Amsterdam Marathon verspricht Spannung

Ein prominentes Elitefeld, eine große Gruppe ostafrikanischer Teilnehmer und die Entscheidung bei den holländischen Meisterschaften versprechen einen spannenden Marathonsonntag in der holländischen Hauptstadt.

© TCS Amsterdam Marathon / Jason Setzer

Lange hing der Amsterdam Marathon 2021 ob seiner Durchführbarkeit am seidenen Faden. Nun findet er nicht nur am geplanten 17. Oktober statt, sondern nach einem Beschluss der holländischen Regierung vor wenigen Wochen auch de facto ohne Einschränkungen, die mit der Pandemie argumentiert würden. Einzig der Zugang der Zuschauer zum Olympiastadion unterliegt Kriterien. Der Amsterdam Marathon setzt als einer der ersten Marathonläufe in Kontinentaleuropa einen weiteren Schritt Richtung „Laufen wie früher“ und das merkt man auch an den Teilnehmerzahlen. Laut holländischen Medien unter Berufung auf den Veranstalter sind über 30.000, alle Bewerbe summiert, für den Amsterdam Marathon registriert – das entspricht in etwa zwei Drittel der Anmeldezahlen von 2019.

RunAustria-Tipp: Der TCS Amsterdam Marathon kann am Sonntag im Livestream auf der Website des Amsterdam Marathon live verfolgt werden. Start ist um 9 Uhr. Eurosport sendet am 11:30 Uhr eine einstündige Zusammenfassung.

Wie in den letzten Jahren auch war der Veranstalter bemüht, hochkarätige Starterfelder zu verpflichten. In den letzten Jahren hat sich der Amsterdam Marathon als einer der wichtigsten und prestigeträchtigsten der Welt außerhalb der World Marathon Majors etabliert und wurde vom Leichtathletik-Weltverband (World Athletics) dafür mit dem Platinum Label ausgezeichnet. Womit der Event zu einem elitären Kreis gehört.

Tola in Favoritenrolle

Nach neun kenianischen Siegen in Folge stehen dieses Mal die Chancen auf einen äthiopischen Sieg hoch. Favorit ist Tamirat Tola, der über eine persönliche Bestleistung von 2:04:06 Stunden verfügt und bei einer Pressekonferenz in Amsterdam am Donnerstagabend optimistische Töne von sich gab. „Die Wetterprognose ist hervorragend. Ich denke daher, es sollte möglich sein, in die Richtung 2:04 Stunden zu laufen.“ Der 30-jährige Olympia-Dritte von Rio (10.000m) und Vize-Weltmeister von London 2017 im Marathon fasst damit den Streckenrekord von Lawrence Cherono ins Auge, dieser ist kurioserweise identisch mit Tolas Bestleistung. Die Wettervorhersage ist übrigens für Amsterdam wirklich gut: bewölkter Himmel, Temperaturen im höchsten einstelligen Bereich und nur leichter Wind.

Äthiopische Phalanx

Die Hauptkontrahenten im Kampf um den Sieg kommen aus dem eigenen Land: Leul Gebresilase, Ayele Abshero und Chalo Deso sind die weiteren Athleten mit Bestleistungen unter 2:05 Stunden. Der 29-jährige Gebresilase konnte bei seinen letzten Auftritten, darunter Rang fünf in Mailand im Frühling, nicht an sein geniales Jahr 2018 anschließen, richtig schlecht gelaufen ist er in letzter Zeit aber auch nicht. Absheros beste Zeiten sind dagegen schon länger her, zuletzt war er Zweiter in Hamburg (2019) und Mumbai (2020). Chalu Desu belegte beim Valencia Marathon 2020 Position sechs.

Aus Kenias Sicht machen sich Laban und Jonathan Korir sowie Kenneth Keter Hoffnungen auf einen Erfolg. Stärkster Nicht-Afrikaner dürfte der Japaner Jo Fukuda sein.

Statt Boston Amsterdam

Bei den Frauen ist möglicherweise jene Läuferin die Favoritin, die als letzte ins Feld gerückt ist. Weil sie ihr Visum für eine Einreise in die USA nicht rechtzeitig bekam, verpasste Angela Tanui den Boston Marathon und startet nun in Amsterdam. Bei der Präsentation hat sich der Veranstalter für die Präsenz von Haven Hailu entschieden, eine 23-jährige Äthiopierin, die im Frühjahr fast drei Minuten hinter Tanui Vierte beim Marathon in Siena war. Die weiteren Kandidatinnen auf eine Zielankunft auf den vorderen Positionen im Olympiastadion von Amsterdam sind die Äthiopierinnen Besu Sado, Gebiyanesh Ayele, Shasho Insermu, Genet Yalew und Worknesh Alemu.

Quartett jagt den Titel

Große Spannung verspricht die Entscheidung bei den holländischen Meisterschaften der Männer. Denn bis auf Olympia-Silbermedaillengewinner Abdi Nageeye sind die stärksten Läufer des Landes dabei: Khalid Choukoud, Michel Butter, Björn Koreman, der 2020 den Marathon im Wiener Prater gewonnen hat, und Frank Futselaar. „Endlich ist der Zeitpunkt gekommen, dass wir wieder in diesem Rahmen einen spannenden Kampf um den Meistertitel ausfechten dürfen“, sagte Michel Butter bei der Pressekonferenz und schob die „deutliche Favoritenrolle“ Khalid Choukoud zu. Choukoud blickt auf ereignisreiche Wochen zurück: erst die Olympia-Teilnahme im Marathon – er stieg aus, dann die Geburt seiner Tochter. Choukoud möchte in Richtung 2:09 Stunden anlaufen, Butter und Futselaar wünschen sich eine Halbmarathon-Durchgangszeit von 1:05:45 Stunden, Koreman will die erste Hälfte etwas zügiger absolvieren: „Ich habe sehr viel Selbstvertrauen, also verfolge ich meinen Plan.“ Für die holländischen Läufer gilt ein EM-Limit von 2:12:30 Stunden, welches am Sonntag im Schaufenster steht. Das ist verschärft, das internationale, das auch für Österreich gilt, liegt bei 2:14:30 Stunden.

Bei den Frauen sind Bo Ummels, die eine persönliche Bestleistung laufen möchte, und Ruth van der Meijden die Favoritinnen auf Gold. Die beiden haben sicherlich nebenbei das EM-Limit von 2:31:30 Stunden im Blick.

TCS Amsterdam Marathon