Bestleistung und Selbstvertrauen für Vojta

Andreas Vojta blieb beim Berlin Invitational 10K erstmals in seiner Karriere auf dieser Distanz unter 29 Minuten und holte sich auf dem Weg zum Prag Halbmarathon in drei Wochen eine ordentliche Portion Selbstvertrauen. Eine Bestleistung gelang auch Markus Hartinger, der die Marke von 30 Minuten erstmals brach.

Andreas Vojta bei den Crosslauf-Staatsmeisterschaften 2021. © ÖLV / Alfred Nevsimal

28:54 Minuten – so lautet die neue persönliche Bestleistung von Andreas Vojta (team2012.at) im 10km-Straßenlauf, neun Sekunden schneller als beim Vienna 10K am Vortag des Vienna City Marathon im vergangenen September. Gleichzeitig ist es ein Wiener Landesrekord. Es ist ein Resultat, das den Niederösterreicher beim Einladungsrennen vor den Toren Berlins zufriedenstellte. „Ich bin ungefähr da ins Ziel gekommen, wie ich mich laut meinem Trainingsgefühl eingeschätzt hätte“, bilanzierte der 32-Jährige und erinnerte daran, dass am Sonntagvormittag in der deutschen Hauptstadt ordentlich der Wind blies und die beiden 180°-Wenden pro 2,5 Kilometer-Runde ebenfalls erschwerend für einen schnellen Lauf wirkten. Doch als wichtige Station in der Vorbereitung des Prag Halbmarathon gibt dieses Resultat Selbstvertrauen und Motivation: „Ich stehe den nächsten Wochen positiv gegenüber. Ich war muskulär in einem guten Zustand, habe aber gespürt, dass mir noch etwas die Tempo- und Wettkampfhärte gefehlt hat. Meine Form wird aber noch besser werden, zumal ich wieder in einem strukturierten Training bin“, blickt Vojta mit viel Vorfreude auf seinen ersten Halbmarathon seit den Staatsmeisterschaften ausgangs des letzten Sommers in Kärnten.

Mitten in deutscher Spitze

Mehr als das Ergebnis auf der Zeitentafel gefiel Vojta, wie er im Feld mit durchaus namhaften Kontrahenten agieren konnte. Der Österreicher lief im ersten guten Drittel des Rennens in der Spitzengruppe mit. „Wir sind ein Tempo von 2:50 Minuten pro Kilometer gelaufen, das hat für mich gut gepasst.“ Nach gut achteinhalb Minuten waren die ersten drei Kilometer absolviert, die Spitzengruppe rund zehn Mann stark. Dann beschleunigte der kenianische Favorit Vincent Kibet und setzte den Grundstein für seinen Sieg in einer Zeit von 28:13 vor seinem Landsmann Evans Kimutai (28:20). Diese Bewegung hatte Folgewirkungen, die Spitzengruppe zerfledderte. Den Mittelteil des Rennens – Vojta passierte den Halbzeitpunkt des Rennens laut seinen Aufzeichnungen in einer ungefähren Zeit von 14:11 Minuten – bestritt der mehrfache EM-Teilnehmer alleine, was insbesondere in den Gegenwindsektionen anstrengend war. Daher lief eine Gruppe mit Simon Boch und dem Schweden David Nilsson auf dem achten Kilometer zu ihm auf, Vojta konnte halbwegs mitgehen.

Im Finale verlor er einige Sekunden auf seine Mitstreiter, konnte die ein oder andere Position auch kompensieren, weil beispielsweise Samuel Fitwi im Finale einbrach und bis auf Rang elf zurückfiel. Am Ende ging der 32-Jährige als Neunter in die Wertung. Bester Europäer war mit klarem Abstand zu den anderen der Brite Jack Rowe in einer Zeit von 28:24 Minuten. Bester Deutscher war überraschend Filimon Abraham in einer persönlichen Bestzeit von 28:47 Minuten vor seinem Trainingspartner Simon Boch. Amanal Petros, der leicht erkältet aus dem Trainingslager in Kenia angereist war, kam als Siebter in 28:51 Minuten über die Ziellinie. Die Einordnung seiner Leistung darf auch deshalb mit positiver Bewertung erfolgen, weil Vojta neben Abraham, Kimutai und Micah Cheserek einer von vier mit persönlichen Bestleistungen in den Top-Ten war. Eine persönliche Bestleistung gelang auch dem zweiten Österreicher im Feld, Markus Hartinger (LTV Köflach), der in 29:54 Minuten erstmals unter 30 Minuten blieb. Damit steigerte er seinen eigenen steirischen Landesrekord.

ÖLV-Läufer mit Bestleistungen unter 29 Minuten
Günther Weidlinger 28:10 (Manchester 2008)
Peter Herzog 28:12 (Berlin 2021)
Gerhard Hartmann 28:31 (Steyr 1984)
Martin Pröll 28:46 (Paderborn 2008)
Andreas Vojta 28:54 (Berlin 2022)

Grünes Licht auf medizinischer Ebene

Dass bei Vojta zuletzt nicht durchgehend strukturiertes, sondern unregelmäßiges und spontanes Training anstand, lag an der Quarantäne im Februar. Damals hieß es, sich von Tag zu Tag hanteln, wenngleich Vojtas Training eher von organisatorischen Limitierungen als vom Gesundheitszustand eingeschränkt worden ist. Wenige Tage nach Beendigung selbiger ließ der Athlet sicherheitshalber sein Blutbild mit Fokus auf herzgesundheitsbezogene Parameter fachgerecht kontrollieren. Der in Niederösterreich praktizierende Sportarzt Philipp Lopatka gab Vojta grünes Licht für leistungsorientiertes Laufen. Dieser Check, so betont der Athlet, sei auch deshalb wichtig, weil auch aus dem Spitzensport Fälle bekannt sind, bei denen trotz asymptomatischem COVID-19-Verlauf nachhaltige gesundheitliche und leistungshemmende Nachwirkungen aufgrund der Infektion auftraten. Ein wichtiger Punkt ist das Ausschließen einer nicht symtomatischen Herzmuskelentzündung. Die gute Nachricht aus der Sportmedizin gepaart mit der guten Nachricht von der Laufstrecke lassen den Optimismus Richtung Prag ausprägen.

Woldu verpasst französischen Rekord

Die Wertung bei den Frauen ist deshalb mit Vorsicht einzuordnen, da die favorisierte schwedische Rekordhalterin Sarah Lahti und die Französin Mekdes Woldu im B-Lauf der Männer an den Start gehen durften, die restlichen Frauen ihr eigenes Rennen bestritten. Daher ist eine direkte Vergleichbarkeit, wie im Ergebnis unten angeführt, nicht gegeben. Während die Skandinavierin aufgeben musste, nutzte die 29-Jährige ihre Chance und verpasste in einer Zeit von 31:25 Minuten den französischen Rekord von Liv Westphal aus dem Jahr 2019 nur um zehn Sekunden. Seit vier Monaten ist die gebürtige Eritreerin nun für ihre Wahlheimat startberechtigt, die Zeit ist auch eine neue persönliche Bestleistung.

Schnellste im Frauenrennen zur späteren Tageszeit war die Niederländerin Maureen Koster in einer Zeit von 32:20 Minuten vor der kroatischen Marathonläuferin Bojana Bjeljac und ihrer Landsfrau Kristina Hendel, die auf dem Weg zur deutschen Staatsbürgerschaft ist. Rabea Schöneborn folgte in einer Zeit von 32:54 Minuten. Die österreichische Triathletin Julia Hauser (SVS Leichtathletik) schlug sich als Neunte (Gesamt-Zehnte) achtbar, die in Wien studierende Hanna Bruckmayer (DSG Wien) erreichte das Ziel in einer Zeit von 35:01 Minuten. Deborah Schöneborn verpasste die Top-Ten, Laura Hottenrott musste aufgeben.

Ergebnisse Berlin Invitational 2022

10km-Lauf der Männer

  1. Vincent Kibet (KEN) 28:13 Minuten
  2. Evans Kimutai (KEN) 28:20 Minuten *
  3. Jack Rowe (GBR) 28:24 Minuten
  4. Filmon Abraham (GER) 28:47 Minuten *
  5. Simon Boch (GER) 28:48 Minuten
  6. Micah Cheserek (KEN) 28:51 Minuten *
  7. Amanal Petros (GER) 28:51 Minuten
  8. David Nilsson (SWE) 28:52 Minuten
  9. Andreas Vojta (AUT) 28:54 Minuten *
  10. Filmon Tesfu (NED) 29:00 Minuten
  11. Samuel Fitwi (GER) 29:09 Minuten

    24. Markus Hartinger (AUT) 29:54 Minuten *

10km-Lauf der Frauen

  1. Medes Woldu (FRA) 31:25 Minuten *
  2. Maureen Koster (NED) 32:20 Minuten
  3. Bojana Bjeljac (CRO) 32:20 Minuten
  4. Kristina Hendel (GER) 32:35 Minuten *
  5. Rabea Schöneborn (GER) 32:54 Minuten *
  6. Laura Lindemann (GER) 33:33 Minuten *
  7. Blanka Dörfel (GER) 33:36 Minuten
  8. Marlene Gomez-Göggel (GER) 34:02 Minuten *
  9. Jacelyn Gruppen (NED) 34:08 Minuten *
  10. Julia Hauser (AUT) 34:15 Minuten *
  11. Rahel Brömmel (GER) 34:55 Minuten *
  12. Deborah Schöneborn (GER) 35:01 Minuten
  13. Hanna Bruckmayer (GER) 35:03 Minuten *

    DNF Sarah Lahti (SWE)

* neue persönliche Bestleistung

Berlin Invitational