Olympia 2020: Sifan Hassan erschrickt und gewinnt

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Sie hat sich also offensichtlich für den Dreifachstart entschieden und den 1.500m-Lauf in ihr Olympisches Programm des Sommers 2021 aufgenommen. Doch den Vorlauf über ihre Lieblingsstrecke hätte sich Sifan Hassan anders vorgestellt. Mit dem Finallauf über 5.000m vor der Brust, knapp zwölf Stunden nach Beendigung ihres Vorlaufs, wollte sie so gut wie möglich Kraft sparen, weshalb sie sich erst einmal an den Schwanz der Gruppe heftete. Und dann passierte es: Die Kenianerin Edinah Jebitok fiel zu Boden, Hassan stolperte chancenlos über sie. Fiel aber glimpflich, rappelte sich schnell auf und schaltete direkt vom ersten in den sechsten Gang durch. Die Lücke zum sechsten Platz zu schließen war für die Gold-Kandidatin ein Kinderspiel, nicht einmal 200 Meter brauchte sie dafür. Es hätte für den Aufstieg gereicht, sie nahm aber den Schwung mit, um den Vorlauf in 4:05,17 Minuten zu gewinnen. 4:05,17 – bei nicht pfeilschnellen ersten beiden Runden und mit einem Sturz.

Sechs Läuferinnen pro Vorlauf plus sechs weitere qualifizierten sich für die Halbfinalläufe am Mittwoch zur mitteleuropäischen Mittagsstunde. Für diejenigen, die sich im Finale eine Medaillenchance ausrechnen, also ein moderater Aufgalopp. Europameisterin Laura Muir begnügte sich im ersten Vorlauf mit Rang zwei hinter ihrer ehemaligen Trainingspartnerin Gabriela DeBues-Stafford aus Kanada, so richtig langsam war mit einer Siegerzeit von 4:03,70 Minuten auf dieser Lauf nicht. Die Finnin Sara Kuivisto, bereits über 800m in Topform, steigerte ihre eigenen, fünf Wochen alten Landesrekord um über eine Sekunde auf eine Zeit von 4:04,10 Minuten.

Und im dritten Vorlauf ließ Faith Kipyegon, Olympiasiegerin von Rio 2016, ihre Muskeln spielen und legte, nachdem die Japanerin Nozomi Tanaka das Tempo vorgelegt hatte, später übernahm die Australierin Linden Hall, mit einer Zeit von 4:01,40 Minuten die schnellste Vorlaufzeit auf die Bahn. Tanaka vollendete ihre starke Darbietung mit dem zweiten Landesrekord des Tages: 4:02,33 Minuten, davor hatte sie ihn in 4:04,08 gehalten. Gleich sechs weitere Halbfinalistinnen liefen eine persönliche Bestleistung, auch Revee Walcott-Nolan aus Großbritannien, die aber als Erste ausschied. Von den großen Namen draußen sind 800m-Junioren-Weltmeisterin Diribe Welteji aus Äthiopien und die Marokkanerin Rababe Arafi, die urplötzlich auslief und Welteji damit behinderte. Jebitok dagegen wurde vom Schiedsgericht in die nächste Runde gewunken. Mit einer inferioren Zeit als letzte des ersten Vorlaufs kam Hanna Klein – eine offensichtlich andere Hanna Klein als jene, die in den letzten Wochen in der besten Form seit langem war – ins Ziel, Landsfrau Caterina Granz rutschte über die Zeitregel als Letzte ins Halbfinale: eine Hundertstelsekunde schneller als Walcott-Nolan. „Ich hatte einfach keine Kraft mehr, weder mental noch physisch. Das habe ich schon die letzten Tage gemerkt. Ich bin wahnsinnig müde“, resignierte Klein, zitiert auf der Website des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV).

Olympische Spiele von Tokio 2020