Die letzten Lauffeuerwerke des Jahres

Während in Österreich und Deutschland die Silvesterläufe 2021 lediglich durch Absagen Schlagzeilen machen konnten, beenden in Bozen, Madrid und Sao Paolo hochklassige Laufevents das durchwachsene Laufjahr 2021.

© Gerd Altmann / Pixabay

Ein Jahr nach dem Pandemie bedingten Ausweichmanöver in ein abgeschottetes Fahrsicherheitszentrum außerhalb der Stadtgrenzen kehrt der BOclassic bei seiner 47. Auflage zurück an den traditionellen Ausrichtungsort mitten in der Bozner Altstadt mit Start und Ziel am Waltherplatz. Dort steht eine winkelige und mit viel Kopfsteinpflaster versehene, aber sehr zuschauerfreundliche (auch wenn im Ziel keine Tribünen aufgestellt werden), 1.250 Meter lange Strecke für einen 5km-Elitelauf der Frauen und einen 10km-Elitelauf der Männer sowie für Volks- und Kinderläufe zur Verfügung. 2020 hatte der Veranstalter – um die Einmaligkeit der damaligen Austragung zu unterstreichen – die Distanzen der Eliteläufe getauscht. Auch das Wetter wird anders sein als 2020, als zusammengeschobener Schnee die Strecke begrenzte. Wolkenloser Himmel und Temperaturen im zweistelligen Bereich könnten je nach Föhnaufkommen Frühlingsgefühle erwecken.

Mehrfachsieger und stärkste Italiener

Wie immer hat Athletenmanager Gianni Demadonna, dessen Athleten im Herbst 2021 von einem großen Sieg in der Marathonszene zum nächsten sausten, ein hochqualitatives Elitefeld zusammengestellt. Bei den Frauen strebt Margaret Kipkemboi den dritten Sieg in Folge an. Sie hält gemeinsam mit der im Oktober (mutmaßlich) ermordeten Agnes Tirop den Streckenrekord in 15:30 Minuten. Stärkste Italienerin im Feld ist die Trentinerin Nadia Battocletti, eine der Aufsteigerinnen des europäischen Laufsports im vergangenen Jahr und frisch gebackene Crosslauf-Europameisterin der Altersklasse U23. Die Frauen machen um 15 Uhr den Auftakt des Spitzensportprogramms, welches live im italienischen öffentlich-rechtlichen Programm der RAI ausgestrahlt wird. Eine halbe Stunde später fällt der Startschuss zum Männerrennen mit dem zweifachen 5.000m-Weltmeister Muktar Edris aus Äthiopien, der nach zwei enttäuschenden Saisonen den vierten Sieg in Bozen nach 2014, 2016 und 2017 sucht – im Vorjahr war er Sechster. Für hochkarätigen Lokalkolorit sorgen Eyob Faniel, Dritter beim New York City Marathon 2021 und 2019 Sieger beim BOclassic, und Yemaneberhan Crippa, Stammgast beim Silvesterlauf in Bozen.

Der BOclassic bildet heute wieder den Auftakt zur Top-7-Laufserie in Südtirol – der Volkslauf kann stattfinden. Im Vorjahr musste er in den Mai verlegt werden. Das Hygieneprotokoll sieht unter anderem den Zugang mit Grünem Pass, Mund-Nasen-Schutz-Pflicht im Start- und Zielbereich inklusive der ersten 500 Laufmeter vor sowie Fiebermessen vor dem Einlass vor.

Obiri kehrt zum Silvesterlauf nach Madrid zurück

Drei Jahre nach ihrem epischen Duell mit der späteren und noch aktuellen Marathon-Weltrekordhaltern Brigid Kosgei kehrt Hellen Obiri zum Silvesterlauf San Silvestre Vallecana nach Madrid zurück. Damals unterlag die zweifache Weltmeisterin im 5.000m-Lauf in einer Spitzenzeit von 29:59 Minuten ihrer Landsfrau um fünf Sekunden, die den noch gültigen Streckenrekord hält. Für die internationalen Rekordlisten werden die Leistungen in der spanischen Hauptstadt allerdings nicht berücksichtigt, weil die zehn Kilometer lange Laufstrecke zwischen den beiden Fußballstadien von Real Madrid, dem berühmten Estadio Santiago Bernabeu, und dem Vorortclub Rayo Vallecano, aktuell das Sensationsteam der Primera Division, als Punkt-zu-Punkt-Strecke auch noch stark abfallend ist und daher aus zweierlei Gründen den Kriterien des Leichtathletik-Weltverbandes (World Athletics) nicht genügt.

Als Siegername würde Hellen Obiri nahtlos an die Prominenz anknüpfen, die den Silvesterlauf von Madrid bereits gewonnen hat: von Kosgei über Jacob Kiplimo, Tirunesh Dibaba bis hin zu Eliud Kipchoge und Paula Radcliffe. Zum 57. Mal geht der Event, der im vergangenen Jahr Pandemie bedingt pausierte, über die Bühne und die Konkurrenz für Obiri ist schlagkräftig: die äthiopische Marathonläuferin Degitu Azimeraw, 10km-Europarekordhalterin Lonah Chemtai Salpeter und Haven Hailu, eine junge Äthiopierin. Bei den Männern surft Rodrigue Kwizera dank der Crosslauf-Saison auf der Erfolgswelle und will nun auch im Straßenlauf angreifen. Über die Distanz von zehn Kilometern ist er noch nicht unter 28 Minuten gelaufen. Im Feld der Männer fehlen die ganz großen afrikanischen Namen, so ist Spaniens Überraschungsläufer auf der Bahn der vorolympischen Monate, Mohamed Katir ein Siegkandidat. Zuletzt hat der gebürtige Marokkaner in Font Romeu in den Pyrenäen trainiert. Auch seine Landsleute Nassim Hassaous und Abdessamad Oukhelfen hoffen auf ein gutes Abschneiden. Auch wenn es schwer wird – ein spanischer Sieg fehlt in Madrid seit Marta Dominguez 2008, bei den Männern seit Juan Manuel Martinez im Jahr 2003.

20.000 Aktive bei der Corrida de Sao Silvestre

Der älteste Silvesterlauf der Welt geht in der brasilianischen Metropole Sao Paolo über die Bühne und zwar bereits zum 96. Mal. Der Äthiopier Belay Tilahun, Sieger im Jahr 2018, der Kenianer Elisha Rotich, Sieger beim Paris Marathon im Oktober, und Lokalmatador Daniel Nascimento kämpfen um die besten Positionen. Bei den Frauen ist die Kenianerin Sandrafelis Chebet die Favoritin, die Elitefelder umfassen 21 Läufer und 20 Läuferinnen. Brasilianische Medien schreiben von rund 20.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern an den Volksläufen der Corrida de Sao Silvestre, die vor den Eliteläufen auf dem Programm stehen.

Nicht stattfinden können aufgrund der jeweiligen gesellschaftlichen Einschränkungen in diesen Ländern u.a. der Silvesterlauf in Peuerbach, der Trierer Silvesterlauf sowie der Silvesterlauf Werl-Soest. Von der heimischen Laufelite, die den Silvesterlauf in Peuerbach im Auge hatte, hat niemand einen Alternativstart im Ausland realisiert.

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