Seyaum läuft Streckenrekord beim BOclassic

Im Duell mit Norah Jeruto drückte Dawit Seyaum dem BOclassic 2021 in der letzten Runde den Stempel auf und siegte mit einem deutlichen neuen Streckenrekord. Bei den Männern kontrollierte Youngster Tadese Worku das Rennen vom Anfang bis zum Ende.

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Dawit Seyaum scheint eine neue Wohlfühlzone entdeckt zu haben. Auf der Mittelstrecke wurde die heute 25-jährige Äthiopierin nicht endgültig glücklich, auch wenn ein Junioren-WM-Titel 2014 in Eugene, ein vierter Platz bei den Weltmeisterschaften von Peking 2015, ein Achter bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio oder eine WM-Silbermedaille in der Halle von Portland 2016 auf den ersten Blick eine andere Sprache sprechen mögen. Genauso wie eine persönliche Bestleistung von 3:58,09 Minuten über 1.500m, ihrer ehemaligen Paradestrecke. Doch nach Rio ging die Entwicklung der Nachwuchsläuferin nicht weiter. Erst seit sie sich wettkampfmäßig den Straßen widmet, stellen sich die Erfolge wieder ein. Der 5km-Lauf ist Seyaums neue Disziplin, in der sie für Furore sorgt. Seit wenigen Monaten freilich erst, aber es ist schon einiges zusammengekommen. Anfang November lief sie in Lille eine 5km-Zeit von 14:39 Minuten, das war damals die zweitschnellste Marke der Historie. Fünf Wochen zuvor debütierte sie in Genf beachtlich über 10km, Mitte Dezember im Bahrain im Halbmarathon in 1:07:52 Stunden.

Deutlich schneller als der Streckenrekord

Ihre schnellen Beine im Finale, die ihre Mittelstrecken-Vergangenheit skizzieren, konnte die Äthiopierin in der letzten Runde des BOclassic bei fast frühlingshaften Temperaturen und bemerkenswertem Zuschaueraufkommen in der Bozner Altstadt ausspielen. Vier Runden à 1.250 Meter absolvierten die Eliteläuferinnen, der Wettkampf war wenig überraschend vom ersten Meter an ein Duell zwischen der Kenianerin Norah Jeruto, Weltjahresschnellste im 3.000m-Hindernislauf, und Dawit Seyaum. Mit einer Tempoverschärfung in der zweiten Runde, als ein Kilometerschnitt von 3:05 Minuten auf dem winkeligen Kurs die schnellste Rennphase bedeutete, setzten sich die beiden von der Italienerin Nadia Battocletti ab. In der letzten Runde übernahm Seyaum die Initiative und bereits aus der letzten engen Kurve am Hauptbahnhof heraus hatte sie genügend Vorsprung, um in einer Zeit von 15:22 Minuten mit zwei Sekunden Vorsprung auf Jeruto als Erste die Ziellinie am Waltherplatz zu erreichen. Die guten Bedingungen halfen, diese hervorragende Leistung mit einem Streckenrekord zu verschönern. Acht Sekunden schneller war Seyaum als Margaret Kipkemboi und die in diesem Jahr verstorbene Agnes Tirop vor zwei bzw. vier Jahren.

Battocletti mit erster italienischen Top-3-Platzierung seit 2011

Battocletti indes lief ein Solorennen und sicherte sich in einer Zeit von 15:55 Minuten mit deutlichem Abstand zur nächstbesten Europäerin, Diane van Es den dritten Platz. Erst einmal ist eine Italienerin über fünf Kilometer schneller gelaufen als die 21-jährige Olympia-Siebte im 5.000m-Lauf von Tokio: Maura Viceconte, ehemalige Siegerin des Vienna City Marathon, vor 20 Jahren. Zuletzt lief mit Lokalmatadorin Silvia Weissteiner vor zehn Jahren eine Italienerin auf das Stockerl des BOclassic. Für die aus dem benachbarten Trentino stammende Studentin war es ein zufriedenstellender Abschluss eines für sie hervorragenden Wettkampfjahrs 2021.

Worku im Alleingang zum Sieg

Das Eliterennen der Männer über die doppelte Distanz entwickelte sich ähnlich zum Frauenrennen. Nach einer Orientierungsrunde zu Beginn beschleunigte Tadese Worku in der zweiten Runde und setzte sich mit Tamirat Tola im Rücken erwartungsgemäß vom Rest des Feldes ab. Die beiden äthiopischen Favoriten absolvierten den Rest des Rennens allerdings nicht als Tandem, sondern getrennt durch eine konstante Lücke, die Worku dank seiner Tempowahl offen hielt. Der 19-jährige Junioren-Weltmeister im 3.000m-Lauf, der zu den größten Lauftalenten des Landes gehört, erreichte das Ziel am Waltherplatz nach acht Runden in einer Zeit von 28:18 Minuten, acht Sekunden vor seinem Landsmann Tamirat Tola, der den BOclassic in den Jahren 2015 und 2018 gewonnen hat. Dessen Glanzstück im Wettkampfjahr 2021 war der Triumph beim Amsterdam Marathon in der zweitschnellsten Zeit im Marathon-Herbst 2021 überhaupt von 2:03:39 Stunden.

Im Kampf um Rang drei behauptete sich der Brite Tom Morttimer in einer Zeit von 29:23 Minuten knapp vor dem besten Italiener Dario De Caro. Vier Wochen nach seinem spanischen Marathonrekord in Valencia lief Hamid Ben Daoud eine Zeit von 29:32 Minuten.

Der Veranstalter musste kurzfristig eine Serie von prominenten Absagen italienischer Topläufer schlucken: Eyob Faniel, der Dritte des New York City Marathon, Yemaneberhan Crippa und der nationale 10km-Rekordhalter Pietro Riva konnten allesamt in Bozen nicht starten – Faniel wurde selbst positiv getestet, bei Riva eine Kontaktperson in der Familie. Das Virus diktierte auch am letzten Tag des Jahres den Laufsport im Jahr 2021 kräftig mit.

Ergebnisse BOclassic 2021

Frauen (5km)

  1. Dawit Seyaum (ETH) 15:22 Minuten *
  2. Norah Jeruto (KEN) 15:24 Minuten
  3. Nadia Battocletti (ITA) 15:55 Minuten
  4. Diane van Es (NED) 16:16 Minuten
  5. Bojana Bjeljac (CRO) 16:17 Minuten
  6. Rebecca Lonedo (ITA) 16:25 Minuten
  7. Clementine Mukandanga (RUA) 16:35 Minuten
  8. Elisa Bortoli (ITA) 16:44 Minuten
  9. Rabea Schöneborn (GER) 16:44 Minuten
  10. Elena Bellò (ITA) 16:51 Minuten

Männer (10km)

  1. Tadese Worku (ETH) 28:18 Minuten
  2. Tamirat Tola (ETH) 28:26 Minuten
  3. Tom Mortimer (GBR) 29:23 Minuten
  4. Dario De Caro (ITA) 29:27 Minuten
  5. Hamid Ben Daoud (ESP) 29:32 Minuten
  6. Yassine El Fathaoui (ITA) 29:35 Minuten
  7. Ahmed Ouhda (ITA) 29:44 Minuten
  8. Osama Zoghlami (ITA) 29:45 Minuten
  9. Ala Zoghlami (ITA) 29:55 Minuten
  10. Italo Quazzola (ITA) 30:13 Minuten

BOclassic