Abel Kipsang mit Olympischem Rekord ins Finale

Kenias Nummer drei überrascht in den Halbfinalläufen mit einer Zeit von 3:31,65 Minuten. Im Finale kündigt sich ein hochklassiger Bewerb mit vielen großen Namen und einigen Überraschungen an.

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Zugegeben, die Schlagzeile klingt sensationeller als sie ist. Aber tatsächlich ist in all den Olympischen Finals, in denen Größen wie Hicham El Guerrouj, Asbel Kiprop, Sebastian Coe oder John Walker gelaufen sind und reüssiert haben, noch nie jemand unter 3:32 Minuten gelaufen. Noah Ngeny, Olympiasieger 2000 in Sydney, hielt bis heute in 3:32,07 Minuten den Olympischen Rekord, der nun seinem kenianischen Landsmann Abel Kipsang gehört. Eher war es schon sensationell, dass ausgerechnet Kipsang nun Inhaber dieses Rekords ist, der möglicherweise genau zwei Tage lang halten wird. Denn es gibt zahlreiche Anzeichen, dass dieses Finale am Samstagnachmittag um 13:40 Uhr mitteleuropäischer Zeit ein sehr schnelles wird. Kipsang ist einer der Aufsteiger der Saison, wurde Dritter bei den Trials in Eldoret vor einem gewissen Timothy Cheruiyot und gewann vier Rennen der World Athletics Continental Tour Bronze, darunter im deutschen Rehlingen. Seine Halbfinalzeit von Tokio, die 3:31,65 Minuten, ist eine neue persönliche Bestleistung, die er auch der für ihn idealen Tempogestaltung von Jakob Ingebrigtsen und Stewart McSweyn verdankt.

Cheruiyot souverän

Trotz dieser Leistung rückt Kipsang nicht wirklich auf die Liste der Medaillenkandidaten für Samstag. Denn das 13-köpfige Finalfeld ist richtig stark. Angeführt wird es von Timothy Cheruiyot, der auch im Halbfinale loslegte wie die Feuerwehr und danach kontrollierte. Der Weltmeister lief im ersten Vorlauf und gestattete der Konkurrenz Punktsiege im Spurt. Jake Wightman spurtete am schnellsten und gewann in 3:33,48 Minuten vor dem US-College-Talent Cole Hocker, der sich in 3:33,87 Minuten über eine neue persönliche Bestleistung freute. Dann folgten der Top-Favorit auf Gold, der Australier Oliver Hoare, der nicht mehr ganz in der überragenden Frühform des Frühsommers zu sein scheint, und der Spanier Ignacio Fontes, der dem kenianischen Trial-Sieger Charles Simotwo in die Suppe spuckte und ihm den Aufstieg ins Finale verwehrte. Weiters schieden im ersten Lauf aus: Robert Farken, der sich als Achter in 3:35,21 Minuten stark aus der Affäre gezogen hatte, der zweifache Olympia-Medaillengewinner und mittlerweile 38-jährige Nick Willis, der bei seinem letzten Olympiaauftritt seine schnellste Zeit seit drei Jahren präsentierte, sowie Marcin Lewandowski und Ayanleh Souleiman, die verletzungsbedingt unterwegs stehen bleiben mussten.

Grethen mit fantastischem luxemburgischen Rekord

Dem Feld im zweiten Halbfinale bot sich die Chance, mit einem schnellen Lauf sieben Finaltickets auszuspielen und die Läufer nützten sie. Ingebrigtsen (Zweiter) und McSweyn (Fünfter) kontrollierten den von Kipsang gewonnenen Durchgang, die weiteren Fixtickets gingen an Josh Kerr und Adel Mechaal, der eine neue persönliche Bestleistung aufstellte. Über die Zeitregel schoben der junge Brite Jake Heyward, ebenfalls mit Hausrekord, und – man höre gut und staune nicht schlecht – Charles Grethen nach. Zwar läuft der 29-Jährige schon das ganze Jahr stark, dieses Rennen war aber sein Meisterstück. Fast vier (!) Sekunden zwackte er von seinem luxemburgischen Landesrekord ab und verbesserte diesen auf eine Zeit von 3:32,86 Minuten. Nur zum Vergleich: Der luxemburgische Landesrekord ist nun besser als der belgische, holländische, schwedische oder österreichische. Wer jetzt reflexartig denkt, ein Finalist aus Luxemburg über 1.500m, das hat es sicherlich noch nie gegeben, hat weit gefehlt. Josy Barthel, Namensgeber des größten Stadions in seiner Heimat, gewann 1952 in Helsinki die Goldmedaille im damaligen Olympischen Rekord. Das wird Grethen kaum schaffen, es sei denn, er steigert sich noch einmal um vier Sekunden.

Der 13. Finalist ist Michal Rozmys, den die Wettkampfrichter nach Sturz (nach Marcin Lewandowski im Vorlauf legte sich also auch der zweite Pole auf die Nase) ins Finale aufnahmen. Dort nicht dabei ist der Olympiasieger von Rio 2016, Matt Centrowitz, der nur Neunter wurde. Der ausgewiesene Meisterschaftsspezialist lief zwar schneller als sein junge Landsmann Hocker, der ihn schon bei den Trials besiegen konnte, dennoch scheinen die Anzeichen einer Staffelweitergabe an die Jugend in den USA präsent.

Ergebnisse Olympische Halbfinalläufe über 1.500m der Männer

Halbfinale 1

  1. Jake Wightman (Großbritannien) 3:33,48 Minuten * / ***
  2. Cole Hocker (USA) 3:33,87 Minuten * / ****
  3. Timothy Cheruiyot (Kenia) 3:33,95 Minuten *
  4. Oliver Hoare (Australien) 3:34,35 Minuten *
  5. Ignacio Fontes (Spanien) 3:34,49 Minuten *
  6. Charles Simotwo (Kenia) 3:34,61 Minuten
  7. Teddese Lemi (Äthiopien) 3:34,81 Minuten
  8. Robert Farken (Deutschland) 3:35,21 Minuten
  9. Nick Willis (Neuseeland) 3:35,41 Minuten ***
  10. Andrew Coscoran (Irland) 3:35,84 Minuten
  11. Ismael Debjani (Belgien) 3:42,18 Minuten
    DNF Marcin Lewandowski (Polen)
    DNF Ayanleh Souleiman (Dschibuti)

Halbfinale 2

  1. Asbel Kipsang (Kenia) 3:31,65 Minuten * / **** / *****
  2. Jakob Ingebrigtsen (Norwegen) 3:32,13 Minuten *
  3. Josh Kerr (Großbritannien) 3:32,18 Minuten *
  4. Adel Mechaal (Spanien) 3:32,19 Minuten * / ****
  5. Stewart McSweyn (Australien) 3:32,54 Minuten *
  6. Jake Heyward (Großbritannien) 3:32,82 Minuten ****
  7. Charles Grethen (Luxemburg) 3:32,86 Minuten ** / ******
  8. Abdelatif Sadiki (Marokko) 3:33,59 Minuten ****
  9. Matthew Centrowitz (USA) 3:33,69 Minuten ***
  10. Azeddine Habz (Frankreich) 3:35,12 Minuten
  11. Samuel Zeleke (Äthiopien) 3:37,66 Minuten
  12. Jesus Gomez (Spanien) 3:44,53 Minuten
  13. Michael Rozmys (Polen) 3:54,53 Minuten *******

* direkte Finalqualifikation
** Finalqualifikation über die Zeitregel
*** neue Saisonbestleistung
**** neue persönliche Bestleistung
***** neuer Olympischer Rekord
****** neuer luxemburgischer Landesrekord
******* Finalqualifikation durch Schiedsspruch

Olympische Spiele von Tokio 2020