100 Jahre kubanischer Leichtathletik-Verband

Am Dienstag vor 100 Jahren wurde der Vorgänger des seit 1924 als solchen bezeichneten Kubanischen Leichtathletik-Verbandes (FCA) gegründet. Das Jubiläum ist ein idealer Zeitpunkt, auf die reichhaltige und erfolgreiche Geschichte der kubanischen Leichtathletik zurückzublicken.

800m-Olympiasieger (Montreal 1976) Alberto Juantorena. © René van Zee

Kuba produzierte einige der erfolgreichsten Leichtathletinnen und Leichtathleten in ihren Ären. Der heutige Verbandspräsident Alberto Juantorena gehört zu jenem Kreis, der die Geschichte der kubanischen Leichtathletik am erfolgreichsten mitgeschrieben hat. Der heute 71-Jährige triumphierte bei den Olympischen Spielen 1976 in Montreal erst im 800m-Lauf, drei Tage später im 400m-Sprint, bis dato seine Hauptdisziplin. Der Sieg über 800m war ein geschichtsträchtiges Rennen: Juantorena setzte sich in der ersten Runde vom Rest des Feldes ab, wurde im Laufe der zweiten Runde zwar wieder eingeholt, seine Führungsposition gab er aber nicht wieder ab. Aus der letzten Kurve heraus fand er genügend Speed für ein erfolgreiches Finale vor Ivo van Damme aus Belgien und Rick Wohlhuter aus den USA. Es war die erste kubanische Goldmedaille bei Olympischen Spielen in der Leichtathletik. Die Siegerzeit von 1:43,50 Minuten bedeutete einen damaligen Weltrekord, den er selbst im Jahr darauf noch einmal verbesserte. Erst 1979 jagte Sebastian Coe dem Kubaner den Weltrekord wieder ab. Sein kubanischer Landesrekord hielt bis ins Jahr 1996, als Norberto Tellez bei seinem vierten Platz im Olympischen Finale von Atlanta als bisher einziger Kubaner unter 1:43 Minuten blieb. Yeimer Lopez verpasste diese Marke 2008 knapp.

Kuba als Nation der Springer

Nach Juantorena dominierten die Springer Kubas Leichtathletik: Der wohl beste Hochspringer der Historie, Javier Sotomayor gewann 1992 Olympisches Gold, jubelte zweimal über WM-Gold und viermal über Hallen-WM-Gold. Seine Bestleistungen von 2,45 Metern im Freien und 2,43 Metern in der Halle sind nach wie vor Hochsprung-Weltrekorde. Vor seinem Karriereende legte der Kubaner allerdings einen Schatten über seine Laufbahn. Erst wurde bei ihm 1999 Kokain in einer Dopingprobe entdeckt, die Sperre wurde auf Intervention des kubanischen Verbandes so verkürzt, dass ein Antreten bei den Olympischen Spielen von Sydney mit einer Silbermedaille möglich wurde. Nach den Weltmeisterschaften 2001 in Edmonton wurde Sotomayor lebenslang gesperrt, da er auf Nandrolon erwischt wurde. Er beendete im Alter von 34 Jahren postwendend seine Karriere.

Bei globalen Meisterschaften noch erfolgreicher war Weitspringer Ivan Pedroso, heute Trainer der Venezolanerin Yulimar Rojas, Olympiasiegerin, zweifache Weltmeisterin und Weltrekordhalterin im Freien und in der Halle im Dreisprung. Als Aktiver wurde Pedroso zwischen 1995 und 2001 viermal in Folge Weltmeister, 2000 holte er Olympisches Gold. Sein Weltrekordsprung fand keine Anerkennung, weil Videomaterial nachwies, dass sein Trainer die Windmessung abschirmte. In den letzten Jahren hatte Kuba keinen großen Leichtathletik-Star mehr wie die Jahrzehnte davor.

Ein Marathon-Abenteuer in der Urzeit der Olympischen Spiele

In seinem Feature blickt der Leichtathletik-Weltverband (World Athletics) auch auf die Zeit vor der Verbandsgründung zurück und erzählt die skurrile Geschichte des kubanischen Marathonläufers Felix Carvajal. Auf der damals beschwerlichen Reise von der Karibik-Insel nach St. Louis verlor Carvajal sein ganzes Geld beim Glücksspiel in New Orleans. Er trampte die 1.000 Kilometer gen Norden und erreichte den Olympia-Austragungsort am Tag des Rennens, hatte nur mehr die Kleidung, die er trug. Er schnitt sich die Beine der Hose ab und erhielt seine Startnummer. Zwei Tage lang hatte Carvajal nichts mehr gegessen, also stoppte er nach wenigen Kilometern, um ein paar Äpfel zu pflücken. Da sie aber verdorben waren, musste er später mit Krämpfen in der Bauchgegend eine Pause einlegen. Trotzdem wurde er am Ende Vierter.

Bekannteste Läuferin in der Geschichte der kubanischen Leichtathletik ist Ana Fidelia Quirot, die 1996 bei den Olympischen Spielen von Atlanta die Silbermedaille gewonnen hat, nachdem sie vier Jahre zuvor mit Bronze dekoriert worden war. Es ist die bisher letzte Olympia-Medaille für den kubanischen Laufsport. Der große Triumph gelang Quirot bei den Weltmeisterschaften 1995 in Göteborg, als sie Gold holte und diesen Erfolg zwei Jahre später in Athen wiederholte. Sie ist nach wie vor Inhaberin des nord- und mittelamerikanischen Kontinentalrekords im 800m-Lauf.