Evans Chebets größter Triumph

In der entscheidenden Phase des 126. Boston Marathon war der Antritt des Kenianers Evans Chebet unwiderstehlich. In einem der schnellsten Boston Marathons der Geschichte führte er einen kenianischen Drefachsieg mit Lawrence Cherono und Titelverteidiger Benson Kipruto an.

© Gordon Johnson / Pixabay

Die 126. Auflage des Boston Marathon hatte irgendwie alles, was ein schöner, stimmungsvoller Boston Marathon so braucht: Sonnenschein, eine prächtige Stimmung mit mehrreihigem Zuschauerspalier entlang der gesamten Marathonstrecke von Hopkington nach Boston, einen Lokalmatador, der unterwegs die patriotischen Herzen der Amerikaner am „Patriots’ Day“ kurz höher schlagen ließ, und im Finale einen imposanten Sieger. Evans Chebet, der sein bisheriges Meisterstück beim Valencia Marathon 2020 mit einer Siegerzeit von 2:03:00 Stunden geliefert hat, trat bei Kilometer 35 entschlossen an und hängte die hochkarätige Konkurrenz im bärenstarken Elitefeld des Klassikers mit einer vehementen Tempoverschärfung in dieser bergab führenden Passage endgültig ab. Er erreichte das Ziel in einer Zeit von 2:06:51 Stunden, für die selektive und an Abwechslung kaum zu überbietende Strecke in Boston ist das eine Spitzenzeit. Nur beim legendären Rückenwind-Rennen 2011 (Geoffrey Mutai, 2:03:02) und das Jahr davor (Robert Cheruiyot, 2:05:52) hatten die Siegerleistungen eine noch höhere Qualität. „Ich wusste, dass meine Konkurrenten sehr stark sind, also musste ich alles in die Waagschale werfen, um meinen Abstand zu halten“, erklärte der Sieger später im Siegerinterview.

Evans Chebets Halbmarathon-Splits: 1:03:26 / 1:03:25 Stunden
Evans Chebets 5km-Teilzeiten: 14:58 / 14:42 / 15:05 / 15:18 / 15:24 / 15:33 / 15:31 / 13:55 / 6:25 (2,195 km) Minuten

Favoritensterben vor dem Heartbreak Hill

Obwohl der Boston Marathon wie immer ohne Tempomacher über die Bühne ging, entwickelte sich bei besten Marathon-Wetter von Beginn an ein flottes Tempo. Das Lauffieber, das das ganze Wochenende in der Stadt und in ihrem Umland spürbar war, schien sich auf die Läufer zu übertragen. Nach diversen Initiativen auch von Top-Läufern erreichte eine 20-köpfige Spitzengruppe die Halbmarathon-Zwischenzeit in 1:03:24 Stunden, eine Minute später folgte die Gruppe um den am Ende besten US-Amerikaner Scott Fauble und dem ehemaligen Sieger Yuki Kawauchi.

Trotz der nun folgenden, langsamsten Phase des Rennens verkleinerte sich die Gruppe auf 15 Mann, als nach 1:30:59 Minuten die ersten 30 Kilometer erreicht waren. Minutenlang präsentierte sich mit CJ Albertson ein US-Amerikaner an der Spitze und entfachte viel Beifall. Auch Elkanah Kibet führte eine Zeitlang das Feld an. Unruhe kam hinein, als die große Gruppe den Heartbreak Hill bewältigte. Marathon-Weltmeister Lelisa Desisa und der Schnellste der Meldeliste, Berhanu Legese, waren längst ausgestiegen, nun bekundeten mit London-Sieger Sisay Lemma und dem zweifachen New York City Marathon Sieger Geoffrey Kamworor, am Ende enttäuschender 18., zwei weitere Stars Probleme.

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Eine massive Tempoverschärfung

Mitten im Favoritensterben fiel die Entscheidung. Evans Chebet trat mit einer gewaltigen Wucht an. Nur Gabriel Geay konnte einige Schritte folgen, dahinter formierte sich um den Champion von 2019, Lawrence Cherono und Titelverteidiger Benson Kipruto eine Verfolgergruppe. Chebet lief die Bergabpassage und hinein in die Stadt von Boston in einem beachtlichen Tempo: 13:55 Minuten benötigte er zwischen Kilometer 35 und 40, das entspricht einem Kilometerschnitt von 2:47 Minuten! Diesem Tempo konnte niemand folgen, der 33-Jährige finishte in einer Zeit von 2:06:51 Stunden und jubelte über den größten Erfolg seiner Karriere. Eine besondere Genugtuung, denn in Boston musste er das bisher einzige Mal einen Marathon aufgeben (2018).

Erst im Kampf um Rang zwei konnte Lawrence Cherono, Sieger des Valencia Marathon im Dezember, seine Fähigkeiten im Spurt ausspielen und erreichte eine Zeit von 2:07:21 Stunden, sechs Sekunden später folgte der Überraschungssieger aus dem Vorjahr. In seinen 15 Marathons ist der 33-jährige Cherono nun unfassbare 13 Mal unter den Top-Zwei angekommen! In den letzten Jahren selbstredend nur mehr bei den ganz großen Marathons.

Der Boston Marathon war ein Triumphlauf für die Kenianer, auch Eric Kiptanui und New York Sieger Albert Korir liefen in die Top-Sechs. Einzig Geay aus Tansania konnte sich als Vierter in die kenianische Phalanx drängen. Dagegen war der unerfahrene Marathonläufer Jemal Yimer der beste aus dem hochkarätigen Feld der Äthiopier.

Bestleistungen für die besten Amerikaner

Sehr zufrieden aus Boston abreisen konnte auch Scott Fauble, der als Siebter bester Amerikaner war und sogar seine persönliche Bestleistung um 17 Sekunden steigern konnte. Mit Kibet kam ein weiterer Lokalmatador in die Top-Ten, wie Kibet schaffte auch Albertson als 13. eine persönliche Bestleistung. Prominente Europäer waren keine im Rennen, der Südtiroler Markus Ploner war als 49. der Beste. Herbert Kopp (LG Decker Itter) lief den schnellsten Marathon seiner Karriere und war auf Rang 147 der beste Österreicher im Feld. Um bei einem World Marathon Major mit dieser Dichte wie in Boston in die Top-150 zu laufen, muss man übrigens eine Zeit von 2:31:24 Stunden anbieten!

Über 25.000 Läuferinnen und Läufer starteten in den Boston Marathon 2022, der erstmals seit fast 1.100 Tagen am – so wie es sich gehört – „Patriots’ Day“ über die Bühne ging. Unter den Finishern war auch der 20-jährige Henry Richard, dessen kleiner Bruder beim Terroranschlag im Zielraum des Boston Marathon vor neun Jahren unter den Todesopfern war – es war sein erster Marathon.

Ergebnis Boston Marathon 2022 der Männer

  1. Evans Chebet (KEN) 2:06:51 Stunden
  2. Lawrence Cherono (KEN) 2:07:21 Stunden
  3. Benson Kipruto (KEN) 2:07:27 Stunden
  4. Gabriel Geay (TAN) 2:07:53 Stunden
  5. Eric Kiptanui (KEN) 2:08:47 Stunden
  6. Albert Korir (KEN) 2:08:50 Stunden
  7. Scott Fauble (USA) 2:08:52 Stunden *
  8. Jemal Yimer (ETH) 2:08:58 Stunden *
  9. Elkanah Kibet (USA) 2:09:07 Stunden *
  10. Kinde Atanaw (ETH) 2:09:16 Stunden
  11. Lemi Berhanu (ETH) 2:09:43 Stunden
  12. Bethwel Yegon (KEN) 2:09:44 Stunden
  13. CJ Albertson (USA) 2:10:23 Stunden *
  14. Matthew McDonald (USA) 2:10:35 Stunden *
  15. Trevor Hofbauer (CAN) 2:10:52 Stunden
  16. Reed Fischer (USA) 2:10:54 Stunden *
  17. Mick Iacofano (USA) 2:11:48 Stunden
  18. Geoffrey Kamworor (KEN) 2:11:49 Stunden
  19. Colin Bennie (USA) 2:12:08 Stunden
  20. Yuki Kawauchi (JPN) 2:12:55 Stunden

    147. Herbert Kopp (AUT) 2:31:24 Stunden *

* neue persönliche Bestleistung

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