Mayer und Vojta peilen Crosslauf-Staatsmeistertitel an

Julia Mayer und Andreas Vojta bestreiten ihren jeweils ersten Wettkampf nach der Saisonpause und wollen mit dem Gewinn des Staatsmeistertitels in Graz Selbstvertrauen für die Crosslauf-Europameisterschaften tanken. Auf der Kurzstrecke bahnt sich ein Duell zwischen Mario Bauernfeind und Markus Hartinger an. Große Spannung verspricht das stark besetzte Juniorenrennen.

Julia Mayer bei den Crosslauf-Staatsmeisterschaften 2018, als sie Bronze gewann. © Alexander Schwarz

„Ich freue mich sehr auf die Crosslauf-Saison, das Laufen im Gelände taugt mir irrsinnig und ist meine geheime Lieblingsdisziplin“, blickt Julia Mayer (DSG Wien) mit positiven Gefühlen Richtung Crosslauf-Staatsmeisterschaften, bei denen sie klare Favoritin in das Frauenrennen (Länge: 4.890m, Höhenunterschied: 115 HM) geht. In Bezug auf diese Rolle bremst sie die Erwartungen, weil eine Verkühlung ihren Einstieg in die Trainingsphase etwas verzögert hat, sie nun seit zwei Wochen voll im Training steht und daher in der Woche vor den Staatsmeisterschaften voll trainieren möchte, um den leichten Trainingsrückstand wettzumachen. „Egal ob Training- oder Wettkampf, ich möchte immer das Bestmögliche aus mir herausholen. Wenn das am Sonntag gelingt und ich als Siegerin ins Ziel laufe, wäre das doppelt cool. Aber wichtiger ist mir, dass ich mit meiner Leistung zufrieden bin“, erklärt die Niederösterreicherin, die auf eine sehr erfolgreiche Saison 2021 mit zwei ÖLV-Rekorden im Straßenlauf zurückblickt.

Volle Konzentration auf gute EM

Mayer ist Titelverteidigerin (die letzten Staatsmeisterschaften im Crosslauf fanden 2019 in Innsbruck statt, Anm.) und konnte im Dezember 2019 mit Platz 22 bei den Crosslauf-Europameisterschaften in Lissabon glänzen. Ihre Zuneigung zu dieser vielseitigen Laufdisziplin spiegelt sich im Training wider: „Ich trainiere aus Prinzip relativ abwechslungsreich. Das Laufen im Gelände nimmt einen großen Teil meines Lauftrainings ein, da bewältige ich dann auch einige Höhenmeter, weswegen ich mit der Renneinteilung am Sonntag sicher kein Problem haben werde.“ Aufgrund der Verzögerung durch die Erkältung will die 28-Jährige sich voll der Vorbereitung auf die Crosslauf-Europameisterschaften widmen und hat alle Crossläufe (darunter Tilburg) aus ihrem Wettkampfprogramm gestrichen – mit Ausnahme der Staatsmeisterschaften.

Die frisch gebackene, niederösterreichische Landesmeisterin im Crosslauf, Lena Millonig (ULC Riverside Mödling) und Carina Reicht (run2gether), die gemeinsam mit der in Wien lebenden Deutschen Hanna Bruckmayer (DSG Wien) die Schnellste in der Altersklasse U23 sein dürfte, haben berechtigte Hoffnungen auf Edelmetall.

Vojta letzter Crosslauf-Titel liegt neun Jahre zurück

Seit 2009 hat Andreas Vojta (team2012.at) keine einzige Crosslauf-EM verpasst, bei Staatsmeisterschaften, üblicherweise Mitte März parallel zu den internationalen Meisterschaften in der Halle über die Bühne gehend, war er schon lange nicht mehr am Start und peilt seinen dritten Titel an (2010 und 2012, jeweils Kurzstrecke). „2002 in Enns kam ich erstmals in Berührung mit einer österreichischen Meisterschaft. Daher habe ich schon eine spezielle Verbindung zum Crosslauf“, erzählt er vom Gewinn der Silbermedaille als 13-Jähriger in der entsprechenden Altersklasse. Eine „Hassliebe“ hegt er mit dieser Disziplin, die anspruchsvoll und hart ist, aber sehr gute Trainingsreize für die Kraftausdauer hinblicklich der Aufgaben im kommenden Wettkampfjahr bietet.

Durch die Verschiebung in den Spätherbst („Der Termin macht prinzipiell Sinn, denn der Hauptteil der europäischen Crosslaufsaison geht von Oktober bis Dezember über die Bühne“) passen die Staatsmeisterschaften perfekt in das Programm des 32-Jährigen, der seit einigen Wochen im Aufbautraining für die Wettkampfsaison 2022 ist. Das bedeutet: Viel Grundlagentraining mit Schwerpunkt auf Ausdauer, schließlich orientiert sich der Niederösterreicher Richtung längere Distanzen und zielt auf einen guten Halbmarathon im Frühjahr ab. „Grundsätzlich bin ich sehr zufrieden mit dem Grundlagentraining. Die Staatsmeisterschaften am Sonntag werden mein erster kompetitiver Lauf und da schwingen immer ein paar kleine Unsicherheiten mit. Aber ich bin natürlich optimistisch“, sagt er und bezeichnet den Wettkampf als wichtigen Test für die internationalen Auftritte in Tilburg am 28. November und bei der EM in Dublin am 12. Dezember.

Crosslauf-Staatsmeisterschaften will er zukünftig öfters bestreiten, denn mit der mittelfristigen Orientierung Richtung Straßenlauf fällt der Fokus auf die Hallensaison weg.

Bauernfeind mit Rückenwind aus Dänemark

Die Favoritenrolle auf den Staatsmeistertitel auf der Langdistanz (Länge: 9.780 m, Höhendifferenz: 230 HM) liegt jedenfalls auf seinen Schultern. Gänzlich ausschließen will Vojta einen spontanen Start auf der Kurzstrecke (der Startschuss fällt 75 Minuten vor der Langstrecke) nicht, betont aber, sich auf einen guten Wettkampf über die Langstrecke zu konzentrieren. Hinter Vojta könnte sich ein spannender Kampf um die weiteren Medaillen entwickeln: Mario Bauernfeind (KUS ÖBV Pro Team) hat seine gute Crosslauf-Form vor knapp zwei Wochen bei der Crosslauf-Polizei-EM im dänischen Aarhus unter Beweis gestellt und sich die Bronzemedaille gesichert. Der Wiener peilt in Graz einen Doppelstart über Kurz- und Langstrecke an und fühlt sich aufgrund seiner Vorbereitung und des 13 Kilometer langen Wettkampfs in Dänemark dafür gut gerüstet.

Titelverteidiger freut sich über anspruchsvolle Strecke

Ebenfalls im erfolgreichen heimischen Team in Aarhus lief Markus Hartinger (LTV Köflach), Fünfter in der Einzelwertung und gemeinsam mit Bauernfeind und Jürgen Aigner (LAG Genböck Haus Ried) Bronzemedaillengewinner in der Nationenwertung. Der Steirer hat Heimvorteil und kennt das Gelände. „Mit meiner guten Form strebe ich an, vorne mitzulaufen und möchte versuchen, in diesem starken Feld eine Topplatzierung zu erreichen“, zeigt sich der 33-Jährige zuversichtlich. Ob der Lokalmatador beide Distanzen läuft oder nicht und für welche Strecke er sich in zweiterem Fall entscheiden wird, will er erst kurzfristig festlegen: „Ich bin für beide Distanzen vorbereitet!“

Wie Hartinger hofft auch Manuel Innerhofer (LC Oberpinzgau), dass die anspruchsvolle Strecke am Rosenhain ihm als starken Bergläufer entgegenkommt. „Je anspruchsvoller und steiler, desto besser für mich“, sagt der Titelträger von 2019 in Innsbruck und Silbermedaillengewinner von 2018 in Rif. Der 26-Jährige fühlt sich konkurrenzfähig im Kampf um eine Medaille und konnte nach einer Erkrankung Anfang November die letzten eineinhalb Wochen wieder gut trainieren.

Stark besetztes U20-Rennen

Ein offenes Rennen lässt die Kurzstrecke der Männer (Länge: 3.670m, Höhendifferenz: 90 HM) erwarten. Bauernfeind und Hartinger duellieren sich möglicherweise um den Sieg, ein gutes Abschneiden haben auch die Mittelstreckenläufer Raphael Pallitsch (SCS Leichtathletik), Dominik Stadlmann (KUS ÖBV Pro Team) sowie Hindernisläufer Tobias Rattinger (LAC Amateure Steyr) im Sinn.

Spannung verspricht die Juniorenwertung bei den Burschen, die sich dank Sebastian Frey (DSG Wien), Kevin Kamenschak (ATSV Linz LA) und Emil Bezecny (Leichtathletik Akademie Eisenstadt) einer hervorragenden Besetzung erfreut. Angesichts dieser Konkurrenz wird der Lauf auf Stockerl für Bernhard Neumann (DSG Wien) und Lennart Paul Holzinger (SC Liezen) nicht leicht.

Der Crosslauf-Tag am USZ Graz zieht sich vom ersten Start um 10 Uhr über die Nachwuchsrennen bis in den Nachmittag, wenn die letzte Staatsmeisterschaftsentscheidung fällt Die Rennen der Altersklassen U20 und U23 sind jeweils in die Bewerbe der Allgemeinen Klasse inkludiert (bei den Männern in die Kurzstrecke). Die Teilnehmer der Mastersklassen bestreiten die Langstrecke, die älteren sind wie alle Mastersklassen der Frauen in das Frauenrennen integriert.

Staatsmeisterschaften als Nominierungsgrundlage für EM

Mit einem kleinen, aber feinen Team soll Österreich bei der Crosslauf-EM in drei Wochen in Dublin vertreten sein. Als Grundlage für eine Nominierung dienen die Staatsmeisterschaften am Sonntag. Von all jene Athletinnen und Athleten, die die Qualifikation über ihre Bestzeiten auf unterschiedlichen Distanzen in der Freiluftsaison 2021 geschafft haben (Vojta, Mayer, Bezecny und Frey), wird eine positive Leistungsbestätigung gefordert. Alle anderen, insbesondere diejenigen, die die Freiluftnorm nur knapp verpasst haben wie Kamenschak, können sich mit einem starken Auftritt am Wochenende bewerben.

Anspruchsvolle Crosslaufstrecke

Die Crosslauf-Staatsmeisterschaften 2021 finden aufgrund der gesellschaftlichen Restriktionen im Frühling ausnahmsweise im November statt. Schauplatz ist das Gelände am Universitätssportzentrum am Rosenhain in Graz statt. Aufgrund der aktuellen gesetzlichen Bestimmungen unterliegt die Veranstaltung der 2G-Regel.

Aufmerksamkeit verdient die Strecke, die für einen Crosslauf sehr anspruchsvoll ist. Gleich nach wenigen Metern beginnt eine stetige, aber moderate Bergauf-Passage, gefolgt von einer technisch nicht einfach zu laufenden Bergabpassage entlang der „Rodelwiese“. Die Zusatzschleife am Kindergartengelände für die große Runde beinhaltet enge Kurven, ehe ein kurzer, aber steiler Anstieg zurück zu Start und Ziel auf der Sportanlage führt.

Österreichischer Leichtathletik-Verband