5.000er als Sprungbrett für EM-Qualifikation

Die Staatsmeisterschaften im 5.000m-Lauf der Männer am Samstag bei der Mid Summer Track Night in Wien, dem ersten Austrian Top Meeting des Jahres, sind die am stärksten besetzten seit langem. Bei den Frauen greift Julia Mayer nach dem nächsten Titel.

Andreas Vojta bei seinem Österreichischen Meistertitel im Vorjahr. © ÖLV / Alfred Nevsimal

Um beste Rahmenbedingungen für schnelle Laufzeiten bei diesem Meisterschaftsrennen zu sorgen und damit eine gesteigerte Wahrscheinlichkeit für eine hohe Punktezahl für die Weltrangliste des Leichtathletik-Weltverbandes (World Athletics) zu erhöhen, hat der Österreichische Leichtathletik-Verband (ÖLV) wie schon im vergangenen Jahr die Staatsmeisterschaftsläufe im 5.000m-Lauf vom klassischen Meisterschaftstermin ausgelagert und in die internationalen Starterfeldes der Mid Summer Track Night inkludiert. Auch wenn weder Andreas Vojta (team2012.at) noch Julia Mayer (DSG Wien) den 5.000m-Lauf dezidiert als Ziel für die Europameisterschaften verfolgen, ist der sportliche Reiz hoch.

„Großer Unterschied“

Vojta, der sich zuletzt mit einer Bestleistung im Halbmarathon in Prag und einem soliden Tempomacher-Auftritt beim Vienna City Marathon im Straßenlauf weiterentwickelt hat, zielt auf die 10.000m bei der EM in München ab. Die Qualifikation soll in zwei Wochen beim Europacup in Frankreich gelingen, der 5.000m-Lauf am morgigen Samstag ist die ideale Gelegenheit für einen Schnelligkeitstest auf der Unterdistanz. „Der Umstieg von den Straßenlaufschuhen auf die Spikes war schon ungewohnt“, erzählt der 32-Jährige vom ersten spezifischen 5.000er-Training am Wochenbeginn, nachdem er seit September nicht mehr in Spikes gelaufen ist. „So habe ich den Unterschied zwischen Straßenlauf und Bahnlauf bewusster wahrgenommen als früher. Erstens den Unterschied in der Geschwindigkeit und zweitens, dass andere Muskelgruppen verstärkt zum Einsatz kommen.“

Für das Staatsmeisterschaftsrennen, das in ein internationales Feld eingegliedert ist, soll der Südafrikaner Jerry Motsau als Tempomacher die Bühne bereiten. Die anvisierte Durchgangszeit nach 3.000m liegt bei einer Zeit von 8:06 bis 8:10 Minuten. Auch wenn Vojta durch den Straßenlauf-Schwerpunkt weniger gezielt auf diese Distanz vorbereitet ist als in anderen Jahren, stimmen Form und Selbstvertrauen, was ihm im Kampf um den Sieg im Wettkampf und natürlich auf der Jagd nach dem nächsten Staatsmeistertitel gute Karten in die Hand zaubert.

„Ein Schritt ins Ungewisse“

Schnelle Schritte braucht auch Peter Herzog (Union Salzburg LA), der sich ebenfalls auf der längsten Bahndistanz für München 2022 qualifizieren möchte. „Peter braucht ein schnelles Rennen auf der Bahn, dieser Termin kommt genau zum richtigen Zeitpunkt“ sagt Trainer Johannes Langer, der seinen Schützling aufgrund des parallel ausgetragenen Salzburg-Marathon-Wochenendes nicht nach Wien begleiten kann. Deshalb geht der 34-jährige Salzburger in sein erst zweites Bahnrennen überhaupt. Sein erstes hat er bei den Staatsmeisterschaften 2020 auf Anhieb in einer eindrucksvollen Leistung von 13:54,25 Minuten – damals die schnellste Meisterschaftszeit seit 1984 – gewonnen. Diese Zeit wurde im letzten Jahr bei der Mid Summer Night von Andreas Vojta, der 2020 nicht am Start war, auf einen ÖLV-Meisterschaftsrekord von 13:36,26 Minuten gesteigert. Es sei ein Schritt ins Ungewisse, betont Herzog, auch aufgrund der kurzen Trainingszeit nach seiner Verletzung. „Das ist mein erster richtig ernster Wettkampf in diesem Jahr und ich werde sehen, wo ich stehe – und das nicht auf meiner Spezialdistanz, für die ich prädestiniert wäre“, so der Pinzgauer. Um die Medaillen will Herzog natürlich dennoch kämpfen und „die jungen Wilden“ im Zaum halten. „Vielleicht kann ich das Rennen mitgestalten, das stabile Laufgefühl war in den letzten Trainingseinheiten immer stärker da.“

„Ich glaub, ich kann mithalten!“

Das spannende Starterfeld aus heimischer Sicht ergänzt Sebastian Frey (DSG Wien), der heuer erstmals in der Altersklasse U23 unterwegs ist. Eine erste 5.000m-Zeit unter 14 Minuten ist nur ein erster Schritt, der 19-Jährige will mit Vojta und Herzog mithalten. „Ich bin richtig gut drauf, hab in letzter Zeit gut trainiert und freue mich auf das morgige Rennen – die Rahmenbedingungen sind optimal.“ Auch den Tempoplan des Tempomachers hält Frey als sehr gut für sich. „Ich werde mich in die Gruppe reinhängen und im Finale schauen, was möglich ist.“ Den österreichischen U23-Rekord von Dietmar Millonig von 13:47,6 hat der mehrfache Junioren-EM-Teilnehmer fix im Blick.

Julia Mayer vor nächstem Titel

Bei den Frauen ist Julia Mayer (DSG Wien), angesichts ihres ÖLV-Rekords im Halbmarathon und ihrer guten Leistung bei den Österreichischen Meisterschaften im 10km-Lauf, die klare Favoritin. „Für mich steht morgen ein gutes Laufgefühl im Vordergrund. Ich möchte einen schnellen 5.000er laufen, das bedeutet meine Bahnbestleistung zu verbessern.“ Für die 29-Jährige ist dieser Wettkampf ein wichtiger Schritt auf die Staatsmeisterschaften im 10.000m-Lauf eine Woche später an selber Stelle. Auch die Niederösterreicherin hat die längste Bahndistanz im Fokus und arbeitet auf eine Qualifikation für die EM in München hin. „Aufgrund des krankheitsbedingten Pause habe ich sehr wenige schnelle Einheiten absolviert, spezifisches 5er-Training auf der Bahn war kein einziges dabei. Aber ich bin sehr gut in Schuss und das stimmt mich optimistisch“, ergänzt Mayer. Für die weiteren Medaillen bewerben sich Lemuela Wutz (team2012.at), vor zwei Wochen Zweite bei den 10km-Staatsmeisterschaften, und Sandrina Illes (Union St. Pölten).

Tolle Bühne für Bredlinger und Kamenschak

Nach ihrer starken Hallensaison mit deutlichen Verbesserungen bestreitet die 21-jährige Caroline Bredlinger (LT Bgld Eisenstadt) ihren ersten wichtigen Wettkampf der Freiluftsaison auf heimischem Boden. Der 800m-Lauf der Frauen ist international gut besetzt und wird von der Slowakin Gabriela Gajanova, in den letzten Jahren Medaillengewinnerin bei den Europameisterschaften der Altersklasse U20 und U23, angeführt. Ebenfalls am Start ist die ehemalige Jugend-Europameisterin und spätere Hallen-EM-Medaillengewinnerin Anita Hinriksdottir aus Island, die in den letzten Jahren in ein kleines Leistungsloch gefallen ist.

Im 1.500m-Lauf der Männer sind die heimischen Scheinwerfer auf Kevin Kamenschak (ATSV Linz LA) gerichtet, der vergangenen Sonntag in Pliezhausen das Junioren-WM-Limit über 3.000m geknackt hat und Selbiges nun auf seiner Spezialdistanz, dem 1.500m-Lauf, vor hat. Dafür ist ein Unterbieten der Zeit von 3:48,50 Minuten notwendig. Genau in diesem Bereich liegt auch die Bestleistung des 18-jährigen Talents.

Mid Summer Track Night