Olympisches Wochenende, Vorschau: 1.500m mit Hochspannung und die langen Strecken

Sifan Hassan holt zum Doppelschlag über 1.500m und 10.000m aus, muss aber mit starker Gegenwehr rechnen.

© Public Domain Pictures / Pixabay

Auch wenn man bei Sifan Hassan wirklich nie genau weiß, wozu sie imstande ist und daher alles möglich scheint – so wirklich wahrscheinlich ist es nicht, dass sie nach der Goldmedaille im 5.000m-Lauf am kommenden Wochenende binnen 24 Stunden noch sowohl die Goldmedaille im 1.500m-Lauf als auch jene im 10.000m-Lauf nachlegt. Dafür gibt es diverse Gründe, die wichtigsten: Erstens, die leistungsstarke Konkurrenz, angeführt von Faith Kipyegon und Letesenbet Gidey, die sich auf ihre Spezialdistanzen reduzieren und damit mit viel mehr Kraftreserven in ihre Wettkämpfe gehen können. Zweitens, die Bedingungen in Tokio sind fordernd und verlangen auch in vermeintlich leichten Aufgaben wie das Überstehen von Vorrunden einiges ab. Drittens, die Historie zeigt, welch Besonderheit drei Individuelle Olympische Goldmedaillen bei ein und demselben Ereignis sind. Fanny Blankers-Koen, ausgerechnet eine Holländerin wie Sifan Hassan, schaffte dieses Kunststück 1948 in London auf den Sprintdistanzen inklusive Hürdensprint. Paavo Nurmi 1924, Jesse Owens 1936 und Emil Zatopek (1952) jubelten auch dreimal. Alles große Namen, aber sie eint, dass diese historischen Großtaten aus einer anderen Zeit stammen.

1.500m-Lauf der Frauen – Freitag, 6. August um 21:50 Uhr Ortszeit (14:50 MEZ)
Olympiasiegerin 2016: Faith Kipyegon (Kenia)
Zweifach-Olympiasiegerin: Tatyana Kazankina (UdSSR)
Erfolgreichste Nation *: UdSSR/Russland mit vier Olympiasiegen
Olympischer Rekord: Paula Ivan (Rumänien) in 3:53,96 Minuten (Seoul 1988)
Olympische Medaillengewinnerinnen im Feld: Faith Kiyegon (Gold 2016)
Amtierende Weltmeisterin: Sifan Hassan (Niederlande)
Favoritinnen: Faith Kipyegon (Kenia), Sifan Hassan (Niederlande)

* der 1.500m-Lauf der Frauen stand erstmals 1972 auf dem Programm

Wer fordert Hassan?

Am Freitagnachmittag mitteleuropäischer Zeit um 14:50 Uhr steigt das Finale über 1.500m der Frauen und Faith Kipyegon hat sowohl im Vorlauf als auch im Halbfinallauf untermauert, dass sie keinen Spaß versteht. Mit bitterem Ernst krachte sie eine Zeit von 3:56,80 Minuten auf die Bahn, um Hassan zu zeigen, was sie zu erwarten hat: ein schnelles Rennen. Daran dürfte im Übrigen auch Laura Muir interessiert sein, womit Hassan nicht erwarten kann, die ersten beiden Runden locker-flockig an letzter Stelle zu verträumen. Trotz der schier unendlichen Klasse Hassans wäre sie selbst ohne Doppel- und Dreifachbelastung im Duell mit der Kenianerin nicht zwingend die Favoritin. Das letzte große Duell in Florenz ging an Kipyegon – und wie! Kenianischer Landesrekord und zweieinhalb Sekunden Vorsprung. Die Kenianerin kann nämlich der enormen Endschnelligkeit in der letzten Runde von Hassan widerstehen.

Kipyegon und Hassan in eigener Liga

Nun ist es sicherlich so, dass Hassan von dreimal Gold träumt, aber sicherlich nicht vor Enttäuschung den Kopf in den Sand stecken, wenn zur Goldmedaille im 5.000m-Lauf „nur“ niederwertigeres Edelmetall hinzu käme. Aber eine Medaille, das ist angesichts der letzten Leistungen in dieser Disziplin wohl das Minimalziel der Meilenweltrekordhalterin und amtierenden Weltmeisterin. Denn Kipyegon und Hassan agierten im 1.500m-Lauf in letzter Zeit auf einem eigenen Level. Zumal die WM-Dritte Gudaf Tsegay, die den 5.000m-Lauf bevorzugte, und die WM-Vierte Shelby Houlihan wegen Doping-Suspendierung erst gar nicht in Tokio sind.

Und so bleiben mit Fremwenyi Hailu und Europameisterin Laura Muir, die sich mit so viel Sehnsucht und Akribie auf dieses Finale vorbereitet hat und seelischen Ausgleich für das Rennen in Rio erhofft, als sie alles riskierte, um auf Gold zu gehen, und in der letzten Runde alles verlor, als zwei Athletinnen, die potenziell in das große Duell zwischen Kipyegon und Hassan eingreifen könnten. Und das obwohl das Finale eine enorme Qualität aufweist: Nur vier der 13 Finalistinnen sind in diesem Jahr noch nicht unter vier Minuten gelaufen, die meisten sind in den Tagen von Tokio in Topform: Jessica Hull verbesserte im Halbfinale den australischen, Nozomi Tanaka den japanischen Rekord. Dazu sind Gabriela DeBues-Stafford aus Kanada und Elinor Purrier aus den USA für eine Spitzenplatzierung gut.

Die Weltrekordtage von Hengelo

Was sich Anfang Juni im Fanny Blankers-Koen Stadion von Hengelo abgespielt hat, hat Seltenheit in der Leichtathletik-Geschichte. Am 6. Juni verbesserte Sifan Hassan den 10.000m-Weltrekord von Almaz Ayana um über zehn Sekunden. Das war beim World Continental Tour Meeting. Zwei Tage später im Rahmen der äthiopischen Trials steigerte Letesenbet Gidey Hassans neuen Weltrekord um fast sechs Sekunden auf eine Zeit von 29:01,03 Minuten. Die 23-Jährige ist auch schon Weltrekordhalterin im 5.000m-Lauf, dieses Doppel gab es zuletzt mit Ingrid Kristiansen.

Angesichts dieser Fabelzeiten wäre es fast absurd überhaupt in Betracht zu ziehen, dass eine Dritte Olympiasiegerin werden würde. Ganz ausgeschlossen ist dies nicht, aber Gidey und Hassan sind die klaren Favoritinnen. Die Äthiopierin hat den Vorteil, erst jetzt in die Leichtathletik-Entscheidungen dieser Spiele einzusteigen, während Hassan mit der Vorbelastung zweier Finals und dreier Vorrunden ins Rennen gehen wird. Das Resultat der amtierenden Weltmeisterin könnte auch davon abhängen, mit welchen Emotionen sie aus dem 1.500m-Finale am Abend davor ins Bett geht. Hassan hat den Vorteil der atemberaubend schnellen letzten Runde, das hat 2019 bei den Weltmeisterschaften in Doha im Duell der beiden hervorragend funktioniert.

10.000m-Lauf der Frauen – Samstag, 7. August um 19:45 Uhr Ortszeit (12:45 Uhr MEZ)
Olympiasiegerin 2016: Almaz Ayana (Äthiopien)
Zweifach-Olympiasiegerin: Derartu Tulu und Tirunesh Dibaba (beide Äthiopien)
Erfolgreichste Nation *: Äthiopien mit fünf Olympiasiegen
Olympischer Rekord: Almaz Ayana (Äthiopien) in 29:17,45 Minuten (Rio 2016)
Olympische Medaillengewinnerinnen im Feld: keine
Amtierende Weltmeisterin: Sifan Hassan (Niederlande)
Favoritinnen: Sifan Hassan (Niederlande), Letesenbet Gidey (Äthiopien)

* der 10.000m-Lauf der Frauen stand erstmals 1988 auf dem Programm

Auch wenn die Scheinwerfer naturgemäß auf das Duo gelenkt sind, es sind zwei weitere Topstars der Szene am Start. Hellen Obiri, Silbermedaillengewinnerin im 5.000m-Lauf, versucht als unerfahrene 10.000m-Läuferin ihr Glück. Für sie gilt: Obwohl die Distanz die doppelte ist, die Läuferinnen sind also mehr als doppelt so lange den schwierigen Bedingungen ausgesetzt, wird sie frühzeitig forcieren müssen, um eine Chance auf den ganz großen Coup zu haben. Wahrscheinlich sogar, um eine Chance auf eine Medaille zu haben. Die große Unbekannte ist die deutsche Rekordhalterin Konstanze Klosterhalfen, die ihren zweiten 10.000m-Lauf überhaupt bestreiten wird. Es gibt kaum Vorwerte aus den letzten beiden Jahren, weil sie den Frühjahr aus Verletzungsgründen verpasste. Daher lautet ihr Motto: befreit auflaufen und alles in die Waagschale zu werfen.

Weitere leistungsstarke Läuferinnen im 29 Läuferinnen umfassenden Feld sind die Äthiopierinnen Tsehay Gemechu und Tsigie Gebreselama, Kalkidan Gezahegne, die für den Bahrain an den Start geht, die Türkin Yasemin Can und die Britin Eilish McColgan, die ihren enttäschenden Auftritt im 5.000m-Vorlauf vergessen machen will.

Alle jagen Cheruiyot

Die imposante Siegesserie von Timothy Cheruiyot in 1.500m-Läufen wurde an dieser Stelle schon öfters dokumentiert und zitiert. Sie ist aber so beeindruckend, dass sie vor dem Olympischen Finale von Tokio eine weitere Erwähnung verdient. Seitdem der Kenianer das Diamond-League-Finale 2017 in Zürich als frisch gebackener Vize-Weltmeister von London gewonnen hat, lag er bis heute in nur vier 1.500m-Rennen nicht an der Spitze: 2018 bei den beiden Meisterschaftsrennen bei den Commonwealth Games und Afrikameisterschaften, wo jeweils sein Trainingspartner Elijah Manangoi, später wegen eines Vergehens gegen den Anti-Doping-Code gesperrt, die Nase vorne hatte, zu Saisonauftakt 2019 beim Diamond-League-Meeting in Doha (ebenfalls Zweiter) und bei den Kenya Trials 2021, wo er nur Vierter war. Sprich, der kenianische Verband hätte beinahe auf jenen Mann in Tokio verzichtet, der neuen Diamond-League-Rennen in Folge (bei Teilnahme) gewonnen hat und das meistens in absoluter Souveränität. Es wäre grotesk gewesen. Dass Kamar Etiang, Zweiter der Trials, in keinem internationalen Anti-Doping-Pool ist, was von der „Hochrisikonation“ Kenia verlangt wird, kam Cheruiyot wie dem Verband gelegen. Die Rochade brachte den haushohen Favoriten zurück ins Geschäft.

In Doha, Stockholm und Monaco hat der 25-Jährige in drei Diamond-League-Rennen in dieser Saison gezeigt, warum er die Goldmedaille gewinnen wird. Bei den Trials scheiterte er nur, weil er körperlich nicht fit war. Mittlerweile ist er das wieder. Cheruiyot wird den Finallauf wohl von vorne bestreiten, mit einem sehr hohen Tempo in der ersten Runde. So wie er schon oft gelaufen ist, nie wurde er überholt. Außer in Vor- und Halbfinallauf, wo er es gestattete. „Ich habe oft darüber nachgedacht, wie ich im Olympischen Finale 2016, das in einer sehr langsamen Zeit gewonnen wurde, performed hätte“, gestand er in einem ausführlichen Porträt auf der Website des Leichtathletik-Weltverbandes (World Athletics) im Jahr 2017. Auch damals war Cheruiyot Vierter bei den Trials, als junger Athlet.

1.500m-Lauf der Männer – Samstag, 7. August um 20:40 Uhr Ortszeit (13:40 Uhr MEZ)
Olympiasieger 2016: Matt Centrowitz (USA)
Zweifach-Olympiasieger: James Lightbody (USA) und Sebastian Coe (Großbritannien)
Erfolgreichste Nation: Großbritannien mit fünf Olympiasiegen
Olympischer Rekord: Abel Kipsang (Kenia) in 3:31,65 Minuten (Tokio 2021, Halbfinale)
Olympische Medaillengewinner im Feld: Matt Centrowitz (Gold 2016), Nick Willis (Silber 2008, Bronze 2016) *
Amtierender Weltmeister: Timothy Cheruiyot (Kenia)
Favorit: Timothy Cheruiyot (Kenia)

* beide sind im Halbfinale ausgeschieden

Ingebrigtsen und McSweyn noch ohne globales Edelmetall

Cheruiyots Favoritenrolle ist einzementiert – und das obwohl er bei seiner Olympia-Premiere ein extrem starkes Feld als Konkurrenz spüren wird. Jakob Ingebrigtsen, auch er wird seine Olympische Premiere feiern. Stewart McSweyn, Australiens Rekordläufer. Im Gegensatz zu Cheruiyot, der in Doha 2019 überlegen Weltmeister wurde, haben beide noch keine globalen Medaillen gewonnen. Als Ingebrigtsen 2018 das EM-Rennen von Berlin dominierte, war die Konkurrenzsituation nicht vergleichbar mit jenem, was ihn am Samstag erwartet.

Das Supertalent aus Skandinavien abzuschreiben wäre aber ein Fehler. Er scheint gereift zu sein, nachdem er bei der WM 2019 zweimal leer ausging, und wäre in Tokio gerne auch im 5.000m-Lauf am Start gewesen. Der Zeitplan ließ es nicht zu. Trainer-Vater Gjert sagte unlängst im norwegischen Fernsehen: „Ich habe keinen Zweifel daran, dass Jakob der beste 1.500m-Läufer der Welt ist!“ Dieser Logik entsprechend müsste er als erster Europäer seit Fermin Cacho 1992 in Barcelona Olympiasieger werden. In seinem einzig richtig schnellen 1.500m-Lauf des Jahres musste sich der Norweger in Monaco Cheruiyot und Mohamed Katir geschlagen geben, aber in Florenz bestach er im 5.000m-Lauf und demonstrierte, dass er die Großen besiegen kann. Aus seiner Sicht wäre der Samstag der perfekte Moment für seinen ersten Sieg über Cheruiyot überhaupt.

Auch McSweyn spekuliert mit Edelmetall, nicht erst, seit er in Monaco erstmals unter 3:30 Minuten gelaufen ist. Der von Nic Bideau trainierte Australier ist nicht der allerstärkste auf der Zielgerade, das könnte ein Nachteil sein. Nach dem Halbfinallauf hoffte er, dass er im Finale nicht allzu viel Zeit an der Spitze des Feldes verbringen müsse. Sein Spagat: Er braucht ein schnelles Rennen ob der Nachteile auf den letzten Metern, will sich aber nicht zu sehr verausgaben, um in der Schlussphase noch mitmischen zu können.

Britisches Trio und luxemburgischer Finalist

Cheruiyot, Ingebrigtsen, McSweyn. Diese Podestbesetzung wäre eine durchaus logische nach den letzten Jahren. Aber Olympische Spiele sind kein Wunschkonzert und das Feld in seiner vollen Breite hoch qualitativ. Als einzige Nation hat Großbritannien drei Finalisten am Start: Jake Wightman, der seinen Halbfinallauf gewann, Josh Kerr, möglicherweise die Nummer eins des Teams, und der talentierte Jake Heyward. Nach seinem Olympischen Rekord im Halbfinale fühlt sich wohl auch Abel Kipsang zu höherem berufen, der zweite Australier Oliver Hoare ist einer der Shootingstars der Saison und dem jungen US-Amerikaner Cole Hocker stehen als Außenseiter alle Türen offen. Mit Ignacio Fontes und Adel Mechaal sind gleich zwei Spanier dabei, für einen bunten Farbtupfer sorgt Charles Grethen aus Luxemburg.

Zweite Chance für Uganda

Nachdem Joshua Cheptegei und Jacob Kiplimo über 10.000m mit Silber und Bronze zufrieden sein mussten, bietet sich am Freitag im 5.000m-Lauf ihre zweite Chance. Die Entscheidung auf der kürzeren Langstrecke ist irgendwie a priori kurios. Denn nur einer der Top-Sieben in der Weltrangliste steht im 16-köpfigen Finale und das ist der Spanier Mohamed Katir, von dem vor wenigen Monaten niemand ein Stück Brot genommen hätte.

Das ist ein Grund, warum der 5.000m-Lauf ziemlich offen scheint. Der zweite ist jener, dass Cheptegei nach einer Verletzung im Frühjahr im Wettkampfsommer 2021 bei weitem nicht das Leistungsvermögen des letzten Jahres hat und demnach nicht mehr in einer eigenen Liga läuft. Listet man die Finalteilnehmer laut Saisonbestleistungen, liegt keiner der Ugander (Oscar Chelimo ist der dritte) in den Top-Drei, gewinnen können Cheptegei und Kiplimo mit ihren Stärken auf der letzten Runde trotzdem. Mohammed Ahmed führt sie vor Katir und Justyn Knight an.

Schlägt also die Stunde Kanadas bei erwartet hohen Temperaturen mit hoher Luftfeuchtigkeit? Das kanadische Team, das sich in Gifu akklimatisiert hat, hofft darauf, mit der Doppelsitze aus einem erfahrenen Routinier und einem jungen Unbekümmerten mit starker Bestleistung auf der Unterdistanz in die Medaillen laufen zu können. Der 30-jährige Ahmed, Sechster über 10.000m, kennt das Gefühl von Edelmetall um den Hals. Bei der WM 2019 kam er als Dritter ins Ziel. Bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio wurde er Vierter. Ahmed ist Teil des Bowerman Track Clubs in Oregon, Knight entstammt dem US-College-System und trainiert in Boston. Der WM-Neunte machte in diesem Jahr einen enormen Entwicklungssprung und lief in Florenz eine Zeit von 12:51,93 Minuten.

5.000m-Lauf der Männer – Freitag, 6. August um 21:00 Uhr Ortszeit (14:00 Uhr MEZ)
Olympiasieger 2016: Mo Farah (Großbritannien)
Zweifach-Olympiasieger: Lasse Viren (Finnland) und Mo Farah (Großbritannien)
Erfolgreichste Nation: Finnland mit sieben Olympiasiegen
Olympischer Rekord: Kenenisa Bekele (Äthiopien) in 12:57,82 Minuten (Peking 2008)
Olympische Medaillengewinner im Feld: Paul Chelimo (Silber 2016)
Amtierender Weltmeister: Muktar Edris (Äthiopien)
Favoriten: Joshua Cheptegei (Uganda), Jacob Kiplimo (Uganda), Mohamed Katir (Spanien), Nicholas Kimeli (Kenia)

Schafft Katir auf bei Olympia sie Sensation?

Der Aufsteiger der Saison ist aber dennoch ein anderer: Mohamed Katir gewann wie aus dem Nichts das Diamond-League-Rennen in Gateshead, stabilisierte sich dann auf hohem Niveau in der Weltklasse und gewann erneut ein Diamond-League-Rennen in Gateshead über 3.000m. Besonders beeindruckend war in den erwähnten Rennen der Speed über die letzten zwei bis drei Runden. Auch der Kenianer Nicholas Kimeli zeigte sich im Vorlauf von seiner besseren Seite und ist ein Medaillenkandidat, obwohl er im laufenden Kalenderjahr noch nie unter 13 Minuten gelaufen ist.

Dagegen befinden sich die drei US-Amerikaner um Rio-Olympia-Silbermedaillengewinner Paul Chelimo nur in der Rolle der Außenseiter. Wie im übrigen auch die Äthiopier, die mit Muktar Edris den Weltmeister von 2017 und 2019 stellen. Edris hat sich bei den Trials aber nicht qualifizieren können, Selemon Barega und Yomif Kejelcha konzentrierten sich auf den 10.000m-Lauf. Vom blutjungen Team ist nach dem Vorlauf nur noch Milkesa Mengesha übrig. Ein Einzelkämpfer wie Kimeli bei den Kenianern.

Die schwierige Wahl des Jakob Ingebrigtsen

Vielleicht ist der 5.000m-Lauf in Tokio jene Laufentscheidung ohne den klarsten Favoriten. Oder jene mit den meisten Kandidaten. Deshalb stellte sich ein Kommentar der norwegischen Tageszeitung „Verdens Gang“ die Frage, ob Jakob Ingebrigtsens Entscheidung, lieber den 1.500-Lauf mit Timothy Cheruiyot und nicht den 5.000m-Lauf in Angriff zu nehmen erst gar nicht tiefgründig, sondern beantwortete sie mit einem Nein. Über 5.000m hätte der norwegische Superstar eine weit größere Goldchance als auf der Mittelstrecke, so die Conclusio. Ingebrigtsen gewann beim Diamond-League-Meeting in Florenz in Weltjahresbestleistung.

Olympische Spiele von Tokio 2020