Läuft bald nur mehr der Schuh?

Ein Laufschuh, der schneller macht – das ist wohl der Traum aller ambitionierten Läuferinnen und Läufer. Seit Nike mit Eliud Kipchoge das Breaking2-Projekt initiierte und 2016 mit einer neuen Bauweise den Laufschuh revolutionierte, dreht sich alles um die grundlegende Frage: Macht mich ein Laufschuh schneller und leistungsstärker? Die Olympischen Spiele in Japan waren dafür ein Gradmesser.

Die Männer-Spitze beim Olympischen Marathon 2021 in Sapporo, angeführt von Olympiasieger Eliud Kipchoge. © SIP / Johannes Langer

Nike vor adidas, Puma, ASICS, On und Saucony, …. Ist das die neue Wertung bei Marathons und anderen Laufevents? Rund um die Olympischen Bewerbe und auch bei den jüngsten Herbstmarathons dominierte schon im Vorfeld die Diskussion um die neuen Laufschuhmodelle. Bei manchen Fachgesprächen überkam einem das Gefühl, dass wir bald ein Szenario wie in der Formel 1 haben werden. Dort werden Rennen wie in Laboren zum großen Teil durch Technik, Technologie und Taktik gewonnen oder verloren. Das ist eine Welt, in der der Unterschied zwischen Autos größer ist als der Unterschied an Fähigkeit unter den Fahrern. Dass wir im Laufsport noch ein Stück davon entfernt sind, zeigen die Ergebnisse bei den Olympiamarathons – wo ganz andere Kriterien ausschlaggebend waren – und diversen Straßenläufen der letzten Wochen. Sie entsprachen nicht immer den Erwartungen, die an die „Schuhe“ gestellt wurden.

Einfluss auf die Laufökonomie

Was nach wie vor fehlt, sind eine kritische Auseinandersetzung und unabhängige wissenschaftliche Untersuchungen, die mögliche Vorteile seriös beschreiben. Aktuell findet man in der Literatur bestenfalls „Studien“ von Freaks in sozialen Medien und Zeitungsberichte, die sich auf vage Ergebnisse von zweifelhaften Tests berufen. Geht es nur um Dämpfungseigenschaften, findet man in der einschlägigen Literatur schon mehr. Dabei wird meist untersucht, welchen Einfluss auf die Laufökonomie Schuhe haben können. Die Ergebnisse sind jedoch nicht einstimmig. Zum einen wird eine Zunahme als auch eine Abnahme der Laufökonomie mit weichen Schuhen gezeigt, während andere Studien teilnehmerspezifische Unterschiede gezeigt haben. Gesichert scheint jedoch die Erkenntnis, dass Laufschuhe mit weicheren und widerstandsfähigeren Zwischensohlen die Laufökonomie beeinflussen können. Dies ist auch im Zusammenhang mit den im Spitzenbereich getragenen Modellen von Relevanz. Denn offensichtlich ist das neue, meist aus TPU bestehende Zwischensohlenmaterial wichtiger als die eingelegten Carbonplatten.

Leichtgewicht vs. Komfort

Für die Leistungssteigerung von Athletinnen und Athleten müssen bislang zahlreiche Aspekte berücksichtigt werden. Relativ gesichert sind die Ergebnisse aus der Biomechanik, die besagen, dass pro 100 Gramm gespartem Gewicht bei den Laufschuhen der Sauerstoffbedarf um ein Prozent reduziert wird. Engagierte Hobbyläufer profitieren in stärkerem Maße aber von den Komforteigenschaften eines Laufschuhs, als dass ihre Laufleistung durch das Laufschuhgewicht gemindert wird. Wer es also mit der Gewichtsreduktion übertreibt, hat noch gar nichts gewonnen. Setzen Sie auf das bewährte Material und die eigene Stärke! Außerdem gibt es ihn schon, den perfekten Laufschuh. Bei der Vielfalt an diversen Modellen ist für jede und jeden etwas dabei. Das Material alleine macht es nicht. Letztlich ist es ein großer Komplex, der zusammenpassen muss – egal ob es um einen Rekordlauf von Eliud Kipchoge oder um eine persönliche Bestleistung bei irgendeinem Volkslauf geht.

Abseits der großen Rennpisten interessierte uns bei RunUp, welche Modelle am ehesten von Hobbyläuferinnen und -läufern getragen werden könnten. Wir durften einige der aktuellen Modelle über mehrere Wochen testen und kamen zu einigen interessanten Ergebnissen.

Das RunUp nahm vier Eliteschuhe genauer unter die Lupe

Deviate Nitro Elite von Puma

Puma zeigt mit dem Deviate Nitro Elite eine starke Performance. Der Schuh verfügt über zwei Lagen des Puma-Dämpfungsschaums Nitro Elite und die bei Puma Innoplate genannte Carbontechnologie, die maximale Responsivität und Antrieb garantiert. Das Nitro Elite-Dämpfungsmaterial kombiniert drei Eigenschaften in idealer Weise: Reaktivität, Dämpfung und extrem leichtes Gewicht. Mit dem Puma Deviate Nitro Elite erhält man einen überraschend alltagstauglichen, gut gedämpften Carbonschuh mit feiner Passform. Puma hat hier wirklich sehr viel richtig gemacht. Das auch noch zu einem vernünftigen Preis. Empfehlung!

Preis: 200 Euro | Gewicht: 190 g (EU 42,5) | Sprengung: 8 mm

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Molly Seidel feierte in Sapporo mit dem Gewinn der Olympischen Bronzemedaille im Marathon den mit Abstand größten Erfolg ihrer Karriere. Der Deviate Nitro Elite von Puma erwies sich als leistungsstarker Begleiter für die relative Newcomerin im Marathon. © SIP / Johannes Langer
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Endorphin Pro² von Saucony

Mit dem Endorphin Pro 2 schickt Saucony die zweite Auflage seines Carbon Racers ins Rennen. Eine verbesserte Schuhgeometrie, die auf Variablen wie Dämpfung, Antriebsplatten, Höhe und Mittelsohlenform basiert, ermöglicht das Maximum aus jedem Schritt rauszuholen. Die Passform dieses Modells sorgt für individuellen, umschließenden Sitz, der das Verrutschen im Schuh minimiert, so dass jeder Schritt mehr zählt. Der Endorphin Pro 2 ist unserer Meinung nach einer der komfortabelsten Racer auf dem Markt.

Preis: 220 Euro | Gewicht: 213 g (EU 42,5) | Sprengung: 8 mm

Mit fast 40 Jahren feierte Malindi Elmore, ehemalige Mittelstreckenläuferin (Bestleistung über 800m und 1.500m aus dem Jahr 2014) im Jänner 2020 ihren zweiten Frühling und verbesserte in Houston den kanadischen Marathonrekord (2:24:50). Auch beim Olympischen Marathon in Sapporo erwies sich der Enorphin Pro2 von Saucony unter ihren Füßen als „Rakete“: die 41-Jährige wurde hervorragende Neunte. © SIP / Johannes Langer

Metaspeed Sky von ASICS

Der Metaspeed Sky hat es bei uns direkt in die Top 3 der Carbon Racer geschafft. Alles wirkt sehr stimmig und den gewissen, erhofften Push liefert er bei jedem Schritt. Zu verdanken ist das der Dämpfung FF BLAST TURBO™, die für eine spürbare Kompression und für ein reaktionsschnelles Tragegefühl unter dem Fuß sorgt. Beim Wettlauf um den schnellsten Marathonschuh kann Asics wieder mitreden. Erfreulich ist, dass er auch breitere Einsatzmöglichkeiten auf der Straße bietet.

Preis: 250 Euro | Gewicht: 210 g (EU42,5) | Sprengung: 5 mm

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Der Olympische Marathon in Sapporo war der dritte Marathonlauf in der Karriere des ehemaligen EM-Medaillengewinners im 5.000m-Lauf, Richard Ringer. Er beendete ihn auf Position 26 und war damit der beste Deutsche in Sapporo. © SIP / Johannes Langer
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Cloudboom Echo von On

On hat mit dem Cloudboom Echo ein sehr gutes Racing-Modell vorgestellt. Er liefert bei entsprechender Pace, vor allem beim Laufen über den Vorfuß, den erwarteten Push nach vorn und bringt daher sehr viel Lauffreude. Er ist wie all diese Modelle leicht und gut auf schnelle Distanzläufe auf dem Asphalt abgestimmt. Kleine Einschränkung ist trotz hohem Komfortlevel die etwas geringe Anpassung des Obermaterials in der Zehenbox.

Preis: 250 Euro | Gewicht: 220 g (EU 42,5) | Sprengung: 9mm

Der Schweizer Routinier Tadesse Abraham, hier bei einem Trainingslauf in Sapporo, ist das Aushängeschild des Schweizer Laufschuhherstellers On. Beim Olympischen Marathon erwischte der 39-Jährige keinen guten Tag und gab auf. Fünf Wochen später erfüllte er beim Vienna City Marathon das EM-Limit für München 2022. © SIP / Johannes Langer
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Anmerkung: Die Laufschuhe wurden von den Herstellern kostenfrei zur Verfügung gestellt. Dies hatte keinen Einfluss auf den Inhalt des Reviews. Siehe den Gesamtbericht mit Bildern und Videos auf RunAustria.at!