Daniel Rowden wurde Vierter vor Ferguson Rotich und Donavan Brazier, beide sind noch nicht in Topform. Der Weltmeister bestritt sein erstes 800m-Rennen seit fast einem Jahr.

Dieser 800m-Lauf produzierte übrigens die langsamste Siegerzeit in der Geschichte der Diamond League, im Wesentlichen dem starken Wind geschuldet, der alle Teilnehmer scheute, Risiko zu nehmen.

Ergebnisse Diamond-League-Meeting in Doha 2022

800m-Lauf der Männer

  1. Noah Kibet (KEN) 1:49,08 Minuten
  2. Peter Bol (AUS) 1:49,35 Minuten
  3. Marco Arop (CAN) 1:49,51 Minuten
  4. Daniel Rowden (GBR) 1:49,56 Minuten
  5. Ferguson Rotich (KEN) 1:50,48 Minuten
  6. Donavan Brazier (USA) 1:50,58 Minuten
  7. Abdirahman Saeed Hassan (QAT) 1:50,89 Minuten
  8. Musaeb Abdulrahman Balla (QAT) 1:50,92 Minuten

1.500m-Lauf der Männer

  1. Abel Kipsang (KEN) 3:35,70 Minuten
  2. Timothy Cheruiyot (KEN) 3:36,16 Minuten
  3. Teddesse Lemi (ETH) 3:37,06 Minuten
  4. Yomif Kejelcha (ETH) 3:37,85 Minuten
  5. Kamar Etiang (KEN) 3:38,74 Minuten
  6. Matthew Ramsden (AUS) 3:38,83 Minuten
  7. Charles Simotwo (KEN) 3:39,18 Minuten
  8. Samuel Zeleke (ETH) 3:42,56 Minuten

    11. Stewart McSweyn (AUS) 3:48,67 Minuten

3.000m-Lauf der Frauen

  1. Francine Niyonsaba (BDI) 8:37,70 Minuten *
  2. Faith Kipyegon (KEN) 8:38,05 Minuten
  3. Jessica Hull (AUS) 8:40,97 Minuten
  4. Yasemin Can (TUR) 8:412,38 Minuten
  5. Girmawit Gebrezihair (ETH) 8:41,88 Minuten **
  6. Edinah Jebitok (KEN) 8:42,34 Minuten
  7. Fantaye Belayneh (ETH) 8:43,82 Minuten
  8. Fantu Worku (ETH) 8:44,10 Minuten

    11. Nadia Battocletti (ITA) 8:50,66 Minuten **

3.000m-Hindernislauf der Männer

  1. Soufiane El Bakkali (MAR) 8:09,66 Minuten *
  2. Lamecha Girma (ETH) 8:09,67 Minuten
  3. Abraham Kibiwot (KEN) 8:16,40 Minuten
  4. Hillary Bor (USA) 8:17,82 Minuten
  5. Leonard Bett (KEN) 8:21,64 Minuten
  6. Benjamin Kigen (KEN) 8:23,65 Minuten
  7. Getnet Wale (ETH) 8:26,58 Minuten
  8. Lawrence Kipsang (KEN) 8:26,70 Minuten
  9. Ahmed Abdelwahed (ITA) 8:26,89 Minuten
  10. Daniel Arce (ESP) 8:28,69 Minuten

* neue Weltjahresbestleistung
** neue persönliche Bestleistung

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Diamond-League-Meeting in Doha