Neue Streckenrekorde beim Barcelona Marathon

Nahezu ideale Marathonbedingungen an einem sonnigen Morgen in der katalanischen Metropole und gute, dicht besetzte Spitzenfelder erlaubten die neuen Veranstaltungsbestzeiten. Besonders bei den Männer gab es ein spannendes Duell mit der Uhr und dem virtuellen Vergleich.

© Pixabay / Michal Jarmoluk

Eine winzige Sekunde blieb der Kenianer Samuel Kosgei letztlich unter dem Streckenrekord im Männerrennen, der vor zwei Jahren bei der letzten Austragung des Barcelona Marathon von Alemu Bekele, der für den Bahrain läuft, aufgestellt wurde. Es war der positive Ausgang eines spannenden Zweikampfs des 35-jährigen Kenianers, der knapp fünf Kilometer vor dem Ziel erfolgreich attackiert hatte, gegen diesen Streckenrekord. Dramatisiert wurde dieser dadurch, dass der Sieger bei der letzten Getränkestation vor dem Ziel seine Verstärkung verfehlte. Für die gegenwärtige Zeit außergewöhnlich viele Zuschauer feuerten die Läuferinnen und Läufer am Streckenrand an und so auch Kosgei, als er die letzten Kurven absolvierte, um auf die lange Zielgerade zu gelangen. Es reichte knapp für den Mann, der vor vier Monaten nur 25. beim Eldoret Marathon war und im fernen Jahr 2016 den Marine Corps Marathon in Washington gewonnen hat, zu einem neuen Streckenrekord und zu einer Verbesserung seiner fast sechs Jahre alten Bestleistung um 50 Sekunden.

Zwei Marokkaner am Stockerl

Das Rennen der Männer war exakt ausgelegt auf diesen Rekord und eine riesige Spitzengruppe diktierte die Pace, die bei einer Zeit von 1:03:06 Stunden die erste Hälfte für beendet festhielt. Dadurch, dass so viele Läufer so lange beieinander bleiben konnten, war der Profit der Renngestaltung vielseitig. Sieben Läufer in den Top-Zwölf liefen persönliche Bestleistungen, darunter auch der viertplatzierte Debütant Filmon Ande. Zwischen ihm und dem Sieger schoben sich zwei Marokkaner: Othmane El Goumri, der im Frühjahr in Siena zwölf Sekunden schneller gelaufen ist als in Barcelona (2:06:30) und Mohamed Ziani, der seine persönliche Bestleistung um knapp drei Minuten auf eine Zeit von 2:06:33 Stunden senkte und damit Rang sieben der ewigen marokkanischen Bestenliste im Marathon einnimmt.

Favoriten im Feld der Geschlagenen

Damit lagen am Ende nicht die Favoriten vorne: Marius Kimutai, der mittlerweile für den Bahrain ins Rennen geht, musste sich mit Rang sechs zufrieden geben. Der ehemalige WM-Medaillengewinner und Altstar Yemane Tsegay wurde Achter, bestritt jedoch im Alter von 36 seinen schnellsten Marathon, seitdem er im Frühjahr 2014 den Ottawa Marathon in 2:06:54 Stunden gewonnen hat. Laban Mutai, Sieger des Eindhoven Marathon 2019 und des Linz Donau Marathon 2014, verpasste sogar die Top-Ten.

Bester Europäer im Rennen war übrigens Daniele Meucci, der seine hervorragende Form vom Rom-Ostia Halbmarathon, als er in 1:00:11 Stunden beinahe einen italienischen Rekord aufgestellt hatte, immerhin in eine persönliche Bestleistung von 2:10:03 Stunden ummünzen konnte, womit er sich auf Rang 15 der ewigen italienischen Bestenliste verbesserte und für einige Stunden die italienische Jahresbestzeit hielt, bis Eyob Faniel in New York glänzte (siehe RunAustria-Bericht). Bei seiner Rückkehr an jenen Ort, an dem er vor elf Jahren eine EM-Medaille über 10.000m gewann, stand für den 36-jährigen Routinier auch die Erbringung des WM-Limits für Eugene 2022 sowie des EM-Limits für München 2022 im Vordergrund, wie der Italienische Leichtathletik-Verband (FIDAL) mit einem Bericht im Vorfeld festhielt.

20-jährige Debütantin die Beste

Eine Überraschung lieferte das Frauenrennen, das ähnlich harmonisch mit Unterstützung männlicher Begleitläufer ablief wie jenes der Männer. Tadu Teshome, die bis dato international kaum aufgefallen ist und in den letzten Wochen eine wahre Siegesserie bei einer 10km-Laufserie in Südafrika im Leistungsbereich von um die 32 Minuten hingelegt hat, setzte sich rund zwei Kilometer vor dem Ziel von ihren äthiopischen Landsfrauen ab und lief bei ihrem ersten Marathon in einer Zeit von 2:23:53 Stunden zu Sieg – 51 Sekunden schneller als ihre Landsfrau Kuftu Tahir vor zwei Jahren. Meseret Gola und Meseret Belete komplettierten, ebenfalls in persönlichen Bestleistungen von 2:24:09 bzw. 2:24:25 Stunden, den äthiopischen Dreifachsieg, während die favorisierte Tinbet Gidey als Siebte keine Siegchance hatte.

Beim Comeback des Barcelona Marathon nach der Pandemie-Pause im Jahr 2020 finishten fast 10.000 Läuferinnen und Läufer, davon über 8.000 männliche Teilnehmer. Ein Lob gebührt dem Regisseur der TV-Übertragung, der eine Phase in der Rennmitte dafür nutzte, minutenlang Freizeitläuferinnen und Freizeitläufer bei der Passage vor der Sagraga Familia zu zeigen und damit die Faszination eines Marathon-Tages und die Schönheit des Austragungsortes ebenfalls einfing wie mit den Bildern, als er ein Sozialprojekt mit Rollstuhlteilnehmern und ihren Begleitpersonen mitten in die Live-Übertragung streute – und nicht als separaten Beitrag.

Ergebnisse Barcelona Marathon 2021

Männer

  1. Samuel Kosgei (KEN) 2:06:03 Stunden * / **
  2. Othmane El Goumri (MAR) 2:06:30 Stunden
  3. Mohamed Ziani (MAR) 2:06:33 Stunden **
  4. Filmon Ande (ERI) 2:06:38 Stunden ***
  5. Kiprono Kipkemoi (KEN) 2:06:45 Stunden **
  6. Marius Kimutai (BRN) 2:06:54 Stunden
  7. Kibrom Habtu (ETH) 2:07:05 Stunden **
  8. Yemane Tsegay (ETH) 2:07:17 Stunden
  9. Filex Chemonges (UGA) 2:07:19 Stunden
  10. Abe Gashahun (ETH) 2:09:25 Stunden **
  11. Laban Mutai (KEN) 2:10:02 Stunden
  12. Daniele Meucci (ITA) 2:10:03 Stunden **

Frauen

  1. Tadu Teshome (ETH) 2:23:53 Stunden * / ***
  2. Meseret Gola (ETH) 2:24:09 Stunden **
  3. Meseret Belete (ETH) 2:24:25 Stunden **
  4. Bekelech Gudeta (ETH) 2:24:51 Stunden **
  5. Vane Nyaboke (KEN) 2:25:32 Stunden ***
  6. Esther Chesang (KEN) 2:26:11 Stunden
  7. Tinbit Gidey (ETH) 2:29:28 Stunden
  8. Silvia Roldan (ESP) 2:46:51 Stunden
  9. Tabea Themann (GER) 2:49÷48 Stunden **
  10. Hanna Tempelhagen (GER) 2:52:58 Stunden **

* neuer Streckenrekord
** neue persönliche Bestleistung
*** Marathon-Debüt

Zurich Marato Barcelona

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