Junior Noah Kibet überrascht in Nairobi

Beim letzten World Athletics Continental Tour Meeting der Saison in Nairobi gab es neben vielen Favoritensiegen auf den Laufdistanzen eine große Überraschung. Junioren-WM-Medaillengewinner Noah Kibet stahl seinen arrivierten Landsleuten die Show.

Das Kasarani Stadion war heuer Austragungsort der Junioren-WM. © Olaf Brockmann

17 Jahre jung ist Noah Kibet, der in diesem Jahr die kenianischen Trials für die Junioren-WM in der Hauptstadt gewinnen konnte und bei den Titelkämpfen als zweitbester Kenianer hinter dem umjubelten Sieger und als Wunderkind angepriesenen Emmanuel Wanyonyi über die Bronzemedaille jubelte. Nun hat er gegen arrivierte Konkurrenz im Moi International Sports Centre Kasarani in Nairobi unter Beweis gestellt, welch tolles Mittelstreckentalent auch er ist. Mit einer beeindruckenden Selbstverständlichkeit nahm der Jungspunt das Heft in die Hand, attackierte auf der Gegengerade und ging dank seiner Tempoverschärfung mit einem beträchtlichen Vorsprung in die Kurve. Diesen Abstand auf die Konkurrenz hielt der 17-Jährige bis ins Ziel, welches er in einer Zeit von 1:44,97 Minuten erreichte. Damit verpasste er seine persönliche Bestleistung von der Junioren-WM nur um einen Wimpernschlag.

Den Spurt um Rang zwei gewann Collins Kipruto vor Cornelius Tuwei und Michael Saruni. Ferguson Rotich, der neben zwei Siegen im Rahmen von Diamond-League-Meeting auch bei hochkarätigsten Rennen in dieser Saison nie schlechter als Fünfter war, musste sich mit Rang fünf in einer Zeit von 1:46,22 Minuten zufrieden geben.

El Bakkali souverän

Für den einzigen nicht-kenianischen Sieg in neun Laufentscheidungen sorgte standesgemäß der 3.000m-Hindernislauf-Olympiasieger Soufiane El Bakkali. Der Marokkaner diktierte die Schlussrunde und setzte sich in einer Zeit von 8:21,20 Minuten vor dem Kenianer Abraham Kibiwot und Chala Beyo aus Äthiopien durch. Zwei Kenianer enttäuschten: Amos Serem, der davon in kenianische Medien angekündigt hat, das einzige Ziel wäre ein kenianischer Sieg, wurde Vierter, Diamond-League-Sieger Benjamin Kigen in einer Zeit von 8:40,26 Minuten abgeschlagener Sechster.

Chespol meldet sich zurück

Die hochkarätigste Laufentscheidung bei den Frauen war der 3.000m-Hindernislauf der Frauen. Für den ersten Aufregen des Rennens sorgte Olympia-Medaillengewinnerin Hyvin Kiyeng, die zu Rennmitte bei einem Hindernis zu Fall kam und unter Schmerzen ausstieg. Celliphine Chespol, die nach etlichen Verletzungen in den letzten Jahren erst zu Saisonschluss in ihr Wettkampfjahr eingestiegen ist, erhöhte drei Runden vor Schluss das Tempo und setzte sich aus der Spitzengruppe ab. Sie siegte nach einem tollen Alleingang in einer Zeit von 9:30,55 Minuten vor Fancy Cherono und Jackline Chepkoech, die erst auf der Zielgerade den Rückstand zur Siegerin etwas verkürzen konnten. Es war der erste Sieg der 22-Jährigen, die im April bei einem Trainingslauf von einem Auto angefahren wurde und ins Krankenhaus eingeliefert wurde, auf internationalem Parkett seit der Goldmedaille bei den Junioren-Weltmeisterschaften 2018. Olympiasiegerin Peruth Chemutai kam nicht ins Ziel.

Kipyegon über 1.500m unangefochten

Über 1.500m wurde Olympiasiegerin Faith Kipyegon auf heimischem Terrain ihrer Favoritenrolle gerecht. Im Vergleich zu vielen anderen ihrer Wettkämpfe im Jahr 2021 war der Lauf in Nairobi naturgemäß nicht so hochkarätig angepact. Die 27Jährige kontrollierte das Rennen nach Belieben und diktierte auch in der schnellen Schlussrunde das Tempo. In einer Zeit von 4:02,40 Minuten verwies sie die junge Äthiopierin Hirut Meshesha auf den zweiten Platz, die überraschenderweise schneller war als ihre Landsfrau Freweyni Gebreezibeher, die eine starke Saison gelaufen ist.

Richtig schnell los ging’s im 800m-Lauf der Frauen und zwar so schnell, dass Tempomacherin Janette Jepkoech das Tempo nicht mehr halten konnte und direkt beim Glockenton von hinten einen Stoß bekam und auf die Bahn knallte. Nach einer Zwischenzeit in unter 57 Sekunden entwickelte sich das erwartbare Duell zwischen Mary Moraa aus Kenia und Halimah Nakaayi aus Uganda um den Sieg. Moraa lag die gesamte zweite Runde über vorne, die Weltmeisterin holte in der Kurve deutlich auf, konnte aber nicht mehr vorbeiziehen. Für die 21-jährige Lokalmatadorin war es der zweite Sieg in der World Athletics Continental Tour Gold nach jenem in Turku.

Siege für Krop, Kipkemboi, Keter und Kiplimo

Das Duell um den Sieg im 5.000m-Lauf ging an Jacob Krop, der sich in einer Zeit von 13:23,50 Minuten knapp gegen Nicholas Kimeli durchsetzte. Im Schatten der beiden in den letzten Jahren besten kenianischen 5.000m-Läufer der Jetzt-Zeit wurde Junioren-Weltmeister Benson Kiplagat Dritter (13:25,28). Bei den Frauen dominierte Margaret Kipkemboi in einer Zeit von 14:55,27 Minuten.

Vincent Keter lief über 1.500m in die Nähe seiner persönlichen Bestleistung und siegte in 3:35,99 Minuten vor Abdelatif Sadiki aus Marokko und Kasaye Adehena aus Äthiopien. Der favorisierte Philemon Kiplimo siegte über 10.000m vor Reuben Longoswia und Geoffrey Kipchumba.

Das Kip Keino Classic ist das wichtigste Leichtathletik-Meeting Afrikas und war zum zweiten Mal in Folge Teil der World Athletics Continental Tour (Gold). Aus organisatorischen Gründen hatte sich der Veranstalter kurzfristig entschieden, es nicht im Nyayo Stadium sondern im Moi Sports Centre auszutragen. Aufgrund der Pandemie-Situation in Kenia waren wie im Vorjahr keine Zuschauer zugelassen.

Ergebnisse Kip Keino Classic 2021

800m-Lauf der Frauen

  1. Mary Moraa (KEN) 2:00,11 Minuten
  2. Halimah Nakaayi (UGA) 2:00,63 Minuten
  3. Noélie Yarigo (BEN) 2:02,98 Minuten
  4. Eglay Nalyanya (KEN) 2:03,50 Minuten
  5. Mebrhit Mekonen (ETH) 2:03,55 Minuten

    8. Deborah Rodriguez (URU) 2:05,07 Minuten

800m-Lauf der Männer

  1. Noah Kibet (KEN) 1:44,97 Minuten
  2. Collins Kipruto (KEN) 1:45,68 Minuten
  3. Cornelius Tuwei (KEN) 1:45,90 Minuten
  4. Michael Saruni (KEN) 1:45,97 Minuten
  5. Ferguson Rotich (KEN) 1:46,22 Minuten
  6. Erik Sowinski (USA) 1:46,28 Minuten
  7. Aurele Vandeputte (BEL) 1:46,30 Minuten
  8. Abedin Mujezinovic (BIH) 1:47,23 Minuten
  9. Wesley Vazquez (PUR) 1:48,80 Minuten

1.500m-Lauf der Frauen

  1. Faith Kipyegon (KEN) 4:02,40 Minuten
  2. Hirut Meshesha (ETH) 4:03,01 Minuten
  3. Fremweyni Gebreezibeher (ETH) 4:04,39 Minuten
  4. Judith Kiyeng (KEN) 4:06,09 Minuten
  5. Axumawit Embaye (ETH) 4:06,95 Minuten
  6. Edina Jebitok (KEN) 4:07,56 Minuten

    10. Mercy Cherono (KEN) 4:09,64 Minuten

1.500m-Lauf der Männer

  1. Vincent Keter (KEN) 3:35,99 Minuten
  2. Abdelatif Sadiki (MAR) 3:36,63 Minuten
  3. Adihena Kasaye (ETH) 3:38,18 Minuten
  4. Hiss Bachir (DJI) 3:39,07 Minuten
  5. Melkamu Webu (ETH) 3:42,12 Minuten
  6. Boaz Kiprugut (KEN) 3:43,25 Minuten

3.000m-Hindernislauf der Frauen

  1. Celliphine Chespol (KEN) 9:30,55 Minuten
  2. Fancy Cherono (KEN) 9:32,50 Minuten
  3. Jackline Chepkoech (KEN) 9:33,64 Minuten
  4. Daisy Jepkemei (KAZ) 9:38,74 Minuten
  5. Purity Kirui (KEN) 9:52,88 Minuten
  6. Lomi Muleta (ETH) 9:53,10 Minuten
    DNF Hyvin Kiyeng (KEN)
    DNF Peruth Chemutai (UGA)

3.000m-Hindernislauf der Männer

  1. Soufiane El Bakkali (MAR) 8:21,20 Minuten
  2. Abraham Kibiwot (KEN) 8:22,33 Minuten
  3. Chala Beyo (ETH) 8:23,37 Minuten
  4. Amos Serem (KEN) 8:25,30 Minuten
  5. Samuel Firewu (ETH) 8:32,38 Minuten
  6. Benjamin Kigen (KEN) 8:40,.26 Minuten

5.000m-Lauf der Frauen

  1. Margaret Kipkemboi (KEN) 14:55,27 Minuten
  2. Eva Cherono (KEN) 15:12,16 Minuten
  3. Lilian Rengeruk (KEN) 15:17,71 Minuten
  4. Loice Chemnung (KEN) 15:28,27 Minuten
  5. Meskerem Mamo (ETH) 15:37,48 Minuten

5.000m-Lauf der Männer

  1. Jacob Krop (KEN) 13:23,50 Minuten
  2. Nicholas Kimeli (KEN) 13:23,99 Minuten
  3. Benson Kiplagat (KEN) 13:25,28 Minuten
  4. Habtom Samuel (ERI) 13:31,10 Minuten
  5. Raynold Kipkorir (KEN) 13:39,07 Minuten *

    12. Edward Zakayo (KEN) 14:02,25 Minuten

10.000m-Lauf der Männer

  1. Philemon Kiplimo (KEN) 28:37,96 Minuten
  2. Reuben Longosiwa (KEN) 28:38,97 Minuten
  3. Geoffrey Kipchumba (EKN) 28:38,99 Minuten

* 5.000m-Debüt

Absa Kip Keino Classic

World Athletics Continental Tour