Debues-Stafford und Fisher pulverisieren Kontinentalrekorde

Das Hallenmeeting an der Universität von Boston hat am vergangenen Samstag zwei unglaubliche Resultate gebracht. Konnte man mit dem neuen Kontinentalrekord von Gabriela DeBues-Stafford noch rechnen, kam jener von Grant Fisher insbesondere in seiner Deutlichkeit überraschend.

© Jakob Owens / Unsplash

Gabriela DeBues-Stafford kündigte ihre Top-Form bereits vor einer Woche beim World Athletics Indoor Tour Meeting in Staten Island, New York mit einem Landesrekord im 3.000m-Lauf an (siehe RunAustria-Bericht) und nahm den nordamerikanischen Kontinentalrekord auf der in der Halle nicht allzu häufig gelaufenen Distanz von 5.000m in den Fokus. Das Rennen war ausgelegt auf die Rekordpace und diese unterbot die mit Rundenzeiten konstant unter 35 Sekunden in der zweiten Hälfte deutlich. Konstant blieben die wie entfesselt laufende Elise Cranny und DeBues-Stafford an ihren Fersen in der entscheidenden Phase sogar unter 34 Sekunden pro Runde und das auf den letzten zwei Kilometern durchgehend. Die Kanadierin, die im Bowerman Track Club unter Jerry Schumacher trainiert und nach dem Rennen sagte, in der Form ihres Lebens zu sein, schob sich in der drittletzten Runde an die Führende heran, indem sie ruckartig eine Sekunde wett machte. Dann zog die 26-Jährige an ihrer Kontrahentin vorbei und finishte in einer Zeit von 14:31,38 Minuten, Cranny folgte in 14:33,17 Minuten. Um die Dimension einzuordnen: Der bisherige nordamerikanische und US-Rekord von Shalane Flanagan lag bei einer Zeit von 14:47,62 Minuten. Selbst die drittplatzierte Courtney Frerichs, die im Schlussdrittel nicht mehr mit dem entfesselt laufenden Duo mithalten konnte, verpasste die alte Rekordmarke nur knapp.

Lauf der Rekorde

Fast noch sensationeller verlief das Männerrennen des Boston University David Hemery Valentine Invitational mit einer ebenso hervorragend gepacten und kompakteren Spitzengruppe als bei den Frauen. Erst am letzten Kilometer konnte sich Grant Fisher von seinen Mitstreitern lösen und stürmte zu einer Endzeit von 12:53,73 Minuten. Damit lag der 24-jährige Olympia-Teilnehmer siebeneinhalb Sekunden unter dem alten nordamerikanischen Hallenrekord von Galen Rupp. Auch der viertplatzierte Emmanuel Bor blieb noch unter Rupps ehemaliger Bestleistung. Fisher fehlten gar nur vier Sekunden auf den 18 Jahre alten Hallen-Weltrekord von Kenenisa Bekele, der US-Amerikaner war gar schneller als Eliud Kipchoge bei seiner Hallen-Bestzeit im Jahr 2011. Wie DeBues-Stafford liegt er nun auf Rang fünf der ewigen Bestenliste von World Athletics.

Der zweitplatzierte Olympia-Zweite auf dieser Distanz, Mohammed Ahmed steigerte seinen eigenen kanadischen Rekord um fast acht Sekunden auf eine Zeit von 12:56,87 Minuten. Der drittplatzierte Marc Scott steigerte seinen eigenen britischen Rekord um fast zwölf Sekunden auf eine Zeit von 12:57,08 Minuten, der fünftplatzierte Sam Atkins ist nun der zweitschnellste Brite aller Zeiten auf dieser Distanz unter dem Hallendach. Die Top-Drei des Rennens laufen ebenfalls für den in Oregon ansässigen und von Nike gesponsorten Bowerman Track Club. Und der sich seit Wochen in guter Form befindliche Jonas Raess stellte den Schweizer Rekord auf eine Zeit von 13:07,95 Minuten – fast 27 Sekunden unter der bisherigen Bestleistung von Markus Ryffel aus dem Jahr 1985. Netter Beigeschmack: Raess ist dank dieser vorzüglichen Leistung für die Weltmeisterschaften von Eugene qualifiziert.

Flying US-Teenager

Eine Sensation brachte auch das 800m-Rennen der Frauen. Die erst 17 Jahre alte Roisin Willis, die bereits in der vergangenen Freiluftsaison ihr Klassetalent vereinzelt aufblitzen hat lassen, lief eine Zeit von 2:00,06 Minuten und reihte sich auf Rang zwei der ewigen US-Bestenliste der Altersklasse U20 unter dem Hallendach hinter Olympiasiegerin Athing Mu ein. Die Kanadierin Madeleine Kelly, die die schnellste Schlussrunde hatte, verpasste den kanadischen Landesrekord von Jenna Westaway genauso wie den Sieg nur knapp und wurde nur 0,05 Sekunden hinter Willis Zweite vor Cynthia Anais aus Frankreich, die den 16 Jahre alten französischen Rekord von Elisabeth Grouselle nur um Haaresbreite verpasste. Dafür gab es einen Wimpernschlag später einen Rekord und zwar durch Sophia Gorriaran, die den US-Rekord in der Altersklasse U18 auf eine Zeit von 2:00,58 Minuten senkte.

Starke Leistungen gab es auch im Meilenrennen der Frauen, wo Gabrielas Schwester Lucia Stafford bei ihrem Debüt für den Bowerman Track Club mit einer persönlichen Bestleistung von 4:24,42 Minuten vor der neuen mexikanischen Rekordhalterin Alma Cortes gewann, im 3.000m-Lauf der Männer mit dem dominanten Sieg von Yared Nuguse und im 1.500m-Lauf der Männer mit dem Sieg des Briten Neil Gourley in einer tollen Zeit von 3:35,32 Minuten.

Ergebnisse Hallenmeeting in Boston

5.000m-Lauf der Frauen

  1. Gabriela DeBues-Stafford (CAN) 14:31,38 Minuten *
  2. Elise Cranny (USA) 14:33,17 Minuten ***
  3. Courtney Frerichs (USA) 14:48,75 Minuten **
  4. Millie Paladino (PB) 15:02,63 Minuten **
  5. Elly Henes (USA) 15:03,27 Minuten **
  6. Jenny Nesbitt (GBR) 15:19,22 Minuten **

5.000m-Lauf der Männer

  1. Grant Fisher (USA) 12:53,73 Minuten *
  2. Mo Ahmed (CAN) 12:56,87 Minuten ****
  3. Marc Scott (GBR) 12:57,08 Minuten *****
  4. Emmanuel Bor (USA) 13:00,48 Minuten **
  5. Sam Atkin (GBR) 13:03,64 Minuten **
  6. Woody Kincaid (USA) 13:05,56 Minuten **
  7. Lopez Lomong (USA) 13:07,40 Minuten
  8. Jonas Raess (SUI) 13:07,95 Minuten ******

3.000m-Lauf der Frauen

  1. Sarah Lancaster (USA) 8:47,41 Minuten **
  2. Lauren Ryan (AUS) 8:47,55 Minuten **
  3. Vanessa Fraser (USA) 8:53,11 Minuten **

3.000m-Lauf der Männer

  1. Yared Nuguse (USA) 7:38,18 Minuten **
  2. Cameron Griffith (AUS) 7:47,18 Minuten **
  3. Ahmed Jaziri (TUN) 7:47,34 Minuten *******

Meilenrennen der Frauen

  1. Lucia Stafford (CAN) 4:24,42 Minuten **
  2. Alma Cortes (MEX) 4:27,09 Minuten ********
  3. Julie-Anne Staehli (CAN) 4:28,10 Minuten **

Meilenrennen der Männer

  1. Sam Ellis (USA) 3:56,87 Minuten **
  2. Cruz Gomes (USA) 3:57,09 Minuten **
  3. Eric Holt (USA) 3:57,16 Minuten **

1.500m-Lauf der Männer

  1. Neil Gourley (GBR) 3:35,32 Minuten **
  2. Josh Thompson (USA) 3:37,96 Minuten
  3. Charlie Grice (GBR) 3:38,00 Minuten **

800m-Lauf der Frauen

  1. Roisin Willis (USA) 2:00,06 Minuten **
  2. Madeleine Kelly (CAN) 2:00,11 Minuten **
  3. Cynthia Anais (FRA) 2:00,49 Minuten **
  4. Sophia Gorriaran (USA) 2:00,58 Minuten *********
  5. Brenna Detra (USA) 2:01,47 Minuten **
  6. Emily Richards (USA) 2:01,52 Minuten **

800m-Lauf der Männer

  1. Reed Cherry (USA) 1:48,44 Minuten **
  2. Johnny Gregorek (USA) 1:48,48 Minuten
  3. Clement Paillon (FRA) 1:48,55 Minuten

* neuer nord- und mittelamerikanischer Kontinentalrekord
** neue persönliche Bestleistung
*** neuer US-amerikanischer Landesrekord
**** neuer kanadischer Landesrekord
***** neuer britischer Landesrekord
****** neuer Schweizer Landesrekord
******* neuer tunesischer Landesrekord
******** neuer mexikanischer Landesrekord
********* neuer US-Rekord für die Altersklasse U18

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