Kandie in Lille überraschend Zweiter – PB für Steinruck

© Miguel Amutio

Der ehemalige Halbmarathon-Weltrekordhalter Kibiwott Kandie hat beim gestrigen Halbmarathon in Lille unerwartet eine Niederlage einstecken müssen. Der 25-Jährige war bei seinem ersten Wettkampfauftritt nach seinem eher missglückten Marathon-Debüt beim New York City Marathon im November in einen Dreikampf um den Sieg verwickelt. In einer Zeit von 59:37 Minuten hatte schlussendlich überraschend Andrew Kwemoi aus Uganda die Nase vorne. Der 21-Jährige ist bisher noch nie unter 1:01 Stunden gelaufen und konnte bis dato keine internationalen Spitzenergebnisse vorweisen, weswegen seine Präsenz in der Spitzengruppe auf dem letzten Kilometer bereits unerwartet war. Kandie, der dieses Rennen bei seiner Letztaustragung vor der Pandemie im Jahr 2019 gewonnen hat (damals war er noch nicht der große Star, Anm. d. Red.) wurde zeitgleich Zweiter gefolgt von Roncer Kipkorir, der einen Rückstand von einer Sekunde aufwies. Bester Franzose war Yoann Kowal in einer Zeit von 1:02:17 Stunden. Der ehemalige Europameister im 3.000m-Hindernislauf bestritt seinen zweiten Halbmarathon nach jenem in Sevilla vor knapp zwei Monaten und blieb knapp eine Minute unter seiner persönlichen Bestleistung.

Bestleistung für Steinruck

Im Frauenrennen verbesserte Katharina Steinruck ihre persönliche Bestleistung um 38 Sekunden auf eine Zeit von 1:10:05 Stunden und ist nun Elfte in der ewigen deutschen Bestenliste. Wie der DLV auf seiner Website berichtet, strebt die 32-Jährige im folgenden Frühjahr einen weiteren schnellen Halbmarathon an, bei dem sie die Marke von 1:10 Stunden unterbieten möchte. Ihr nächster Marathon steht erst im Sommer wieder an, entweder bei den Weltmeisterschaften in Eugene oder bei der Europameisterschaft in München. Da Steinruck Hitze nicht begehrt, wie ihre Auftritte bei der EM in Berlin 2018 oder bei den Olympischen Spielen 2020 zeigen, ist bei ihr die Option auf das Heimspiel zu verzichten, möglicherweise tatsächlich eine realistische, da in Amerika der Marathon in den frühen Morgenstunden gestartet wird. Die zweite deutsche Topläuferin im Rennen, Lisa Oed kam in einer Zeit von 1:14:09 Stunden vier Positionen hinter ihrer Landsfrau als Zehnte der Frauenwertung ins Ziel. Es war das Halbmarathon-Debüt der 23-Jährigen.

Drei Sekunden unter Keitanys Streckenrekord

An der Spitze sorgte die Äthiopierin Zenebu Fikadu für die Schlagzeilen. Die bisher fast ausschließlich aus dem Crosslauf bekannte 22-Jährige (Sieg in San Sebastian in diesem Winter, Zehnte bei der WM 2019) finishte ihr Halbmarathon-Debüt in einer Zeit von 1:06:57 Stunden und blieb drei Sekunden unter dem bisherigen Streckenrekord einer gewissen Mary Keitany, die 2007 und 2009 diese Veranstaltung, die immer wieder einige der Weltbesten angezogen hat, für sich entscheiden konnte.

Die 24-jährige Kenianerin Purity Komen, eine sehr unerfahrene Athletin, die heuer schon den Granollers Halbmarathon gewonnen hat, wurde in einer persönlichen Bestzeit von 1:07:10 Stunden Zweite vor Betty Chepkwemoi (1:08:00). Nicht so gut zurecht kam die Kenianerin Rosemary Wanjiru in ihrem ersten Halbmarathon seit den Weltmeisterschaften 2020, als sie Zehnte war. Sie belegte Rang fünf.

Weltklassezeiten auf kürzeren Distanzen

In den gut besetzten 10km-Läufen gingen die Siege an Kenneth Renju aus Kenia, der in einer Spitzenzeit von 26:57 Minuten vor dem Äthiopier Yasin Haji (27:00) und dem Marokkaner Soufiane Bouqantar (28:35 Minuten) gewann, sowie an Faith Cherono, die einen kenianischen „Faith-“Dreifachsieg vor Kimutai und Chepkoech anführte. Die besten zwei Zeiten bei den Männern sind historisch gute: Der 26-jährige Renju, der zuletzt mit den Rängen zwei beim Kopenhagen Halbmarathon 2021 und drei beim RAK Halbmarathon 2022 für Aufsehen gesorgt hat, liegt nun auf dem geteilten sechsten Rang der ewigen Weltbestenliste im 10km-Straßenlauf, Haji ist die Nummer neun, als zweitbester Äthiopier vier Sekunden hinter Tadese Worku. Die 19-jährige Cherono und die ebenso unerfahrene Kimutai absolvierten ihr 10km-Debüt.

Eine der schnellsten 5km-Zeiten der Geschichte setzte der Äthiopier Telahun Bekele, der in einer Zeit von 13:10 Minuten vor den Kenianern Vincent Kibet (13:12) und Jacob Kosgei (13:18) gewann. Bei den Frauen siegte Fantu Worku in 14:47 Minuten deutlich vor der Hindernislauf-Olympiasiegerin Peruth Chemutai (15:05) und Eva Cherono (15:06). Die jungen französisch-deutschen Schwestern Sara und Sofia Benfares erreichten in persönlichen Bestleistungen die Ränge vier und fünf, ebenfalls eine Steigerung seines Bestwerts gelang Amanal Petros als Siebter bei den Männern. Über 4.000 Läuferinnen und Läufer nahmen an den Bewerben des Semi de Lille teil.

Ergebnisse Lille Halbmarathon 2022

Männer

  1. Andrew Kwemoi (UGA) 59:37 Minuten *
  2. Kibiwott Kandie (KEN) 59:37 Minuten
  3. Roncer Kipkorir (KEN) 59:38 Minuten *
  4. Michael Kamau (KEN) 1:00:14 Stunden *
  5. Isaac Kibet (UGA) 1:00:20 Stunden *
  6. Dominic Kiptarus (KEN) 1:00:48 Stunden
  7. Abel Mutai (KEN) 1:01:00 Stunden *
  8. Kennedy Kipyeko (KEN) 1:01:35 Stunden
  9. Jamal Kiprono (KEN) 1:02:05 Stunden *
  10. Yoann Kowal (FRA) 1:02:17 Stunden *
  11. Mohammed Benyettou (FRA) 1:02:56 Stunden

Frauen

  1. Zenebu Fikadu (ETH) 1:06:57 Stunden ** / ***
  2. Purity Komen (KEN) 1:07:10 Stunden *
  3. Betty Chepkwemoi (KEN) 1:08:00 Stunden
  4. Ethlemayu Sintayehu (ETH) 1:08:35 Stunden
  5. Rosemary Wanjiru (KEN) 1:09:27 Stunden
  6. Katharina Steinruck (GER) 1:10:05 Stunden
  7. Nancy Chesang (KEN) 1:10:44 Stunden *
  8. Nawal Yahi (ALG) 1:11:41 Stunden **
  9. Sandrafelis Tuei (KEN) 1:12:36 Stunden
  10. Lisa Oed (GER) 1:14:19 Stunden

10km-Lauf

Männer

  1. Kenneth Renju (KEN) 26:57 Minuten *
  2. Yasin Haji (ETH) 27:00 Minuten *
  3. Soufiane Bouqantar (MAR) 28:35 Minuten *

    9. Paul Chelimo (USA) 29:32 Minuten

Frauen

  1. Faith Cherono (KEN) 31:06 Minuten ****
  2. Faith Kimutai (KEN) 31:11 Minuten ****
  3. Faith Chepkoech (KEN) 31:24 Minuten *
  4. Alice Aprot (KEN) 32:38 Minuten

5km-Lauf

Männer

  1. Telahun Bekele (ETH) 13:10 Minuten *
  2. Vincent Kibet (KEN) 13:12 Minuten *****
  3. Jacob Kosgei (KEN) 13:18 Minuten *****

    7. Amanal Petros (GER) 14:12 Minuten *

Frauen

  1. Fantu Worku (ETH) 14:47 Minuten
  2. Peruth Chemutai (UGA) 15:05 Minuten *****
  3. Eva Cherono (KEN) 15:06 Minuten
  4. Sara Benfares (GER) 15:50 Minuten *
  5. Sofia Benfares (GER) 16:23 Minuten *****

* neue persönliche Bestleistung
** neuer Streckenrekord
*** Halbmarathon-Debüt
**** 10km-Debüt
***** 5km-Debüt

Semi de Lille