Altstar Kiplagat bei Überraschungssieg Zweite

Die 41-jährige Edna Kiplagat, Siegerin des Boston Marathon 2017, hat ihren zweiten Erfolg beim ältesten jährlich ausgetragenen Marathonlauf der Welt nur knapp verpasst. Die zweifache Weltmeisterin musste sich lediglich Überraschungssiegerin Diana Kipyogei geschlagen geben.

© Gordon Johnson / Pixabay

Die Kenianerin Diana Kipyogei stürmte in Boston zum größten Erfolg ihrer Karriere. Ein unbeschriebenes Blatt ist die 27-Jährige, die von Manager Gianni Demadonna vertreten wird und im Vorfeld bestenfalls zu den Außenseiterin gehört hat, allerdings nicht. Eine Serie von Siegen zu Karrierebeginn bei Halbmarathonläufen, die nicht zu den wichtigsten der Welt gehören, verbesserte sie auf ein Leistungsniveau von 1:07 Stunden, gewann 2018 in Usti nad Labem und wurde wenig später Fünfte in Valencia, 2019 Zweite bei Rom-Ostia. Der logische Schritt in den Marathon gelang: Sowohl beim Ljubliana Marathon 2019 (Dritte) als auch beim Istanbul Marathon 2020 (Siegerin) lief Kipyogei niedrige 2:22er-Zeiten.

RunAustria-Bericht des Männer-Rennens

Benson Kipruto Boston-Champion 2021

Attacke vor dem Heartbreak Hill

Beim Boston Marathon übernahm Kipyogei auf der zweiten Streckenhälfte immer mehr die Initiative. Vor dem Heartbreak Hill attackierte sie und setzte sich vom Rest der bis Kilometer 25 13-köpfigen Spitzengruppe ab. Mit zehn Sekunden Vorsprung ging die Kenianerin auf die letzten zehn Kilometer, doch bis zum Heartbreak Hill wurde sie von der Äthiopierin Netsanet Gudeta eingeholt. Das Duo ging in die Bergab-Passage Richtung Boston, auf der sich die Kenianerin neuerlich allein in Führung setzen konnte. Der absolut verdiente Sieg war ihr nicht mehr zu nehmen, sie vollendete ihn in einer Zeit von 2:24:45 Stunden. „Ich habe immer wieder über meine Schultern geblickt, aber es ist niemand mehr gekommen“, kommentierte die Siegerin im Ziel. Auch in Abwesenheit der Topfavoritin Angela Tanui, die nicht rechtzeitig zu ihrem Visum für eine Einreise in die USA gekommen ist, sorgten die Kenianerinnen für den ersten kenianischen Sieg in Boston seit vier Jahren. Ab Kilometer 25 lief Kipyogei einen schnellsten 5km-Abschnitt nach dem nächsten, der beste war jener zwischen Kilometer 35 und Kilometer 40, als sie die Vorentscheidung gegenüber Gudeta schaffte.

Diana Kipyogeis Halbmarathon-Splits: 1:14:11 / 1:10:34 Stunden
Diana Kipyegeis 5km-Teilzeiten: 17:36 / 17:24 / 17:43 / 17:41 / 17:08 / 16:53 / 16:29 / 16:17 / 7:34 (2,195 km) Minuten

Edna Kiplagat mit starkem Finish

Die äthiopische Halbmarathon-Weltmeisterin von 2018 verlor im Finale noch ihre zweite Position und musste sich schlussendlich in einer Zeit von 2:26:09 Stunden mit Platz fünf zufrieden geben. Es war dennoch der schnellste Marathon in der Karriere der 30-jährigen Äthiopierin, der für die individuelle Statistik zählt, aufgrund der Streckencharakteristik in Boston allerdings nicht für offizielle Bestenlisten.

Hinter dem Spitzenduo hatte sich in den hügeligen Streckenpassagen rund um Kilometer 30 ein kenianisches Verfolgertrio gebildet, welches bei Kilometer 35 eine halbe Minute Rückstand auf Kipyogei hatte. Nun folgte die beste Phase im Rennen von Edna Kiplagat, die sich auf den letzten Kilometern aus dieser Dreiergruppe absetzte, rund vier Kilometer vor dem Ziel Gudeta überholte und in einer Zeit von 2:25:09 Stunden Zweite wurde. Genauso wie 2019 übrigens. Vor zehn Jahren war Edna Kiplagat erstmals Marathon-Weltmeisterin und wiederholte diesen Erfolg zwei Jahre später.

Edna Kiplagats Halbmarathon-Splits: 1:14:13 / 1:10:56 Stunden
Edna Kiplagats 5km-Teilzeiten: 17:37 / 17:25 / 17:42 / 17:41 / 17:07 / 17:03 / 16:49 / 16:14 / 7:31 (2,195 km) Minuten

Auch Mary Ngugi, 2014 Vize-Weltmeisterin im Halbmarathon sowie 2016 WM-Dritte und Witwe des verstorbenen Olympiasiegers von Peking 2008, Samuel Wanjiru, und Monica Ngige huschten noch an Gudeta vorbei. Die 32-jährige Ngugi verbuchte eine neue persönliche Bestzeit, die 27-jährige Ngige feierte ihr Marathon-Debüt. Einen kenianischen Vierfachsieg hat es beim Boston Marathon der Frauen übrigens noch nie gegeben. 2012 lagen drei Kenianerinnen an der Spitze.

Rojas dringt in erste Reihe der US-Marathonläuferinnen

Für die bekanntesten US-Läuferinnen war der Boston Marathon 2021 kein Erfolg. Für die erste Überraschung sorgte Molly Huddle bereits am Freitag: Sie verkündete in Boston ihre Schwangerschaft und damit ihren Startverzicht und hofft, im Herbst 2022 wieder auf die Laufbühne zurückzukehren. Jordan Hasay, die ihre Zusammenarbeit mit Paula Radcliffe wieder beendet hat, kommt weiter nicht auf die Sprünge. Bereits nach zehn Kilometern konnte sie das Tempo der Spitzengruppe nicht mehr mitgehen, obwohl dies nicht allzu schnell war und noch gut 20 Athletinnen sich dort aufhielten. Nach zwei Dritteln der Distanz flog sie aus den Top-30 und beendete den langsamsten Marathon ihrer Karriere hinter Shalane Flanagan, die ihre spitzensportliche Laufbahn längst beendet hat und den Chicago Marathon vom Vortag in den Knochen hatte. Hasays neuer Trainer Pete Julian wird nun versuchen, die ehemals zweimal Drittplatzierte des Boston Marathon wieder aufzubauen. Und 2018-Überraschungssiegerin Desiree Linden verlor nach 15 Kilometern den Anschluss, lief dann konstant auf Rang 20 und erreichte das Ziel weit weg von Spitzenplätzen in einer Zeit von 2:35:25 Stunden. Sie will in vier Wochen beim New York City Marathon dabei sein.

Dennoch konnten sich einige US-Läuferinnen insbesondere zu Beginn gut in Szene setzen. Einen starken Eindruck hinterließ Nell Rojas. Die ehemalige Triathletin lief lange Zeit weit vorne mit in der Spitzengruppe und musste erst am Heartbreak Hill zur Topgruppe abreißen. Lassen. Sie lief den Marathon aber gut zu Ende und verzeichnete in einer Zeit von 2:27:12 Stunden eine neue persönliche Bestleistung – den hervorragenden sechsten Platz bei einem World Marathon Major inklusive.

Ergebnis Boston Marathon 2021 der Frauen

  1. Diana Kipyokei (KEN) 2:24:45 Stunden
  2. Edna Kiplagat (KEN) 2:25:09 Stunden
  3. Mary Ngugi (KEN) 2:25:32 Stunden *
  4. Monicah Ngige (KEN) 2:25:32 Stunden **
  5. Netsanet Gudeta (ETH) 2:26:09 Stunden *
  6. Nell Rojas (USA) 2:27:12 Stunden *
  7. Workenesh Edesa (ETH) 2:27:38 Stunden
  8. Atsede Baysa (ETH) 2:28:04 Stunden
  9. Biruktayit Eshetu (ETH) 2:29:05 Stunden
  10. Tigist Abayechew (ETH) 2:29:06 Stunden
  11. Caroline Rotich (KEN) 2:29:54 Stunden
  12. Elaina Tabb (USA) 2:30:33 Stunden **
  13. Dakotah Lindwurm (USA) 2:31:04 Stunden
  14. Mare Dibaba (ETH) 2:32:29 Stunden
  15. Caroline Chepkoech (KEN) 2:33:03 Stunden **
  16. Susanna Sullivan (USA) 2:33:22 Stunden *
  17. Desiree Linden (USA) 2:35:25 Stunden
  18. Paige Stoner (USA) 2:35:55 Stunden
  19. Emma Spencer (USA) 2:36:33 Stunden *
  20. Caitlin Phillips (USA) 2:37:01 Stunden

    25. Helah Kiprop (KEN) 2:38:05 Stunden
    33. Shalane Flanagan (USA) 2:40:34 Stunden
    35. Jordan Hasay (USA) 2:41:43 Stunden

* neue persönliche Bestleistung
** Marathon-Debüt

John Hancock Boston Marathon

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