Olympische Marathonläufe, Vorschau: Die Weltklasse auf der Jagd nach Gold

Eliud Kipchoge will mit zweiten Olympiasieg eine ganze Generation inspirieren. Die Österreicher Peter Herzog und Lemawork Ketema stehen vor ihrer Olympia-Premiere. Bei den Frauen stellt Athletics Kenya ein überragendes Trio.

© SIP / Johannes Langer

Der Olympiasieg von Rio 2016, herausgelaufen in einer unglaublicher Überlegenheit im strömenden Regen, war eines der sportlichen und auch emotionalen Highlights in der Karriere des besten Marathonläufers der Geschichte. Eliud Kipchoge, in der fünf Jahre langen Olympiade zwischen Rio und Tokio mittlerweile Weltrekordläufer ist und erster Mann mit einem Marathonlauf auf einer vermessenen Strecke in unter zwei Stunden, würde nur allzu gerne diese Emotionen wieder erleben und ihn mit der Welt teilen. Die Lauffans inspirieren und den Fokus weg von der Pandemie, die ihn als Teamplayer im Trainingscamp von Kaptagat emotional hart getroffen hat, hin zum Laufen lenken.

Die RunAustria-Lesetipp: Der RunAustria-Bericht über Peter Herzogs und Lemawork Ketemas Hinfiebern auf den Olympischen Marathon in Sapporo.

Marathon-Feinschliff unter besonderen Vorzeichen

Es ist kein Risiko, bei einem 36-jährigen Läufer anzunehmen, dass in Sapporo sein letzter Olympischer Auftritt über die Bühne gehen wird. Es ist nämlich kaum anzunehmen, dass Kipchoge, dessen Karriere sich nun fast zwei Jahrzehnte verteilt und auch zwei Olympische Medaillengewinne im 5.000m-Lauf in Athen und Peking umfasst, als fast 40-Jähriger sich vor Paris 2024 noch einmal gegen die starke Konkurrenz jüngerer Landsleute durchsetzen kann. Aber wer weiß, wenn es jemand kann, dann er. Jahrelang galt Kipchoge als unschlagbar, wäre dieser Vorbericht im August 2020 erschienen, wäre vom glasklaren Favorit die Rede gewesen. Mittlerweile hat der Marathon-Star aber den Mythos der Unbesiegbarkeit abgelegt, mit einem guten Marathon in Enschede im Frühjahr aber zurückgemeldet. Der Olympiasieger von Rio 2016 geht als aussichtsreichster Kandidat auf Olympisches Gold ins Rennen, weil sich weniger die Frage stellt, ob er gewinnen wird, sondern wer ihn schlagen soll. Andererseits werden die Bedingungen für einen 36-Jährige eine größere Herausforderung als für einen 25-Jährigen. Hannes Langer, Coach von Peter Herzog, legt sich fest: Gewinnen wird, wer es am besten schafft, mit großen Energiereserven ins letzte Marathondrittel zu gehen. Kipchoge ist natürlich mit seiner Erfahrung gepaart mit seinem Können ein Taktikfuchs. Der weiß, was es braucht, um am Sonntag zu triumphieren.

Olympischer Marathonlauf der Männer – Sonntag, 8. August um 7:00 Uhr Ortszeit (0:00 Uhr MEZ)
Olympiasieger 2016: Eliud Kipchoge (Kenia)
Zweifach-Olympiasiegerin: Abebe Bikila (Äthiopien) und Waldemar Cierpinski (DDR)
Erfolgreichste Nation*: Äthiopien mit vier Olympiasiegen
Olympischer Rekord: Samuel Wanjiru (Kenia) in 2:06:32 Stunden (Peking 2008)
Olympische Medaillengewinnerin im Feld: Eliud Kipchoge (Gold 2016), Stephen Kiprotich (Gold 2012), Galen Rupp (Bronze 2016)
Amtierender Weltmeister: Lelisa Desisa (Äthiopien)
Favoriten: Eliud Kipchoge (Kenia), Lawrence Cherono (Kenia), Sisay Lemma (Äthiopien), Lelisa Desisa (Äthiopien), Shura Kitata (Äthiopien)

Kurioserweise ist der Weltrekordhalter nur die Nummer neun in der Weltrangliste, auch, weil er für die INEOS-1:59-Challenge in Wien im Oktober 2019 selbstredend keine Punkte dafür bekam. Vier Kontrahenten sind besser platziert, darunter seine Landsleute Lawrence Cherono, der schon mehrfach auch bei Siegen bei World Marathon Majors unter Beweis stellte, a) eine hohe Leistungsfähigkeit zu haben und b) in Endspurts und engen Rennen gut aussehen zu können, und Amos Kipruto, als WM-Dritter bester Kenianer in Doha 2019. Das kenianische Trio hat die drei besten Vorwerte im Feld, was angesichts der erwartet schwierigen Bedingungen mit hohen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit allerdings weniger eine Rolle spielen wird als die richtige Taktik, das Stehvermögen unter Höchstbelastung und natürlich eine optimale Tagesform.

Kenia gegen Äthiopien

Es könnte zum traditionellen Prestigeduell zwischen den Kenianern und den Äthiopiern kommen, denn auch ohne Kenenisa Bekele, der auf die einzige Qualifikationsmöglichkeit des äthiopischen Verbandes mittels Vorausscheidungswettkampf verzichtete, stellt der große Konkurrent der Kenianer ein schlagfertiges Trio. Lelisa Desisa ist amtierende Weltmeister und ausgewiesener Spezialist für Läufe mit dem Charakter, der für Sonntag erwartet werden kann. Sein Landsmann Shura Kitata hat zwar die „schwächste“ Bestleistung aller Gold-Kandidaten, gewann aber den London Marathon 2020 und ist damit seit Wilson Kipsang in Berlin 2013 der erste Sieger eines Marathons, an dem Kipchoge teilgenommen hat. Vielleicht ist der laut Vorwert schnellste Äthiopier, Ex-VCM-Sieger Sisay Lemma sogar jener im Team mit den geringsten Medaillenchancen.

Europas Beste wollen um Topplatzierungen mitkämpfen

Auch abseits der beiden dominierenden Nationen im Laufsport ist der Marathon der Männer trotz des Limits auf drei Starter pro Nation unglaublich stark besetzt, weil aus allen Teilen der Welt die Besten zusammenkommen. Zehn Läufer haben eine Bestleistung unter 2:05 Stunden, 15 weitere eine unter 2:07 Stunden. Zur ersten Gruppe zählt Europarekordhalter Kaan Kigen Özbilen, Asienrekordhalter El Hassan El Abbassi, der für den Bahrain läuft, der Belgier Bashir Abdi und Gabriel Geay aus Tansania. Die nächststärksten Europäer laut Papierform sind der Norweger Sondre Nordstad Moen und Abdi Nageeye aus Holland, die amerikanische Nummer eins ist Galen Rupp, der vor fünf Jahren in Rio Bronze gewann, Japans große Hoffnung heißt Suguru Osako und ist nationaler Rekordhalter. Sie alle kommen bei entsprechendem Rennverlauf für einen Medaillengewinn in Frage, wenn sie gut mit den Bedingungen zurecht kommen, in guter Form sind vielleicht die ein oder andere Schwäche höher eingeschätzter Athleten ausnützen können.

Rot-weiß-rotes Duo mit Olympia-Premiere

Für Deutschland gehen Rekordhalter Amanal Petros, Richard Ringer und Hendrik Pfeiffer ins Rennen, Schweizer Einzelkämpfer ist Routinier Tadesse Abraham, der sowohl in Rio 2016 als auch bei der WM 2019 in die Top-Ten lief. Die zwölfte Laufentscheidung bei den Olympischen Spielen von Tokio ist auch die erste mit österreichischer Beteiligung. Peter Herzog (Union Salzburg LA) und Lemawork Ketema (SVS Leichtathletik) haben die Qualifikationshürde von 2:11:30 Stunden genommen und platzieren sich laut Bestleistungen im 106 Läufer umfassenden Feld auf den Rängen 68 und 84, laut persönlichen Bestwerten. Ivan Zarco Alvarez aus Honduras ausgenommen, der über eine nationale Wild-Card-Lösung ins Feld rutschte, sind also keine Läufer am Start, die das rot-weiß-rote Duo automatisch deutlich hinter sich lässt. Da kein konkretes Platzierungsziel im Vordergrund stehen, Bestleistungen in diesem Rahmen unrealistisch sind, steht die Vorbereitung der richtigen Strategie im Vordergrund. Für Herzog und Ketema geht es darum, sich das Rennen bestmöglich einzuteilen, lange in einer Gruppe zu laufen, um im letzten Renndrittel alle Restreserven in die Waagschale werfen zu können, um anschließend das Fazit ziehen zu können, das Bestmögliche herausgeholt zu haben. Beide sind nach ihren Trainingslagern optimistisch (siehe eigenen RunAustria-Vorbericht).

Kenias drei heiße Eisen

Auch der Olympische Marathonlauf der Frauen, der 25 Stunden vor jenem der Männer auf derselben Strecke in Sapporo über die Bühne geht, ist mit Weltklasseläuferinnen besetzt. Die besten Chancen auf die Goldmedaille dürften dabei die Läuferinnen aus Kenia haben. Das Trio hat eine unheimliche Qualität: Brigid Kosgei ist seit dem Chicago Marathon 2019 die Weltrekordhalterin (2:14:04), Ruth Chepngetich, amtierende Weltmeisterin und damit mit guten Erfahrungen sowohl was Meisterschaftsrennen betrifft als auch Marathonläufe unter außergewöhnlichen Bedingungen, die Nummer vier der ewigen Bestenliste und Peres Jepchirchir die Nummer fünf. Als amtierende Halbmarathon-Weltmeisterin könnte die 27-Jährige außerdem den Vorteil der Grundschnelligkeit in der entscheidenden Marathonphase haben, wenn das Rennen wie erwartet nicht allzu schnell wird. Allerdings haben alle drei Kenianerinnen schon bewiesen, ein grandioses Tempo im Marathonfinale laufen zu können – selbst wenn das Tempo davor auf eine Spitzenzeit ausgelegt war.

Pandemie bedingt gibt es wenige Leistungs-Erfahrungswerte der letzten Zeit. Kosgei gewann den London Marathon 2020 unter schwierigen Bedingungen in einer guten Zeit von 2:18:58 Stunden, beim Istanbul Halbmarathon im April konnte sie nicht mit den Besten mithalten. Ihre Olympische Generalprobe waren die kenianischen Trials im 10.000m-Lauf, die sie auf Rang sechs beendet. Chepngetich schleuderte beim Istanbul Halbmarathon am 4. April in einer Zeit von 1:04:02 Stunden einen neuen Weltrekord auf den Asphalt, auch beim Neu Delhi Halbmarathon 2020 erreichte sie einen Spitzenrang, während sie beim London Marathon 2020 über drei Minuten länger unterwegs war als ihre Landsfrau. Die 27-Jährige stapelte im Vorfeld gegenüber kenianischen Medien tief: „Aktuell ist es ganz schwierig, eine Läuferin als Favoritin herauszupicken. Ich würde nicht einmal sagen, dass ich eine Favoritin bin, trotz meiner Leistung in Istanbul. Olympische Spiele sind eine Once-in-a-Lifetime-Chance für die größten Teil des Feldes, daher wird jede ihr absolut Bestes geben.“ Jepchichir empfahl sich neben dem WM-Titel im Halbmarathon in einer Weltrekordzeit für reine Frauenrennen außerdem mit einer starken Leistung beim Valencia Marathon 2020, den sie in 2:17:16 Stunden gewann. Es ist daher angesichts der hohen Qualität schwer vorherzusagen, welche der Kenianerinnen am Samstag in der besten Verfassung ist. Ein kenianischer Sweep? Absolut denkbar!

Olympischer Marathonlauf der Frauen – Samstag, 7. August um 6:00 Uhr Ortszeit (6. August um 23:00 Uhr MEZ)
Olympiasiegerin 2016: Jemima Sumgong (Kenia) *
Mehrfach-Olympiasiegerin: keine
Erfolgreichste Nation**: Äthiopien und Japan mit zwei Olympiasiegen
Olympischer Rekord: Tiki Gelana (Äthiopien) in 2:23:07 Stunden (London 2012)
Olympische Medaillengewinnerinnen im Feld: keine
Amtierende Weltmeisterin: Ruth Chepngetich (Kenia)
Favoritinnen: Brigid Kosgei (Kenia), Peres Jepchirchir (Kenia), Ruth Chepngetich (Kenia), Roza Dereje (Äthiopien)

* aktuell wegen Dopings gesperrt
** der Marathonlauf der Frauen stand erstmals 1984 auf dem Programm

Wegen Hitze um eine Stunde vorverlegt

Dass der Marathon in Sapporo keine Spitzenzeiten zulassen wird, sondern die Athletinnen zu einer konservativen Herangehensweise zwingen wird, gilt angesichts der Wetterprognose als sicher. Die sieht nämlich Temperaturen um 25°C und hohe Luftfeuchtigkeit beim geplant frühen Start um 7 Uhr morgens vor. Da ein herrlicher Sommertag über den Südzipfel der Insel Hokkaido angesagt ist, werden die Temperaturen während des Rennens wohl rasch steigen. Kurzum, eine Hitzeschlacht ist vorprogrammiert. Der Veranstalter reagierte und legte den Start kurzerhand um eine Stunde vor. Es wird helfen, ein heißes Finale wartet trotzdem. Diese Entscheidung am Nachmittag vor dem Rennen zu treffen und festzulegen, ist allerdings höchst unprofessionell und verhindert damit eine optimale Vorbereitung auf den Marathon vor Ort, welche Olympischen Spielen würdig wäre.

Im Allgemeinen wird davon ausgegangen, dass in Afrika geborene Läuferinnen und Läufer mit solchen Bedingungen besser umgehen können als europäische oder nordamerikanische. Wahrscheinlicher ist aber, dass diese Bedingungen sehr herausfordernd für alle sein werden. Die Ironie in der Sache liegt darin, dass die Marathonläufe aufgrund der klimatischen Bedingungen von Tokio rund 830 Kilometer Luftlinie weiter nördlich in den Olympia-Austragungsort der Winterspiele 1972 verlegt wurde. In Wirklichkeit würden am Samstag in Tokio aber „günstigere“ Wetterbedingungen herrschen, weil bei hohen Temperaturen Nieselregen prognostiziert wird.

Dereje führt äthiopisches Trio an

Wie bei allen großen Marathonläufen der Neuzeit liegt die Favoritenrolle auf Medaillengewinne auf den Schultern der ostafrikanischen Läuferinnen. Neben dem Dreamteam der Kenianerinnen, in dem 5.000m-Olympiasiegerin Vivian Cheruiyot keinen Platz fand, gilt das auch für das äthiopische Trio, das geschlossen Bestleistungen unter 2:20 Stunden aufweisen kann. Die stärkste der Drei ist wohl Roza Dereje, Siegerin des Valencia Marathon 2019. Dazu sind Birhane Dibaba, die ihre besten Marathons in Tokio auf japanischem Boden bestritten hat, und Zeineba Yimer im Team. Tirunesh Dibaba hat ähnlich zu Kenenisa Bekele auf eine Teilnahme an den nationalen Ausscheidungen im äthiopischen Hochland verzichtet.

Abgesehen von den Kenianerinnen und Äthiopierinnen sollten höchsten die aus Kenia stammende und seit vielen Jahren für Israel startende Lonah Chemtai Salpeter und vielleicht noch die routinierte namibische Rekordhalterin Helalia Johannes, WM-Dritte von Doha 2019, für einen Platz Richtung Edelmetall in Frage kommen. Auch wenn die prognostiziert außergewöhnlichen Bedingungen Überraschungen sowohl negativer als auch positiver Art nicht ausschließen.

Kejeta eine der stärksten Europäerinnen

Im 88-köpfigen Starterfeld steht leider keine österreichische Läuferin, Eva Wutti (SU Tri Styria) hat die Qualifikation knapp verpasst. Fünf Läuferinnen aus dem deutschen Sprachraum stehen dagegen an der Startlinie. Das deutsche Trio wird von Melat Kejeta, Vize-Weltmeisterin und Landesrekordhalterin im Halbmarathon angeführt, die zu den stärksten Europäerinnen im Feld zählt. Außerdem vertreten die in den letzten Jahren konstante Katharina Steinruck und Deborah Schöneborn die deutschen Farben. Kurios: Deborahs Zwillingsschwester Rabea wäre die nächste in der deutschen Nominierungsliste gewesen und ist als Reserveläuferin mit nach Japan geflogen.

Für die Schweiz gehen die EM-Siebte von Berlin, Martina Strähl und Fabienne Schlumpf ins Rennen. Die ehemalige Hindernisläuferin, die im Olympischen Finale von Rio stand, bestreitet ihr erstes Großereignis in ihrer neuen bevorzugten Disziplin und hat sich mit einem Schweizer Landesrekord von 2:26:14 Stunden für die Olympischen Spiele qualifiziert. Weitere interessante europäische Läuferinnen sind die Portugiesinnen Sara Moreira und Carla Salomé Rocha, die Britinnen Steph Twell, Jess Piasecki sowie die tschechische EM-Medaillengewinnerin Eva Vrabcova-Nyvltova, die die Olympischen Spiele am Originaltermin verpasst hätte, weil sie 2020 ein Kind zur Welt brachte. Einige mit erfüllten Qualifikationskriterien haben abgesagt.

Japans Traum von der Überraschung mit Mao Ichiyama

Einen Vorteil, was die klimatischen Verhältnisse betrifft, könnten die japanischen Läuferinnen haben, die zu den stärksten im Feld, abgesehen der Teams aus den ostafrikanischen Laufhochburgen, zählen. Mao Ichiyama ist die Schnellste aus dem japanischen Trio und liegt auf Rang vier der Weltjahresbestenliste, in der allerdings zahlreiche Stars der Szene fehlen. Ichiyama hat den Osaka Women’s Marathon im Jänner gewonnen. Außerdem haben sich Ayuko Suzuki und Honami Maeda für das japanische Team qualifiziert. Das US-Trio bilden Aliphine Tuliamuk, Sally Kipyego und Molly Seidel, in Australiens Team stehen die Routiniers Sinead Diver und Lisa Weightman. Wie gut die US-Amerikanerinnen drauf sind, ist angesichts der Tatsache, dass die Trials von Atlanta nun schon eineinhalb Jahre her sind, schwierig einzuschätzen. Tuliamuk ist inzwischen Mutter geworden und begann im Frühling mit dem Wiedereinstieg ins Training.

Olympische Marathonläufe erstmals nicht am Hauptaustragungsort

Die Schlagzeilen rund um die Olympischen Marathonläufe sind seit Oktober 2019 präsent. Nach dem unter unwirtlichen Bedingungen ausgetragenen WM-Marathon der Frauen in Doha eröffnete das IOC eine Diskussion, die Marathonläuferinnen und Marathonläufer vor den befürchtet extremen sommerlichen Bedingungen in Tokio zu schützen. Bis zu Pandemiebeginn gab es hinblicklich der Spiele von Tokio kein so präsentes Thema wie die befürchtete Hitze. Erstmals finden somit die Marathonläufe nicht am Hauptaustragungsort der Olympischen Spiele statt, was insbesondere mit Zuschauern ein riesiger Verlust gewesen wäre. Dass die Bedingungen im Rekordsommer in Sapporo nun nicht einfacher werden als sie in Tokio gewesen wären, ist für die Läuferinnen und Läufer bitter. Aber es wird nicht der einzige Hitzemarathon der Olympischen Geschichte. Schwierig macht die Kombination aus hohen Temperaturen selbst nachts mit der hohen Luftfeuchtigkeit über der Insel im Pazifik das Laufen im japanischen Sommer.

Gelaufen wird auf einem Rundkurs in Sapporo mit Start und Ziel im Odori Park. Bei einem Testevent im Mai erwies sich der Kurs als schnell. Besichtigt werden durfte er im Vorfeld der Marathonläufe nicht. Erwartungsgemäß werden bei den beiden Marathonläufen trotz der entschiedenen Aufrufe der japanischen Behörden an die Bevölkerung, zu Hause zu bleiben und die Wettbewerbe im Fernsehen zu verfolgen, etliche Zuschauer die Strecke säumen. Das war schon bei den Olympischen Radrennen am Mount Fuji so.

Herausforderung im Vorfeld

Zahlreiche Athletinnen und Athleten, darunter auch die ÖLV-Delegation, befindet sich seit Sonntag in Sapporo. Es gibt enorme Bewegungseinschränkungen und bescheidene Trainingsmöglichkeiten. Die großen Nationen reisten später aus Vorbereitungscamps in Japan nach Sapporo an, darunter alle Favoriten und die Gastgeber. Das brachte enorme Herausforderung in der mentalen und auch körperlichen Vorbereitung mit sich. Hannes Langer, Leiter der kleinen rot-weiß-roten Sapporo-Delegation berichtet aber, dass die Stimmung im österreichischen Team gut ist.

Ganz besonders schwierig ist der Aufenthalt all jener, die in Quarantäne gelandet sind. Darunter beispielsweise jene, die in einem Flieger nach Japan gereist sind, in dem eine Person gesessen ist, bei der im Anschluss ein positiver Test gemacht wurde. Auch das Ernährungsangebot sorgte in internationalen Berichten über Olympia-Athleten für große Kritik.

Olympische Spiele von Tokio 2020