Erster Härtetest für Kenias Laufstars in Nairobi

Die Exzellenz der kenianischen Leichtathletik zu feiern – nichts geringeres ist der Anspruch des kenianischen Vorzeige-Leichtathletik-Meetings Kip Keino Classic in Nairobi, einziger afrikanischer Vertreter in der World Athletics Continental Tour Gold. Bei der dritten Auflage des Meetings darf erstmals auch das Publikum beiwohnen, der Veranstalter erwartet ein volles Stadion mit rund 60.000 Fans.

Das Kasarani Stadion in Nairobi. © Olaf Brockmann

Ein Teil der globalen Leichtathletik-Elite ist Richtung Kenia aufgebrochen – und es sind nicht nur die Laufstars, die bei diesem Termin naturgemäß ein Stein in Brett haben, sondern etwa auch zwei Olympiasieger im 100m-Sprint, die im Moi International Sports Stadium Kasarani in Nairobi in hochklassigen Wettbewerben antreten. Für die Topleichtathleten des Gastgeberlandes, längst nicht mehr nur auf die Laufdistanzen beschränkt, ist dieser Termin der erste wirklich bedeutende im laufenden Jahreskalender, die kenianischen Meisterschaften vor einer Woche waren nur ein Vorspiel. Hier vorne zu sein, in der Höhe der Hauptstadt, wo maximal noch im 800m-Lauf Topzeiten erreicht werden können, der Wettkampf aber ein harter ist, ist für das Standing der Athletinnen und Athleten in Kenia ein wichtiger Schritt für die großen kommenden Aufgaben mit Diamond League, Weltmeisterschaften und Commonwealth Games.

RunAustria-Tipp: Das Kip Keino Classic wird voraussichtlich am Samstagnachmittag von 15–17 Uhr in Österreich im Livestream auf dem Youtube Kanal von World Athletics zu sehen sein.

Youtube-Kanal von World Athletics

Kiprutos Weg zurück

Ein großer der Szene feiert in Nairobi seine Rückkehr. Nicht auf die internationale Wettkampfbühne, er hat es 2020 und 2021 jeweils versucht und ist gescheitert. Nein, für Conseslus Kipruto ist es die Rückkehr auf die Wettkampfbühne in körperlicher Fitness. So verspricht er es zumindest in der kenianischen Tageszeitung „Daily Nation“, auch wenn der 27-Jährige leichte Verzögerungen im auf die WM ausgerichteten Training zugab. Der fünfte Platz bei den kenianischen Meisterschaften, für Kipruto ein Testlauf, war jedenfalls keine Glanzleistung.

Gemeinsam mit Abraham Kibiwott, Olympia-Medaillengewinner Benjamin Kigen und Junioren-Weltmeister Amos Serem will der kenianische 3.000m-Hindernislauf auf heimischen Terrain die Zähne zeigen. Und in Eugene soll die Vorherrschaft in der einstigen Paradedisziplin der Kenianer zurückerlangt werden. Auch dass Soufiane El Bakkali, seines Zeichens Olympiasieger, hier im vergangenen Jahr vor Kibiwott gewonnen hat, ist den Kenianern ein Dorn im Auge. Ein Fauxpas, der dringend korrigiert gehört. Der Marokkaner ist in diesem Jahr nicht am Start und auch die internationale Besetzung scheint einem Heimerfolg kaum im Wege zu stehen, weil auch die besten Äthiopier nicht nach Nairobi gereist sind.

Im 3.000m-Hindernislauf der Frauen bildet sich eine starke Spitze des Feldes. Norah Jeruto, die für Kasachstan startende Kenianerin, die die letzte Hindernislauf-Saison bestimmt hat, führt das Feld an, in dem auch Olympiasiegerin Peruth Chemutai steht. Die kenianischen Hoffnungen tragen Celliphine Chespol, die sich wieder auf dem Weg nach oben fühlt und das Rennen als Vorjahressiegerin angeht, und Junioren-Weltmeisterin Jackline Chepngetich in sich. Im Gegensatz zu den letztjährigen Spielen ist Jeruto in diesem Jahr übrigens bei den Weltmeisterschaften startberechtigt, die Periode für den Nationentransfer ist abgeschlossen.

Zwei Stars der Zukunft auf der großen Bühne

Eine spannende Entscheidung verspricht auch der 800m-Lauf der Männer, in dem der erst 17 Jahre alte Junioren-Weltmeister Emmanuel Wanyonyi seine Premiere bei den Großen gibt. Seine persönliche Bestleistung ist schon eine große, bei den Junioren-Weltmeisterschaften vor nicht einmal einem Jahr in diesem Stadion markierte er einen kenianischen U18-Rekord von 1:43,76 Minuten. „Es ist Zeit für mich, mich auf dieser Bühne zu präsentieren. Ich werde versuchen, das bestmögliche Resultat mit nach Hause zu nehmen“, sagte der Jungspunt der kenianischen Tageszeitung „The Star“. Wanyonyi ist eine Entdeckung der ehemaligen Spitzen-Mittelstreckenläuferin Janeth Jepkosgei.

Der Youngster trifft im Wettkampf unter anderem auf Ferguson Rotich. Der Olympia-Silbermedaillengewinner musste sich letzte Woche bei einem Meeting in Botswana überraschend dem Südafrikaner Tshite Tshepo geschlagen geben, der ebenfalls im Rennen ist. Auch mit dem Kip Keino Classic hat er eine Rechung offen, im vergangenen Jahr wurde er beim Sieg der zweiten kenianischen Zukunftsversprechung, Hallen-WM-Medaillengewinner Noah Kibet nur Fünfter. Kibet selbst ist auch im Rennen und angesichts seiner Winterform in Mitfavorit. Für 1.500m-Star Timothy Cheruiyot, der letzte Woche nicht überzeugen konnte, ist dieser Start auf der Unterdistanz eine große Aufgabe.

Weltmeisterin mit Saisondebüt

Im 800m-Lauf der Frauen ist Halimah Nakaayi aus dem Nachbarland Uganda, amtierende Weltmeisterin und Hallen-WM-Dritte von Belgrad, der große Name. Auch sie bestreitet ihren ersten Freiluft-Wettkampf nach einer kleinen Pause mit Saisonvorbereitungstraining. Kenias Beste in dieser Disziplin sind Mary Moraa und Naomi Korir.

Der zuletzt mit guten Leistungen auffällige Abel Kipsang führt das Feld im 1.500m-Lauf der Männer an, in dem neben weiteren guten Kenianern auch der US-amerikanische Olympia- und WM-Medaillengewinner über 5.000m, Paul Chelimo steht. Jacob Krop ist der Favorit im 5.000m-Lauf, Winny Chebet die prominenteste Teilnehmerin im 1.500m-Lauf.

Seiko Grand Prix in Tokio einen Tag später

Am darauffolgenden Tag findet im Olympiastadion von Tokio das zweite World Athletics Continental Tour Meeting der Stufe Gold dieses Wochenendes statt. Aus bekannten Gründen wird das Meeting einen stark regionalen Charakter aufweisen, es ist aber ein großes Highlight für die japanische Leichtathletik. Auf dem Programm stehen drei Laufentscheidungen: über 800m mit dem US-amerikanischen Olympia-Teilnehmer Isaiah Jewitt und dem Briten Guy Learmonth und im 3.000m-Hindernislauf mit den beiden heimischen Topläuferin Ryuji Miura und Kosei Yamaguchi sowie den Kenianern Jonathan Ndiku und Philemon Ruth und dem Australier Ben Buckingham bei den Männern sowie im 1.500m-Lauf der Frauen mit Lokalmatadorin Nozomi Tanaka im Duell um den Sieg mit der Australierin Georgia Griffith und der US-Amerikanerin Eleanor Fulton.

RunAustria-Tipp: Der Seiko Golden Grand Prix in Tokio wird voraussichtlich in Österreich im Livestream auf dem Youtube Kanal von World Athletics zu sehen sein und zwar am Sonntagmorgen von 8–10 Uhr.

Youtube-Kanal von World Athletics

Bereits am Samstag finden im Olympiastadion von Tokio die japanischen 10.000m-Meisterschaften statt, wo auch das WM-Limit für Eugene ein Thema sein wird.

World Athletics Continental Tour

Kip Keino Classic