Joshua Cheptegei holt ersehntes Gold

Der Superstar aus Uganda überzeugte im 5.000m-Finale vom Start weg und feierte einen dominanten Sieg vor den Nordamerikanern Mo Ahmed und Paul Chelimo. Es ist der bisherige Höhepunkt seiner Karriere, für den sogar der Halbmarathon-Weltmeister seine Unterstützung anbot.

Joshua Cheptegei beim WM-Titel in Doha 2019. © Getty Images for IAAF / Andy Lyons

Joshua Cheptegei ist am Ziel seiner Träume. Zumindest was seine sportlichen Träume im Laufsport auf der Bahn betrifft. Die Erleichterung war dem 24-Jährigen nach dem Rennen anzumerken. „Man kann nicht einen Weltrekord laufen und dann den Olympiasieg verpassen“, sagte er gegenüber der US-amerikanischen Laufplattform „Let’s Run“ und schwärmte von einem großartigen Moment. Diese Aussage zeigt, aus welchem Holz der Ausnahmeläufer aus Uganda ist. Er will immer gewinnen, aber er hat gemeinsam mit seinem Team seine Karriere Schritt für Schritt aufgebaut. Nach den ersten Weltmeistertiteln im Crosslauf und im 10.000m-Lauf im Jahr 2019 folgte nach der Verschiebung der Olympischen Spiele die Chance, schnelle Zeiten zu laufen. Cheptegei verbesserte die Weltrekorde im 10.000m- und 5.000m-Lauf. Es fehlte noch ein Schritt, nämlich der Olympiasieg. Und der gelang, nach Silber über 10.000m unter Druck.

Im zweiten Anlauf

Zweifler meldeten sich zu Wort, nachdem die bisherige Saison nicht so glorreich verlief und Cheptegei im 10.000m-Lauf nicht den allerbesten Eindruck machte. Trotz der Olympischen Silbermedaille. Eine Verletzung im Frühling hatte die Saisongestaltung verkompliziert.

Exakt eine Woche später stand ein anderer Cheptegei auf der Bahn bei 29°C Lufttemperatur und einer Luftfeuchtigkeit von rund 80%. Das ugandische Team hat sich wie schon über die doppelte Distanz für eine Teamarbeit entschieden. Cheptegei war der Kapitän, Jacob Kiplimo, Olympia-Dritter über 10.000m, musste als Tempogestalter herhalten. Nicht von schlechten Eltern, wenn du in den Genuss kommst, dass der amtierende Halbmarathon-Weltmeister bedingungslos seine Ambitionen zurücksteckt, um dir den Olympiasieg vorzubereiten. 2:38 und 2:36 lauteten die flotten Etappenzeiten für die ersten Kilometer, dann übernahm Cheptegei das Ruder. Es folgte die langsamste Phase (2:41), dann wurde das Rennen wieder schneller (2:37). Cheptegei hatte offensichtlich aus der Niederlage vor einer Woche gelernt. Damals war seine letzte Runde gut, aber nicht superschnell. Um diesen Mangel nicht in Erscheinung treten zu lassen, zwang er dem Feld nun sein Tempo auf und beschleunigte sukzessive. Eine 62er Runde, eine 60er Runde, dann ertönte die Glocke.

Knapp am Olympischen Rekord vorbei

Aufgrund des schnellen Tempos zuvor reichte eine 55er Runde Richtung Ziellinie, um den Vorsprung von einigen Zehntelsekunden auf die Konkurrenz sorglos zu verteidigen. Nach 12:58,15 Minuten war die Goldmedaille in Besitz von Joshua Cheptegei, der sich stets als legitimer Nachfolger von Mo Farah verstand. Der den Langstreckenlauf immer dominieren wollte und dies in Tokio über 5.000m eindrucksvoll nachwies. Es war das zweitschnellste Olympische Rennen der Geschichte, trotz der nicht einfachen Bedingungen und überhaupt war nur ein Läufer in der Olympischen Geschichte jemals schneller: Kenenisa Bekele bei seinem Triumph in Peking 2008 in 12:57,82 Minuten, als er einen gewissen Eliud Kipchoge um satte fünf Sekunden auf den zweiten Platz verwies. Damals war es in der chinesischen Hauptstadt ähnlich heiß, das Rennen verlief aber gänzlich anders. Alleine die erste Runde von Bekele war um fünf Sekunden langsamer als jene von Cheptegei 2021, bei der Zwischenzeit bei 3.000m lag der Ugander in Tokio fünf Sekunden unter der Durchgangszeit von Bekele damals. Dann war der Äthiopier nur noch Rundenzeiten knapp über 60 Sekunden gelaufen – und eine Schlussrunde unter 54 Sekunden.

Karrierehöhepunkt für Ahmed

Mit dem Spanier Mohammed Katir, als Achter am Ende die große Enttäuschung des Rennens, hatte Cheptegei einen seiner größten Kontrahenten frühzeitig abgehängt. Landsmann Jacob Kiplimo wirkte nach der anfänglichen Tempoarbeit etwas müde und konnte im Finale nicht mehr zulegen, als Fünfter kämpfte er nicht um Edelmetall. Die Taktik seines Teams hatte sich für Cheptegei dennoch ausgezahlt und damit für die Nation: Es ist die zweite Olympische Goldmedaille in Tokio für Uganda nach Peruth Chemutai (siehe RunAustria-Bericht), genauso viele hatte Uganda vor Tokio 2020 in der gesamten Olympischen Geschichte.

So sah der Kenianer Nicholas Kimeli lange Zeit wie der Hauptkontrahent Cheptegeis auf, nachdem der Äthiopier Milkesa Mengesha so lange an der Schulter Cheptegeis lief, bis er nach 4.400 Metern „platzte“. Kimeli eröffnete die letzte Runde als Zweiter und bog auch als Zweiter auf die Zielgerade ein, als die Stunde der Nordamerikaner schlug. Mo Ahmed, WM-Dritter von Doha 2019, hatte in der letzten Kurve bereits Kiplimo innen überholt und blieb eisern auf der Innenkante der Bahn kleben. Die Lücke öffnete sich, der Kanadier mit somalischen Wurzeln zog durch und jubelte über die Silbermedaille. Es ist die erste kanadische Medaille im 5.000m-Lauf überhaupt, dank der schnellsten Schlussrunde im Feld mit drei Überholmanövern.

Chelimo mit zweiter Olympischer Medaille in Folge

Den Sprint um Bronze zwischen zwei Athleten, die mit den letzten Kräften die letzten Meter bestritten, gewann Paul Chelimo. Der US-Amerikaner, der im Vorfeld wenig Überzeugendes lieferte, feierte nach Silber in Rio den zweiten Medaillengewinn im 5.000m-Lauf. Damit ist er in prächtiger Gesellschaft: Zwei Olympische Medaillen in dieser Disziplin schafften im neuen Jahrtausend lediglich Mo Farah, Kenenisa Bekele und Eliud Kipchoge. Kimeli monierte nach dem Rennen, der US-Amerikaner hätte disqualifiziert gehört, weil er die Bahn nach innen verlassen hat.

Allerdings bekam Chelimo in dieser Szene ausgerechnet vom Kenianer einen Stoß und musste ausbalancieren, um einen Sturz zu vermeiden. Vorteil ausgeschlossen!

Ergebnis Olympischer 5.000m-Lauf der Männer in Tokio

Gold: Joshua Cheptegei (Uganda) 12:58,15 Minuten
Silber: Mohammed Ahmed (Kanada) 12:58,61 Minuten
Bronze: Paul Chelimo (USA) 12:59,05
Minuten *

  1. Nicholas Kimeli (Kenia) 12:59,17 Minuten *
  2. Jacob Kiplimo (Uganda) 13:02,40 Minuten
  3. Birhanu Balew (Bahrain) 13:03,20 Minuten
  4. Justyn Knight (Kanada) 13:04,38 Minuten
  5. Mohammed Katir (Spanien) 13:06,60 Minuten
  6. Grant Fisher (USA) 13:08,40 Minuten
  7. Milkesa Mengesha (Äthiopien) 13:08,50 Minuten
  8. Andrew Butchart (Großbritannien) 13:09,97 Minuten *
  9. Luis Grijalva (Guatemala) 13:10,09 Minuten **
  10. Jimmy Gressier (Frankreich) 13:11,33 Minuten
  11. William Kincaid (USA) 13:17,20 Minuten *
  12. Dawit Fikadu (Bahrain) 13:20,24 Minuten *
  13. Oscar Chelimo (Uganda) 13:44,45 Minuten

* neue Saisonbestleistung
** neuer Landesrekord für Guatemala

Olympische Spiele von Tokio 2020