Halbmarathon-WM 2022 verschoben

Der Leichtathletik-Weltverband (World Athletics) hat die für 27. März 2022 geplanten Halbmarathon-Weltmeisterschaften im chinesischen Yangzhou vorerst auf 13. November 2022 verschoben. Die Reiseeinschränkungen sind eine zu große Herausforderung, die COVID-Maßnahmen in China erlauben keine Planungssicherheit.

© World Athletics

Als aufstrebende Macht auf allen Ebenen, auch im Sport, war und ist China aus sportlicher wie sportwirtschaftlicher Sicht seit vielen Jahren ein interessanter Gastgeber für internationale Sportevents. Auch die Leichtathletik hat sich dem Reich der Mitte in den letzten Jahren angenähert – von den Olympischen Spielen 2008 in Peking über die Crosslauf-Weltmeisterschaften 2015 bis hin zu den Hallen-Weltmeisterschaften 2020 in Nanjing und den Halbmarathon-Weltmeisterschaften 2022 in Yangzhou. Doch seit Pandemiebeginn ist die Austragung internationaler Sportevents in China schwierig, in Wahrheit seit fast zwei Jahren unmöglich – und damit China temporär auch kein verlässlicher Partner in der Eventorganisation. Die Hallen-Weltmeisterschaften wurden mehrfach verschoben und sind jetzt mit 2023 terminiert – also nach der ursprünglich geplanten Folge-WM in Belgrad, die plangemäß Mitte März 2022 über die Bühne gehen soll. World Athletics hat stets betont, die strategisch wichtige Veranstaltung in der ehemaligen Hauptstadt der Republik China in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf keinen Fall ausfallen zu lassen. Dass die Halbmarathon-WM im März 2022 nun verschoben wird, ist auch im Kontext dessen zu sehen, dass die Olympischen Winterspiele von Peking wenige Wochen zuvor plangemäß über die Bühne gehen sollen – allerdings unter strengsten Auflagen, die voraussichtlich jene zur Austragung der Olympischen Spiele in Tokio im vergangenen Sommer übertreffen werden.

Planungssicherheit für Läufer

Die Austragung internationaler Veranstaltungen mit Einreisebewegungen harmoniert nicht mit der chinesischen Strategie, die seit Pandemiebeginn auf strikte Abschottung und einer Zero-COVID-Ambition abzielt. Die Einreise nicht chinesischer Staatsbürger ist seit geraumer Zeit aufgrund von strikten Regeln beinahe unmöglich, für die globale Sportwelt soll es für die prestigeträchtigen Olympischen Spiele Ausnahmen geben, etwa was die langen Quarantänezeiten betrifft. In einem kurzen Statement von World Athletics sind die Reiseeinschränkungen nach China einer von zwei wichtigen Punkten der Begründung der Verschiebung, der zweite sind die Maßnahmen der Pandemiebegegnung im Gastgeberland. Zwar könnten sich die Voraussetzungen bis März verbessern, heißt es von Seiten des Weltverbandes, allerdings möchte man den Verbänden, Athleten und Trainern bestmögliche Vorbereitungssicherheit bieten und das sei aktuell nicht der Fall. Für Läuferinnen und Läufer ist diese Planungssicherheit zum jetzigen Zeitpunkt allerdings wichtig, denn es gilt die Frühjahrssaison 2022 im Straßenlauf vorzubereiten.

Schwieriger Weg zurück für Laufevents in Ostasien

Während in Europa etliche Versuche, sich mit der gegenwärtigen Situation zu arrangieren und Laufveranstaltungen mit großen Teilnehmerfeldern und – von Land zu Land unterschiedlich begleitet von Präventionskonzepten – geglückt sind (grob vereinfacht: je nördlicher, desto weniger Maßnahmen und desto größer die Annäherung an die Teilnehmerzahlen von vor der Pandemie) und Absagen wie beispielsweise jene des Frankfurt Marathon am vergangenen Wochenende in der Minderzahl sind, gilt das nicht für die gesamte Welt. In den USA finden die großen Marathonläufe alle statt, die Ausnahme bildet der Marine Corps Marathon in Washington D.C., der ebenfalls letztes Wochenende über die Bühne hätte gesehen sollen.

In Japan finden auch Monate nach den Olympischen Spielen kaum Laufveranstaltungen statt, zuletzt gab der für Mitte März 2022 geplante Shizuoka Marathon bekannt, erneut abzusagen. In Neuseeland wurde der Auckland Marathon von Ende Oktober 2021 auf 23. Jänner mitten in den Sommer der südlichen Hemisphäre verschoben, ebenfalls aufgrund des Pandemiegeschehens. In China finden zwar Großveranstaltungen seit Monaten statt, zuletzt traf die Zero-COVID-Strategie den Wuhan Marathon und den mit rund 30.000 Aktiven geplanten Peking Marathon mit einer sehr kurzfristigen Absage nach entdeckten Infektionen in den jeweiligen Metropolen. Ein international vergleichsweises Vorgehen gab es im Juli 2021 in Australien, als der Gold Coast Marathon mit rund 20.000 Angemeldeten in der Woche des Events abgesagt wurde, weil die Regierung des Bundesstaats Queensland spontan einen mehrtägigen Lockdown verhängte.

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